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von Thomas Leichtenstern
KIO-Slaves sind kleine Helferlein, die der Desktop-Umgebung KDE die Flexibilität verleihen, für die sie bekannt ist. Die Abkürzung KIO steht für KDE Input Output, was die Funktionsweise der Software-Sklaven schon recht gut beschreibt: Sie bilden eine für den Anwender transparente Schnittstelle zu verschiedenen Diensten und Mechanismen. Das heißt, die Darstellung und das Verhalten von Dateien und Verzeichnissen bleiben -- unabhängig davon, über welches Protokoll oder Programm sie aufgerufen werden -- immer gleich. So ist als Beispiel das Dateisystem, auf das über einen Dienst wie SSH oder SMB zugegriffen wird für den Anwender weder optisch noch technisch vom lokalen Dateisystem zu unterscheiden.
Dieser Artikel erklärt, wie KIO-Slaves funktionieren, und stellt Ihnen einige davon genauer vor.
Viele KIO-Slaves sind integrative Bestandteile von KDE und verrichten ihre Dienste, ohne dass der Benutzer etwas davon mitbekommt. So zeigt der KIO-Slave thumbnail im Verzeichnis enthaltene Bilder im Kleinformat, wenn Sie im Konqueror auf den Button Symbol-Ansicht klicken. Auch das Öffnen gepackter Dateien im ZIP-, TAR- oder BZIP-Format durch einen Klick auf die entsprechende Datei übernimmt der dafür zuständige KIO-Slave.
Diese Module stehen jedoch nicht nur dem Konqueror zur Verfügung; alle KDE-Applikationen sind in der Lage, die Fähigkeiten dieser dienstbaren Helfer in Anspruch zu nehmen.
Die Wahl, welchen KIO-Slave Sie verwenden, treffen Sie über die Eingabe in der Adressleiste. Der Aufbau der Zeichenkette ist ähnlich einer URL und besteht aus einem Präfix, welches das Modul festlegt, gefolgt von einem Begriff oder einer Adresse.
Die Eingabe von http://easylinux.de aktiviert durch das Präfix http den passenden KIO-Slave namens kio_http. Dieses zum Darstellen von Web-Inhalten zuständige Modul präsentiert im Anschluss die Web-Seite von EasyLinux.
Eine beträchtliche Anzahl dieser Zusatzmodule bringt KDE schon in der Standardinstallation mit.
Die Liste zeigt die wichtigsten KIO-Slaves im Überblick. Die mit einem Stern versehenen nimmt dieser Artikel nachfolgend genauer unter die Lupe:
Die Beschreibung weiterer, in dieser Liste nicht aufgeführter Module finden Sie auf der KDE-Webseite [1].
Anwender von Suse Linux finden alle auf ihren Systemen installierten KIO-Slaves im Verzeichnis /opt/kde3/lib/kde3/, Mandriva Linux verwaltet diese Bibliotheken unter /usr/lib/kde3/.
Mit dem richtigen Werkzeug ist der Dateitransfer zwischen dem lokalen System und einem Rechner, der nur über SSH zu erreichen ist, genauso einfach wie im lokalen Verzeichnis. Der KIO-Slave fish ist das Bindeglied zwischen dem Netzwerkprotokoll SSH und KDE. Mit dem Aufruf fish://<username>@<Rechnername> bauen Sie eine Verbindung zum gewählten Rechner auf und zeigen dessen Dateisystem an. Erlauben es Ihre Benutzerrechte, stehen Ihnen über das Kontextmenü die gleichen Werkzeuge (löschen, umbenennen, komprimieren etc.) wie bei der Arbeit auf dem lokalen System zur Verfügung. Auch das Verschieben von Dateien und Verzeichnissen mittels Drag & Drop unterstützt das Modul.
Möchten Sie Dateien, die über den SSH-Server bereitgestellt sind, bearbeiten, ist es nicht notwendig, diese herunterzuladen. Öffnen Sie beispielsweise eine Textdatei über fish in KWrite (Abbildung 1), werden Änderungen auf dem Server gespeichert.
