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Erschienen in EasyLinux 12/2005

Knoppix 4.0 von der Heft-CD starten

Live-Sendung

von Heike Jurzik


CD einlegen, booten und nach kurzer Zeit auf einem vollwertigen Linux-System arbeiten, ohne die Daten auf der Festplatte anzutasten -- das alles, und noch viel mehr bietet Knoppix. Version 4.0.2 der beliebten Live-Distribution finden Sie auf der Heft-CD.

Knoppix, benannt nach seinem Erfinder Klaus Knopper ("Knopper's Unix"), ist ein komplett von CD/DVD lauffähiges Linux mit automatischer Hardware-Erkennung und basiert auf der bekannten Debian-Distribution. In komprimierter Version bringt Knoppix jede Menge Software mit und eignet sich daher nicht nur zum Ausprobieren, sondern auch zum Mitnehmen (wenn auf fremden PCs kein Linux installiert ist) und als Rettungsanker, wenn der eigene PC mal streikt.

Auf der CD befinden sich in komprimierter Form ca. 2 GByte Software, darunter KDE 3.4.1, OpenOffice 2.0 (Beta), Text-Editoren, Multimedia-Programme inklusive MP3/Ogg- und Video-Player, Programme zum Konfigurieren des Internet-Zugangs, Web Browser, E-Mail- und Bildbearbeitungsprogramme -- kurz gesagt: Alles, was das Linux-Herz begehrt. Die neueste Knoppix-Version enthält aber vor allem Sicherheits-Updates und Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger, ist also eine so genannte "Bug fix Release". Wir zeigen, wie Sie Knoppix von der Heft-CD starten, lesend und schreibend auf Festplattenpartitionen zugreifen, Ihre Daten sichern und eine Internet-Verbindung konfigurieren.

Wer Knoppix installieren möchte, findet auf der Heft-DVD (!) einen Artikel, der beschreibt, wie Sie Knoppix dauerhaft auf die Platte bringen.

Das brauchen Sie

Damit Knoppix auf Ihrem PC flüssig läuft, brauchen Sie eine Intel-kompatible CPU (ab i486), mindestens 32 MByte RAM (für den reinen Textmodus) bzw. 82 MByte RAM oder mehr (für die grafische Oberfläche), ein boot-fähiges CD-ROM-Laufwerk (IDE/ATAPI, Firewire, USB oder SCSI), eine Standard-SVGA-kompatible Grafikkarte und eine Maus.

Weiterhin muss Ihr Rechner in der Lage sein, von CD zu booten. Eventuell müssen Sie im BIOS ("Basic Input Output System") die richtige Boot-Reihenfolge einstellen. Das First Boot Device muss dabei auf CDROM stehen; als Second Boot Device stellen Sie die Festplatte (HDD-0) ein.

CD einlegen und los

Legen Sie die Heft-CD ein und starten Sie den Rechner neu. Nach kurzer Zeit präsentiert Knoppix den Startbildschirm (Abbildung 1) und den Boot-Prompt (boot:). Hinter diesem Doppelpunkt geben Sie optional verschiedene Boot-Parameter ein, die so genannten Cheatcodes (siehe Tabelle Knoppix-Cheatcodes) -- eine Kombination aus mehreren Befehlen ist möglich. Mit Hilfe der Cheatcodes schalten Sie problematische Hardware ab, wechseln die Sprache, wählen einen schlankeren Window Manager, geben die Größe des Arbeitsspeichers von Hand ein und vieles mehr. Eine Kurzübersicht dieser Befehle erhalten Sie, wenn Sie die Tasten [F2] und [F3] drücken, zurück zum Startbildschirm geht es mit [F1]. Eine vollständige Liste aller Cheatcodes finden Sie auf der Heft-CD in der Datei knoppix-cheatcodes.txt im Verzeichnis KNOPPIX.

Abb. 1: Auf los geht's los, Knoppix startet.

Wollen Sie keine weiteren Boot-Optionen eingeben, drücken Sie einfach [Eingabe], um Knoppix zu starten. Der Linux-Kernel (das Herz des Betriebssystems) startet nun. Sie sollten jetzt Meldungen sehen, welche Hardware Knoppix erkannt hat; dann startet die grafische Oberfläche und -- sofern Sie nichts anderes mit den Cheatcodes ausgewählt haben -- der KDE-Desktop.

