claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 12/2005

Konsole -- das virtuelle Terminal für KDE

Praktisches Relikt

von Martin Loschwitz


Gelegentlich kommt man um die Arbeit mit der Kommandozeile nicht herum. Das clevere KDE-Programm Konsole sorgt bei den entsprechenden Tätigkeiten für Komfort.

Eigentlich sind Konsolen -- auch "Terminals" genannt -- Relikte aus der Computer-technischen Steinzeit. Die großen, grauen Eingabegeräte (Tastatur und Monitor) gab es früher an Hochschul-Rechenzentren oder in großen EDV-Abteilungen. Bei den preiswerten Geräten handelte sich nicht um vollwertige Computer, sondern eine Art "Monitor mit Netzwerkanschluss" -- die eigentlichen Programme liefen auf dem Server.

Aufgrund ihrer langsamen Anbindung funktionierten Konsolen nur im Textbetrieb, also ohne grafische Oberfläche. Wegen der optischen Ähnlichkeit spricht man auch unter Linux von Terminals, wenn es um die Eingabe von Befehlen auf der Kommandozeile [1] geht. Ob der ganze Bildschirm im Textmodus läuft oder Sie unter KDE ein Terminal-Fenster öffnen, spielt dabei keine Rolle.

Die KDE-Konsole ist perfekt in die KDE-Oberfläche integriert. Sie können ihr Erscheinungsbild in fast jeder Hinsicht verändern. Praktische Features wie die Möglichkeit, für Verzeichnisse Lesezeichen zu setzen, runden das Angebot ab. Im Folgenden stellen wir einige Besonderheiten des Tools vor.

Erste Schritte

Sehen Sie in der KDE-Startleiste kein Muschel- oder Monitorsymbol (hinter dem sich die Konsole versteckt), dann starten Sie das Programm am schnellsten, indem Sie [Alt-F2] drücken, im Schnellstartfenster konsole eingeben und mit [Eingabe] bestätigen.

Am oberen Rand des Fensters liegt wie gewohnt die Menüleiste, die Zugang zu den Funktionen der Konsole bietet. Darunter sehen Sie die Kommandozeile, in die Sie Befehle eingeben. Schließlich gibt es am unteren Rand des Fensters ein Register, in dem Konsole alle geöffneten Terminals auflistet.

Beim Browser geklaut

Die unscheinbare Leiste am unteren Fensterrand steht für eine besonders nützliche Funktion der Konsole. Den KDE-Entwicklern war es offenbar zu dumm, bei umfangreicheren Arbeiten auf der Kommandozeile ständig viele Terminal-Fenster zu verwenden. Kurzerhand kupferten sie beim Web-Browser die "Tabbed Browsing"-Funktion ab: Wie beim Surfen mit Firefox oder Konqueror hat man auch bei Konsole lediglich ein Fenster vor sich, in dem sich zahlreiche Unterfenster öffnen lassen (Abbildung 1).

Abb. 1: Am unteren Rand zu erkennen: Konsole fasst viele Fenster in einer so genannten "Sitzung" zusammen.

Um ein neues Unterfenster in einer bestehenden Konsole zu öffnen, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Klicken Sie in der Leiste am unteren Bildschirmrand auf das Symbol ganz links.
  1. Um zwischen den Befehlsfenstern hin und her zu wechseln, klicken Sie auf den Registerreiter des zu öffnenden Befehlsfenster in der unteren Leiste.

Sollten Sie feststellen, dass Sie eine einzelne Sitzung doch lieber als eigenständiges Konsolen-Fenster behandeln möchten, stellt auch das kein Problem dar.

  1. Wählen Sie in der Liste der Fenster unten das Befehlsfenster aus, das zum Konsolen-Fenster werden soll.
  1. Klicken Sie oben auf Ansicht / Sitzung verselbstständigen. KDE öffnet das Befehlsfenster nun automatisch im eigenen Fenster, der Inhalt des Fensters bleibt dabei erhalten.

Ein Befehlsfenster werden Sie wieder los, indem Sie mit der rechten Maustaste darauf klicken und Sitzung schließen auswählen.

Ansichtssache

Konsole bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Programm an die persönlichen Präferenzen anzupassen. So können Sie etwa einstellen, in welchen Farben sich das Terminal präsentieren soll.

Oben in der Befehlsleiste finden Sie unter Einstellungen / Farbschema einige vordefinierte Schemata, aus denen Sie Ihren Favoriten wählen. Die beiden meistgenutzten sind wohl Linux-Farben (graue Schrift auf schwarzem Grund) und Konsole-Standard (schwarze Schrift, weißer Hintergrund).

