claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 01/2006

Alternatives Brennprogramm CD-Record ProDVD

Alternativ befeuert

von Mirko Dölle


Wenn der Rohling nicht fehlerfrei gebrannt wurde, muss das nicht am Medium oder Brenner liegen. Wählt das Standard-Brennprogramm etwa die falsche Geschwindigkeit oder Brennstrategie, kommt es schnell zu Fehlern. CD-Record ProDVD kann hier die richtige Alternative sein.

Das Brennen von CDs und DVDs ist eine Kunst im Kleinen: Das Laufwerk muss mitten in einer mit tausenden Umdrehungen pro Minute rotierenden Plastikscheibe mikrometerfeine Blasen der richtigen Größe und Länge erzeugen und dabei die Eigenheiten des Mediums berücksichtigen.

Der Vermittler zwischen DVD-Rohling und Brenner ist das Brennprogramm: Es justiert die Leistung des Lasers und begrenzt die Schreibgeschwindigkeit. Brennt das Laufwerk den Rohling zu schnell, steht nicht genug Laser-Leistung für jede Blase zur Verfügung, was später zu Leseproblemen führt. Anders herum darf der Laser aber auch nicht zu stark eingestellt sein, weil sonst die Farbschicht regelrecht verbrennt. Das ist ein Grund, aus dem das CD-Brennprogramm cdrecord für DVDs völlig ungeeignet ist.

Unzureichende Mediendatenbank

Heute hat sich das freie Programm growisofs als Standard-DVD-Brennprogramm bei allen Distributionen durchgesetzt, da es wie cdrecord unter der GPL veröffentlicht wurde, also für jedermann einseh- und veränderbar ist. Leider ist die Mediendatenbank von growisofs, anhand der das Programm die optimale Brennstrategie für einen Rohling festlegt, sehr beschränkt. So brennt das Programm etwa einen DVD-R-Rohling von Intenso, der für bis zu vierfache DVD-Geschwindigkeit ausgelegt ist, in einem LG GSA-4040B Brenner lediglich mit doppelter Geschwindigkeit, weil es den Rohling nicht erkennt.

Abhilfe bringt hier das für Privatpersonen kostenlos verwendbare, aber nicht im Quellcode veröffentlichte Brennprogramm cdrecord-prodvd von Jörg Schilling, dem Erfinder des freien CD-Brennprogramms cdrecord: Es erkannte den Rohling und bot alle Geschwindigkeiten von einfach bis vierfach an.

Das kostenlose Brennprogramm liegt keiner Distribution ab Werk bei, Sie laden sich am besten die neueste Version von [1] herunter und speichern sie im Verzeichnis /usr/local/bin unter dem Namen cdrecord-prodvd. Dazu benötigen Sie Root-Rechte. Anschließend machen Sie das Programm noch ausführbar, entweder über die Eigenschaften im Konqueror oder mit dem Befehl chmod a+x /usr/local/bin/cdrecord-prodvd.

Lizenzschlüssel

Damit Sie mit CD-Record ProDVD überhaupt DVDs brennen können, benötigen Sie noch einen Lizenzschlüssel von [2] für die private Nutzung. Diesen Schlüssel müssen Sie etwa zweimal pro Jahr aktualisieren und als Umgebungsvariable einbinden, da cdrecord-prodvd nur dann korrekt arbeitet -- meldet das Programm Alarm clock, ist Ihr Schlüssel abgelaufen. Am einfachsten verwenden Sie das Skript aus Listing 1, das Sie als /usr/local/bin/dvdrecord abspeichern, tragen dort den Schlüssel nach und machen es nach dem gleichen Muster wie cdrecord-prodvd ausführbar. Zukünftig rufen Sie dann einfach dvdrecord statt cdrecord-prodvd auf.

