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von Peter Kreußel
Mind Mapping ist eine vom britischen Lernforscher Tony Buzan vor etwa 35 Jahren entwickelte Technik zur Organisation des Denkens. Beim Mind Mapping schreiben Sie Stichpunkte oder Schlagwörter nicht wie bei einer Gliederung untereinander, sondern platzieren Sie nach ihrer thematischen Zugehörigkeit auf dem Papier. Verbindungslinien bringen dabei die Zusammenhänge zum Ausdruck (Abbildung 1). Diese Methode, Gedanken zu notieren, bietet einige Vorteile: Sie ist sehr anschaulich und unterstützt so das Gedächtnis. Die baumartige Darstellung kommt offensichtlich der Art, wie unser Gehirn arbeitet, entgegen: Unsere Gedanken bewegen sich normalerweise in Assoziationsketten voran. Da in Mind Maps Zusammengehöriges auch räumlich nebeneinander liegt, fördern sie die Kreativität.
Schon der Name des Programms Kdissert (von Dissertation oder Doktorarbeit) macht deutlich, dass es dabei nicht in erster Linie um künstlerische Kreativität geht: Gerade beim Schreiben von Büchern oder längeren Aufsätzen erweist sich Mind Mapping als besonders hilfreich. Auch für Gesprächsnotizen lässt es sich einsetzen. Besonders Beziehungen zwischen Einzelaspekten lassen sich leicht darstellen: Für jede Verbindungslinie in einer Mind Map wären bei Mitschriften in Stichpunkten mehrere Wörter erforderlich.
Installieren Sie Kdissert von der Heft-CD. Danach finden Sie Kdissert bei Suse Linux unter Dienstprogramme / Weitere Programme im KDE-Startmenü. Mandriva-Anwender starten das Programm mit [Alt-F2] und Eingabe von kdissert. Nach dem Start zeigt das Programm zunächst eine leere Arbeitsfläche. Mit einem Doppelklick darauf erstellen Sie die erste Notiz, die zunächst mit leeres Objekt beschriftet ist. Durch Drücken von [E] öffnen Sie ein Texteingabefeld, in das Sie die gewünschte Beschriftung eingeben. Die Eingabetaste schließt diesen Vorgang ab. Da es sich beim ersten Textkasten meist um das zentrale Thema handelt, sollten Sie die Schrift vergrößern: Drücken Sie [Strg] und drehen Sie das Mausrad nach oben. Alternativ können Sie Schriftgröße und Schriftart nach Rechtsklick auf den Kasten mit der Option Font auswählen einstellen. Mit einem Doppelklick auf das Textfeld erstellen Sie einen untergeordneten Stichpunkt. Wenn Sie diesen mit der Maus etwas zur Seite schieben, sehen Sie, dass er über eine Linie mit dem übergeordneten Punkt verbunden ist. Da die untergeordneten Kästen die vergrößerte Schrift der Elternelemente übernehmen, sollten Sie deren Schrift ein wenig verkleinern.
Erstellen Sie nun zur Übung einige Notizen. Durch Doppelklick auf bestehende Textkästen erweitern Sie Ihre Mind Map Stück für Stück. Doppelklicks auf eine leere Stellen erstellen weitere unverbundene Elemente. Diese können Sie nachträglich mit bestehenden Elementen verknüpfen. Wählen Sie dazu das Blätter-verknüpfen-Werkzeug durch Klick auf das Fadenkreuz-Symbol in der Leiste oben im Programmfenster (Abbildung 2). Damit ziehen Sie aus bereits verknüpften Textfeldern Verbindungslinien auf die unverbundene Notiz. Wie in den meisten KDE-Programmen macht [Strg-Z] Änderungen rückgängig. Mit einem Rechtsklick auf einen Kasten können Sie bestehende Verbindungslinien löschen: Die Option Trennen / Eltern kappt die Verbindung zum übergeordneten Objekt. Mit Trennen / Unterbaum lösen Sie hingegen die Verbindung aller Objekte, die vom aktiven Kasten abhängen. Der Menüpunkt Trennen / Objekte löscht die Linien in beide Richtungen. Nach Rechtsklick auf eine Linie lässt sich diese mit Trennen / Verweis ebenso entfernen.
