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Erschienen in EasyLinux 03/2006   »   Ausgabe bestellen

Thunderbird Mail-Accounts und Firefox Lesezeichen unter Windows und Linux gemeinsam verwenden

Gemeinsame Sache

Thomas Leichtenstern


Wer mehrere Betriebssysteme auf dem gleichen Rechner verwendet, kennt das Problem: Meist sind die wichtigen Mails oder Lesezeichen auf dem anderen System. Dieser Artikel erklärt, wie Sie unter Windows und Linux die gleichen Mail-Accounts und Bookmarks nutzen.

Anwender, die unter Linux und Windows gleichermaßen zu Hause sind, kennen das Problem: Um eine wichtige Mail zu lesen, die gestern eintraf, muss das entsprechende Betriebssystem gebootet werden. Wie lautet die URL zu der Seite gleich wieder, die in den Lesezeichen des anderen Systems hinterlegt ist? Ein gemeinsamer Zugriff auf die Lesezeichen und E-Mails beider Systeme schafft das Problem aus der Welt.

Dieser Artikel beschreibt, wie Sie sowohl ein gemeinsames E-Mail-Konto mit dem Mail-Client Thunderbird [1] verwenden, als auch die Bookmarks des Web-Browsers Firefox [2] auf beiden Systemen benutzen.

Eine für alle

Das erste Problem, das es zu bewältigen gilt, ist, eine Ausgangsbasis zu erstellen, die beide Betriebssysteme gleichermaßen unterstützen. Das Mittel der der Wahl ist eine FAT-Partition. Um in Erfahrung zu bringen, welche Partition welches Dateisystem verwendet, öffnen Sie unter Windows den Explorer und klicken mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Partition. Wählen Sie dann aus dem Kontextmenü den Eintrag Eigenschaften. Neben dem Eintrag Dateisystem: steht das verwendete Dateisystem. Unter Linux ermitteln Sie die vorhandenen Dateisysteme mit dem Konsolenaufruf cfdisk als User root. Verfügt Ihr Rechner bereits über eine FAT-Partition, überspringen Sie den folgenden Abschnitt.


FAT: File Allocation Table. Ein einfaches Dateisystem, das mit Nachteilen wie fehlender Rechteverwaltung behaftet ist. Bislang ist FAT jedoch das einzige Dateisystem, das alle Linux- und Windows-Betriebssysteme lesen und schreiben können.

Beachten Sie, dass jedes Ändern der Partitionstabelle mit dem Risiko des Datenverlustes verbunden ist. Erstellen Sie deswegen vor dem Verwenden von Partitionierungsprogrammen in jedem Fall ein Backup aller wichtigen Dateien.

Um die notwendige FAT-Partition zu erstellen, starten Sie die auf der Heft-CD enthaltene Distribution System Rescue, indem Sie den Rechner mit eingelegter CD neu booten. Stellen Sie sicher, dass in der BIOS-Boot-Reihenfolge das CD/DVD-Laufwerk an erster Stelle steht.

Beim Booten fragt die Distribution nach dem verwendeten Tastatur-Layout (Keymap selection). Geben Sie hier 10 ein.

Platz da!

Eingriffe in das ReiserFS- oder Ext3-Dateisystem können zu irreparablen Schäden führen, weswegen es ratsam ist, ausschließlich NTFS-Dateisysteme zu bearbeiten. Auch das Ändern der Systempartition (Laufwerk C:) ist problemlos möglich, solange sich die neue Partition hinter dieser befindet. Andernfalls ist Windows nicht mehr in der Lage, zu booten.

Zum korrekten Umpartitionieren führen Sie folgende Schritte durch:

  1. Starten Sie mit der Eingabe von run_qtparted die grafische Oberfläche des Partitionierungsprogrammes.
  1. Nach einem Klick auf die gewünschte Festplatte im linken Teil des Fensters erscheinen im rechten Teil die Partitionen.
  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die NTFS-Partition und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Eintrag resize (Abbildung 1).
  1. Hinter dem Eintrag Free Space after: geben Sie die Größe der neuen Partition ein.
  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den grau eingefärbten freien Speicherplatz, und wählen Sie den Menüpunkt Create.
  1. Aus dem Pull-down-Menü neben Partition Type: wählen Sie den Eintrag fat16 oder fat32 aus.
  1. Ein Klick auf das Diskettensymbol übernimmt die Änderungen.

