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Erschienen in EasyLinux 01/2006

CDs direkt bedrucken

Scheibenmalerei

von Mirko Dölle


Der Edding-Stift ist nach wie vor die Nummer Eins, wenn es um die Beschriftung von CDs und DVDs geht. Wer ein wenig mehr Geld in Rohlinge und Drucker investiert, kann die Scheiben auch direkt bedrucken.

Bei der liebevollen Gestaltung von CDs und DVDs denken viele Anwender nur an die Hülle, die Scheibe wird allenfalls mit einem wasserfesten Stift spärlich beschriftet. Alternativ bietet die Zubehörindustrie Aufkleber und Zentrierhilfen an, mit denen Sie zunächst das CD-Label bedrucken, abziehen und möglichst mittig auf die CD kleben -- was im ersten Versuch klappen muss.

Solche beklebten CDs sind jedoch kaum geeignet, über mehrere Jahre aufgehoben zu werden -- teilweise lassen sie sich nicht einmal mehr abspielen: Schuld daran ist der Aufkleber, der je nach Rohling über Monate mit dem Schutzlack der Reflexionsschicht reagiert und sie anlöst -- das Ergebnis sind mitunter wellige Aufkleber, unter denen die silberne Schicht oxidiert oder sich gleich vom Polycarbonat-Träger löst.

Die Alternative sind bedruckbare CDs und DVDs, die nur rund fünf bis zehn Cent mehr kosten als herkömmliche Medien und damit sogar billiger sind als herkömmliche Aufkleber -- allerdings benötigen Sie einen Drucker mit speziellem CD-Einzug und natürlich passende Linux-Treiber. Zwei solche Drucker sind der Epson Stylus Photo R200 für knapp 90 Euro und der Stylus Photo R300 für rund 125 Euro.

Ein weiterer Vorteil von direkt bedruckten CDs und DVDs ist, dass sie keine merklichen Unwuchten aufweisen -- beklebte CDs hingegen haben praktisch immer eine Unwucht, die bei heutigen DVD- und CD-Laufwerken mit bis zu 25000 Umdrehungen pro Minute zu massiven Vibrationen führt. Im schlimmsten Fall kann ein solcher Datenträger förmlich auseinanderfliegen, was einen Totalschaden für das Medium und das Laufwerk bedeutet.

Druck für die CD

Zum Lieferumfang des Epson R200 und R300 gehört ein CD-Halter, den Sie über eine separate Klappe auf der Vorderseite des Druckers einführen. Für den CD-Druck schaltet der Treiber in einen speziellen Modus um. Die Open-Source-Treiber von Suse sowie Mandrake Linux scheitern jedoch allesamt an der Ansteuerung des Druckers im Zusammenhang mit dem CD-Halter, auch auf http://linuxprinting.org ist dieses Feature als nicht unterstützt gelistet. Hier springt die Firma Zedonet mit dem kommerziellen Druckertreiber Turboprint [1] für rund 30 Euro in die Bresche.

Turboprint enthält etliche Treiber für verschiedene Tintenstrahl- und Laserdrucker, die speziell angepasst wurden und in der Druckqualität vielfach die Open-Source-Treiber der Distributionen übertreffen. Die Installation und die grundlegende Bedienung von Turboprint beschreibt der Artikel [2]. Für den Test verwendeten wir einen Epson Stylus Photo R200 und die gleiche Turboprint-Version 1.91 wie in der Installationsbeschreibung.

Vor dem CD-Ausdruck stellen Sie mit dem Turboprint-Konfigurationsprogramm xtpconfig den Papiertyp auf "CD" um (Abbildung 1). Andernfalls beginnt der Drucker zwar augenscheinlich mit dem Ausdruck, schiebt dann jedoch den CD-Halter wieder heraus und blinkt mit den Papier- und Tinten-Warnleuchten, bis Sie das Fach für die CD wieder geschlossen haben -- um dann den Ausdruck zu Papier zu bringen.

Abb. 1: Damit der Drucker eine CD akzeptiert, muss im Turboprint-Konfigurationsprogramm der Papiertyp auf "CD" stehen. Andernfalls wartet der Drucker, bis Sie die CD wieder entfernt haben, und druckt dann auf Normalpapier.