Welches Farbschema Sie verwenden, bleibt ganz Ihnen überlassen. Wollen Sie die Konsole allerdings intensiv benutzen, sollten Sie auf möglichst weiche Farbtöne achten und einen dunklen Hintergrund für die Arbeit nutzen: Die Augen ermüden dann merklich langsamer.

Daneben erlaubt Konsole auch, den Schriftgrad einzustellen; sogar die freie Wahl der Schriftart ist möglich.

  1. Klicken Sie in der Befehlsleiste auf Einstellungen / Schrift. Sie sehen eine Liste mit Größenangaben.
  1. Möchten Sie die Konsole-Standard-Schriftart verwenden, wählen Sie aus den angegebenen Größen die aus, die Ihnen am besten gefällt.
  1. Andernfalls klicken Sie auf Benutzerdefiniert. Es erscheint dann das KDE-Standardfenster zur Schriftauswahl, in dem Sie Art, Typ und Größe der Schrift festlegen.

Auch hier gilt: Die Schrift sollte vor allem praktikabel sein; Comic-ähnliche Schrifttypen wirken mit der Zeit nervtötend.

Mitteilungsbedürftig

Sie kennen sicher den "PC-Beep" -- das Geräusch, das der interne PC-Lautsprecher beim Booten produziert. Die Konsole verwendet dieses Geräusch ebenfalls; etwa dann, wenn ein Programm nach bestimmten Daten fragt oder bei der Befehlskomplettierung mittels [Tab] Konsole kein passendes Kommando finden kann. Wollen Sie diesen Piepser gegen einen ohrenfreundlicheren Sound ersetzen oder gar ganz abschalten, gehen Sie so vor:

  1. Klicken Sie auf Einstellungen / Signal.
  1. Wählen Sie aus der Liste den Eintrag aus, der Ihnen am besten gefällt. System-Signal steht für den PC-Beep, Systemnachricht für ein Geräusch aus den KDE-Sounds. Bei Sichtbares Signal zeigt Konsole statt des Geräusches eine Nachricht. Kein schaltet die Benachrichtigung ab.

Einstellungssache

Bei der Veränderung anderer unliebsamer Eigenschaften der Konsole hilft der Konsole-Konfigurationsdialog weiter. Sie öffnen ihn über Einstellungen / Konsole einrichten . Neben der Farben und Schriftart, die Sie hier nochmals en detail definieren können, ist vor allem der Registerreiter Allgemein von Interesse. Die wichtigsten Einstellungen sind selbsterklärend: So sorgt blinkender Cursor dafür, dass der Cursor in der Konsole zu blinken beginnt (Abbildung 2). Vergessen Sie nicht, abschließend auf Anwenden zu klicken.

Abb. 2: Im Konfigurationsdialog bestimmen Sie diverse Eigenschaften der Konsole.

Im Anschluss müssen Sie zudem die vorgenommene Einstellung als "Profil" speichern, das Konsole beim nächsten Start automatisch lädt: Das stellt sicher, dass Ihr Konsolen-Fenster stets identisch aussieht. Klicken Sie dazu auf Einstellungen / Als Standard speichern. Möchten Sie nicht das Konsole-Standardprofil überschreiben, sondern das neue Profil unter einem eigenen Namen ablegen, geht das so:

  1. Klicken Sie auf Einstellungen / Sitzungsprofile speichern (Abbildung 3). Es erscheint ein Eingabefeld.
  1. Geben Sie hier den gewünschten Namen des Profils ein, zum Beispiel Martins Profil. Klicken Sie auf Ok.

Das Standardprofil bleibt erhalten, Konsole benutzt trotzdem Ihr Profil beim nächsten Start.

Abb. 3: Konsole unterstützt Sitzungsprofile. So erhalten Sie stets beim Öffnen einer neuen Sitzung Ihre gewohnte Einstellung.

Verlaufsspeicher konfigurieren

Eine sehr nützliche Funktion stellt der Verlaufsspeicher dar, eine Art Logbuch der aktuellen Konsolen-Sitzung. Möchten Sie einen früher eingegebenen Befehl wiederholen, kopieren Sie ihn einfach aus dem Verlaufsspeicher. In der Standardausführung veranschlagt Konsole für den Speicher 1000 Zeilen. Diese Einstellung können Sie aber nach Belieben modifizieren:

  1. Klicken Sie auf Einstellungen / Verlaufsspeicher.
  1. Geben Sie in das Zahlenfeld die Zahl der Zeilen ein, die erhalten bleiben soll, oder wählen Sie Unbegrenzt für einen unbegrenzten Verlaufsspeicher.
  1. Bestätigen Sie mit Ok.

Mit der Bildlaufleiste am rechten Fensterrand scrollen Sie im Speicher vor und zurück. Fehlt diese Leiste, aktivieren Sie sie über Einstellungen / Bildlaufleiste / Rechts. Mit Bearbeiten / Im Verlaufsspeicher suchen durchsuchen Sie alternativ den kompletten Verlaufsspeicher schnell und bequem.