Der KIO-Slave man hilft Ihnen jenseits der Kommandozeile dabei, die Dokumentationen der installierten Programme nach hilfreichen Hinweisen zu durchforsten. Er stellt die Handbücher, die normalerweise auf der Kommandozeile über den Befehl man:<Suchbegriff> abgerufen werden in Konqueror dar.
Mit dem Aufruf man:/ ohne weitere Eingaben öffnen Sie eine nach Themen sortierte Übersicht aller installierten Handbücher. Folgt ein Suchbegriff, zeigt das Modul die Hilfeseite dazu an.
Diese Art der Ausgabe (Abbildung 2) ist deutlich übersichtlicher als die Konsolenvariante, Verweise auf andere Ressourcen sind meist verlinkt.
Speziell Musikliebhaber, die ihre silbernen Scheiben auf die Festplatte bannen möchten, haben ihre helle Freude an dem KIO-Slave audiocd. Legen Sie eine Audio-CD in Ihr Laufwerk und geben Sie in der Adressleiste von Konqueror die Adresse audiocd:/ ein, die den KIO-Slave startet. Abhängig von den installierten Codecs zeigt das Modul nun neben den Tracks im WAV-Format auch Verzeichnisse wie FLAC, Ogg Vorbis oder MP3 (Abbildung 3). Diese stehen für die jeweilige Konvertierungsmethode, die das Modul zur Verfügung stellt. Kopieren Sie als Beispiel den Ordner MP3 auf Ihre Festplatte, konvertiert das Modul die Musikdateien automatisch in das MP3-Format. Das Verzeichnis Gesamte CD enthält alle Titel der CD zu einem Track zusammengefasst. Speziell bei Live-Alben, die keine Leer-Räume zwischen den Titeln enthalten, vermeiden Sie damit störende Pausen.
In welcher Qualität die Dateien kodiert werden, legen Sie über die Einstellungen von KDE fest. Geben Sie dazu in der Adressleiste von Konqueror settings:/Sound/ ein und wählen Sie den Eintrag Audio-CDs. Die Einstellungen der verfügbaren Kodierungen erreichen Sie über die Reiter im oberen Teil des Fensters.
Zur Kontaktaufnahme mit entfernten Rechnern bietet KDE den KIO-Slave remote. Diesen starten Sie mit der Eingabe von remote:/ in Konqueror. Die Hauptaufgabe des Moduls ist es, verschiedene KIO-Slaves, die dem Zugriff auf andere Netzwerkressourcen dienen, über eine gemeinsame Oberfläche zusammenzufassen.
Die Übersicht (Abbildung 4) zeigt neben den SMB Shares (Verzeichnis- und Druckerfreigaben unter Windows oder Samba) auch andere im Netz verfügbare Dienste wie erreichbare SSH-Server an.
Möchten Sie einen Netzwerkordner fest in die Liste der Netzwerk-Ressourcen aufnehmen, klicken Sie auf den Eintrag Netzwerk-Ordner hinzufügen. Im folgenden Dialog-Fenster tragen Sie ein, über welchen Dienst die gewünschte Ressource erreichbar ist. Das folgende Fenster zeigt -- abhängig vom gewählten Dienst -- Felder wie Benutzername, Server-Name und Ordner. Nach einem Klick auf Speichern und verbinden öffnet das Programm die gewählte Ressource und fügt dem Modul remote einen neuen Eintrag hinzu. Zukünftig reicht ein Klick auf diesen, um die verknüpfte Ressource zu öffnen.
Der auf der Heft-CD enthaltene KIO-Slave locate ermöglicht die schnelle und effiziente Suche nach Dateien und Verzeichnissen aus jeder KDE-Anwendung heraus. Um das Modul zu verwenden, installieren Suse Linux Benutzer zuvor das Paket findutils-locate, Anwender von Mandriva Linux slocate, welche Sie auf dem dem Datenträger Ihrer Distribution finden.
