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von Kristian Kißling
Sie tragen Ihre Lieblings-DVD zum Filmabend zu Freunden, doch der Computer dort spielt sie nicht ab? Das kommt häufig vor und ist kein Linux-spezifisches Problem -- auch Windows-Benutzer brauchen spezielle Programme -- wie WinDVD -- um DVDs anzusehen. Fehlen die notwendigen Codecs, beschweren sich sowohl der Windows Media Player als auch Kaffeine. Das Problem ist -- wie so häufig im Multimedia-Bereich -- ein rechtliches: Um DVDs abzuspielen, braucht die fragliche Software eine Lizenz von der DVD Copy Control Association (DVD-CCA), andernfalls verhindert eine Verschlüsselung -- das Content Scrambling System (CSS) -- den Filmgenuss [1]. Unter Linux gibt es Software, um die Verschlüsselung zu umgehen: Sie installieren bei Bedarf die notwendigen Bibliotheken nach, doch ist das mitunter recht aufwendig [2].
Eine alternative Lösung bieten die Multimedia-Distributionen GeeXboX und MoviX2, die nach dem KNOPPIX-Prinzip arbeiten: Sie brennen einfach eine so genannte Abbild-Datei der jeweiligen Distribution auf eine CD, legen diese in das CD-Laufwerk und starten den Rechner neu. Dieser bootet die Distribution mitsamt einer Benutzeroberfläche, über die Sie Filme und Musik abspielen, aber auch Bilder ansehen können (Abbildung 1). Beenden Sie das Programm, startet der Rechner nach dem Neustart wie gewohnt. Der Vorteil: GeeXboX und MoviX2 laufen auf den meisten PCs, unabhängig davon, was dort installiert ist -- sogar auf langsameren Rechnern [3]. Die Unterschiede zwischen den beiden Distributionen erschließen sich erst auf den zweiten Blick.
Um mediale Inhalte aufzurufen, setzen GeeXboX und MoviX2 auf den MPlayer: Der spielt Videos in verschiedenen MPEG-Formaten ab, aber auch RealMedia- und Ogg/Vorbis-Streams aus dem Internet. Zudem kennt er Mp3, Ogg/Vorbis und Wav -- im Grunde erhalten Sie ein Multimedia Center zum Mitnehmen. Einen fundamentalen Unterschied gibt es allerdings: Viele Ihrer DVDs werden Sie mit MoviX2 nicht anschauen können -- der Multimedia-Distribution fehlt die libdvdcss, also die Bibliothek, mit der Sie verschlüsselte DVDs abspielen. GeeXboX bringt diese Bibliothek hingegen mit. Im Test zeigte MoviX2 allerdings auch das unverschlüsselte Logo von Kaffeine nicht, das im AVI-Format vorliegt.
Zunächst brennen Sie eine der beiden Distributionen auf eine CD oder DVD und machen das Medium boot-fähig. Dafür verwenden Sie eine ISO-Abbilddatei.
| k3b |
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Eine Anmerkung zu k3b: Schlägt das Brennen fehl oder beginnt der Brennvorgang nicht, liegt das eventuell daran, dass Ihre Distribution den Kernel 2.6.8 verwendet, der Inkompatibilitäten zu k3b aufweist. Das erfahren Sie, indem Sie [Alt-F2] drücken, in das Schnellstartfenster konsole eintippen und in die Konsole den Befehl uname -r eingeben, der Ihnen die Version Ihres Kernels verrät. Ein funktionierender -- aber aus Sicherheitsgründen bedenklicher -- Weg, um dennoch CDs zu brennen, ist das Brennen im Root-Modus. Drücken Sie [Alt-F2] und geben Sie kdesu k3b ein. Nach Eingabe des Root-Passworts brennt k3b wie gewohnt CDs und DVDs. |
Lassen Sie die boot-fähige CD im Laufwerk und starten Sie den Rechner neu: Das GeeXboX-Logo erscheint (Abbildung 3), und die Distribution bootet. Andernfalls prüfen Sie, ob Ihr BIOS auch so eingestellt ist, dass der Computer zuerst von einer CD bootet.
