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Erschienen in EasyLinux 01/2006

Erweiterte Brennoptionen in K3b

Dauerbrenner

von Sebastian Holler


Wer sich fragt, weshalb Windows Dateinamen auf einer mit K3b gebrannten CD verstümmelt darstellt und was die Meldung "UDF-Erweiterung aktiviert" beim Brennen einer Video-DVD bedeutet, findet die Antworten in diesem Artikel. Wir stellen die erweiterten Optionen von K3b vor.

Mit K3b bannen Sie im Handumdrehen Ihre Daten auf CD und DVD: Sie starten ein neues Brennprojekt, fügen die gewünschten Dateien hinzu, klicken zweimal auf einen mit Brennen beschrifteten Button, und schon legt das KDE-Brennprogramm los. Schauen Sie sich das Ergebnis allerdings unter Windows an oder versuchen Sie gar, eine Videodatei, die größer als 2 GByte ist, auf eine DVD zu befördern, erleben Sie eventuell eine Enttäuschung (Abbildung 1).

Abb. 1: Ohne Joliet-Erweiterung sehen unter Windows die Dateinamen selbst gebrannter Datenträger bescheiden aus.

Wir erklären Ihnen, an welchen Stellschrauben von K3b Sie drehen müssen, um dennoch das gewünschte Ergebnis zu erzielen, und werfen einen kurzen Blick auf das Dateisystem von optischen Medien. Brenn-Neulinge unter Linux finden unter [1] ausführliche Informationen zur Arbeit mit K3b. Dieser Artikel geht einen Schritt weiter und behandelt die erweiterten Optionen des Programms.

Eine Frage des Formats

CDs und DVDs haben ein eigenes Dateisystem, welches sich von den auf Festplatten üblichen Formaten, wie z. B. fat32 und reiserfs, unterscheidet. Für optische Datenträger hat sich zu Beginn der Standard ISO9660 durchgesetzt. Dieser legt unter anderem fest, dass sich ein Dateiname aus maximal acht Zeichen sowie einer durch einen Punkt getrennten, bis zu drei Zeichen umfassenden Endung zusammensetzen darf. Heutzutage reicht das jedoch nicht mehr aus, da die meisten Dateisysteme inzwischen längere Dateinamen erlauben und Anwender ihre Dateien aussagekräftig benennen. Daher haben sich zwei Erweiterungen des ISO9660-Standards unabhängig voneinander etabliert: Microsoft erschuf die Joliet-Extension, und in der Unix-Welt setzte sich Rock-Ridge durch.

Rock-Ridge funktioniert ausschließlich unter Unix-artigen Betriebssystemen, Windows kann mit dieser Erweiterung nichts anfangen. Bei Datenträgern im Rock-Ridge-Format dürfen Dateinamen bis zu 255 Zeichen lang sein, Groß- und Kleinbuchstaben sowie Leer- und Sonderzeichen (z. B. deutsche Umlaute) enthalten. Darüber hinaus unterstützt Rock Ridge die Linux-typischen Zugriffsrechte [2] und symbolische Links [3].

Joliet ist für Sie die passende Erweiterung, falls Sie auch unter Windows auf Ihre selbstgebrannten Medien zugreifen möchten. Diese Erweiterung bietet Ihnen einen ähnlichen Leistungsumfang wie Rock-Ridge, beschränkt jedoch die Länge von Dateinamen auf maximal 64 Zeichen. So erstellte Datenträger lesen Sie auch unter Linux problemlos, da das freie Betriebssystem mit der Joliet-Erweiterung problemlos zurecht kommt.

K3b schreibt die gewünschten Erweiterungen zusätzlich zum ISO9660-Standard auf den Datenträger, und es ist möglich, beide Erweiterungen zu aktivieren. In den neuesten K3b-Versionen ist genau das die Vorgabes. Sie finden diese Einstellung im Brennmenü auf dem Reiter Dateisystem. Deaktivieren Sie eine der Erweiterungen, blendet K3b einen Warnhinweis ein. Als weitere Brennoption steht dort außerdem das Universal Disk Format (UDF) zur Auswahl. UDF soll den in die Jahre gekommenen ISO9660-Standard einmal komplett ablösen und bietet viele weitere Features [4]. Viel wichtiger als die Möglichkeit, einer Datei zukünftig einen bis zu 255-stelligen Dateinamen verpassen zu können, ist die Unterstützung von Dateigrößen über 2 GByte. Gerade beim Archivieren von MPEG- und AVI-Videos auf DVD ist diese Grenze schnell überschritten, und Sie kommen an UDF nicht vorbei.

Sowohl neuere Linux-, als auch Windows-Versionen können mit UDF-Datenträgern umgehen, dennoch ist beim Brennen mit K3b Vorsicht angesagt: Aktivieren Sie nur die UDF-Erweiterung, zwängt K3b die Dateinamen trotzdem in das recht enge Korsett der ISO9660-Konventionen. Daher ist es ratsam, zusätzlich noch mindestens eine der beiden anderen Erweiterungen einzuschalten.

