![]() |
|
||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
von Martin Loschwitz
PCs entwickeln sich zu heimischen Zentralen für multimediale Inhalte. Um nicht zum Diskjockey zu werden und ständig eine neue CD in die Laufwerksschublade des Rechners zu befördern, ist es hilfreich, die Musikscheiben auf den Linux-PC zu kopieren. Dann greifen Sie bequem mit einem Abspielprogramm wie Amarok auf die Songs zu. Wenn Sie die Musik nach dem Kopieren komprimieren, schaffen Sie sogar Platz für noch mehr Musik.
Die vielen Einzelschritte -- das Kopieren der Musik auf den Rechner, das Eintragen der richtigen Lieddaten (Interpret und Titel sind auf der CD ja nicht mitgespeichert) und das Komprimieren -- erledigt ein praktisches Programm namens Grip für Sie.
Vor dem Spaß steht wie so oft die Installation. Bevor Sie sich mit Musik beschäftigen, schaffen Sie ein technisches Problem aus der Welt, das durch ein Patent bedingt ist: MP3 ist bekanntermaßen das meistverbreitete Musikformat, leider ist es durch das Frauenhofer Institut patentiert. Linux-Distributoren fürchten sich daher vor Rechtsstreits. Manche zogen bereits vor längerer Zeit die Notbremse und verbannten sämtliche MP3-Software aus ihrer Distribution. Dazu haben sich Suse und Mandriva zwar noch nicht durchgerungen (MP3-Dateien sind nach wie vor abspielbar); ein Programm, mit dem Sie MP3-Dateien erzeugen können, fehlt aber auch hier.
Unter Linux nimmt man für diese Aufgabe meist das Programm Lame her. Installieren Sie es nach, Sie finden im Internet passende Pakete. Detaillierte Hinweise finden Sie im Kasten Grip und LAME installieren.
| Grip und LAME installieren |
Lame installieren: Suse Linux
Lame installieren: Mandriva Linux 2006
Grip installierenDas gleiche Prinzip gilt für Grip. Es ist zwar das Standard-Tool für das "CD-Rippen", wird aber trotzdem standardmäßig nicht installiert. Allen aktuellen Distributionen liegt Grip aber bei. Installieren Sie deshalb von Ihrer Installations-CD/-DVD das Paket grip nach. |
Grip finden Sie im Startmenü, schneller geht es aber mit [Alt-F2] und Eingabe von grip in das Schnellstartfenster. Nach dem ersten Start präsentiert sich Grip dann wie in Abbildung 1 -- vorausgesetzt, es liegt bereits eine Audio-CD im Laufwerk. Ist das nicht der Fall, ist die Titelliste im Hauptfenster leer.
Auf dem ersten Reiter Tracks sehen Sie den Inhalt der Audio-CD, falls eine im Laufwerk liegt. Am unteren Bildschirmrand liegt das Kontroll-Panel, mit dem Sie die zweite Funkion von Grip nutzen: Grip ist bei Bedarf auch ein einfacher Player. Die Knöpfe halten sich in der Symbolik praktischerweise an die Standards, die auch dei meisten Stereoanlagen verwenden. Das Bedienfeld für den Player ist übrigens von allen Registerreitern aus sichtbar.
Der zweite Reiter, Rip, ist der Hauptgrund für die Existenz von Grip: Hier versteckt sich der "Ripper", also der Programmteil, der die Musik von der CD auf die Platte bringt und sie dabei auch komprimiert. Mehr dazu weiter unten.
Hinter dem dritten Reiter (Konfiguration) finden Sie die Programmeinstellungen. Klicken Sie dort auf den Unterreiter Kodiere und ändern Sie im Feld Kodierer die Vorgabe oggenc auf lame -- dann erzeugt Grip später MP3- statt Ogg-Vorbis-Dateien. Um die Qualität der komprimierten Songs zu verbessern, fügen Sie im Feld Kommandozeile noch -b 192 ein. Grip erzeugt dann MP3-Dateien mit 192 KBit/s Datenrate. Das verbraucht etwas mehr Speicherplatz, aber der Unterschied zu 128-KBit-kodierten MP3-Dateien ist deutlich hörbar.
Das Programm oggenc, das unter Kodiere voreingestellt war, können Sie alternativ zu Lame verwenden, um von CD kopierte Musik zu komprimieren. Damit erzeugen Sie Dateien im (nicht patentierten) Ogg-Vorbis-Format. Ogg Vorbis hat mittlerweile viele Anhänger, leidet aber darunter, dass die meisten tragbaren MP3-Player (z. B. Apples iPod) dieses Format nicht verstehen.