Mit der Leiste am rechten Rand des Programmfensters verändern Sie das Aussehen der einzelnen Notizen.
Klicken Sie jetzt erneut auf den Anhänge-Knopf unten im Programmfenster. Dies schließt den Eingabebereich für Anhänge, so dass im Programmfenster wieder Platz für Ihre Mind Map ist.
Markieren Sie einen Textkasten in Ihrer Mind Map. Klicken Sie dann auf den Button Objekt Text unterhalb der Zeichenfläche. Mit dem ersten Textfeld verändern Sie den Text des Kastens in der Mind Map. Im zweiten Feld können Sie Notizen zum aktuellen Stichpunkt einfügen, die aus Gründen der Übersicht nicht in der Mind Map angezeigt werden sollen. Benötigen Sie dabei mehr Platz, verschieben Sie den Fensterrand der Zeichenfläche einfach mit der Maus nach oben: Wenn Sie die Maus über die Linie zwischen den Fenstern bewegen, verändert sich der Mauszeiger zu einem doppelten Pfeil. Darüber hinaus ist es in Kdissert auch möglich, sämtliche Unterfenster komplett aus dem Hauptfenster zu verbannen: Ein Klick auf den kleinen Pfeil rechts am oberen Rand der unteren Fensterhälfte verselbständigt diese. Klicken Sie im herausgelösten Fenster erneut auf diesen Button, dockt Kdissert das Fenster wieder an.
Im Feld Verweise zu externen Dokumenten hängen Sie Dateien, die Sie mit anderen Programmen erstellt haben, an Ihre Mind Map an. Doch nicht nur Verknüpfungen zu Dateien auf Ihrem eigenen Rechner sind möglich: Sie können auch Links zu Internet-Seiten hinzufügen. Ein Klick auf den Link öffnet diese dann im Konqueror.
Je mehr Notizen Sie Ihrer Mind Map hinzufügen, desto häufiger wird es erforderlich, Textkästen zu verschieben. Einzelne Kästen verschieben Sie einfach mit der Maus oder mit den Pfeiltasten bei gedrückter Alt-Taste. Möchten Sie ein ganzes Bündel von Notizen verschieben, nutzen Sie am besten Kdisserts Funktion zur schnellen Auswahl: Wenn Sie auf einen Kasten rechts klicken und Unterbaum wählen, aktivieren Sie damit alle Notizen, die an diesem Kasten hängen. Sie können diese dann gemeinsam verschieben oder Farbe und Schriftoptionen für alle Notizen angleichen.
Kdissert stellt außerdem Funktionen zur automatischen Anordnung der Notizen zur Verfügung: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich. Die Option Aufräumen / Schnelle Reorganisation ordnet die Mind Map hierarchisch (Abbildung 3, links): Der Kern steht in der Mitte, untergeordnete Aspekte verschiebt Kdissert an den Bildrand. Die intelligente Reorganisation bewirkt eine strahlenförmige Anordnung (Abbildung 3, Mitte). Dass danach häufig Notizen übereinander liegen, lässt sich durch die dritte Aufräumen-Option Mindmap ordnen beheben (Abbildung 3, rechts). Allerdings müssen Sie dieses Kommando oft einige Male hintereinander ausführen, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Beachten Sie auch, dass Sie nach der intelligenten Reorganisation nicht mit [Strg-Z] zum vorherigen Zustand zurückkehren können.
