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Erschienen in EasyLinux 12/2005

USB-Soundkarte mit Surround-Sound unter Linux einrichten

Rundum beschallt

von Mirko Dölle


Surround-Sound aus fünf oder sechs Lautsprechern ist auch unter Linux keine Hexerei: Mit einer USB-Soundkarte und wenigen Anpassungen lassen sich sogar Film-DVDs mit 5.1-Surround-Sound abspielen.

Multimedia und Linux sind keine Gegensätze, praktisch jede Distribution kann den Onboard-Sound-Chips der meisten Mainboards Töne entlocken. Selbst Surround-Sound stellt prinzipiell kein Problem dar, vorausgesetzt die Soundkarte wird überhaupt unterstützt.

Surround-Sound gibt es in verschiedenen Ausführungen, so besitzt ein 4.1-System zwei Lautsprecher vorn, zwei hinten und einen Subwoofer, während für ein 5.1-System zusätzlich noch einen Center-Lautsprecher direkt unter dem Monitor oder Fernseher dazu kommt. Die USB-Soundkarte Terratec Aureon 5.1 USB bringt alle nötigen Anschlüsse für 5.1-Surround-Sound mit: Drei Stereo-Klinken-Buchsen für die aktiven Lautsprecherboxen plus ein Line-Eingang an der Rückseite sowie einen Kopfhörer- und einen Mikrofonanschluss vorn. An der Seite gibt es noch zwei optische Anschlüsse, einen digitalen Ausgang und einen digitalen Eingang.

Einheits-Soundkarten

Die Ansteuerung der Soundkarte übernimmt das Kernel-Modul snd-usb-audio, das sowohl bei Suse Linux ab Version 9.2 als auch bei Mandrake Linux 10.2 automatisch geladen wird, sobald Sie die Soundkarte anschließen. Unter Mandrake Linux muss jedoch dem USB-Controller ein Interrupt zugewiesen sein -- andernfalls erkennt das System überhaupt keine angeschlossenen USB-2.0-Geräte. Die Zuweisung erfolgt im BIOS-Setup Ihres Rechners, wo genau, sollte im Handbuch beschrieben sein -- einen einheitlichen Standard gibt es dafür nicht.

Während Mandrake Linux die USB-Soundkarte automatisch einband, müssen Sie bei Suse Linux das Modul Soundkarte in der Rubrik Hardware von YaST aufrufen. Bei der automatischen Suche erkennt YaST die USB-Soundkarte jedoch nicht, weshalb Sie auf Soundkarte hinzufügen klicken müssen. Findet YaST gar keine Soundkarte von selbst, ist dies auch nicht weiter schlimm -- die Nachfrage, ob YaST auf alte Sound-Chips prüfen soll, können Sie getrost verwerfen.

In der manuellen Auswahl der Soundkarte aus Abbildung 1 wählen Sie in der Hersteller-Liste Alle und wählen beim Modell USB Audio, Generic -- sämtliche USB-Soundkarten arbeiten mit dem gleichen Treiber-Modul und werden daher auch immer gleich angesprochen, daher brauchen Sie nicht in der Liste des jeweiligen Herstellers nach dem exakten Typ Ihrer USB-Soundkarte suchen. Alles weitere können Sie dann dem schnellen automatischen Setup von YaST überlassen und YaST anschließend beenden.

Abb. 1: YaST erkennt unter Suse Linux keine USB-Soundkarten, Sie müssen daher von Hand das Modell "USB Audio, Generic" auswählen -- egal, welche USB-Soundkarte Sie konkret besitzen, der Treiber ist stets der gleiche.

Sampling-Rate anpassen

Ist die USB-Soundkarte betriebsbereit, müssen Sie -- unabhängig von der verwendeten Distribution -- noch die Einstellungen von KDE anpassen. Dazu starten Sie das KDE-Kontrollzentrum über das KDE-Menü, wechseln in die Rubrik Sound & Multimedia und klicken dort auf Sound-System. Das Kontrollzentrum zeigt Ihnen dann die Registerkarten Allgemein und Hardware im rechten Teil des Fensters an.

Achten Sie darauf, dass das KDE-Sound-System im Register Allgemein aktiviert ist, bei Mandrake Linux 10.2 ist es nämlich standardmäßig abgeschaltet. Im Register Hardware müssen Sie, wie in Abbildung 2 gezeigt, eine benutzerdefinierte Sampling-Rate von 48000 Hz einstellen. Die Folge ist, dass KDE bei aktiviertem Sound-System sämtliche Sound-Ausgaben aller Programme entgegen nimmt und, falls die Sampling-Rate nicht 48 kHz beträgt, automatisch umwandelt. Dies ist nötig, weil USB-Soundkarten praktisch reine Digital-Analog-Wandler ohne eigene Intelligenz sind, die stur ein Signal mit 48 kHz Sampling-Rate erwarten. Spielen Sie hingegen eine MP3-Datei mit der dort üblichen Sampling-Rate von 44,1 kHz direkt und ohne KDE-Sound-System über die USB-Soundkarte ab, bekämen Sie nur Krachen und Zischen zu hören, weil die Soundkarte mehr Daten erwartet als der Computer liefert.

Abb. 2: Die USB-Soundkarte kann ausschließlich Daten mit 48 kHz Sampling-Rate verarbeiten, weshalb das KDE-Sound-System die Audio-Ausgaben aller anderen Programme anpassen muss, falls sie nicht zufällig mit 48 kHz arbeiten.

