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Erschienen in EasyLinux 01/2006

Datensicherung mit KDar

Gut verpackt

von Kristian Kißling


Schon wieder alle wichtigen Dateien weg? Mit KDar wäre das nicht passiert. Das grafische KDE-Backup-Programm archiviert per Mausklick Ihre kostbaren Daten.

Dateien zu sichern, empfinden die meisten Anwender eher als lästige Pflichtübung. Erst wenn trotz dramatischer Rettungsaktionen die hochwichtigen Daten verschwunden bleiben, denkt man über Backup-Lösungen nach.

Für Privatanwender bietet sich das regelmäßige Speichern auf DVD oder Festplatte an. Das Tool KDar -- das bisher leider nur in einer englischsprachigen Version vorliegt -- verhilft zu einem einfachen und komfortablen Backup. Über die Profilfunktion sichern Sie regelmäßig mit wenigen Mausklicks die wichtigsten Dateien, mit dem im Heft vorgestellten k3b sichern Sie die Daten auf CD und DVD.

KDar greift auf die libdar-Bibliotheken des Backup-Programms dar [1] zurück, das sich aufgrund seiner Fähigkeit, Dateien zu splitten, besonders für Backups auf Speichermedien wie Disketten, CDs oder DVDs eignet.

Installation

Fertige Pakete für Suse Linux und Mandriva Linux 2006 installieren Sie über YaST oder von der Heft-CD. Während Mandriva Linux und Suse Linux 10 die Version 2.0.6 nutzen, setzt Suse Linux 9.3 auf die etwas ältere Version 2.0.1. Um KDar zu starten, drücken Sie [Alt-F2] und geben kdar ein. Die folgende KWallet-Anfrage brechen Sie einfach ab -- KDar benötigt kein Passwort.

Abb. 1: KDar startet mit einer zweigeteilten Oberfläche: Oben befindet sich der Archiv-Browser, unten zeigt das Programm Statusnachrichten an.

Ort für Backups

Nach dem Start von KDar geben Sie zunächst ein Verzeichnis an, in dem das Programm die Archive oder Backups standardmäßig ablegt. Dafür bietet sich ein zentraler Ort an, zum Beispiel /home/Benutzername/dar_backups, wobei Sie für Benutzername Ihren Benutzernamen eintragen.

Ein einfaches Beispiel zeigt im Folgenden die Möglichkeiten von KDar. Angenommen, Sie wollen Ihre Musiksammlung, die insgesamt etwa 4 GByte groß ist, archivieren, wählen Sie zunächst Create(Erstellen) im Menü Archive(Archiv). Das folgende Dialogfenster fragt, ob Sie ein Profil öffnen möchten -- Sie können diesen Punkt mit Next überspringen. Geben Sie einen Namen für Ihr neues Archiv an, in diesem Fall soll es meine_musik heißen. Nach einem erneuten Klick auf Next geben Sie an, wo sich die Musikdateien befinden, die Sie archivieren wollen: Tragen Sie das Verzeichnis als Root Directory(Wurzelverzeichnis) ein. Das folgende Dialogfenster erlaubt auch ein differenzielles Backup (siehe weiter unten). Da Sie gerade ein neues Archiv erstellen, gehen Sie einfach mit Next zum nächsten Schritt über.

Einstellungen

Unter dem Punkt Configure creation options(Optionen zum Erstellen) finden Sie unterschiedliche Kategorien für das Fein-Tuning, über General(Allgemein) lassen sich die Speicherorte für das Archiv und die Logfiles verändern. Ebenso können Sie hier den Umfang der Logfiles einstellen. Durch das Aktivieren der Option Verbose output(Ausführliche Informationen) erscheinen während des Backups Statusnachrichten im Fenster Messages (Abbildung 1).