Da QtParted neue Partitionen generell mit fortlaufenden Nummern (zum Beispiel /dev/hda4) versieht, verschieben sich die Zuordnungen der physikalisch dahinter liegenden Partitionszuordnungen nicht.

Abb. 1: Das Partitionierungswerkzeug QtParted verkleinert die NTFS-Partition auf die gewünschte Größe.

Häng mich ein

Um die erstellte Partition unter Suse Linux in das Dateisystem einzuhängen, erstellen Sie zunächst ein Verzeichnis, in das sie zu mounten ist. Das könnte zum Beispiel /home/<benutzername>/dual-share/ lauten. Starten Sie nun YaST und klicken Sie auf den Eintrag System / Partitionieren. Bestätigen Sie den folgenden Warnhinweis mit ja und klicken Sie in der angezeigten Liste auf die zuvor erstellte Partition, in unserem Beispiel /dev/hda4.

Nach einem Klick auf den Button bearbeiten tragen Sie im Feld Mountpoint den Pfad zum erstellten Verzeichnis ein (Abbildung 2). Damit Suse Linux die Partition mit den Rechten des angemeldeten Anwenders einhängt, klicken Sie auf den Button Fstab-Optionen und schreiben in das Textfeld unter Beliebiger Optionswert den Eintrag uid=<User-ID>. Die ID des aktuell angemeldeten Benutzers erfahren Sie, indem Sie mit [Alt-F2] und Konsole ein Terminal öffnen, dort id eintippen und mit [Eingabe] bestätigen.

Um die Änderungen in YaST zu übernehmen, schließen Sie den Vorgang mit Klick auf die Buttons OK und Anwenden ab. Den Erfolg der Anpassung überprüfen Sie mit der Eingabe von mount in der Konsole. Hier sollte nun ein neuer Eintrag als Typ vfat erscheinen, ausgehend von unserem Beispiel /dev/hda4/ on /home/tommy/dual-boot/ type vfat.

Beachten Sie, dass immer nur ein Benutzer das Lese- und Schreibrecht auf diese Partition hat. Andere als der in der Datei Fstab eingetragene User sind zwar in der Lage, den Inhalt der Partition zu lesen, jedoch nicht berechtigt, dorthin zu schreiben. Dieses Handicap lässt sich derzeit nicht umgehen und beschränkt damit auch den Einsatz der gemeinsam genutzten Mail-Accounts auf einen Linux-Benutzer.

Abb. 2: Der Partitions-Manager von YaST erlaubt das einfache Bearbeiten der fstab-Optionen.

Gut zu Fuß

Deutlich einfacher vollzieht sich das Einbinden der neuen Partition, indem Sie die Datei /etc/fstab mit einem Text-Editor um den notwendigen Eintrag ergänzen. Rufen Sie dazu mit [Alt-F2] das Schnellstartfenster auf und geben Sie kdesu kwrite ein. Damit startet der Text-Editor mit den notwendigen administrativen Rechten. Öffnen Sie mit kwrite nun die Datei /etc/fstab und ergänzen Sie diese um den Eintrag

Partitionsbezeichnung   Einhängepunkt Dateisystem  Besitzer  0      0

Ausgehend von unserem Beispiel lautet der Eintrag:

/dev/hda4 /home/tommy/dual-share  vfat    uid1000 0       0

Speichern Sie die Änderungen und hängen Sie die neue Partition in das Dateisystem ein. Da dieser Vorgang administrative Rechte erfordert, geben Sie in der Konsole den Befehl su und auf Nachfrage das root-Passwort ein. Der Befehl mount <Einhängepunkt> hängt die Partition an der vorgesehenen Stelle ein.

Thunderbird gemeinsam nutzen

Nach dem Erstellen der gemeinsamen Partition ist nun Thunderbird entsprechend einzurichten, um von beiden Betriebssystemen aus ein gemeinsames Konto zu verwenden.

