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Erschienen in EasyLinux 01/2006

Die aktuelle NeroLinux-Version 2.0.0.3 im Test

Kleiner Brandstifter

von Martin Loschwitz


Ahead hat die Linux-Version seines im Windows-Umfeld populären Brennprogramms Nero überarbeitet. Wir zeigen, was NeroLinux 2.0.0.3 kann.

CDs und DVDs unter Linux zu brennen, bedeutete über viele Jahre einen Ausflug auf die Kommandozeile. Der Weg ist auch heute noch oft der schnellste, aber mit K3b, X-CD-Roast und anderen Programmen gibt es schon seit einiger Zeit komfortable grafische Anwendungen, in denen Sie CDs und DVDs per Drag & Drop zusammenstellen und brennen.

Unter Windows waren Brennprogramme immer grafisch, einer der bekanntesten Vertreter dieser Gattung ist Nero. Anfang 2005 entschloss sich der Hersteller Ahead, auch eine Linux-Version anzubieten, die EasyLinux bereits vor einem halben Jahr getestet hat [1]. Mittlerweile liegt das Programm in der Version 2.0.0.3 vor. Für den CD-/DVD-Schwerpunkt haben wir einen Blick auf die neue Version geworfen.

NeroLinux separat erhältlich

Die erste große Änderung betrifft gar nicht das Programm Nero, sondern die Lizenzpolitik des Herstellers Ahead: Konnte man NeroLinux bisher nämlich bloß benutzen, wenn man eine Windows-Lizenz des Programms besaß, so gibt es auf der Web-Seite des Herstellers nun auch eine Lizenz für das freie Betriebssystem -- zum Preis von 19,90 Euro. Das klingt günstig, wenn man es mit den 59,90 Euro für die Windows-Version vergleicht. Das Gratisprogramm K3b mit beinahe gleichem Funktionsumfang spielt damit natürlich in einer anderen Liga.

Wer NeroLinux lediglich testen möchte, findet auf der Nero-Homepage [2] einen Download-Link für eine Testversion, die lediglich zeitlich beschränkt ist.

Eines für alle

Am Download führt ohnehin kein Weg vorbei, weil es NeroLinux nicht auf CD zu kaufen gibt. Wer stattdessen einen Lizenz-Key erwirbt, erhält diesen per E-Mail und wandelt damit die Testversion in eine Vollversion um.

Zwischen verschiedenen Distributionen unterscheidet der Download-Bereich nicht; zur Auswahl stehen nur zwei Pakete im RPM- und Debian-Paketformat. Ersteres verwenden Sie für Suse und Mandriva Linux, das zweite eignet sich z. B. für Knoppix und Ubuntu.

Die Installation verlief reibungslos über die Paketprogramme der Distributionen. Die Integration in die Distribution lässt zu wünschen übrig: Nach der Installation erschien NeroLinux weder bei Suse noch bei Mandriva Linux im Startmenü. So blieb nur der Weg über den KDE-Schnellstarter mit [Alt-F2] (und Eingabe von nerolinux), um das Programm auf den Bildschirm zu zaubern.

Suche nach SCSI-Brennern

Bereits der erste Start von Nero setzte einige seltsame Prozesse in Gang: So suchte das Programm z. B. nach SCSI-Brennern. IDE/ATAPI-Brenner wurden von Linux früher über eine Emulationsschicht wie SCSI-Geräte angesprochen, das ist aber schon lange nicht mehr üblich. Da keine aktuelle Distribution noch mit dieser Emulation arbeitet, stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Suchfunktion -- immerhin kann man sie deaktivieren.

Unter Suse Linux beschwerte sich NeroLinux außerdem darüber, dass Programme im System aktiv wären, die seine korrekte Funktion beinträchtigten. Gemeint waren suseplugger und susewatcher. Ersteres erkennt neue Hardware, die man per USB oder FireWire an das System anschließt, letzteres hält im Internet Ausschau nach Sicherheits-Updates für die Suse-Distribution. Wieso Nero mit den beiden Programmen Probleme hat, blieb bis zum Schluss unklar -- war suseplugger aktiviert, funktionierte das Einhängen von CDs in Nero nicht.

Von Modern Art keine Spur

Bitter stößt auch die Optik von NeroLinux (Abbildung 1) auf: Die Oberfläche basiert auf dem fünf Jahre alten und seit 2002 nicht mehr weiter entwickelten Programm Gnome Toaster (Abbildung 2) [3]. Nero mutet insofern sehr altbacken an und passt nicht zu den modernen KDE- (oder auch Gnome-) Desktops aktueller Distributionen.

