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Erschienen in EasyLinux 02/2006

Xandros Desktop OS 3.1 im Test

Linux für Windows-Fans

von Heike Jurzik


Eine vertraute Desktop-Umgebung für Linux-Einsteiger, leichte Installation und gute Integration von Windows-Anwendungen -- Xandros hat sich viel vorgenommen. Wir haben die deutsche Fassung der neuen Xandros-Distribution unter die Lupe genommen.

Vor kurzem hat Xandros die deutsche Version der Linux-Distribution Xandros Desktop OS 3.1 vorgestellt [1]. Das System basiert auf Debian Linux und bringt Kernel 2.6.11, X.org 6.8, KDE 3.3 und OpenOffice 2.0 mit. Mit dabei ist außerdem der Windows-Emulator CrossOver Office von CodeWeavers in der neuen Version 5.0, der es erlaubt, Windows-Programme unter Linux zu nutzen.

Xandros benötigt 1,5 GByte Plattenplatz (Minimalinstallation), besser sind 3 GByte (Komplettinstallation) oder mehr; vorhandene Windows-Partitionen kann das Setup-Programm während der Installation verkleinern.

Installation

Nach dem Booten von der CD startet der Xandros-Installationsassistent. Wer problematische Hardware ausschalten möchte, drückt kurz nach dem Booten die Umschalttaste und wählt aus dem Menü einen passenden Eintrag aus (Abbildung 1). Welche Boot-Parameter sich hinter den kryptischen Beschreibungen verstecken, verrät das Benutzerhandbuch auf Seite 16. (Leider sind dort die englischsprachigen Menüeinträge ins Deutsche übersetzt -- das ist nicht sonderlich hilfreich.) So wählen Sie beispielsweise den Punkt APM 2 Setup aus, um APIC (Interrupt-Verwaltung, "Advanced Programmable Interrupt Controller") und ACPI ("Advanced Configuration and PowerInterface") zu deaktivieren.

Abb. 1: Über dieses Spezialmenü schalten Sie u. a. problematische Hardware ab.

Nach dem Akzeptieren der Lizenzbestimmung bietet Xandros zwei Varianten zum Einspielen des Systems an, die Express-Installation und die benutzerdefinierte Installation. Das erste Szenario erfordert fast keine Interaktion von Seiten des Benutzers: Hier entscheiden Sie lediglich, wo Xandros auf der Festplatte landet (auf Wunsch überschreibt der Installer oder führt ein Upgrade einer alten Xandros-Version durch), und richten das Root-Passwort und einen Benutzerzugang ein -- den Rest erledigt der Installer selbständig. Steht nicht genug Platz für Xandros zur Verfügung, weil es z. B. nur eine einzige große NTFS-Partition auf der Platte gibt, bietet der Installationsassistent an, diese automatisch zu verkleinern -- Einfluss auf ihre neue Größe haben Sie allerdings nicht.

Bei der benutzerdefinierten Installation gibt es mehr Entscheidungsfreiraum, wie z. B. die gezielte Auswahl von Software-Paketen und einen Partitionierungsassistenten, mit dem sich auch andere Partitionen unformatiert einhängen lassen. Auch hier steht zur Wahl, eine vorhandene Windows-Partition zu verkleinern, allerdings geben Sie selbst die gewünschte Größe ein (Abbildung 2). Der Installer zeigt den verfügbaren Speicherplatz an und verrät auch, wie viel MByte die aktuelle Paketauswahl verschlingt.

Abb. 2: Volle Kontrolle über die Aufteilung der Festplatte gibt's nur bei der benutzerdefinierten Installation.

Anschließend gilt es, die CD aus dem Laufwerk zu nehmen und den Rechner neu zu starten -- sowohl bei der Express- als auch bei der benutzerdefinierten Installation integriert der Boot-Loader (zum Einsatz kommt Lilo) vorhandene Betriebssysteme automatisch und lässt Ihnen später beim Booten die Wahl. Die Boot-Meldungen selbst sind eher spartanisch gehalten und wenig informativ, für den Linux-Einsteiger aber sicherlich ausreichend.

Erste Schritte

Bei der ersten Anmeldung startet ein Einrichtungsassistent, mit dem Sie die grafische Arbeitsfläche konfigurieren. Auch Maus, Sprache, Zeichensatz und Uhrzeit sind mit wenigen Mausklicks eingerichtet.

