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von Martin Loschwitz
Eigentlich sind Konsolen -- auch "Terminals" genannt -- Relikte aus der Computer-technischen Steinzeit. Die großen, grauen Eingabegeräte (Tastatur und Monitor) gab es früher an Hochschul-Rechenzentren oder in großen EDV-Abteilungen. Bei den preiswerten Geräten handelte sich nicht um vollwertige Computer, sondern eine Art "Monitor mit Netzwerkanschluss" -- die eigentlichen Programme liefen auf dem Server.
Aufgrund ihrer langsamen Anbindung funktionierten Konsolen nur im Textbetrieb, also ohne grafische Oberfläche. Wegen der optischen Ähnlichkeit spricht man auch unter Linux von Terminals, wenn es um die Eingabe von Befehlen auf der Kommandozeile [1] geht. Ob der ganze Bildschirm im Textmodus läuft oder Sie unter KDE ein Terminal-Fenster öffnen, spielt dabei keine Rolle.
Die KDE-Konsole ist perfekt in die KDE-Oberfläche integriert. Sie können ihr Erscheinungsbild in fast jeder Hinsicht verändern. Praktische Features wie die Möglichkeit, für Verzeichnisse Lesezeichen zu setzen, runden das Angebot ab. Im Folgenden stellen wir einige Besonderheiten des Tools vor.
Sehen Sie in der KDE-Startleiste kein Muschel- oder Monitorsymbol (hinter dem sich die Konsole versteckt), dann starten Sie das Programm am schnellsten, indem Sie [Alt-F2] drücken, im Schnellstartfenster konsole eingeben und mit [Eingabe] bestätigen.
Am oberen Rand des Fensters liegt wie gewohnt die Menüleiste, die Zugang zu den Funktionen der Konsole bietet. Darunter sehen Sie die Kommandozeile, in die Sie Befehle eingeben. Schließlich gibt es am unteren Rand des Fensters ein Register, in dem Konsole alle geöffneten Terminals auflistet.
Die unscheinbare Leiste am unteren Fensterrand steht für eine besonders nützliche Funktion der Konsole. Den KDE-Entwicklern war es offenbar zu dumm, bei umfangreicheren Arbeiten auf der Kommandozeile ständig viele Terminal-Fenster zu verwenden. Kurzerhand kupferten sie beim Web-Browser die "Tabbed Browsing"-Funktion ab: Wie beim Surfen mit Firefox oder Konqueror hat man auch bei Konsole lediglich ein Fenster vor sich, in dem sich zahlreiche Unterfenster öffnen lassen (Abbildung 1).
Um ein neues Unterfenster in einer bestehenden Konsole zu öffnen, gehen Sie wie folgt vor:
Sollten Sie feststellen, dass Sie eine einzelne Sitzung doch lieber als eigenständiges Konsolen-Fenster behandeln möchten, stellt auch das kein Problem dar.
Ein Befehlsfenster werden Sie wieder los, indem Sie mit der rechten Maustaste darauf klicken und Sitzung schließen auswählen.
Konsole bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Programm an die persönlichen Präferenzen anzupassen. So können Sie etwa einstellen, in welchen Farben sich das Terminal präsentieren soll.
Oben in der Befehlsleiste finden Sie unter Einstellungen / Farbschema einige vordefinierte Schemata, aus denen Sie Ihren Favoriten wählen. Die beiden meistgenutzten sind wohl Linux-Farben (graue Schrift auf schwarzem Grund) und Konsole-Standard (schwarze Schrift, weißer Hintergrund).
Welches Farbschema Sie verwenden, bleibt ganz Ihnen überlassen. Wollen Sie die Konsole allerdings intensiv benutzen, sollten Sie auf möglichst weiche Farbtöne achten und einen dunklen Hintergrund für die Arbeit nutzen: Die Augen ermüden dann merklich langsamer.
Daneben erlaubt Konsole auch, den Schriftgrad einzustellen; sogar die freie Wahl der Schriftart ist möglich.
Auch hier gilt: Die Schrift sollte vor allem praktikabel sein; Comic-ähnliche Schrifttypen wirken mit der Zeit nervtötend.
Sie kennen sicher den "PC-Beep" -- das Geräusch, das der interne PC-Lautsprecher beim Booten produziert. Die Konsole verwendet dieses Geräusch ebenfalls; etwa dann, wenn ein Programm nach bestimmten Daten fragt oder bei der Befehlskomplettierung mittels [Tab] Konsole kein passendes Kommando finden kann. Wollen Sie diesen Piepser gegen einen ohrenfreundlicheren Sound ersetzen oder gar ganz abschalten, gehen Sie so vor:
Bei der Veränderung anderer unliebsamer Eigenschaften der Konsole hilft der Konsole-Konfigurationsdialog weiter. Sie öffnen ihn über Einstellungen / Konsole einrichten . Neben der Farben und Schriftart, die Sie hier nochmals en detail definieren können, ist vor allem der Registerreiter Allgemein von Interesse. Die wichtigsten Einstellungen sind selbsterklärend: So sorgt blinkender Cursor dafür, dass der Cursor in der Konsole zu blinken beginnt (Abbildung 2). Vergessen Sie nicht, abschließend auf Anwenden zu klicken.