Nach der Installation ist eine Initialisierung der Datenbank notwendig. Öffnen Sie dazu mit [Alt+F2] das Schnellstartfenster und geben Sie kdesu konsole ein. Nach Eingabe das root-Passwortes öffnet sich eine Root-Shell. Geben Sie im Anschluss in der Konsole den Befehl updatedb ein, um das Initialisieren der Datenbank zu starten . Je nach Größe Ihrer Festplatte und Geschwindigkeit Ihres Rechners kann dieser Vorgang einige Minuten in Anspruch nehmen. Um auch zukünftig alle Dateien zu indizieren, ist es unter Suse Linux notwendig, den Benutzer, der in der Grundeinstellung auf nobody eingestellt ist, auf root zu ändern. Öffnen Sie dazu YaST und wählen Sie unter Sicherheit und Benutzer den Punkt Einstellungen und Sicherheit. Nach fünfmaligem Klick auf die Schaltfläche weiter erreichen Sie das Fenster Verschiedene Einstellungen. Aus dem Drop-down-Menü unter Benutzer, der updatedb starten soll wählen Sie nun root. Beachten Sie, dass alle am System angemeldeten Benutzer damit sämtliche auf dem Rechner verfügbaren Datei-Einträge angezeigt bekommen.
Die Suche mit KIO-Locate starten Sie mit der Eingabe von locate:<Gesuchte Datei> (Abbildung 5) in der Adressleiste eines beliebigen KDE-Programms. Das Modul unterstützt auch so genannte Wildcards -- also Platzhalter, die stellvertretend für eine beliebige Kombination aus Zeichen stehen. Die Suche locate:*linux* zeigt beispielsweise alle Dateien und Verzeichnisse, in deren Namen an beliebiger Stelle der Begriff linux enthalten ist.
Um die Suche auf ein bestimmtes Verzeichnis einzuschränken, geben Sie nach dem Suchbegriff einen Doppelstrich gefolgt vom Verzeichnisnamen ein. So würde die Eingabe von locate:/bash --/usr/ lediglich Ergebnisse ab dem Ordner /usr abwärts liefern.
Das ideale Werkzeug, um ohne großen Aufwand eine CD zu erstellen, ist der auf der Heft-CD enthaltene KIO-Slave burn. Mit der Eingabe von burn:/ in der Adressleiste von Konqueror öffnet sich das Bedienfenster (Abbildung 6) des Moduls. Ziehen Sie per Drag & Drop die gewünschten Dateien in das Verzeichnis Dateien und klicken Sie anschließend auf CD brennen.
Das Add-on unterstützt auch das Erstellen von Audio-CDs. Dazu ziehen Sie die gewünschten Musikdateien im WAVE, OGG-Vorbis- oder MP3-Format in das Verzeichnis Audio CD.
Durch den begrenzten Funktionsumfang eignet sich dieser KIO-Slave lediglich dazu, einfache CDs zu erstellen, bei denen es nicht auf Einstellungen wie den Label-Namen oder das unterstützte Dateiformat ankommt. Umfangreichere Aufgabenstellungen bleiben nach wie vor Programmen wie K3B vorbehalten.

Einer der interessantesten Aspekte ist der Mischbetrieb verschiedener KIO-Slaves. Abbildung 7 zeigt im linken Fenster Dateien auf einem FTP-Server, im rechten eine SSH-Verbindung zu einem anderen Rechner. Die Zweiteilung des Fensters erreichen Sie, indem Sie mit der rechten Maustaste auf die Status-Leiste am unteren Rand des Fensters klicken und aus dem Kontextmenü den Punkt Ansicht in linke und rechte Hälfte teilen wählen. Das jeweils aktive Fenster erkennen Sie am weissen Statusbalken. Geben Sie nun im Adressfeld des jeweiligen Fensters die gewünschten Adressen an. Zwischen diesen beiden Fenstern lassen sich nun beliebige Dateitransfers per Drag & Drop durchführen, wie Sie es vom lokalen Dateisystem kennen. Das beschriebene Szenario ist repräsentativ für viele Kombinationen, die KIO-Slaves ermöglichen. (tle)
| Infos |
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[1] Alle KIO-Slaves im Überblick: http://docs.kde.org/development/en/kdebase/kioslave/
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Last modified: 2007-04-05 11:24
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