Bei der Druckereinrichtung beschwerte sich das System, dass kdeprint_aps.la nicht gefunden wurde, druckte die Testseite dennoch anstandslos. Abhilfe schaffte, den KDE-Druckdialog zu starten ([Alt-F2] und Eingabe von kprinter) und nach dem Klick auf die Schaltfläche Ausklappen als Drucksystem CUPS auszuwählen (Abbildung 3). Die Fehlermeldung tauchte danach nicht mehr auf.

Abb. 3: Wählen Sie "CUPS" als Drucksystem im "kprinter"-Dialog.

Der Desktop präsentiert sich in der Grundeinstellung aufgeräumt und übersichtlich; ein Doppelklick auf das Icon Kurzanleitung öffnet eine gut geschriebene deutsche Online-Hilfe mit vielen wertvollen Tipps zur Benutzung des Systems, Installation neuer Software, Druckereinrichtung, dem Xandros-Datei-Manager usw. Andere Dokumentation, wie beispielsweise das Handbuch zu Xandros Anti-Virus, ist leider noch nicht übersetzt worden.

Datei-Manager

Xandros bringt einen eigenen Datei-Manager mit, der wie KDEs Konqueror viele Funktionen unter eine Haube bringt. Neben Web Browser und FTP-Client bietet die Anwendung Vorschaufunktionen für viele Dateitypen und ein integriertes Brennprogramm (Abbildung 4) zum Erstellen von Daten- und Musik-CDs. Über den Datei-Manager bindet man auch komfortabel Netzwerk-Freigaben anderer Rechner (Windows-SMB oder Linux-NFS) ein.

Abb. 4: Mit der integrierten Brenn-Software erstellen Sie in Windeseile Backups.

CDs, USB-Speichermedien und eine Mass-Storage-Digitalkamera [2] erkannte das System im Test, hing sie automatisch ins Dateisystem ein und öffnete den Datei-Manager mit dem Inhalt des Datenträgers. Eine andere Kamera (GPhoto-Modell) ließ sich im Test problemlos über das Programm Digikam ansprechen.

Positiv hervorzuheben ist das dem Windows-Explorer nachempfundene Look & Feel: Ein- und Umsteiger werden sich in diesem Datei-Manager sofort zurechtfinden. Andere Funktionen, wie SSH-Zugriff auf entfernte Rechner und Tabbed Browsing, die beispielsweise KDEs Datei-Manager Konqueror bietet, fehlen leider -- da der Konqueror aber im kdebase-Paket mitgeliefert wird, ist ein Wechsel des Datei-Managers kein Problem.

Windows-Programme dank CrossOver Office

Microsoft-Anwendungen, wie z. B. MS Office, Adobe Photoshop und Macromedia Dreamweaver, sind dank CrossOver Office von CodeWeavers [2] unter Xandros Desktop OS 3.1 leicht zu installieren und zu benutzen. Das auf dem freien Windows-Emulator WINE basierende Programmpaket ist in Version 5.0 enthalten und führt Windows-Anwendungen unter Linux ohne ein installiertes Windows-System aus (Abbildung 5).

Abb. 5: Auf die Lieblingsprodukte aus dem Hause Microsoft müssen Xandros-Anwender nicht verzichten.

Windows-Programme installiert man von CD/DVD oder aus dem Netz mit dem Einrichtungsprogramm von CrossOver Office. Passende Icons auf dem Desktop legt der Emulator gleich an; weiterhin entsteht ein neues Untermenü im Startmenü (Windows Applications), das die Windows-Anwendungen aufnimmt.

Software verwalten

Software-Pakete verwalten Sie mit dem Tool Xandros Networks, das sowohl als Desktop-Icon als auch über das Startmenü schnell erreichbar ist. Als Frontend für den Debian-Paket-Manager dpkg leistet das Programm gute Dienste und bietet darüber hinaus Zugang zum Xandros-Shop und den neuesten Nachrichten.

Es ist auch möglich, andere Repositories (z. B. der aktuellen Debian-Distribution) einzurichten (Bearbeiten / Anwendungsquellen festlegen). Nach dem Hinzufügen neuer Quellen aktualisiert Xandros Networks automatisch die Paketlisten. Lokal gespeicherte Debian-Pakete spielt das Programm über Datei / DEB-Datei installieren ein -- sollte das Programm auf ungelöste Abhängigkeiten stoßen, ergänzt es fehlende Pakete automatisch. Eine Abfrage, ob dies gewünscht ist, bzw. genauere Informationen, welche Pakete zusätzlich auf die Platte wandern, gibt es allerdings nicht.

