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Erschienen in EasyLinux 12/2005

Know-how für die Kommandozeile

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Linux bietet für nahezu jede Aufgabe nicht nur grafische Programme, sondern auch eine Alternative für die Befehlszeile. Mit dem Midnight Commander verwalten Sie Dateien, "ps2pdf" erzeugt PDF-Dokumente und "vim" hat mehr zu bieten als die meisten anderen Text-Editoren.

Tipp: RPM-Pakete mit "mc" betrachten

Eine besonders praktische Funktion des Midnight Commander ist, dass das Programm RPM-Pakete als virtuelle Dateisysteme behandelt. Wenn Sie in dem Datei-Manager für die Kommandozeile eine Datei mit der Endung .rpm markieren und [Eingabe] drücken, zeigt das Programm den Inhalt des Pakets wie ein normales Verzeichnis an (Abbildung 1).

Sie können dort Dateien markieren und beispielsweise die Readme-Datei einer Anwendung mit dem internen Viewer lesen. Außerdem ist es möglich, einzelne Dateien eines Pakets in einen Ordner auf der Festplatte zu kopieren. Wechseln Sie dazu in der rechten Fensterhälfte ins Zielverzeichnis und markieren Sie danach alle gewünschten Dateien des RPM-Pakets mit einem Druck auf [Einfg]. [F5] kopiert die Dateien in den Ordner.

Abb. 1: Midnight Commander stellt den Inhalt von RPM-Paketen wie normale Dateien und Verzeichnisse dar.

Tipp: Informationen über RPM-Pakete

Wenn Sie keine Dateien aus einem RPM-Paket kopieren möchten, sondern nur erfahren wollen, welche sich darin befinden und wozu die Software in dem Paket dient, ist es nicht nötig, sich durch die virtuellen Verzeichnisse zu hangeln. Informationen zu paketierter Software liefert ein Druck auf [F3], mit dem Sie den internen Dateibetrachter des Midnight Commanders aufrufen. Bei RPM-Paketen zeigt dieser die Ausgabe des Befehls

rpm -qlivp paketname.rpm

an. Sie finden dort nicht nur Informationen zum Paket, sondern auch eine ausführliche Dateiliste, die sogar die Dateirechte verrät. Nähere Informationen zu Dateirechten erhalten Sie im Guru-Training zu den Befehlen chmod und chown ab Seite 78 dieser Ausgabe.

Abb. 2: Wenn Sie ein RPM-Paket mit dem Viewer des Midnight Commanders öffnen, zeigt dieser Informationen zu seinem Inhalt an.

Tipp: "mc"-Viewer direkt starten

Der Dateibetrachter des Midnight Commanders zeigt nicht nur Informationen zu RPM-Paketen an, sondern ist auch genau das richtige Werkzeug, um schnell einen Blick in Text- oder Konfigurationsdateien zu werfen. Möchten Sie sich den Umweg über den Datei-Manager sparen, rufen Sie die Viewer-Komponente direkt auf. Dazu kennt das Programm die Option -v: Um beispielsweise die Datei /home/benutzername/Dokument.txt im Viewer von mc zu öffnen, lautet der Befehl

mc -v /home/benutzername/Dokument.txt

Tipp: Verzeichnisgröße in "mc" anzeigen

Interessiert es Sie, wie viele Dateien in einem Verzeichnis liegen und wie viel Festplattenplatz diese benötigen, erfahren Sie das im Midnight Commander mit [Umschalt-*]. Das Programm markiert alle Dateien und zeigt unter der aktiven Fensterhälfte die Anzahl der Dateien und ihre Größe in Byte an. Den Inhalt eventuell vorhandener Unterordner bezieht Midnight Commander jedoch nicht mit in die Größenberechnung ein.

Tipp: "vim" schnell beenden

Regelmäßige Leser der Shell-Tipps haben vielleicht Gefallen an dem mächtigen, aber in der Bedienung eher sperrigen Text-Editor vim gefunden. Die Anwendung unterscheidet zwischen einem Einfüge- und Befehlsmodus, und um Text einzugeben, müssen Sie zunächst [I] drücken. Die Datei speichern Sie später, indem Sie mit [Esc] in den Befehlsmodus wechseln und dort :wq eingeben (w für write=schreiben und q für quit=beenden). Eine noch schnellere Möglichkeit, eine Datei zu speichern und den Text-Editor zu schließen besteht darin, mit [Esc] den Einfügemodus zu verlassen und bei gedrückt gehaltener [Umschalt]-Taste zweimal [Z] zu drücken.

Tipp: PDF-Dateien erzeugen

Wenn Sie mit Firefox eine Web-Seite drucken und sich für die Ausgabe in eine Datei entscheiden, erzeugt der Browser standardmäßig die Postscript-Datei print.ps in Ihrem Home-Verzeichnis. Diese zeigt zwar der Konqueror problemlos in der eingebetteten Vorschau an, doch Windows-Benutzer schauen ohne externe Tools in die Röhre, wenn Sie ihnen eine Postscript-Datei schicken. Um eine solche Datei weiterzugeben, konvertieren Sie diese vorher am besten ins PDF-Format, das man unter praktisch jedem Betriebssystem anzeigen kann.

Das Kunststück, PDF-Dokumente zu erzeugen, beherrscht nicht nur der KDE-Druckdialog, auf der Kommandozeile gelingt es mit dem Befehl ps2pdf: Wechseln Sie in das Verzeichnis mit der Postscript-Datei und geben Sie dort ps2pdf dokument.ps ein. Das Tool erzeugt daraus die Datei dokument.pdf im aktuellen Verzeichnis. Soll das PDF-Dokument einen anderen Namen tragen, geben Sie zusätzlich den Namen der Ausgabedatei an, also etwa ps2pdf dokument.ps neuer_name.pdf.

Tipp: Komprimierte Textdateien lesen

Haben Sie eine Textdatei mit dem Kommandozeilen-Packer gzip komprimiert, müssen Sie diese nicht erst mit gunzip entpacken, um einen Blick hinein zu werfen. Viel schneller erledigen Sie das mit dem Viewer zless, den Sie mit denselben Tasten bedienen wie less. Das Kommando zless komprimierte_datei.txt.gz öffnet eine gepackte Datei im Viewer. Mit [Bild ab] und [Bild auf] blättern Sie jeweils eine Seite vor und zurück, ein Druck auf [Q] beendet zless.

Tipp: Volle Befehle in "top" anzeigen

Der Prozessmonitor top zeigt in der Spalte Command standardmäßig nur die Programmnamen, nicht aber die kompletten Befehlszeilen mit allen Optionen und Argumenten an. So sehen Sie beim Aufruf von top oft den Eintrag kdeinit. Die Anwendung gehört zum KDE-Desktop und kümmert sich um den Start anderer KDE-Programme. Welche KDE-Anwendungen laufen, erfahren Sie nur, wenn Sie in top die Befehlszeilen anzeigen. Das erreichen Sie mit einem Druck auf [C] (Abbildung 3). Um wieder zur Standardansicht zurückzukehren, drücken Sie erneut [C]. (amü)

Abb. 3: Der Prozessmonitor "top" zeigt auf Wunsch die vollständigen Befehlszeilen der laufenden Programme an.

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