Übrigens: Der Verlaufsspeicher einer Konsolen-Sitzung bleibt nur so lange erhalten, wie Sie die Sitzung offenhalten. Sobald Sie das Fenster schließen, geht er verloren. Das verhindern Sie, indem Sie über Bearbeiten / Verlauf sichern unter den Inhalt des Speichers in eine Textdatei in Ihrem eigenen Verzeichnis sichern.

Möchten Sie einmal den gesamten Inhalt des Verlaufsspeichers löschen, erledigt Bearbeiten / Verlaufsspeicher löschen das für das aktive Befehlsfenster. Sinngemäß funktioniert Bearbeiten / Alle Verlaufsspeicher löschen für alle Unterfenster, die in der jeweiligen Konsole-Sitzung geöffnet sind.

Mit Lesezeichen arbeiten

Mit der Möglichkeit zum Setzen von Lesezeichen hat Konsole eine weitere Funktion bei Web-Browsern abgekupfert. Oft kommt es ja vor, dass man Befehle in einem anderen Verzeichnis als dem persönlichen Ordner ausführen muss. Heißt der betroffene Ordner obendrein /mnt/video/Urlaub_2005/ Kamera_1/01-99/, wird man es schnell Leid, in jeder Konsole manuell per cd erst dorthin zu wechseln. Um sich das zu ersparen, setzt man in der Konsole ein Lesezeichen und wechselt später per Mausklick den Ordner (Abbildung 4).

Abb. 4: Der Lesezeicheneditor von Konsole erlaubt das komfortable Verwalten von Lesezeichen.

So setzen Sie ein Lesezeichen:

  1. Öffnen Sie eine Konsolen-Sitzung und wechseln Sie mit cd in den Ordner, für den Sie ein Lesezeichen anlegen möchten.
  1. Klicken Sie auf Lesezeichen / Lesezeichen hinzufügen oben in der Befehlsleiste.
  1. Konsole hat das entsprechende Lesezeichen bereits angelegt: Es wird jeweils unter dem Namen des Ordners gespeichert, für den es erzeugt wurde.

Sie können Lesezeichen mit dem entsprechenden Editierwerkzeug auch umbenennen:

  1. Klicken Sie auf Lesezeichen / Lesezeichen bearbeiten. Es öffnet sich der entsprechende Dialog.
  1. Bearbeiten Sie die einzelnen Lesezeichen nach Gutdünken. Achten Sie aber darauf, den Eintrag im Feld Adresse nicht zu verändern, weil das Lesezeichen sonst unter Umständen nicht mehr funktioniert.
  1. Schließen Sie das Editierfenster und kehren Sie zur normalen Arbeit zurück.

Um nun ein Lesezeichen zu öffnen, wählen Sie das entsprechende Lesezeichen aus der Liste, die sich nach Klick auf Lesezeichen in der Befehlsleiste öffnet.

Wachhund?

Kommandozeilen-Befehle brauchen oft geraume Weile, bis sie erfolgreich beendet werden. Hängt der nächste Arbeitsschritt vom erfolgreichen Ausführen des vorherigen Kommandos ab, dann müssten Sie eigentlich warten, bis der erste Befehl erfolgreich abgearbeitet wurde, bevor Sie die Arbeit fortsetzen können.

Dieses Problem umgeht die KDE-Konsole durch ein sehr nützliches Feature: Über die Befehlsleiste können Sie jedes einzelne Konsolenfenster auf Aktivität hin überwachen. Sobald sich im Fenster etwas tut, erscheint im KDE-Systray unten rechts eine kurze Nachricht.

  1. Um die Funktion zu aktivieren, klicken Sie auf Ansicht / auf Aktivität überwachen.
  1. Testen Sie die Funktion, indem Sie einen Befehl aufrufen, der viel Zeit zum Abarbeiten benötigt. Derweil verschieben Sie das Fenster in den Hintergrund oder minimieren es.

Fazit

Wer ohnehin mit KDE arbeitet und gelegentlich die Shell nutzen möchte, findet in der Konsole ein komfortables Arbeitsgerät. Sie bietet zahlreiche nützliche Features, die man bei Xterm & Co. vergebens sucht. Taucht bei der Arbeit doch einmal ein Problem mit Konsole auf, bringen die Hilfetexte unter Hilfe / Handbuch zu Konsole meist Erleuchtung. (jlu)

Infos
[1] Shell-Einführung, Heike Jurzik: "Befehlsgewaltig", EasyLinux 11/2005, S. 81 ff.

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2012 Linux New Media AG | Last modified: 2007-04-05 11:10

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]