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von Marcel Hilzinger
Es gibt Tage, an denen man lieber nicht aufgestanden wäre. Man schüttet sich bereits beim Frühstück den Kaffee über die helle Hose, steigt ohne Ticket in den Bus ein und gerät in eine Kontrolle und bekommt beim Mittagessen nur noch die Reste. Möchte man dann abends zur Entspannung noch im Internet surfen oder ein neues Spiel ausprobieren, passiert es: Der Rechner bleibt stehen und weigert sich hochzufahren.
Verlässt Sie an einem solchen Tag das Glück nicht ganz, haben Sie die CD 1 oder die DVD 1 Ihrer Suse Linux zur Hand. Mit Ihrer Hilfe starten Sie entweder ein installiertes Linux oder die Systemreparatur von Suse Linux. Details dazu lesen Sie im Kasten "Fehlerdiagnose". Die erste CD/DVD enthält aber auch ein Rettungssystem. Um dieses zu starten, legen Sie die CD/DVD ins Laufwerk ein, starten den Rechner neu und wählen anschließend im grafischen Bootmenü den Eintrag Rescue System aus. Nach wenigen Sekunden erscheint ein Dialog zur Tastaturauswahl. Navigieren Sie mit den Pfeiltasten auf den Eintrag Deutsch und drücken Sie die Eingabetaste.
Suse Linux lädt nun ein minimales Linux-System in den Arbeitsspeicher Ihres Rechners. Dazu muss dieser über mindestens 128 MByte RAM verfügen. Kurze Zeit später sehen Sie den Login-Prompt:
Rescue Login:
Tippen Sie hier root ein und drücken Sie die Eingabetaste -- jetzt sind Sie drin; ein Passwort ist nicht nötig. Im Folgenden beschreibt der Artikel, wie Sie einen Dateisystem-Check durchführen und Fehler in der Partitionstabelle korrigieren. Am Ende finden Sie zudem eine detaillierte Anweisung, wie Sie ein neues Root-Passwort einstellen, sollten Sie das alte vergessen haben.
| Fehlerdiagnose |
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Das Rettungssystem von Suse Linux sollten Sie nur dann benutzen, wenn Sie eine Ahnung haben, was mit Ihrem System nicht stimmt. Sie laufen sonst Gefahr, mehr Schaden als Nutzen anzurichten. Wissen Sie nicht, woran der Fehler liegt, sollten Sie zunächst versuchen, das System von CD/DVD zu starten. Bleibt Ihr Rechner (zum Beispiel nach einem Update) mit der Fehlermeldung kernel panic hängen, legen Sie die erste Suse-CD oder -DVD ein und starten ihn neu. Wählen Sie dann Installation und nach der Sprachauswahl den Menüpunkt Installiertes System starten (Abbildung 1). Klappt so der Start, öffnen Sie YaST über [Alt-F2] und den Befehl kdesu yast2, wählen das Modul Software / Software installieren oder löschen und installieren das Paket kernel-default neu. Der Systemstart von CD/DVD hilft Ihnen auch dann, wenn Ihr Rechner ein Dual-Boot-System mit Linux und Windows ist und Windows den Betriebssystemstarter (Bootloader) überschrieben hat. Dies kann vorkommen, wenn Sie unter Windows das System auffrischen oder ein neues Office-Paket installieren. Alternativ benutzen Sie die Suse-Systemreparatur. Starten Sie dazu den Rechner von der Installations-CD, wie bei der Installation, und wählen Sie hier anstelle der Installation den Menüpunkt Reparatur des installierten Systems (Abbildung 1) aus. Ist Ihnen völlig unklar, warum das System beim Hochfahren hängenbleibt, hilft manchmal auch ein Live-System wie Knoppix oder Kanotix, um eventuelle Hardware-Probleme ausfindig zu machen. |
In sehr seltenen Fällen kann es vorkommen, dass Ihr Linux-Rechner deshalb nicht mehr startet, weil das Dateisystem beschädigt ist. Suse Linux führt zwar bei jedem Start eine kurze Überprüfung der Datenträger durch, diese kann jedoch nicht immer alle Fehler beheben. Ein Dateisystem geht typischerweise dann kaputt, wenn Sie Ihren Rechner wegen eines Stromausfalls mehrmals nicht ordnungsgemäß herunterfahren konnten. Suse Linux zeigt dann beim Start die Fehlermeldung fsck failed. Please repair manually and reboot an. Andere Linux-Systeme weisen ebenfalls darauf hin. Eine weitere Ursache für ein beschädigtes Dateisystem stellen Hardware-Defekte der Festplatte dar.