Übrigens aktiviert K3b beim Hinzufügen einer Datei, die größer als 2 GByte ist, automatisch das UDF-Format. Während unter Mandriva Linux 2006 und Suse Linux 10.0 dazu eine Meldung erscheint (Abbildung 2), erledigt die etwas ältere K3b-Version von Suse Linux 9.3 diese Arbeit für Sie unsichtbar im Hintergrund.

Eine Kurzbeschreibung der einzelnen Optionen entlocken Sie K3b mit einem Rechtsklick auf eine Option und markieren der Funktion Was ist das? (Abbildung 3).

Abb. 2: K3b aktiviert die UDF-Erweiterung automatisch, sobald Sie eine Datei, die größer als 2 GByte ist, zu einem Projekt hinzufügen.

Abb. 3: K3b bietet Ihnen per Rechtsklick eine Kurzhilfe zu jedem Menüpunkt an.

Leergut

Der Reiter Dateisystem enthält noch weitere Einstellungsmöglichkeiten. So können Sie die in Pfad- und Dateinamen enthaltenen Leerzeichen eliminieren oder durch ein anderes Zeichen ersetzen lassen. Prinzipiell sind Leerzeichen bei Joliet, Rock-Ridge und UDF erlaubt, doch es kann später Probleme geben, wenn Sie beabsichtigen, Verweise auf Pfade oder Dateinamen mit Leerzeichen per Kommandozeile an andere Programme zu übergeben. Dort müssen Sie Dateinamen mit Leerzeichen dann immer in Anführungszeichen setzen, damit das jeweilige Programm nicht jeden Teil des Namens als Dateiname oder Aufrufoption missinterpretiert.

Der Unterschied zwischen den beiden Optionen Entfernen und Erweitertes Entfernen besteht darin, dass K3b bei der zweiten Option jedes ursprünglich getrennte Wort mit einem Großbuchstaben beginnt. Aus datei mit leerzeichen.txt wird dateiMitLeerzeichen.txt.

Nutzen Sie die Rock-Ridge-Erweiterung, bietet Ihnen K3b zwei weitere Optionen an: So können Sie die unter Linux üblichen Dateizugriffsrechte mit auf den Datenträger brennen. Mit Symbolischen Verknüpfungen sind Verweise auf andere Dateien gemeint. In K3b entscheiden Sie, ob Sie die Verknüpfung oder die Datei, auf die diese zeigt, auf den Datenträger bannen.

Erweiterte Einstellungen

Auf dem Reiter Erweitert finden Sie eine Reihe zusätzlicher Optionen, von denen zumindest die erste interessant ist: Sie erlaubt es Ihnen, die maximale Dateinamenlänge der Joliet-Erweiterung von 64 auf 103 Zeichen anzuheben.

Das ursprüngliche ISO9660-Dateisystem hat man ebenfalls zu erweitern versucht und drei so genannte Konformitätsstufen bzw. Level eingeführt. Auch hier liefert K3b wertvolle Informationen per Rechtsklick. Selbst nicht-ISO-konforme Dateinamen können Sie mit K3b erzwingen. Aktivieren Sie die Option Unveränderte ISO-9660-Dateinamen erlauben (unter Suse Linux 9.3:Nicht übersetzte Dateinamen erlauben), schaltet K3b automatisch alle folgenden eingerückten Funktionen ein.

Beachten Sie, dass sowohl die Angabe der Konformitätsstufe als auch die Behandlung "unveränderter Dateinamen" nur das ISO9660-Format betreffen. Wenn Sie auf dem Reiter Dateisystem eine für Ihr Betriebssystem lesbare Erweiterung aktiviert haben, spielen die hier gesetzten ISO-Einstellungen keine Rolle.

Die beiden übrigen Optionen beziehen sich auf die besonderen Funktionen der Rock-Ridge-Erweiterung. Für Einsteiger sind diese eher uninteressant. Es sei hier nur angemerkt, dass die angegebene Datei TRANS.TBL eine Übersetzung zwischen den Linux-Dateinamen (inklusive der Zugriffsrechte) und den ISO-konformen Bezeichnungen enthält.

Haben Sie alle Einstellungen an Ihre Bedürfnisse angepasst, ist es nicht notwendig, diesen Schritt bei jedem Brennvorgang zu wiederholen: Der Button Benutzer-Voreinstellungen speichern sorgt dafür, dass K3b sich die einmal gesetzten Optionen merkt. (amü)

Infos
[1] K3b-Einführung: Martin Loschwitz, "Durchgebrannt", EasyLinux 07/2005, S. 42 ff., http://www.easylinux.de/2005/07/042-k3b/
[2] Artikel über Zugriffsrechte: Carsten Schnober, "Zugriff gestattet?", EasyLinux 10/2005, S. 60 ff., http://www.easylinux.de/2005/10/060-rechte/
[3] Guru-Training zu "ln": Daniel Molkentin, "Umleitung", EasyLinux 11/2004, S. 81 f.
[4] Wikipedia-Eintrag zum "Universal Disk Format": http://de.wikipedia.org/wiki/Universal_Disk_Format

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