![]() |
|
||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||
Martin Loschwitz
Sind Windows und Linux auf einem Rechner installiert, greifen Sie zwar bequem unter Linux auf die Dateien der Windows-Partition zu, der umgekehrte Weg ist aber versperrt, weil Windows keine Treiber für die Linux-Dateisysteme ReiserFS und Ext3 enthält. Ein Hilfsprogramm für Windows lässt Sie dennoch die Linux-Dateien lesen.
Programme, die "Commander" im Namen tragen, sind meist Nachbauten des "Norton Commanders", der ein klassischer Datei-Manager für den Windows-Vorgänger MS-DOS war. Diese Datei-Manager boten Funktionen zum Editieren, Umbenennen und Löschen von Dateien über eine einfache Textmodus-Oberfläche (Abbildung 1). Mit dem Norton Commander konnten DOS-Anwender erstmals halbwegs komfortabel arbeiten. Deshalb hat sich das Konzept des Commanders bis heute erhalten, unter Linux gibt es beispielsweise den Midnight Commander.
Charakteristisch für "Commander"-Programme aller Art ist die Einteilung des Bildschirms in drei Teile (Abbildung 2). Links und rechts sehen Sie einen Ordner im Dateisystem, unten befindet sich die Befehlszeile.
Total Commander folgt der Tradition des Norton Commanders, setzt im Gegensatz zum Original aber nicht mehr auf die Textkonsole, sondern ist eine ausgewachsene Anwendung mit grafischer Oberfläche.
Eine Besonderheit zeichnet den Total Commander aus: Er kann Plug-ins laden. Mit dem Plug-in Ext2+ReiserFS erkennt der Total Commander Festplattenpartitionen, die unter Linux im Ext2-, Ext3- ReiserFS-Format formatiert wurden. Dateien auf diesen Partitionen können Sie dann auf eine Windows-Partition kopieren. Das ist zwar nicht so komfortabel wie das Einbinden als normales Laufwerk im Windows Explorer, für den schnellen Zugriff auf eine Linux-Datei reicht es aber allemal.
Vor der Installation des Total Commanders gibt es einen Haken, denn das Programm ist weder freie Software noch kostenlos. Auf der Heft-CD finden Sie eine 30-Tage-Testversion des Programms; wollen Sie Total Commander auch danach einsetzen, wird eine Lizenzgebühr von 28 Euro fällig. Nähere Informationen zum Lizenzkauf gibt es unter [1].
Die Testversion auf der Heft-CD unterliegt keinen Beschränkungen, Sie können alle Schritte dieses Artikels mit der Shareware nachvollziehen und später entscheiden, ob Sie die Lizenz erwerben und das Programm weiter nutzen.
Installieren Sie Total Commander wie folgt:
Weiter geht es mit der Installation des Ext2-ReiserFS-Plug-ins. Dieser Schritt ist deutlich komplizierter als das Einspielen des Programms selbst -- achten Sie deshalb darauf, die folgende Anleitung genau nachzuvollziehen.
Das war's -- ein Reboot oder ähnliche Schritte sind nicht notwendig, Total Commander findet die vorhandenen Linux-Partitionen nun selbständig und zeigt sie anschließend in der Netzwerkumgebung an. Um einen Überblick über die gefundenen Dateisysteme zu erhalten, rufen Sie zunächst die Baumansicht auf:
Total Commander vergibt zur Identifizierung der Partitionen keine Windows-typischen Laufwerksbuchstaben, sondern verwendet die unter Linux üblichen Partitionsnamen, z. B. hda2 oder sda3: Im System vorhandene Festplatten werden nach einem festen Schema durchnummeriert. Ein Beispiel: Die Festplatte am ersten Anschluss des ersten IDE-Controllers auf dem Mainboard heißt bei Linux meist hda -- die erste Partition auf dieser Platte wird entsprechend als hda1 angesprochen, die zweite als hda2 und so weiter. Die zweite Festplatte heißt hdb, die dritte hdc etc. SCSI-Festplatten heißen sda, sdb und so weiter [3, 4].
Wundern Sie sich nicht, wenn Total Commander in der Festplattenliste eine Festplatte sda anzeigt, obwohl Sie gar kein SCSI-Gerät verwenden -- Linux spricht auch SATA-Festplatten wie SCSI-Platten an.
Sehen Sie eine Partition namens hda2, ist dies die zweite Partition auf der ersten IDE-Festplatte im System. Wenn Sie Suse oder Mandriva Linux mit Standardeinstellungen installiert haben, gibt es hier nur eine Partition. Klicken Sie in Total Commander doppelt auf das Symbol dieser Partition.
Haben Sie Ihre Festplatte in mehrere Partitionen eingeteilt, öffnen Sie jeden Eintrag in der Liste per Doppelklick, bis Sie einen Verzeichnisbaum mit Ordnern bin und usr finden.
Wenn alles funktioniert hat, sehen Sie im linken Teil des Fensters die Dateien und Unterverzeichnisse der gewählten Linux-Partition
Wenn Sie Textdateien aus dem Linux-System über den Total Commander auf das Windows-System kopieren, dort im Editor bearbeiten und später auf anderem Wege auf die Linux-Partition zurück kopieren, werden Sie im Linux-Editor eventuell zahlreiche "^M"-Zeichen an den Zeilenenden sehen. Das liegt daran, dass Windows und Linux unterschiedliche Zeichen zum Kennzeichnen eines Zeilenumbruchs nutzen. Editoren wie KEdit vom KDE-Projekt können solche Fehler aber korrigieren.