Das Brennen der MoviX2-Abbilddatei funktioniert ähnlich: Sie laden zunächst von einem der Server die ISO-Datei herunter [7], die in eine Zip-Datei eingepackt ist. Dann wechseln Sie in den Ordner mit dem Archiv, wählen es mit der rechten Maustaste an und entpacken es über das nun erscheinende Kontextmenü. Es entsteht ein neues Verzeichnis, in dem Sie nach einer Datei mit dem Namen movix2-0.3.1rc2.iso suchen, die Sie nach dem oben beschriebenen Muster auf CD oder DVD brennen. Hier zeigt sich ein weiterer Unterschied: Die MoviX2-Datei schlägt beim Download mit satten 51 MByte zu Buche, während die ISO-Datei der Konkurrenz gerade einmal 6 MByte umfasst.
Warten Sie nach dem Booten, bis das GeeXboX-Hauptmenü vor einem blauen Hintergrund erscheint -- der CD-Schacht öffnet sich automatisch, und Sie tauschen die GeeXboX-CD gegen eine beliebige Film-DVD aus. Gewöhnlich spielt GeeXboX sie nach ein paar Sekunden selbständig ab -- häufig jedoch in der Originalsprache. Das ändern Sie mit Hilfe der Tastatur.
Wollen Sie Filme in einer anderen Sprache aber mit Untertiteln sehen, wechseln Sie, während der Film läuft, mit [J] zwischen den angebotenen Untertiteln hin und her; mit [V] schalten Sie diese komplett an oder aus. Um einen Film vor und zurück zu spulen, nutzen Sie die Pfeiltasten -- für kleine Sprünge von zehn Sekunden verwenden Sie [Pfeil-rechts] und [Pfeil-links], für Sprünge von einer Minute Länge [Pfeil-oben] und [Pfeil-unten]. Über [0] und [9] -- jedoch nicht die Zahlen aus dem Nummernfeld -- stellen Sie den Ton leiser oder lauter, mit [C] schalten Sie ihn komplett ab. Sie unterbrechen einen Film mit [Leertaste], ein nochmaliges Drücken setzt ihn wieder in Gang. Geht Ihnen das Geschehen im Film zu schnell, schalten Sie einen Gang herunter und spielen Sie mit [Ü] oder [+] den Film langsamer oder schneller ab: Der Ton passt sich entsprechend an.
Kleine Schönheitsfehler beheben Sie auch über die Tastatur: Via [D] stellen Sie das Framedropping auf on, off oder hard, für den Fall, dass der Prozessor mit der Bildverarbeitung nicht nachkommt. Mit [+] und [-] vom Nummernfeld beeinflussen Sie die Audio-Video-Verzögerung, was hilft, wenn der Ton dem Bild um einige Frames verzögert folgt. Häufig finden Sie auf gekauften DVDs auch einige Trailer, Filmchen oder Interviews. Durch Drücken von [H] und [G] spielt GeeXboX den jeweils nächsten beziehungsweise vorherigen Track auf der DVD ab.
Einige Einträge funktionieren nur über das OSD: So haben Sie die Möglichkeit, einzelne Kapitel eines Films anzusehen. Rufen Sie mit [M] das Hauptmenü auf und wählen Sie den Eintrag Controls (Abbildung 4). Dieser gewährt Ihnen verschiedene weitere Zugriffsmöglichkeiten auf Ihre DVD: Stoppen und unterbrechen Sie den laufenden Film oder lassen Sie die DVD auswerfen, um einen anderen Film zu betrachten. Über den Eintrag Chapter Selection springen Sie zu einem anderen Kapitel.
