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Thomas Leichtenstern
Anwender, die unter Linux und Windows gleichermaßen zu Hause sind, kennen das Problem: Um eine wichtige Mail zu lesen, die gestern eintraf, muss das entsprechende Betriebssystem gebootet werden. Wie lautet die URL zu der Seite gleich wieder, die in den Lesezeichen des anderen Systems hinterlegt ist? Ein gemeinsamer Zugriff auf die Lesezeichen und E-Mails beider Systeme schafft das Problem aus der Welt.
Dieser Artikel beschreibt, wie Sie sowohl ein gemeinsames E-Mail-Konto mit dem Mail-Client Thunderbird [1] verwenden, als auch die Bookmarks des Web-Browsers Firefox [2] auf beiden Systemen benutzen.
Das erste Problem, das es zu bewältigen gilt, ist, eine Ausgangsbasis zu erstellen, die beide Betriebssysteme gleichermaßen unterstützen. Das Mittel der der Wahl ist eine FAT-Partition. Um in Erfahrung zu bringen, welche Partition welches Dateisystem verwendet, öffnen Sie unter Windows den Explorer und klicken mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Partition. Wählen Sie dann aus dem Kontextmenü den Eintrag Eigenschaften. Neben dem Eintrag Dateisystem: steht das verwendete Dateisystem. Unter Linux ermitteln Sie die vorhandenen Dateisysteme mit dem Konsolenaufruf cfdisk als User root. Verfügt Ihr Rechner bereits über eine FAT-Partition, überspringen Sie den folgenden Abschnitt.
Beachten Sie, dass jedes Ändern der Partitionstabelle mit dem Risiko des Datenverlustes verbunden ist. Erstellen Sie deswegen vor dem Verwenden von Partitionierungsprogrammen in jedem Fall ein Backup aller wichtigen Dateien.
Um die notwendige FAT-Partition zu erstellen, starten Sie die auf der Heft-CD enthaltene Distribution System Rescue, indem Sie den Rechner mit eingelegter CD neu booten. Stellen Sie sicher, dass in der BIOS-Boot-Reihenfolge das CD/DVD-Laufwerk an erster Stelle steht.
Beim Booten fragt die Distribution nach dem verwendeten Tastatur-Layout (Keymap selection). Geben Sie hier 10 ein.
Eingriffe in das ReiserFS- oder Ext3-Dateisystem können zu irreparablen Schäden führen, weswegen es ratsam ist, ausschließlich NTFS-Dateisysteme zu bearbeiten. Auch das Ändern der Systempartition (Laufwerk C:) ist problemlos möglich, solange sich die neue Partition hinter dieser befindet. Andernfalls ist Windows nicht mehr in der Lage, zu booten.
Zum korrekten Umpartitionieren führen Sie folgende Schritte durch:
Da QtParted neue Partitionen generell mit fortlaufenden Nummern (zum Beispiel /dev/hda4) versieht, verschieben sich die Zuordnungen der physikalisch dahinter liegenden Partitionszuordnungen nicht.
Um die erstellte Partition unter Suse Linux in das Dateisystem einzuhängen, erstellen Sie zunächst ein Verzeichnis, in das sie zu mounten ist. Das könnte zum Beispiel /home/<benutzername>/dual-share/ lauten. Starten Sie nun YaST und klicken Sie auf den Eintrag System / Partitionieren. Bestätigen Sie den folgenden Warnhinweis mit ja und klicken Sie in der angezeigten Liste auf die zuvor erstellte Partition, in unserem Beispiel /dev/hda4.
Nach einem Klick auf den Button bearbeiten tragen Sie im Feld Mountpoint den Pfad zum erstellten Verzeichnis ein (Abbildung 2). Damit Suse Linux die Partition mit den Rechten des angemeldeten Anwenders einhängt, klicken Sie auf den Button Fstab-Optionen und schreiben in das Textfeld unter Beliebiger Optionswert den Eintrag uid=<User-ID>. Die ID des aktuell angemeldeten Benutzers erfahren Sie, indem Sie mit [Alt-F2] und Konsole ein Terminal öffnen, dort id eintippen und mit [Eingabe] bestätigen.