Pakete, die Sie im Netz finden, können Sie mit Xandros Networks direkt über den Browser installieren. Eine Dialogbox bietet an, die Datei lokal zu speichern oder mit einer Anwendung zu öffnen. Wählt man hier Xandros Networks aus (Abbildung 6), beginnt der Download, und der Paket-Manager spielt die Software ein.

Abb. 6: Debian-Pakete aus dem Netz installiert Xandros per Mausklick.

Nicht ganz intuitiv ist das Beantworten von Fragen, die beim Einspielen von Software auftauchen können. Wer schon einmal mit einem Debian-System oder einem Debian-Derivat gearbeitet hat, weiß zwar, dass Debconf bestimmte Vorentscheidungen vom Admin verlangt, dennoch sind die Eingabe in ein Dialogfeld und die Bestätigung über den Button Eingabe etwas umständlich -- das könnte man besser lösen (Abbildung 7).

Abb. 7: Statt Eingabe in ein Textfeld und Klick auf "Eingabe" wäre ein Dialog mit Checkboxen praktischer.

Dokumentation

In der Xandros-Box stecken zwei deutschsprachige Handbücher: eine 13-seitige Kurzanleitung und ein 189 Seiten starkes Benutzerhandbuch, das neben der Installation auch die ersten Schritte mit dem neuen System erklärt -- darunter auch die Einrichtung eines Internet-Zugangs über DSL, ISDN oder mit einem Modem, das Einspielen zusätzlicher Software und viele weitere Konfigurationsaufgaben. Auch die Arbeit auf dem Desktop kommt nicht zu kurz: So beschreibt das Handbuch neben den grundlegenden Funktionen, wie man neue Desktop-Icons und Startmenü-Einträge erzeugt oder nach Netzwerkfreigaben von Windows- und Linux-Rechnern (Samba und NFS) sucht und diese in das System einbindet. Standardaufgaben (Office-Paket verwenden, Drucker einrichten, Mail-Programm einrichten etc.) behandelt das Handbuch auch.

Lustig ist an einigen Stellen die Qualität der Übersetzung: So kennt das Handbuch beispielsweise eine Übersetzung für WLAN-Access-Points ("Zugriffspunkt"), und DVD-Brenner heißen hier "DVD-Schreiber". Unangenehmer ist, dass das Handbuch durchgängig von verschiedenen Distributionsvarianten (Deluxe Edition, Business Edition) spricht -- diese gibt es aber nicht in deutschen Fassungen: Auf dem hiesigen Markt bietet der Hersteller nur eine Boxversion an.

Fazit

Die Installation von Xandros Desktop OS 3.1 ist -- unterstützte Hardware vorausgesetzt -- ein Kinderspiel und dank des grafischen Installers schnell erledigt. Der Desktop präsentiert sich aufgeräumt und wartet für Ein- und Umsteiger mit vielen vertrauten Elementen auf. Dank einer stabilen Basis (Debian mitsamt seinem guten Paket-Manager dpkg) ist auch die Software-Verwaltung kein Problem. Wem die von Xandros gelieferte Programmauswahl nicht reicht, der greift einfach auf Debian-Repositories zurück und installiert Fehlendes aus diesen Quellen.

Windows-Umsteiger werden sich über CrossOver Office freuen und müssen auf liebgewonnene Anwendungen nicht verzichten -- wer Linux nicht aus ideologischen Gründen nutzt und den Einsatz von proprietärer Software nicht scheut, hat mit Xandros Desktop OS 3.1 ein stabiles und gutes System in der Hand. (hge)


Proprietäre Software: Das Gegenteil von "freier" Software: Programme, die man nicht mit Hilfe der Quelltexte frei verändern darf.

Xandros Desktop OS 3.1
HerstellerXandros, http://de.xandros.com/index.html.de
PreisBox-Version und Download-Version jeweils 79,95 Euro (Box bei Linux-Discount: 59,90 Euro)
Lieferumfang2 CD-ROMs und 2 Handbücher

Infos
[1] Deutsche Xandros-Web-Seite: http://de.xandros.com/index.html.de
[2] Digitalkamera-Artikel: Andrea Müller, "Kamera und Fotopapier", EasyLinux 06/2005, S. 18 ff.
[3] CrossOver-Office-Artikel: Hans-Georg Eßer, "CrossOver Office", EasyLinux 07/2004, S. 12 ff., http://www.easylinux.de/2004/07/012-crossover/

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