Gerade bei Hardware-Fehlern ist es wichtig, die Partition nicht einzuhängen (nicht zu mounten). Das Rettungssystem unterstützt Sie dabei, da es keine Partitionen automatisch einhängt. Bevor Sie einen Dateisystem-Check durchführen, müssen Sie zunächst wissen, welches Dateisystem Ihr Linux-Rechner benutzt und welche Partitionen sich auf der Festplatte befinden. Arbeiten Sie mit einer Standardinstallation von Suse Linux, benutzt Ihr Rechner ReiserFS. Mandrake Linux und (K)Ubuntu setzen traditionell das Dateisystem Ext3 ein.
Der Befehl für den Dateisystem-Check lautet fsck.Dateisystem Partition, wobei Sie Dateisystem durch den Namen des benutzen Dateisystems ersetzen müssen. Als Parameter für Partition geben Sie die Linux-Gerätebezeichnung an. Für die dritte Partition auf der ersten Festplatte lautet diese /dev/hda3. Der Befehl
fsck.reiserfs /dev/hda5
prüft zum Beispiel die erste logische Partition der ersten IDE-Festplatte auf Fehler im Dateisystem ReiserFS.
Sind Sie sich nicht sicher, welche Partition Sie überprüfen müssen, lassen Sie sich mit fdisk -l die Partitionen sämtlicher Festplatten anzeigen. Das Programm listet Ihnen die einzelnen Geräte, Start- und Endzylinder sowie die Typen der Partitionen auf (Abbildung 2). In der Regel kennzeichnet fdisk das Wurzelverzeichnis mit einem * in der Spalte Boot (/dev/hda1 auf Abbildung 2). Befindet sich auf Ihrem Rechner aber auch eine Windows-Installation ist vermutlich diese mit dem Boot-Stern gekennzeichnet (/dev/hde1 auf Abbildung 2 ). Suchen Sie dann die nächste Partition vom Typ Linux (Spalte System). Der Typ Linux swap kennzeichnet den virtuellen Arbeitsspeicher -- auf ihm befindet sich kein Dateisystem. Auch Einträge vom Typ Extended können Sie nicht überprüfen: Diese bezeichnen so genannte erweiterte Partitionen, auf denen Sie weitere logische Partitionen anlegen können.
5. Notieren Sie sich die in Frage kommenden Partitionen vom Typ Linux und beenden Sie das Programm mit [Q] und der Eingabetaste oder [Strg-C].
Haben Sie zum Beispiel /dev/hda2 als Wurzelverzeichnis ermittelt, starten Sie den Check mit dem Befehl fsck.reiserfs /dev/hda2. Eine Notiz weist Sie darauf hin, dass das Programm zunächst eine Fehlersuche durchführt, ohne Daten zu verändern (Abbildung 3). Um diese zu starten, schreiben Sie Yes und drücken die Eingabetaste. Je nach Größe der Partition dauert dieser Vorgang einige Minuten. Im besten Fall zeigt Ihnen das Programm die Meldung
finished No corruptions found
an, und Sie sehen erneut den Prompt (linux:~#). Hat das Programm Fehler auf dem Dateisystem gefunden, gibt es Ihnen Anweisungen, wie Sie diese zu beheben haben. Hier sind drei Szenarien häufig:
Je nachdem, welchen Fehler die Überprüfung von ReiserFS erkennt, gibt die Anwendung einen anderen Hinweis aus. Findet sie nur leichte Probleme, lautet die Fehlermeldung corruption that can be fixed with --fix-fixable. Rufen Sie dann fsck.reiserfs mit dieser Option erneut auf:
fsck.reiserfs --fix-fixable /de\ v/hda2
Ein Durchlauf mit diesem Parameter dauert in der Regel bloß einige Minuten. Findet der Dateisystem-Check größere Fehler, zeigt er die Meldung Running with --rebuild-tree is required an. In diesem Fall reparieren Sie die Partition mit dem Befehl
fsck.reiserfs --rebuild-tree /d\ ev/hda2
Je nach Größe des Dateisystems und Anzahl betroffener Dateien benötigt fsck.reiserfs für diesen Vorgang mehrere Stunden. Schafft es das Programm nicht, das Dateisystem zu reparieren, ist eventuell die Festplatte stark beschädigt. Dann benötigen Sie eine zweite Festplatte, um die Daten mit dd_rescue zunächst auf die intakte Platte zu kopieren. Anschließend starten Sie die Fehlerkorrektur auf der zweiten Platte. Für diesen Vorgang holen Sie sich am besten Unterstützung bei einem erfahrenen Linux-Anwender.
