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Martin Loschwitz
Stellen Sie sich folgendes Problem vor: Sie benötigen für die alltägliche Arbeit ein Spezialprogramm, das es nur für Windows gibt, arbeiten ansonsten aber immer unter Linux. Nun ist es sehr lästig, Windows zu installieren und jedes Mal, wenn Sie das Programm benutzen wollen, Linux zu beenden und Windows zu starten, um nach getaner Arbeit wieder das Betriebssystem zu wechseln.
Wenn Sie vor einem solchen Problem stehen, ist VMware eine mögliche Lösung: Es erzeugt auf Basis Ihres Linux-Systems einen virtuellen PC, den Sie über ein grafisches Programm bequem starten können und in dem Sie fast jedes Betriebssystem installieren können.
VMware liegt mittlerweile in Version 5.5 vor. Seit unserem letzten Test im Dezember 2004 hat sich viel verändert. Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Version, zeigen, wie Sie produktiv damit arbeiten, und beantworten die Frage, ob sich ein Upgrade lohnt.
VMware ist ein kommerzielles Produkt -- wer es dauerhaft einsetzen will, muss dafür zahlen. Allerdings ist Version 5.5 günstiger als die 4er-Versionen: 179 Euro sind für einen Lizenzschlüssel fällig; wer noch 10 Euro drauflegt, erhält eine Box mit CD und einer kurzen Anleitung. Wer eine Kreditkarte hat, spart durch direkten Einkauf beim Hersteller: Die fälligen 189 US-Dollar waren am 23.01. ca. 154 Euro wert.
Über die VMware-Website [1] erhalten Interessierte kostenlos eine Testlizenz für 30 Tage, die alle VMware-Funktionen freischaltet. Beim Anfordern der Lizenz geben Sie Ihre Mail-Adresse an, an die anschließend der Lizenz-Key gesendet wird -- über die Website gelangen Sie dann zum Download des VMware-Pakets.
Nach der Installation des VMware-RPM-Pakets folgt die Konfiguration, die man mit Root-Rechten in der Shell durchführt; am Programm vmware-config.pl hat sich im Grunde seit VMware 3 nicht viel geändert. Die Beschreibung aus EasyLinux 07/2004 [2] ist deshalb immer noch aktuell.
Wenn sich bei VMware etwas tut, dann meist "unter der Haube". Der Sprung von Version 4 zu Version 5 brachte allerdings auch äußerlich sehr deutliche Veränderungen mit sich -- die Suite wurde auf GTK 2 portiert, den Nachfolger von GTK. GTK und GTK 2 sind Grafikbibliotheken, mit denen man grafische Programme für Linux entwickelt.
Die Portierung auf die neue GTK-Version sorgte dafür, dass VMware aufgeräumter und besser benutzbar wurde. In der aktuellen Version 5.5 haben die Entwickler noch eins draufgesetzt und letzte Ungereimtheiten in der Oberfläche des Programms beseitigt (Abbildung 1).
Auch technisch hat sich viel getan: So unterstützt die neue Version 5.5 erstmals 64-Bit-Prozessoren wie AMDs Athlon 64 oder Intels Pentium-CPUs mit EMT64-Emulation. Gleichzeitig kann man in VMware nun auch Gastsysteme installieren, die auf die 64-Bit-Technik setzen.
Während Benutzer bei älteren VMware-Versionen manuell den Pfad zum CD-/DVD-Laufwerk einstellen mussten, erledigt VMware dies nun mit einer integrierten Automatik. Ähnlich automatisch verwaltet VMware jetzt auch USB-Geräte: Praktisch ist es ja möglich, einen USB-Stick an den Rechner anzuschließen und dann in VMware zu verwenden. Ältere Versionen stürzten allerdings oft ab, wenn man ein USB-Gerät im laufenden Betrieb wieder entfernte. Laut VMware sind auch diese Probleme nun passé.
Nach der Installation startet automatisch der VMware-Assistent zum Anlegen neuer virtueller Maschinen. Sie können beliebig viele virtuelle Computer einrichten, die alle unabhängig von den anderen Maschinen sind. So können Sie beispielsweise Windows XP Home, Ubuntu Linux und FreeBSD in drei separaten virtuellen VMware-Maschinen installieren und nutzen, ohne die Konfiguration Ihres PCs zu verändern.
Sollte der Assistent nicht automatisch erscheinen, starten Sie ihn mit New Virtual Machine im Karteireiter Home (Abbildung 1).
VMware zeigt nun die Konfiguration der neuen virtuellen Maschine an. Rechts sehen Sie die virtuelle Hardware. Übernehmen Sie alle Angaben bis auf eine: Der zugewiesene Speicher ist mit 256 MByte für eine brauchbare XP-Installation etwas knapp bemessen.
Haben Sie aber nur 512 MByte Arbeitsspeicher im Rechner, können Sie diesen VMware nicht komplett zuordnen, weil dann für das Linux-System nicht genug RAM zur Verfügung stünde. Wenn Sie planen, VMware dauerhaft zu nutzen, sollten Sie deshalb den Arbeitsspeicher auf mindestens 1 GByte aufrüsten.