Ein weiterer Nachteil des einfachen D/A-Wandlers in der USB-Soundkarte ist, dass der Computer das Signal exakt nach den Wünschen der Soundkarte aufbereiten muss -- was erheblich Rechenzeit verschlingt. Mit einem 1-GHz-Prozessor laufen die DVD- und Surround-Sound-Wiedergabe über die Terratec-Soundkarte gerade eben ruckelfrei -- wird der Ton statt dessen über die Onboard-Stereo-Soundkarte ausgegeben, kann der Prozessor auf 600 MHz heruntergetaktet werden, womit der Testrechner deutlich leiser lief.

Verkehrte Welt

Der nächste Schritt auf dem Weg zu einer Surround-Ausgabe ist, die Zuordnung der Ausgänge zu überprüfen. Dazu verwenden Sie den Aufruf speaker-test -c 6 auf der Kommandozeile -- da das Programm bei Mandrake Linux 10.2 nicht zur Standard-Installation gehört, müssen Sie erst das Paket alsa-utils über Software installieren im Menü System / Einstellungen / Paketverwaltung nachinstallieren. Beim Lautsprechertest zeigt speaker-test an, welcher Lautsprecher gerade aktiv sein sollte und gibt dort einen Ton aus (Abbildung 3). Dies kontrollieren Sie, indem Sie einen Kopfhörer an den jeweiligen Lautsprecherausgang der USB-Soundkarte anschließen. Im Fall der Terratec Aureon 5.1 USB stellte sich heraus, dass die Anschlüsse für die hinteren Lautsprecher und Center/Subwoofer vertauscht waren, so dass Sie die hinteren Lautsprecher bei der Center/Subwoofer-Buchse einstecken und den Subwoofer samt Center-Lautsprecher an der Buchse für die hinteren Lautsprecher anschließen müssen.

Abb. 3: Mit dem Kommandozeilen-Tool "speaker-test" müssen Sie überprüfen, ob die Surround-Ausgänge der USB-Soundkarte unter Linux genauso belegt sind wie auf dem Gerät aufgedruckt. LFE bezeichnet übrigens den Subwoofer.

Damit ist die Surround-Installation abgeschlossen, es fehlt nur noch ein Video-Player, mit dem Sie die Möglichkeiten der Soundkarte überhaupt nutzen können. Das Programm Xine ist zwar auf den Installationsmedien von Mandrake Linux 10.2 und Suse Linux vorhanden, die Surround-Soundausgabe ließ sich aber unter Mandrake Linux nicht benutzen -- das Programm meldete stets einen Soundkarten-Fehler, sobald in den Einstellungen Surround 5.1 aktiviert war. Suse liefert lediglich eine kastrierte Version von Xine aus, die keinerlei DVDs abspielen kann, selbst solche nicht, die unverschlüsselt sind. Der Mplayer kann sowohl DVDs abspielen als auch den Surround-Sound ausgeben, gehört jedoch bei allen Distributionen nicht mehr zum Lieferumfang. Sie müssen daher nachinstallieren, wie das geht, beschreibt der Artikel aus [1], zudem enthält die Heft-CD alle nötigen RPM-Pakete.

6-Kanal-Sound zur DVD

Um dem Mplayer mitzuteilen, dass er nicht nur Stereo-Sound, sondern Surround-Sound mit sechs Kanälen (5 Lautsprecher plus Subwoofer) ausgeben soll, müssen Sie ihn mit dem Parameter -channels 6 aufrufen. Damit Sie den Parameter nicht umständlich über die Kommandozeile eingeben brauchen, legen Sie am besten eine Verknüpfung zum grafischen Frontends des Mplayers auf dem Desktop an:

  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle des Desktops.
  1. Wählen Sie aus dem Menü Neu erstellen / Verknüpfung zu Programm...
  1. In der Register-Karte Allgemein geben Sie im Feld für den Verknüpfungsnamen Mplayer ein.
  1. Klicken Sie auf die Register-Karte Programme und geben Sie unter Befehl das Kommando /usr/bin/gmplayer -channels 6 ein.
  1. Klicken Sie auf OK. Kurze Zeit später erscheint die neue Verknüpfung mit dem Mplayer auf dem Desktop.

Wenn Sie nun eine nicht verschlüsselte Video-DVD einlegen, etwa "Das fünfte Element", können Sie den Film in vollem Surround-Sound genießen. Mit verschlüsselten DVDs, etwa "Matrix", bleibt der Bildschirm leider dunkel -- die für die Entschlüsselung nötige Bibliothek libdvdcss ist durch die Urheberrechtsreform nicht mehr legal. Die Lösung wäre ein kommerzieller DVD-Videoplayer für Linux, etwa LinDVD von Intervideo -- dieses Programm wurde jedoch bislang nicht veröffentlicht, so dass die Linux-Benutzer nach wie vor auf den Mplayer und die CSS-Bibliothek angewiesen sind. (mdö)

Infos
[1] Marcel Hilzinger, "Filmvergnügen": EasyLinux 07/2005, S. 18

Terratec Aureon 5.1 USB
 
Hersteller:Terratec
Modell:Aureon 5.1 USB MK-II
Beschreibung:USB-Soundkarte mit 5.1-Surround-Sound, Line-Eingang, optischem Ein- und Ausgang sowie Kopfhörer- und Mikrofonanschluss
Preis:ca. 45 Euro

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