Im ersten Schritt installieren Sie Thunderbird unter Windows und bereiten ihn wie folgt auf den Dual-Betrieb vor:

  1. Legen Sie nach dem Start von Windows zunächst ein Verzeichnis in der zuvor erstellten FAT-Partition an, zum Beispiel dual-mail.
  1. Laden Sie im Anschluss die aktuelle Version von Mozilla Thunderbird auf Ihren Rechner und starten Sie die Installation.
  1. Beim Abschluss der Installation entfernen Sie das Häkchen neben dem Eintrag Mozilla Thunderbird starten.
  1. Starten Sie den Benutzerverwaltungsmodus im Schnellstartfenster von Windows (Start / Ausführen...) mit dem Aufruf thunderbird -ProfileManager und wählen Sie den Menüpunkt Profil erstellen (Abbildung 3).
  1. Nach einem Klick auf weiter erscheint das Konfigurationsfenster, in dem Sie den Profilnamen festlegen und den Ordner wählen, in dem Thunderbird das Profil speichert.
  1. Klicken Sie darauf und wählen Sie das zuvor erstellte Verzeichnis der FAT-Partition.

Richten Sie nun wie gewohnt das Mail-Konto mit allen notwendigen Einstellungen ein. Prüfen Sie die korrekte Funktion des E-Mail-Ein- und Ausgangs, indem Sie sich selbst eine Mail schicken. Das erzeugt unter Anderem die Adressdatenbank. Beenden Sie danach Thunderbird, fahren Sie Windows herunter und booten Sie das Linux Betriebssystem.

Unter Linux gilt es, folgende Schritte auszuführen:

  1. Installieren Sie dase für Ihre Distribution passende Thunderbird-Paket von der Heft-CD und starten Sie den Mail-Client. Dadurch erzeugt die Software das notwendige Arbeitsverzeichnis in /home/<Benutzername>/.thunderbird/<Beliebige Zeichenfolge>.default. Beenden Sie danach ohne weitere Konfiguration den Mail-Client. Beachten Sie, dass es sich um ein verstecktes Verzeichnis handelt, das sie in Konqueror erst sehen, wenn sie die Option Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen aktivieren.
  1. Öffnen Sie mit Konqueror das oben genannte Verzeichnis und versehen Sie (falls vorhanden) folgende Dateien und Verzeichnisse mit der Endung .bak: Mail, ImapMail abook.mab und history.mab. (Als Beispiel wird aus ImapMail ImapMail.bak).
  1. Drücken Sie im aktivierten Konqueror-Fenster [F4], um eine Konsole in diesem Verzeichnis zu öffnen.
  1. Erstellen Sie mit der Eingabe von
    ln -s Pfad zum Windows Verzeichnis/Datei- oder Verzeichnisname
    symbolische Links zu folgenden Dateien und Verzeichnissen: Mail, ImapMail und alle Dateien, die mit .mab enden. Ausgehend vom Beispiel sieht das Kommando wie folgt aus:
    ln -s /home/tommy/dual-share/dual-mail/Mail
  1. Öffnen Sie nun mit einem Text-Editor die Datei prefs.js, welche alle wichtigen Account-Informationen enthält.
  1. Löschen Sie alle Einträge, die mit user_pref("mail beginnen.
  1. Öffnen Sie nun in einer zweiten Sitzung die gleichnamige Windows-Konfigurationsdatei aus der der zuvor eingehängten FAT-Partition, und kopieren Sie sämtiche Einträge, die mit user_pref("mail oder user_pref("ldap beginnen in die Linux-Konfigurationsdatei.
  1. Speichern Sie die Änderungen und starten Sie Thunderbird.

Jetzt stehen Ihnen die Mailboxen, die Sie unter Windows eingerichtet haben, uneingeschränkt auch unter Linux zur Verfügung.