Unter Options im Hauptmenü finden Sie noch weitere Optionen für den optimalen Filmgenuss. Unter Aspect verändern Sie das Seitenverhältnis des abgespielten Films, was sinnvoll ist, wenn Sie z.B. über die Option Switch TV-out die Videoausgabe auf einen 16:9-Fernseher umleiten. Mit GeeXboX spielen Sie aber nicht nur DVDs ab. Über den Eintrag Open im Hauptmenü erreichen Sie weitere Medien. Via Open File erhalten Sie Zugriff auf Filme, Musik oder Bilder auf Ihrer eigenen oder auf einer über das Netzwerk verfügbaren Festplatte. GeeXboX erkennt beim Booten CD-Laufwerke, Festplatten und Netzwerke automatisch und bindet sie ein. Über den Eintrag Open Playlist öffnen Sie eine vorhandene Playlist, View Images zeigt Ihre gespeicherten Urlaubsbilder an, und über den Eintrag Play VCD/XCD spielen Sie Video-CDs ab. Auch das Durchhören der Mp3-Sammlung wird möglich, egal ob die Daten auf Ihrer Festplatte oder auf einer CD lagern.
Der integrierte X-Server stellt eine grafische Oberfläche zur Verfügung und macht die ISO-Datei von MoviX2 wesentlich umfangreicher als das Pendant von GeeXboX. Haben Sie beim Boot-Prompt [Eingabe] gedrückt, lädt die Distribution und ist bereit, sobald das MoviX2-Hintergrundbild erscheint. Ein Doppelklick mit der linken Maustaste ruft die grafische Oberfläche des Players -- das so genannte Skin -- auf den Bildschirm. Die Bedienung funktioniert intuitiv: Die Symbole des Skins entsprechen denen handelsüblicher DVD- oder CD-Player (Abbildung 5). Um einen Film zu laden, klicken Sie auf das nach oben weisende schwarze Dreieck mit dem Unterstrich -- ein Verzeichnisbaum öffnet sich, und es gilt nun, die Filme und Sound-Dateien zu finden. Das DVD- oder CD-Laufwerk trägt den Namen /cdrom0 oder /cdrom1, die Festplatten verbergen sich im Ordner /discs. Um einen anderen Dateityp auszusuchen, stellen Sie im unteren Drop-down-Menü das entsprechende Format ein -- standardmäßig sucht MoviX2 nach Videodateien. Haben Sie die Festplatte partitioniert, steht unter /discs für jede Partition ein eigener Eintrag: Die Partition hda6 heißt z.B. disc0.part6. Wechseln Sie auf diese Partition und dann in das Verzeichnis, dessen Inhalt Sie abspielen wollen. Mit einem Klick auf einen Film nehmen Sie diesen in die Playlist von MoviX2 auf -- unnötigerweise verschwindet dabei das Skin. Aktivieren Sie es wieder mit einem Klick der linken Maustaste und drücken Sie die Play-Taste, um den Film abzuspielen. Wollen Sie die Lautstärke ändern, den Film vorspulen, unterbrechen oder stoppen, rufen Sie das Skin mit einem Links-Klick wieder in den Vordergrund.
Um Ihre Freunde zu beeindrucken, verwandeln Sie deren Rechner mit Linux in eine funktionierende Multimedia-Box. Wenn Sie Wert auf ein grafisches Bedienfeld legen, sind Sie bei MoviX2 an der richtigen Adresse -- in allen anderen Fällen gibt GeeXboX klar den Ton an. Es spielt nicht nur verschlüsselte DVDs und proprietäre Formate ab, sondern liegt auch aufgrund der Dateigröße vorn -- zudem lief die Distribution im Test äußerst stabil, während MoviX2 sich mitunter grußlos aus dem laufenden Betrieb verabschiedete. (kki)
| Infos: |
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[1] Zur Lizenzproblematik mit DVDs: http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/09/064-basics/
[2] So installieren Sie den MPlayer: Daniel Cooper: "Film ab!", EasyLinux 02/2005, Seite 11 ff. [3] Hardware-Anforderungen von GeeXboX : http://geexbox.org/en/requirements.html [4] Die Download-Seite von GeeXboX : http://www.geexbox.org/en/downloads.html [5] Das Brennprogramm k3b: http://www.k3b.org/ [6] K3b installieren: http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/05/016-k3b/ [7] MoviX2 herunterladen: http://prdownloads.sourceforge.net/movix/movix2-0.3.1rc2-iso.zip?download |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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