Der Punkt Slicing(Aufteilen) ist wichtig, denn das 4 GByte große Archiv soll auf CDs verteilt werden, die nur je 700 MByte groß sind. Die handlichen Einzelteile, in die Sie die Datei zerlegen, heißen Slices. So funktioniert auch die Archivierung großer Datenbestände auf CDs und DVDs. Wählen Sie für das gegebene Beispiel CDR (80 min.) als Media type(Art des Mediums), beträgt die Größe von einem Slice (Teil) 700 MByte. Wenn Sie Pause between slices(Nach Abschluss eines Teils pausieren) wählen, wird bei Bedarf nach jedem erstellten Slice ein von Ihnen vorkonfigurierter Befehl ausgeführt (Abbildung 2).

Abb. 2: Mit Hilfe der "Slicing"-Option entscheiden Sie, wie groß die einzelnen Teile des Archivs werden.

Die Rubrik Compression legt fest, ob und wie KDar die Dateien komprimiert, unter dem Reiter Cryptography, den es nur in der KDar-Version 2.0.6 gibt, richten Sie einen Verschlüsselungsalgorithmus für das Archiv ein -- bisher gibt es nur Blowfish(strong). Das ist sinnvoll, falls Sie Ihr Archiv auf einem öffentlich zugänglichen Server lagern.

Vielleicht möchten Sie aber von älteren Musikdateien, die sich im Verzeichnis /80er_Jahre_Hits befinden, kein Backup anlegen. Über den Punkt Directories gliedern Sie dazu komplette Unterverzeichnisse, über den Punkt Files einzelne Dateien und Dateitypen aus. Bei kompletten Backups ist es sinnvoll, bestimmte Dateien und Verzeichnisse wie /proc oder /dev, die Gerätedateien und Prozessinformationen enthalten, auszuschließen.

Die Exclude-Option in der Rubrik Files klammert über ein Namensmuster Dateien aus. Wollen Sie nur einen einzelnen Song weglassen, wenden Sie einen Trick an: Geben Sie unter Directories nicht nur ein Verzeichnis, sondern auch den Namen des entsprechenden Songs an. Die Include-Option bewirkt das Gegenteil: Nur die einbezogenen Verzeichnisse und Dateien wandern ins Backup.

Profilierungssucht

Die bisher gemachten Einstellungen speichern Sie in einem Creation-Profile(Erstellungsprofil) (Abbildung 3).

Abb. 3: Das Anlegen von Profilen ist nützlich, wenn Sie einen Archivierungsdurchlauf häufig wiederholen. Es erspart Konfigurationsarbeit.

Nennen Sie es zum Beispiel meine_musik_profil. Gewöhnlich müssen Sie beim unregelmäßigen Sichern die zu sichernden Ordner im Brennprogramm jedes Mal manuell zusammenstellen. Wollen Sie hingegen mit KDar zukünftig ein Backup der Textdateien vornehmen, rufen Sie lediglich das abgespeicherte meine_musik_profil auf und müssen das Programm nicht neu konfigurieren.

Die Schaltfläche Export dar command(Dar-Kommando exportieren) schreibt auf Wunsch ein Shell-Skript mit dar-Kommandos. Das ist für zeitgesteuerte, automatische Backups auf der Kommandozeile interessant, also eher eine Profi-Option.

Abschließend -- nach einem Dry Run(Testdurchlauf) zum Probieren der Konfiguration -- erstellen Sie das eigentliche Archiv. Wenn alles klappt, finden Sie nun mehrere 700 MByte große Slices mit den Namen meine_musik.1.dar, meine_musik.2.dar usw. in Ihrem Archivverzeichnis vor, die es auf CDs zu kopieren gilt.

Nur Veränderungen sichern

Bei einem differenziellen Backup archivieren Sie nur Dateien, die sich seit der letzten Sicherung verändert haben. Ein Hinweis: Im Menü Archive gibt es eine Option, die Diff heißt: Trotz der Ähnlichkeit des Begriffs lassen sich über diese Option keine differenziellen Backups erstellen -- sie vergleicht lediglich geöffnete Archive mit vorhandenen Archiven oder Verzeichnissen.