Listing 1: dvdrecord
#!/bin/bash
export CDR_SECURITY="Schlüssel"
/usr/local/bin/cdrecord-prodvd "$@"

Die Bedienung von CD-Record ProDVD erfolgt komplett über die Kommandozeile -- in K3B lässt sich das Programm unsinnigerweise nur als CD-Brennprogramm einbinden. Das liegt daran, dass K3B fest auf growisofs programmiert und nur dieses als DVD-Brennprogramm akzeptiert. Eine manuelle Zuordnung der Programme ist in K3B ebenfalls nicht vorgesehen.

Komfortabel brennen trotz Kommandozeile

Trotzdem brauchen Sie nicht auf den Komfort der KDE-Oberfläche zu verzichten: Öffnen Sie wie gewohnt ein DVD-Projekt, stellen Sie die Dateien zusammen und klicken Sie dann auf das Brennsymbol links oberhalb der Dateiliste der DVD. K3B öffnet daraufhin den Brenndialog aus Abbildung 1, in dem Sie die Option Nur Abbild-Datei erzeugen aktivieren und einen Dateinamen für das Abbild angeben. Der Nachteil im Vergleich zum direkten Brennen über growisofs ist, dass K3B das komplette DVD-Abbild auf der Festplatte zwischenspeichert, wozu Sie genügend Platz benötigen. Den Dateinamen des Abbilds, voreingestellt ist /tmp/kde-linux/k3b_image.img, passen Sie in der Registerkarte Abbild an.

Abb. 1: Auch wenn CD-Record ProDVD ein reines Konsolen-Tool ist, brauchen Sie nicht auf den Komfort von K3B zu verzichten: Sie lassen die DVD einfach als Abbild auf der Festplatte zwischenspeichern und brennen das Image dann von Hand.

Hat K3B das Abbild fertig geschrieben, öffnen Sie eine Konsole mit Root-Rechten und brennen die DVD mit folgendem Kommando:

dvdrecord dev=/dev/dvdrecorder driveropts=burnproof speed=2 -eject /tmp/kde-linux/k3b_image.img

Der letzte Parameter ist er Name der ISO-Datei, die CD-Record ProDVD brennen soll.

On the fly per Skript

Anstatt auf K3B zurückzugreifen, können Sie auch einfach alle Dateien in einem Unterverzeichnis ablegen, die Sie auf die DVD brennen wollen. Dabei müssen Sie beachten, dass Sie keinesfalls mehr als 4482 MByte zusammen tragen, da sich DVDs nicht überbrennen lassen und dies die Maximalkapazität einer einschichtigen DVD ist. Bei doppellagigen DVDs dürfen Sie 8000 MByte speichern, der Brennaufruf unterscheidet sich nicht von dem einer einlagigen -- CD-Record ProDVD erkennt später automatisch den größeren Rohling.

Um das komplette Unterverzeichnis mit den Daten auf DVD zu brennen, können Sie das Skript aus Listing 2 verwenden, das Sie als /usr/local/bin/dvdonthefly speichern und wie gehabt ausführbar machen. Sie rufen dann nur noch dvdonthefly mit dem Verzeichnisnamen auf, etwa dvdonthefly /home/linux/dvd, und CD-Record ProDVD brennt die Daten unmittelbar auf die DVD, ohne zuvor ein Abbild anzulegen. Dazu bedient sich das Skript des Programms mkisofs, das das Abbild der DVD on the fly erstellt und die fertigen Daten direkt an den DVD-Brenner weiterleitet. Damit können Sie komplett auf K3B verzichten und dennoch komfortabel eigene Daten-DVDs herstellen. (mdö)

Listing 2: dvdonthefly
#! /bin/bash

MKISOFS="mkisofs -q -dir-mode 755 -file-mode 644 -uid 0 -gid 0 -l -J -R"

TRACKSIZE=`${MKISOFS} -print-size $1`
${MKISOFS} $1 | dvdrecord dev=/dev/dvdrecorder tsize=${TRACKSIZE}s driveropts=burnproof -eject -

Infos
[1] CD-Record ProDVD: ftp://ftp.berlios.de/pub/cdrecord/ProDVD/
[2] Lizenzschlüssel: ftp://ftp.berlios.de/pub/cdrecord/ProDVD/README

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2017 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-04-05 11:24

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]