Unschwer zu erkennen sind die beiden Hauptelemente des Total-Commander-Fensters. Links werden Sie künftig im Regelfall den aufgeschlagenen Baum des Linux-Dateisystems sehen, rechts wie gewohnt Ihre Windows-"Laufwerke" und die darauf liegenden Verzeichnisse.
Wenn Sie sich gerade in einem Ordner tief in der Verzeichnishierarchie befinden und zurück zum Wurzelverzeichnis C:\ springen möchten, brauchen Sie sich nicht über [..] Ebene und Ebene hoch zu bewegen. Stattdessen sehen Sie links und rechts über den Dateilisten ein Auswahlmenü, mit dem Sie schnellen Zugriff auf die einzelnen Windows-"Laufwerke" erhalten.
Am Bildschirmrand finden Sie Buttons, über die Sie die grundlegenden Funktionen des Total Commanders erreichen.
Um einfach ein Bild oder eine Textdatei auf einer Linux-Partition zu betrachten oder im Editor zu öffnen, klicken Sie in der zweigeteilten Ansicht im Total Commander doppelt auf den Namen der Datei. Das Programm erstellt dann eine Kopie der Datei und öffnet diese. Verändern Sie ein Bild oder eine Datei, betrifft das nur die Kopie auf der Windows-Partition.
In das Linux-Dateisystem kann Total Commander die Datei nicht zurück kopieren, denn das Plug-in kann die Daten nur lesen, nicht schreiben. Umgekehrt kann aber Linux auch lesend auf Windows-Partitionen zugreifen, so dass Sie nach dem nächsten Linux-Start die veränderte Datei vom Windows-System in Ihr Home-Verzeichnis zurück kopieren können.
Vermutlich ist das Kopieren von Dateien von der Linux-Partition auf das Windows-System aber trotzdem die Aufgabe, die sich am häufigsten stellt:
Wollen Sie mehrere Dateien gleichzeitig kopieren, markieren Sie diese, indem Sie mit der rechten Maustaste jede Datei anklicken. Die so ausgewählten Dateien erscheinen dann in Rot. Wenn Sie danach eine der markieren Dateien per Drag & Drop in das Windows-Verzeichnis ziehen, kopiert Total Commander alle markierten Dateien.
Eine Besonderheit des Total Commanders ist noch interessant: Das Programm wird bei Bedarf zum ausgewachsenen FTP-Client, mit dem Sie Dateien von den Linux-Laufwerken praktischerweise gleich mit kopieren.
Mit Netz / FTP verbinden rufen Sie einen Dialog auf, in dem Sie rechts zunächst auf Neue Verbindung klicken. Geben Sie in die erscheinende Maske Ihre FTP-Zugangsdaten ein, klicken Sie auf OK und anschließend doppelt auf den neuen Namen in der FTP-Server-Liste. Im rechten Teil des Total-Commander-Fensters sehen Sie dann den Inhalt des Verzeichnisses auf dem FTP-Server. Durch Verscheiben einer Datei von links nach rechts kopieren Sie diese auf den Server. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Datei auf einer Windows- oder Linux-Partition liegt.
Total Commander mit dem Plug-in für Linux-Dateisysteme ist hilfreich, wenn Sie unter Windows schnell auf Linux-Dateien zugreifen wollen. Schade ist nur, dass das Total-Commander-Plug-in Dateien lediglich in eine Richtung kopieren kann. Eine wirklich komfortable Lösung wäre die vollwertige Einbindung von Linux-Partitionen mit einem Windows-Laufwerksbuchstaben. Entsprechende IFS-Treiber sind in Entwicklung [5, 6], aber noch nicht ausgereift. (hge)
| Infos |
|
[1] Informationen zum Total-Commander-Lizenzkauf: http://www.ghisler.com/dorder.htm
[2] Ext2- und ReiserFS-Plug-in: http://www.totalcmd.net/plugring/ext2fsreiser.html [3] Mehr zu Laufwerksbuchstaben: Hans-Georg Eßer, Laufwerke A:, B: und C:, EasyLinux 06/2004, S. 60 ff., http://www.easylinux.de/2004/06/060-laufwerke/ [4] Partitionen und Dateisysteme: Carsten Schnober, Friedliche Koexistenz, EasyLinux 06/2005, S. 54 ff., http://www.easylinux.de/2005/06/054-partitionen/ [5] IFS-Treiber für Ext2 und Ext3: Ext2IFS: http://uranus.it.swin.edu.au/~jn/linux/ext2ifs.htm; [6] IFS-Treiber für ReiserFS: ReiserDriver: http://rfsd.sourceforge.net |
Auf der Heft-CD:
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
Druckerfreundliche Version |
Feedback zu dieser Seite |
Datenschutz |
© 2010 Linux New Media AG |
Last modified: 2007-04-05 11:24
[Linux-Magazin]
[LinuxUser]
[Linux-Community]
[Admin-Magazin]
[Ubuntu User]
[Linux Events]
[Linux Magazine]
[Ubuntu User]
[Admin Magazine]
[Linux Magazine Poland]
[Linux Community Poland]
[Linux Magazine Brasil]
[Linux Magazine Spain]
[Linux Technical Review]