Knoppix-Cheatcodes
knoppix lang=bg|be|ch|cn|cs|cz|da|de|dk|es|fi|fr|ie|it|ja|nl|pl|ru|sk|tr|tw|uk|usSchaltet die Sprache/das Tastatur-Layout um, z. B. knoppix lang=fr, um auf französische Sprache und Tastatur umzuschalten.
knoppix desktop=fluxbox|twm|icewmStartet eine andere grafische Oberfläche anstelle von KDE, z. B. startet knoppix desktop=fluxbox den Window Manager Fluxbox.
knoppix screen=1280x1024Startet mit der angegeben Auflösung 1280x1024.
knoppix dmaAktiviert die DMA-Beschleunigung.
knoppix myconf=/dev/sda1|myconf=scanBootet mit eigener Konfiguration; die Festplattenpartition können Sie genau angeben oder durch myconf=scan automatisch suchen lassen.
knoppix floppyconfigLiegen die persönlichen Einstellungen auf einer Diskette, geben Sie diesen Parameter beim Start an.
knoppix home=/dev/sda1/knoppix.img|scanBindet das eigene Home-Verzeichnis beim Knoppix-Start ein; auch hier geben Sie entweder den genauen Aufenthalt des Images im Dateisystem an oder lassen Knoppix automatisch suchen.
knoppix mem=128MErscheint die Meldung "Panic cannot mount root file system", geben Sie mit dieser Option die genaue Größe des Arbeitsspeichers (hier 128 MByte) an.
knoppix noejectWirft die CD beim Herunterfahren nicht aus.
knoppix nopromptFordert nicht zum Entfernen der CD auf.
failsafeStartet Knoppix ohne Hardware-Erkennung.
knoppix splashStatt Textmeldungen tanzt beim Hochfahren des Systems ein Pinguin über den Bildschirm (Abbildung 2).

Abb. 2: Tanz, Pinguin, tanz -- mit dem Cheatcode "knoppix splash" verschwinden die Textmeldungen beim Booten.

Auf die Festplatte zugreifen

Auf dem Desktop-Hintergrund finden Sie Icons für CD-ROM-/DVD- und Diskettenlaufwerke sowie für sämtliche Festplatten-Partitionen. Klicken Sie einmal auf ein solches Symbol, hängt Knoppix die Partition oder den Datenträger ins Dateisystem ein (mountet sie also) und startet automatisch den Datei-Manager Konqueror. Das Icon verändert sich -- dass die Partition eingebunden ist, erkennen Sie am kleinen grünen Pfeil in der linken unteren Ecke (Abbildung 3).

Abb. 3: Ein einfacher Klick auf ein Festplatten-Icon reicht aus, um die Partition ins Dateisystem einzuhängen.

Im Datei-Manager können Sie nun durch die Ordner navigieren, Dateien öffnen und vieles mehr -- Daten zu verändern und neue Verzeichnisse und Dateien anzulegen, ist allerdings nicht möglich, da Knoppix die Partition lediglich im Lesemodus eingebunden hat. Um schreibend auf die Daten zuzugreifen, klicken Sie nach dem Einhängen mit der rechten Maustaste auf das Festplatten-Icon und wählen aus dem Kontextmenü Aktionen / Lese-/Schreibmodus ändern. Eine Dialogbox fragt zur Sicherheit nochmal nach, ob Sie die Eigenschaften wirklich verändern wollen. Über die gleiche Funktion werden Sie die Schreibberechtigungen auch wieder los.

Datensicherung: CDs/DVDs brennen

Wenn Sie einen CD-/DVD-Brenner besitzen, brennen Sie mit Knoppix in Windeseile Daten- und Audio-CD/-DVDs. Während Sie bei früheren Knoppix-Versionen noch ein Root-Passwort setzen mussten, damit die Zusammenarbeit mit dem Brennprogramm K3b klappte, ist dieses nun nicht mehr nötig.

Am leichtesten sichern Sie Ihre Daten auf den Silberscheiben, indem Sie direkt im Datei-Manager Konqueror einen Ordner mit der rechten Maustaste anklicken und Aktionen / Daten-CD mit K3b erstellen aus dem Kontextmenü wählen. Nach kurzer Zeit startet das KDE-Brennprogramm und bittet Sie, die Brenngeschwindigkeit der erkannten Geräte zu bestätigen oder anzupassen. Der zum Backup ausgewählte Ordner ist schon als neues Daten-CD-Projekt vorbereitet, so dass Sie nur noch einen Rohling einlegen und das Brennen starten müssen (Menü / Projekt / Brennen). Anschließend informiert ein Dialogfenster über den Fortschritt (Abbildung 4), und nach getaner Arbeit wirft Knoppix die fertige CD aus.

Abb. 4: Per Mausklick zur Datensicherung -- Konqueror und K3b arbeiten Hand in Hand.

Alternativ starten Sie K3b über das K-Menü / Multimedia / K3b oder den Schnellstarter ([Alt-F2] und Eingabe von k3b). Entscheiden Sie, ob Sie ein Audio-CD-, Daten-CD- oder Daten-DVD-Projekt erstellen bzw. eine CD kopieren wollen. Anschließend wählen Sie die Daten, die gesichert werden sollen, in K3bs eigenem Dateiauswahl-Dialog aus und ziehen Sie per Drag & Drop auf das untere Projektfenster.