Für Linux gibt es mehrere Ogg-Vorbis-fähige Audio-Player, und sogar Winamp für Windows versteht das Format -- wer also nicht plant, seine Musik später auf einem tragbaren Gerät mitzunehmen, kann das Format Ogg/Vorbis einmal ausprobieren. Im Vergleich mit MP3 benötigen Ogg-kodierte Lieder bei besserer Qualität weniger Plattenplatz.
Nur zwischen den beiden Formaten hin und her zu kodieren, ist keine gute Idee, denn bei jedem solchen Konvertierungsschritt geht ein wenig Qualität verloren. Wenn Sie ein Lied also einmal als MP3-Datei gespeichert haben, belassen Sie diese in ihrem Format. Benötigen Sie zusätzlich eine Ogg-Vorbis-Version, rippen Sie die CD am besten erneut: Das garantiert maximale Qualität.
Über den Unterreiter ID3 erreichen Sie die Konfiguration der "ID3-Funktion". Diese sucht im Internet nach Zusatzinformationen, wie Interpret, Titel und Erscheinungsjahr, und speichert sie in einem reservierten Bereich der MP3- oder Ogg-Vorbis-Datei.
Grip nutzt dazu den FreeDB-Service (www.freedb.org), der Titelinformationen zu den meisten aktuellen CDs bereithält und auch viele "exotische" CDs kennt (Abbildung 2).
Aktivieren Sie die Optionen Füge ID3-Tags ... und Füge ID3v2-Tags ... -- dann können sowohl aktuelle als auch ältere Abspielprogramme die Song-Titel anzeigen.
Die Konfiguration ist damit abgeschlossen, denn die Einträge in den anderen Reitern des Konfigurationsabschnitts sind nicht von Interesse. Die drei übrigen Hauptregister sind selbsterklärend -- Status verrät, was das Programm gerade tut (wenn bereits ein Rip-Vorgang läuft). Hilfe zeigt das ausführliche Handbuch des Programms an, das im Notfall Informationen zu fast allen Funktionen bereithält.
Haben Sie die Lieder ausgewählt, ist der nächste Schritt schon das Kopieren der Songs auf die Platte. Grip speichert sie zunächst im WAV-Format und konvertiert sie dann mit Lame in MP3-Dateien.
Häufig liest Grip Lieder schneller von der CD als Lame sie kodieren kann -- besonders bei älteren und damit langsamen Computern ist das der Fall. Wundern Sie sich nicht, wenn das Auslesen von CDs mit der Zeit immer langsamer wird: Wenn Sie mehrere CDs hintereinander rippen, steigt die Temperatur im Laufwerk, und die Elektronik zieht eine Bremse an.
Hat Grip den Vorgang erfolgreich abgeschlossen, finden Sie im Ordner mp3 in Ihrem Home-Verzeichnis die von der CD kopierte Musik. Mit Amarok oder einem anderen geeigneten Programm spielen Sie sie ab.
Wenn Grip sich beim Rippen oder Abspielen von CDs mal scheitert, muss das nicht tragisch sein: Oft streikt Grip, weil das CD-ROM-Laufwerk einen Lesefehler gemeldet hat. Dann ist es oft zu warm gelaufen und benötigt einfach ein paar Minuten Zeit zum Abkühlen.
Wenn speziell die CD-Wiedergabe nicht funktioniert, haben Sie vielleicht vergessen, das CD-Laufwerk und die Sound-Karte im Rechner mit einen speziellen Kabel zu verbinden: Fehlt es, bleiben die Boxen stumm -- aber nicht nur bei Grip, sondern auch bei den übrigen CD-Playern unter Linux.
Grip ist ein sehr komfortabler Ripper, der Ihnen nicht nur das Kopieren und Kodieren abnimmt, sondern auch gleich die richtigen Song-Titel im Internet nachschlägt und einträgt. Um damit MP3-Dateien zu erzeugen, muss nur einmalig Lame nachinstalliert werden -- wollen Sie das nicht, bleibt immer noch die Alternative Ogg-Vorbis. (hge)
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
Druckerfreundliche Version |
Feedback zu dieser Seite |
Datenschutz |
© 2012 Linux New Media AG |
Last modified: 2007-04-05 11:24
[Linux-Magazin]
[LinuxUser]
[Linux-Community]
[Admin-Magazin]
[Ubuntu User]
[Smart Developer]
[Linux Events]
[Linux Magazine]
[Ubuntu User]
[Admin Magazine]
[Smart Developer]
[Linux Magazine Poland]
[Linux Community Poland]
[Linux Magazine Brasil]
[Linux Magazine Spain]
[Linux Technical Review]