Tinte überall

Die Seitengröße bleibt in den Anwendungen, mit denen Sie das CD-Label herstellen, beim üblichen DIN-A4-Format. Der Treiber versetzt beim Ausdruck den linken Seitenrand jedoch nach rechts, bis zum Anfang des CD-Halters. Leider blendet der Treiber die nicht-bedruckbaren Bereiche rund um das Mittenloch der CD sowie außerhalb der CD-Oberfläche nicht aus. Wenn Sie zum Beispiel ein Foto auf DIN A4 vergrößern und ausdrucken, wird es vom linken Rand bis etwa zur Blattmitte, aber in gesamter Länge ausgedruckt -- die Tinte verteilt sich damit ganzflächig über den CD-Halter inklusive CD.

Ein Spezialprogramm, das die Besonderheiten des CD-Halters berücksichtigt, gibt es für Linux nicht -- Sie sind also darauf angewiesen, die CD-Label mit gewöhnlichen Programmen herzustellen. Die Seitenränder für den Bereich der CD sind 1,5 cm rechts, 0,8 cm oben, 7,5 cm rechts und 16,9 cm unten.

Vorlage für OpenOffice

Eine besondere Schwierigkeit ist, die üblicherweise rechteckigen Fotos an die CD-Rundungen anzupassen. Auf der Heft-CD und unter [3] finden Sie eine Vorlage für OpenOffice, die eine schneeweiße Abdeckmaske für die nicht bedruckbaren Bereiche der CD enthält.

Wenn Sie die Datei öffnen, sehen Sie die einzelnen Maskenelemente aus Abbildung 2. Die Maske besteht aus mehreren weiß gefüllten Elementen, deren Umrandung noch schwarz gefärbt ist. Neu eingefügte Objekte wie Text oder Grafiken legt OpenOffice oberhalb der Maske ab, die Sie damit nach und nach verdecken.

Abb. 2: Die CD-Vorlage enthält eine Abdeckmaske, die nur den bedruckbaren Bereich der CD transparent lässt und den Rest der Seite weiß abdeckt. Vor dem Ausdruck müssen Sie noch die schwarzen Linien entfernen.

Um fertige Ansicht zu kontrollieren, klicken Sie mit dem Auswahlwerkzeug einfach auf einen freien Bereich der Seite, womit Sie die Maske auswählen, und bringen sie per Ändern / Anordung / Ganz nach vorn in den Vordergrund. Damit verdeckt die Maske alle nicht bedruckbaren Bereiche, wie in Abbildung 2 zu sehen -- das Bild wurde absichtlich über den linken oberen Seitenrand hinaus verschoben, damit Sie die Maske und ihre deckenden Bereiche besser erkennen können und unten Platz für eine Beschriftung bleibt.

Maske auflegen

Sind Sie mit der Anordnung zufrieden, entfernen Sie die Linien der Maske. Dazu klicken Sie mit dem Auswahlwerkzeug auf die Maske und wählen aus dem Menü Format / Linie. Dort ändern Sie den Linienstil auf Unsichtbar und klicken auf OK. Vor dem Ausdruck sollten Sie dann noch einmal überprüfen, ob in der Turboprint-Konfiguration tatsächlich die CD als Papiertyp eingestellt ist.

Das Ergebnis des Ausdrucks war im Test allerdings nicht berauschend: Auf den CD-Rohlingen Intenso CD-R Printable 80 Minuten war das Foto leicht grünstichig, wies deutlich sichtbare Streifen auf, und dunkle Bereiche versackten im Schwarz -- kein Vergleich mit den Druckergebnissen auf Normalpapier oder gar Fotopapier. Mit anderen Rohlingen, etwa von Maxell, wurden uns gute Druckergebnisse berichtet -- möglicherweise gefällt Ihnen die Druckqualität auf anderen Marken- oder No-Name-Rohlingen sogar noch besser. Da hilft nur ausprobieren. (mdö)

Infos
[1] Turboprint von Zedonet: http://www.turboprint.de
[2] Hans-Georg Eßer, Heike Jurzik: "Schöner drucken", EasyLinux 02/2005, Seite 28
[3] CD-Vorlage für OpenOffice: http://www.easylinux.de/Download/2005/04/photoprint/cd-vorlage.std

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