Abb. 1: NeroLinux kann seine Verwandschaft mit dem großen Windows-Bruder nicht verheimlichen, insgesamt wirkt die Oberfläche aufgeräumt.

Abb. 2: Sehr ähnlich: Nero hat das GUI des freien Programms Gnome Toaster weiterentwickelt (hier ein Screenshot aus dem Jahr 2001).

Abb. 3: Zum Vergleich die Windows-Version von Nero Burning ROM (Quelle: Handbuch zur Version 7.0).

Tonprobleme

Ähnlich wie bei der Windows-Version haben die Ahead-Entwickler NeroLinux eine Funktion spendiert, mit deren Hilfe Sie bestimmte Ereignisse mit kurzen Tonsequenzen verbinden. Ist eine CD beispielsweise fertig, informiert ein Geräusch den Benutzer -- zumindest theoretisch, denn bei NeroLinux funktioniert diese Funktion nur, wenn es direkt auf die Sound-Karte zugreifen kann oder wenn der so genannte Enlightenment Sound Daemon (ESD) läuft. KDE verwendet für die Koordination mehrerer Klangquellen aber Arts -- darum bleibt NeroLinux stumm.

Zusatzfunktionen

Laut Ahead kann NeroLinux auch und vor allem mit seinen vielseitigen Funktionen im Umgang mit Audiodateien aufwarten. Im Test erwies sich allerdings schon die Konvertierung zwischen verschiedenen Audioformaten als sehr instabil. NeroLinux stürzte häufig ab und produzierte oft defekte Audiodateien. Zudem unterstützt das Programm von Haus aus nur wenige Audioformate wie MP3 und WAV. Über einen Dialog kann man NeroLinux zwar weitere Audioformate wie OGG beibringen, doch scheitert der Versuch meist schon an der mangelnden Übersichtlichkeit und Verständlichkeit (Abbildung 4).

Abb. 4: In diesem Dialog bringen Sie NeroLinux den Umgang mit weiteren Audio-Formaten bei.

Auch das Erstellen von Musik-CDs war nur wenig komfortabel. Bei WAV- und Ogg-Vorbis-Dateien konnte NeroLinux die Länge nicht (oder nicht richtig) bestimmen. Im Track-Editor, der Leiste am unteren Bildschirmrand, die darüber informiert, wie viele freie Minuten noch auf der CD vorhanden sind, waren die Informationen deshalb fehlerhaft. Grund ist eine schon vor einigen Monaten erfolgte Veränderung der Ogg-Vorbis-Programmpakete, bei denen das Informations-Tool oggst durch ogginfo ersetzt wurde.

NeroLinux erstellt auch Video-DVDs, aber nur, wenn die DVD-Ordnerstruktur (AUDIO_TS und VIDEO_TS) bereits vorhanden ist. Aus einfachen Videodateien eine Video-DVD zu erstellen, erlaubt das Programm nicht.

Standardaufgaben souverän gelöst

Bei den Standardfunktionen verhielt sich NeroLinux unauffällig. Das Programm kommt nun auch mit Dual-Layer-DVDs und allen Standardformaten zurecht. Boot-fähige DVDs sind leicht erstellt, und auch eine ISO-Datei kann das Programm auf CD brennen. Die meisten Aufgaben erledigen Sie in NeroLinux bequem per Drag & Drop.

Fazit: Viel zu unrund

NeroLinux ist ein solides Tool für einfache Brennaufgaben. Die Optik ist veraltet, und Komfortfunktionen, die man bei einem kommerziellen Programm erwarten würde (und aus der Windows-Version kennt), fehlen.

Dass unter Suse Linux die Standarddienste susewatcher und suseplugger deaktiviert werden müssen, ist ein weiterer irritierender Punkt. Wo die Windows-Version über einen multifunktionellen Wizard verfügt, der Anwender Schritt für Schritt durch die Erstellung einer neuen CD oder DVD leitet, fehlt NeroLinux ein solcher Assistent.

Die Alternative K3b macht einen wesentlich runderen Eindruck und ist dazu auf allen aktuellen Systemen schon vorinstalliert -- kostenlos, und noch dazu in deutscher Sprache; NeroLinux spricht nur Englisch. (hge)

Infos
[1] NeroLinux-Testbericht: Heike Jurzik, "Brandmeister", EasyLinux 06/2005, S. 76 ff.
[2] NeroLinux: http://www.nero.com/de/NeroLINUX.html
[3] Gnome Toaster: http://gnometoaster.rulez.org/

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