  1. Um ein differenzielles Backup zu erstellen, klicken Sie auf Create(Erstellen) und geben dem Archiv einen Namen wie meine_musik_neu.
  1. Wählen Sie dasselbe Root Directory(Wurzelverzeichnis) wie beim vorherigen Backup.
  1. Setzen Sie im nächsten Dialogfeld ein Häkchen bei der Option differential backup und wählen Sie den Speicherort des Archivs aus, das Ihre bisherigen Texte beinhaltet. Als Vergleichsdatei wählen Sie eines der 700 MByte großen Slices in dem Verzeichnis, zum Beispiel meine_musik.1.dar.
  1. Die Option Configure creation options(Optionen zum Erstellen) lassen Sie unberührt und wählen Next.
  1. Nach einem Klick auf Finish legt das Programm ein weiteres Backup an, das nur die neuen Dateien enthält.

Bei differenziellen Backups mit KDar ist zu beachten: Wollen Sie die letzte Fassung Ihrer Dateien wiederherstellen, genügt es nicht, lediglich das letzte Backup zu restaurieren -- das enthält ja nur die neuen Dateien. Um den Überblick über große Archive oder System-Backups zu behalten, kennt KDar die Isolate(Struktur)-Funktion im Menü Archive. Damit legt es Listen an, die über die Inhalte eines Archivs Auskunft geben.

Das Wiederherstellen funktioniert nach dem Zwiebel-Prinzip: Sie müssen jedes Archiv einzeln umwandeln. Um die aktuellste Fassung des Backups zu erhalten, beginnen Sie die Wiederherstellung mit dem ältesten Archiv, im Beispielfall meine_musik.1.dar und schließen mit dem jüngsten Archiv, also meine_musik_neu.1.dar, ab.

Rückholaktionen

Für die Wiederherstellung der Originaldateien ist der Restore-Befehl (Wiederherstellen) zuständig. Öffnen Sie mit File / Open ein Slice des alten Archivs: Dabei ist egal, welches Slice Sie öffnen, denn die Inhalte der anderen Slices werden automatisch mit rekonstruiert. Markieren Sie es und wählen Sie Archive / Restore(Archiv / Wiederherstellen). Ein Dialogfeld fragt Sie nach dem Speicherort der Archivdateien. Sie können das Archiv in einem neuen Verzeichnis oder im ursprünglichen Texte-Verzeichnis wiederherstellen.

Im letzten Fall stellt sich die Frage, was mit den dort bereits vorhandenen und möglicherweise veralteten Daten geschehen soll. Das bestimmen Sie über die Configure Restore Settings(Optionen zur Wiederherstellung), wobei vor allem die unter Restore(Wiederherstellung) versammelten Optionen interessant sind.

Abb. 4: Bei der Restauration der Archive arbeitet man sich schichtweise vor. Dabei stellt sich die Frage, wie KDar mit den alten Daten umgeht.

Nachdem Sie die relevanten Optionen ausgewählt haben, speichern Sie auch diese Konfiguration als Restore-Profile(Wiederherstellungsprofil).

Fazit

Restore- und Creation-Profiles bieten einen komfortablen Weg, um ohne große Umstände regelmäßig Datenbestände zu archivieren. Ein paar Klicks, und die Daten sind sicher ver- und entpackt. Leider kann man noch nicht aus KDar heraus die Dateien direkt brennen -- dazu ist ein externes Programm wie k3b nötig. Was KDar außerdem fehlt, ist eine Funktion, die automatisch zu fixen Zeiten Daten-Backups vornimmt: Sichten Sie wichtige Datenbestände mehrmals die Woche, sind auch wenige Klicks ein paar Klicks zu viel. (kki/ofr)

Infos
[1] Dar-Homepage: http://dar.linux.free.fr

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