Ab ins Netz

Bevor Sie eine Internet-Verbindung konfigurieren, richten Sie die Netzwerkkarte ein. Dazu wählen Sie im Knoppix-Menü, das sich in der Startleiste hinter dem Pinguin versteckt, Netzwerk/Internet / Netzwerkkarte konfigurieren (Abbildung 5). Wenn Sie sich in einem Netzwerk mit DHCP-Server ("Dynamic Host Configuration Protocol") befinden, klicken Sie auf Ja; andernfalls wählen Sie Nein, um mit der manuellen Konfiguration zu beginnen. Geben Sie zunächst die IP-Adresse (z. B. 192.168.0.1) ein; die Netzwerkmaske und die Broadcast-Adresse der folgenden Dialoge übernehmen Sie. Ein Default-Gateway stellen Sie nur ein, wenn es in Ihrem Netzwerk einen Router gibt, der für die Internet-Einwahl zuständig ist. Soll Ihr Computer sich später selbst über Modem, ISDN oder DSL ins Internet einwählen, lassen Sie dieses Feld leer. Auch der Nameserver wird in diesem Fall nicht eingetragen. Schließen Sie die Einrichtung mit Klick auf Ok ab.

Abb. 5: Die meisten Funktionen zur Einrichtung der Distribution, u. a. zur Konfiguration der Netzwerkkarte und einer Internet-Verbindung, finden Sie über das Knoppix-Menü.

Im Knoppix-Menü finden Sie auch Tools zur Einrichtung einer Internet-Einwahlverbindung. Hat der Rechner eine ISDN-Karte, wählen Sie Netzwerk/Internet / ISDN-Karte konfigurieren, um das Programm ISDN config zu starten. Dort gibt es verschiedene Registerkarten, über die Sie ISDN-Karte und Provider konfigurieren. Auch die Verbindung starten Sie von hier aus.

Ein DSL-Zugang ist ebenso einfach einzurichten: Wählen Sie Netzwerk/Internet / ADSL/PPPOE konfigurieren. Nach der Erkennung der Netzwerkkarte sucht das Programm nach einem DSL-Modem an der Schnittstelle und führt Sie mit einem Assistenten durch die Einrichtung. Zum Schluss entscheiden Sie, ob Sie bereits beim Booten eine Verbindung aufbauen möchten -- alternativ starten Sie die Verbindung manuell über den Befehl

sudo pon dsl-provider

auf der Kommandozeile. Um die Verbindung zu trennen, tippen Sie in einem Terminal:

sudo poff

Konfiguration und Home speichern

Wenn Sie Knoppix öfter verwenden, ist es recht aufwendig, jedes Mal sämtliche Komponenten neu zu konfigurieren -- auch ein permanentes Home-Verzeichnis mit den eigenen Daten ist schön, da diese sonst beim Herunterfahren des Rechners verschwinden. Zur Sicherung der Konfiguration und der eigenen Daten eignet sich ein USB-Stick am besten; es ist zwar möglich, die Daten auf Diskette abzulegen, dort ist allerdings nicht viel Platz. Als dritte Ablagemöglichkeit bietet sich ein Bereich auf der Festplatte an -- wenn Sie Konfiguration und Daten allerdings auf mehreren Rechnern verwenden wollen, ist der USB-Stick die bessere Variante.

Um die eigenen Einstellungen zu speichern, rufen Sie im Knoppix-Menü Konfiguration / KNOPPIX-Konfiguration speichern auf. Im ersten Dialogfenster entscheiden Sie, welche Konfigurationsdateien Sie speichern wollen; danach wählen Sie ein Speichermedium aus. (Den USB-Stick finden Sie meistens unter /dev/sda1 oder /dev/sda.) Knoppix archiviert die Daten, speichert sie und teilt Ihnen in einer letzten Dialogbox mit, wie Sie die Konfiguration beim nächsten Boot-Vorgang wieder einlesen (siehe Tabelle Knoppix-Cheatcodes). Diese Schritte müssen Sie jedesmal wiederholen, wenn Sie etwas an der Konfiguration geändert haben.

Auf ähnlichem Weg sichern Sie das eigene Home-Verzeichnis. Rufen Sie dazu den Knoppix-Menüpunkt Konfiguration / Permanentes KNOPPIX-Image einrichten auf. Auch hier wählen Sie wieder das Speichermedium aus. Entscheiden Sie als Nächstes, ob die Daten verschlüsselt werden sollen und geben Sie dann die gewünschte Größe ein. Knoppix legt nun auf dem angegebenen Medium ein Image mit den Daten Ihres Home-Verzeichnisses an (knoppix.img). Auch hier informiert der letzte Dialog darüber, wie Sie die Daten beim Booten einbinden.

Wichtig: Wenn Sie Konfiguration und eigene Daten speichern, ist es wichtig, dass Sie das System immer "sauber" herunterfahren (Knoppix-Menü / Abmelden) und den Rechner nicht einfach ausschalten. So geben Sie Knoppix die Chance, vorher aufzuräumen.

Ausgerüstet mit USB-Stick und Knoppix-CD nehmen Sie Linux einfach mit auf die Reise und arbeiten von fremden PCs aus fast wie zu Hause.

Soll es nun doch eine Festinstallation auf der Platte sein, lesen Sie im Artikel auf der Heft-DVD weiter, wie Sie aus der Live-CD eine normale Linux-Installation machen. (hge)

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