Die Eigenschaften des neu angelegten virtuellen PCs ändern Sie folgendermaßen:
Legen Sie die Installations-CD von Windows XP in das CD-Laufwerk und starten Sie den virtuellen Computer in VMware zum ersten Mal, indem Sie auf Power on this virtual machine klicken. Sie sehen dann Bootmeldungen, die aussehen wie die eines ganz normalen PCs. Im Anschluss startet das Windows-XP-Setup, das Sie genauso durchlaufen wie auf einem "echten" Computer. Wenn die Windows-Installation abgeschlossen ist, bootet der virtuelle Computer, und Sie landen in Windows XP, wie Sie es bereits kennen.
Wenn Sie den virtuellen Computer wieder ausschalten wollen, erledigen Sie das wie gewohnt über die vom Betriebssystem vorgesehene Methode -- bei Windows zum Beispiel über das Startmenü. Der Button Power Off entspricht dem Ausschalter eines echten PCs.
Mit Windows XP können Sie jetzt schon arbeiten, das wäre allerdings unkomfortabel. Denn wenn Sie den Mauszeiger in das Fenster von Windows XP bewegen und klicken, bleibt die Maus im VMware-Fenster gefangen. Zudem kennt Windows die virtuelle Grafikkarte von VMware nicht, so dass das Bild in kleiner Auflösung und mit wenigen Farben daherkommt. Dem Mausproblem entkommen Sie mit [Strg-Alt], aber bei der Grafikkarte müssen größere Kaliber her.
Das Problem lösen Sie mit den VMware-Tools, einem kleinen Paket aus Treibern und Programmen, das Sie im virtuellen Windows installieren. Rufen Sie dazu, während Windows läuft, den Menüpunkt VM / Install VMware Tools auf und folgen Sie anschließend den Anweisungen des Setup-Programms.
Speziell für Profis wurde eine weitere Funktion in VMware entwickelt und in Version 5.5 perfektioniert. Über File / New / Team erstellen Sie so genannte "Teams". Darunter versteht der Hersteller eine Gruppe von virtuellen Maschinen, die sich im selben Netzwerkadressen-Bereich befinden. Wenn zwei Maschinen sich in verschiedenen Teams befinden, können sie nicht aufeinander zugreifen. Das ist besonders sinnvoll, wenn Sie mehrere virtuelle Maschinen betreiben wollen, die zwar miteinander kommunizieren sollen, die aber vom Rest des Netzes -- vom Internet also auch -- getrennt sein sollen.
Ein Team legen Sie wie oben beschrieben oder über den Button New Team im Home-Tab an. Es startet dann ein Assistent, der Sie durch die Einrichtung führt.
So viel zu den Standardeinstellungen. Aber VMware kann noch viel mehr. Ein Beispiel dafür ist die Snapshot-Funktion. Stellen Sie sich Folgendes vor: Bevor Sie im Windows des virtuellen Computers eine Einstellung oder ein Programm verändern, erstellen Sie eine Sicherheitskopie, eine Art Backup. Nach der Veränderung stellen Sie fest, dass das System nicht mehr funktioniert. Sie müssen nun aber nicht das ganze Windows-System neuinstallieren, sondern stellen mit Hilfe der Sicherungskopie den Status vor der Veränderung wieder her. Genau diese Snapshot-Funktion hat sich in VMware 5.5 zum mächtigen Werkzeug entwickelt.
Die Benutzung der Funktion ist simpel. Um einen Snapshot zu erstellen, gehen Sie wie folgt vor:
Wenn Sie in die Situation kommen, vom Backup Gebrauch zu machen, geht das so:
Ein weiteres VMware-Feature ist das Klonen eines PCs. Auf diese Weise erstellen Sie von einem virtuellen Rechner eine 1:1-Kopie. Auch das ist nützlich, um Situationen zu verhindern, in denen das Hauptsystem nicht mehr läuft. Wenn Sie vermuten, dass ein Programm Ihr System beschädigen könnte, erstellen Sie einen Klon Ihrer XP-Installation und benutzen diesen zum Testen. Kommt es zu Problemen, löschen Sie den Klo und fangen von vorne an.
Ein Klon ist schnell erstellt:
In der Liste der VMware-Installationen erscheint nun der geklonte PC.
VMware ist ein mächtiges Programm, mit dem sich Windows stabil und zuverlässig unter Linux betreiben lässt. Gerade Version 5.5 bietet Features, die ein Upgrade von Version 4 lohnen. Wer VMware nicht kennt, kann die 30-Tages-Lizenz nutzen, um sich das Treiben einmal anzusehen. (hge)
| Infos |
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[1] VMware: http://www.vmware.com/ (Preis im Shop: 189 US-Dollar)
[2] VMware-4.5-Artikel, Martin Loschwitz: "Der PC im PC", EasyLinux 07/2004, S. 20 ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/07/020-vmware/ [3] Bezugsquellen in Deutschland: Linux-Discount: 179 Euro, http://www.linux-discount.de/Store/em21/EM21-221-EN/; ixsoft: 179 Euro, http://ixsoft.de/cgi-bin/web_store.cgi?page=Products/de/VMWL05X0LI.html |
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Last modified: 2007-04-05 11:24
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