Erhalten Sie beim versuchten Einhängen der ReiserFS-Partition die Meldung read_super_block: can't find a reiserfs file system, ist entweder der Superblock des Dateisystems beschädigt, oder es handelt sich nicht um ein ReiserFS-Dateisystem. Der Superblock dient dem Dateisystem als zentrale Informationsquelle. Ist er beschädigt, kommt das System nicht mehr an die Daten heran. Weil der Superblock dermaßen wichtig ist, stellt das Dateisystem zahlreiche Kopien davon her und verteilt diese über die Partition. Das Fsck-Programm versucht dann aus einer Kopie den zentralen Superblock wieder herzustellen. Sind Sie sich ganz sicher, dass die Partion mit ReiserFS formatiert ist, reparieren Sie mit folgendem Befehl den Superblock:
fsck.reiserfs --rebuild-sb /dev\ /hda2
Sind Sie sich nicht sicher oder funktioniert die Wiederherstellung nicht, handelt es sich vielleicht gar nicht um ein Dateisystemproblem: Viel häufiger sind Fehler in der Dateisystem-Zuordnungstabelle /etc/fstab die Ursache für einen verhinderten Systemstart.
Einer der häufigsten Gründe, warum ein System nicht startet, ist eine fehlerhafte Dateisystem-Zuordnungstabelle. In dieser Datei steht, welche Partition das System mit welchem Dateisystem in welches Verzeichnis einhängen soll. Bauen Sie zum Beispiel eine neue Festplatte in Ihren Rechner ein, kann es vorkommen, dass Linux diese als /dev/hda erkennt und die bisherige Platte zu /dev/hdb wird. Das System sucht dann auf der neuen Platte nach Linux-Partitionen, findet aber keine und bleibt stehen. Vielleicht wollten Sie auch selbst etwas an der Datei ändern, und es ist Ihnen dabei ein Fehler unterlaufen. Mit dem Rettungssystem ändern Sie Einträge in der Datei ab, damit Linux wieder startet.
Haben Sie zum Beispiel eine zusätzliche Festplatte eingebaut, ändern Sie sämtliche Vorkommnisse von /dev/hda zu /dev/hdb. Danach starten Sie den Rechner von CD/DVD und wählen Installation / Deutsch / Installiertes System starten. Im laufenden System starten Sie dann YaST / System / Konfiguration des Bootloaders / Zurücksetzen / Neue Konfiguration vorschlagen / Beenden. Jetzt sollte sich Ihr Rechner wieder normal starten lassen.
Das Rettungssystem von Suse Linux hat einen großen Nachteil: Es bringt keinen Editor mit, der sich auch von Normalsterblichen bedienen lässt. Sie müssen sich deshalb mit den wichtigsten Tastenkombinationen des Editors vi (sprich: "wie ei") vertraut machen:
Funktioniert etwas nicht wie beabsichtigt, betätigen Sie so oft [Esc], bis der Rechner piepst und verlassen vi mit :q!.
Über das Rettungssystem von Suse Linux ist es auch möglich, das Root-Passwort zu ändern oder ein neues zu setzen, sollten Sie dieses vergessen haben. Sie müssen dazu allerdings wissen, welche Partition (/dev/hda1, dev/hda2, /dev/hda3 und so weiter) das Wurzelverzeichnis Ihrer Linux-Distribution enthält.
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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