Abb. 3: Die Profil-Manager von Thunderbird und Firefox erlauben das benutzerdefinierte Erstellen von Anwenderprofilen.
United Firefox

Über einen kleinen Kunstgriff verwenden Sie benutzerspezifische Daten wie Lesezeichen, Cookies, Cache und History des Web-Browsers Firefox unter beiden Systemen gemeinsam. Theoretisch ist es auch möglich, installierte Erweiterungen oder Themes parallel zu verwenden. Da es dabei jedoch zu unvorhersehbaren Komplikationen kommen kann, ist dringend davon abzuraten. Ebenso verhält es sich mit der zentralen Konfigurationsdatei prefs.js, in der Firefox persönliche Anpassungen wie bevorzugte Suchmaschine, Startseite etc. speichert.

Da Firefox die Lesezeichen immer im verwendeten Profil erwartet, ist es notwendig, ein neues auf einer unter beiden Systemen zugänglichen FAT-Partition einzubinden. Dazu sind folgende Arbeitsschritte notwendig:

  1. Booten Sie Windows und erstellen Sie in der FAT-Partition das Verzeichnis Firefox-profil.
  1. Kopieren Sie den gesamten Inhalt des Verzeichnisses <LW>:\Dokumente und Einstellungen\<Benutzername>\Anwendungsdaten\Mozilla\Firefox\Profiles\<beliebige Zeichenfolge>.default in das zuvor erstellte Verzeichnis auf der FAT-Partition.
  1. Öffnen Sie den Firefox-Profil-Manager mit der Eingabe von Firefox -ProfilManager im Schnellstartfenster (Start / Ausführen...).
  1. Erstellen Sie ein neues Profil mit einem Klick auf den Button Profil erstellen...
  1. Geben Sie dem Profil einen möglichst aussagekräftigen Namen und wählen Sie als Arbeitsverzeichnis den zuvor auf der FAT-Partition erstellten Ordner.

Es empfiehlt sich, dieses Profil als Standard einzurichten. Klicken Sie dazu auf den neuen Eintrag und aktivieren Sie die Check-Box Beim Starten nicht mehr nachfragen.

Die gemeinsame Basis ist damit erstellt und wird im nächsten Arbeitsschritt wie folgt unter Linux eingerichtet:

  1. Starten Sie Linux und installieren Sie Firefox von der Heft-CD.
  1. Starten Sie den Browser, damit Firefox das Arbeitsverzeichnis erstellt.
  1. Öffnen Sie mit [Alt-F2] und der Eingabe von konsole ein Terminal und wechseln Sie in das Verzeichnis
    /home/Benutzername/.mozilla/firefox/Beliebige Zeichenkette.default
  1. Verschieben Sie die Datei bookmarks.html mit dem Befehl
    mv bookmarks.html /<i>Verzeichnisname<i>
    in einen Ordner Ihrer Wahl, zum Beispiel /tmp.
  1. Der Befehl
    ln -s /Pfad zum FAT-Verzeichnis/bookmarks.html
    erstellt einen symbolischen Link der Windows-Bookmarks, die Sie damit auch unter Linux verwenden.

Ebenso problemlos wie die Bookmarks lassen sich auf diesem Weg auch andere Dateien wie cookies.txt, history.dat und formhistory.dat auf beiden Systemen verwenden. Wiederholen Sie dazu die oben genannten Arbeitsschritte mit den genannten Dateien.

Möchten Sie die alten Firefox-Lesezeichen weiterhin verwenden, gehen Sie dazu wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie den Lesezeichen-Manager von Firefox über den Menüpunkt Lesezeichen.
  1. Klicken Sie auf den Eintrag Datei / Importieren... (Abbildung 4).
  1. Wählen Sie die Datei bookmarks.html aus dem Verzeichnis, in das Sie zuvor die Lesezeichen von Linux-Firefox verschoben haben.

Abb. 4: Mit dem Lesezeichen-Manager von Firefox fügen Sie mit wenigen Mausklicks die alten Bookmarks den gemeinsam benutzten hinzu.

Fazit

Der Weg zum Glück ist -- wie so oft -- etwas steinig, aber durchaus lohnenswert. Vor allem wenn Sie beide Betriebssysteme regelmäßig verwenden, rechtfertigt der Nutzen die etwas umständliche Konfiguration in jedem Fall. (tle)

Infos:
[1] Mozilla Thunderbird: http://www.thunderbird-mail.de/
[2] Mozilla Firefox: http://firefox-browser.de

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