Im Anschluss müssen Sie zudem die vorgenommene Einstellung als "Profil" speichern, das Konsole beim nächsten Start automatisch lädt: Das stellt sicher, dass Ihr Konsolen-Fenster stets identisch aussieht. Klicken Sie dazu auf Einstellungen / Als Standard speichern. Möchten Sie nicht das Konsole-Standardprofil überschreiben, sondern das neue Profil unter einem eigenen Namen ablegen, geht das so:
Das Standardprofil bleibt erhalten, Konsole benutzt trotzdem Ihr Profil beim nächsten Start.
Eine sehr nützliche Funktion stellt der Verlaufsspeicher dar, eine Art Logbuch der aktuellen Konsolen-Sitzung. Möchten Sie einen früher eingegebenen Befehl wiederholen, kopieren Sie ihn einfach aus dem Verlaufsspeicher. In der Standardausführung veranschlagt Konsole für den Speicher 1000 Zeilen. Diese Einstellung können Sie aber nach Belieben modifizieren:
Mit der Bildlaufleiste am rechten Fensterrand scrollen Sie im Speicher vor und zurück. Fehlt diese Leiste, aktivieren Sie sie über Einstellungen / Bildlaufleiste / Rechts. Mit Bearbeiten / Im Verlaufsspeicher suchen durchsuchen Sie alternativ den kompletten Verlaufsspeicher schnell und bequem.
Übrigens: Der Verlaufsspeicher einer Konsolen-Sitzung bleibt nur so lange erhalten, wie Sie die Sitzung offenhalten. Sobald Sie das Fenster schließen, geht er verloren. Das verhindern Sie, indem Sie über Bearbeiten / Verlauf sichern unter den Inhalt des Speichers in eine Textdatei in Ihrem eigenen Verzeichnis sichern.
Möchten Sie einmal den gesamten Inhalt des Verlaufsspeichers löschen, erledigt Bearbeiten / Verlaufsspeicher löschen das für das aktive Befehlsfenster. Sinngemäß funktioniert Bearbeiten / Alle Verlaufsspeicher löschen für alle Unterfenster, die in der jeweiligen Konsole-Sitzung geöffnet sind.
Mit der Möglichkeit zum Setzen von Lesezeichen hat Konsole eine weitere Funktion bei Web-Browsern abgekupfert. Oft kommt es ja vor, dass man Befehle in einem anderen Verzeichnis als dem persönlichen Ordner ausführen muss. Heißt der betroffene Ordner obendrein /mnt/video/Urlaub_2005/ Kamera_1/01-99/, wird man es schnell Leid, in jeder Konsole manuell per cd erst dorthin zu wechseln. Um sich das zu ersparen, setzt man in der Konsole ein Lesezeichen und wechselt später per Mausklick den Ordner (Abbildung 4).
So setzen Sie ein Lesezeichen:
Sie können Lesezeichen mit dem entsprechenden Editierwerkzeug auch umbenennen:
Um nun ein Lesezeichen zu öffnen, wählen Sie das entsprechende Lesezeichen aus der Liste, die sich nach Klick auf Lesezeichen in der Befehlsleiste öffnet.
Kommandozeilen-Befehle brauchen oft geraume Weile, bis sie erfolgreich beendet werden. Hängt der nächste Arbeitsschritt vom erfolgreichen Ausführen des vorherigen Kommandos ab, dann müssten Sie eigentlich warten, bis der erste Befehl erfolgreich abgearbeitet wurde, bevor Sie die Arbeit fortsetzen können.
Dieses Problem umgeht die KDE-Konsole durch ein sehr nützliches Feature: Über die Befehlsleiste können Sie jedes einzelne Konsolenfenster auf Aktivität hin überwachen. Sobald sich im Fenster etwas tut, erscheint im KDE-Systray unten rechts eine kurze Nachricht.
Wer ohnehin mit KDE arbeitet und gelegentlich die Shell nutzen möchte, findet in der Konsole ein komfortables Arbeitsgerät. Sie bietet zahlreiche nützliche Features, die man bei Xterm & Co. vergebens sucht. Taucht bei der Arbeit doch einmal ein Problem mit Konsole auf, bringen die Hilfetexte unter Hilfe / Handbuch zu Konsole meist Erleuchtung. (jlu)
| Infos |
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[1] Shell-Einführung, Heike Jurzik: "Befehlsgewaltig", EasyLinux 11/2005, S. 81 ff.
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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