Wenn Sie Ihre Mind Map trotz neuer Anordnung nicht mehr komplett im Blick haben, hilft die Zoom-Funktion mit [Strg-+] (vergrößern) und [Strg---] (verkleinern). Außer mit den Bildlaufleisten können Sie den angezeigten Ausschnitt mit dem Mausrad verschieben: Für vertikale Verschiebung bewegen Sie nur das Mausrad, horizontal verschieben Sie mit Mausrad und [Alt]-Taste. Für Benutzer ohne Mausrad: [Strg-M] aktiviert den Scroll-Modus, in dem Sie die Arbeitsfläche direkt mit der Maus verschieben. Zurück in den Selektieren-Modus gelangen Sie mit [Strg-J].
Sie sind mit der Art, wie Kdissert Ihre Mind Maps darstellt, nicht zufrieden? Unter Einstellungen / Kdissert einrichten lässt sich die Anzeige verändern. Im Reiter Allgemeine Einstellungen passen Sie die Optionen an, die für alle Dokumente, nicht nur für das gerade geöffnete, gelten. Sie können unter anderem die Farbfelder in der unteren Hälfte der Symbolleiste am rechten Fensterrand einstellen. Unter Neue Dokumente finden Sie Einstellungen, die erst wirksam werden, wenn Sie ein neues Dokument erstellen. Hier ist Platz für die Eingabe einiger Daten zum Verfasser. Vor allem aber lassen sich die Hintergrundfarbe, die Farbe der Verbindungslinien und die Standardschrift hier anpassen. Mit dem Kontrollkästchen Bildervorschau anzeigen schalten Sie die Anzeige der angehängten Bilddateien ab. Mit dem Feld Größe unmittelbar dahinter stellen Sie die Größe der Bildvorschau ein. Die Option Verbindungsstil verändert die Form der Verbindungen, Größe deren Breite. Möchten Sie diese Einstellungen nur für das aktive Dokument verändern, wählen Sie Bearbeiten / Eigenschaft des Dokumentes.
Sie haben mit Kdissert ein Konzept für einen Aufsatz erstellt und dabei haben Sie viel Text eingetippt. Nun möchten Sie eine Textfassung in OpenOffice schreiben. Müssen Sie nach dem Ausdruck der Mind Map alle Überschriften neu tippen? Nein, Kdissert lässt Sie hier nicht im Regen stehen. Es bietet Ihnen eine Möglichkeit, den gesamten Text aus Ihrer Mind Map in unterschiedliche Formate zu exportieren.
Die Exportfunktion ist sehr leistungsstark: Bilder, die Sie an die Notizen Ihrer Mind Map angehängt haben, finden Sie im Textdokument als leicht eingerückt formatierte Grafiken wieder. Auch die Bildunterschrift fehlt nicht. Texte, die Sie in Kdissert unter Objekt Text eingegeben haben, bleiben mit allen Formatierungen erhalten. Verweise zu externen Dokumenten funktionieren auch noch in OpenOffice.
Wenn Sie Ihre Ideen, die Sie mit der Mind-Mapping-Technik gesammelt haben, anderen vorstellen möchten, bietet sich eine Bildschimpräsentation an, wie sie Sie von PowerPoint aus der Windows-Welt kennen. Kdissert kann Präsentationen für Impress, das OpenOffice-Pendant zu PowerPoint, erstellen. Gehen Sie dazu genauso vor, wie beim Export in ein normales OpenOffice-Dokument. Wählen Sie jedoch OpenOffice.org / Präsentation statt OpenOffice.org / Textinhalt.
Sie möchten Ihre Mind Maps nicht in OpenOffice weiter verarbeiten, sondern in einem anderen Programm? Dann sollten Sie eine reine Textdatei erstellen: Wählen Sie unter Dokumente generieren die Variante Einfacher Text / ASCII. Kdissert erstellt dann eine Datei, die sich mit jedem Textverarbeitungsprogramm und jedem Text-Editor wie KWrite öffnen lässt. Bilder und Formatierungen gehen verloren, die Kästen aus der Mind Map erscheinen als nummerierte Gliederung. Unter Plain Text / StructuredText finden Sie eine Möglichkeit, den Text ohne Nummerierung zu exportieren. (pkr)
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Last modified: 2009-01-29 12:00
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