Um die Änderungen in YaST zu übernehmen, schließen Sie den Vorgang mit Klick auf die Buttons OK und Anwenden ab. Den Erfolg der Anpassung überprüfen Sie mit der Eingabe von mount in der Konsole. Hier sollte nun ein neuer Eintrag als Typ vfat erscheinen, ausgehend von unserem Beispiel /dev/hda4/ on /home/tommy/dual-boot/ type vfat.
Beachten Sie, dass immer nur ein Benutzer das Lese- und Schreibrecht auf diese Partition hat. Andere als der in der Datei Fstab eingetragene User sind zwar in der Lage, den Inhalt der Partition zu lesen, jedoch nicht berechtigt, dorthin zu schreiben. Dieses Handicap lässt sich derzeit nicht umgehen und beschränkt damit auch den Einsatz der gemeinsam genutzten Mail-Accounts auf einen Linux-Benutzer.
Deutlich einfacher vollzieht sich das Einbinden der neuen Partition, indem Sie die Datei /etc/fstab mit einem Text-Editor um den notwendigen Eintrag ergänzen. Rufen Sie dazu mit [Alt-F2] das Schnellstartfenster auf und geben Sie kdesu kwrite ein. Damit startet der Text-Editor mit den notwendigen administrativen Rechten. Öffnen Sie mit kwrite nun die Datei /etc/fstab und ergänzen Sie diese um den Eintrag
Partitionsbezeichnung Einhängepunkt Dateisystem Besitzer 0 0
Ausgehend von unserem Beispiel lautet der Eintrag:
/dev/hda4 /home/tommy/dual-share vfat uid1000 0 0
Speichern Sie die Änderungen und hängen Sie die neue Partition in das Dateisystem ein. Da dieser Vorgang administrative Rechte erfordert, geben Sie in der Konsole den Befehl su und auf Nachfrage das root-Passwort ein. Der Befehl mount <Einhängepunkt> hängt die Partition an der vorgesehenen Stelle ein.
Nach dem Erstellen der gemeinsamen Partition ist nun Thunderbird entsprechend einzurichten, um von beiden Betriebssystemen aus ein gemeinsames Konto zu verwenden.
Im ersten Schritt installieren Sie Thunderbird unter Windows und bereiten ihn wie folgt auf den Dual-Betrieb vor:
Richten Sie nun wie gewohnt das Mail-Konto mit allen notwendigen Einstellungen ein. Prüfen Sie die korrekte Funktion des E-Mail-Ein- und Ausgangs, indem Sie sich selbst eine Mail schicken. Das erzeugt unter Anderem die Adressdatenbank. Beenden Sie danach Thunderbird, fahren Sie Windows herunter und booten Sie das Linux Betriebssystem.
Unter Linux gilt es, folgende Schritte auszuführen:
ln -s Pfad zum Windows Verzeichnis/Datei- oder Verzeichnisname
ln -s /home/tommy/dual-share/dual-mail/Mail
Jetzt stehen Ihnen die Mailboxen, die Sie unter Windows eingerichtet haben, uneingeschränkt auch unter Linux zur Verfügung.

| United Firefox |
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Über einen kleinen Kunstgriff verwenden Sie benutzerspezifische Daten wie Lesezeichen, Cookies, Cache und History des Web-Browsers Firefox unter beiden Systemen gemeinsam. Theoretisch ist es auch möglich, installierte Erweiterungen oder Themes parallel zu verwenden. Da es dabei jedoch zu unvorhersehbaren Komplikationen kommen kann, ist dringend davon abzuraten. Ebenso verhält es sich mit der zentralen Konfigurationsdatei prefs.js, in der Firefox persönliche Anpassungen wie bevorzugte Suchmaschine, Startseite etc. speichert. Da Firefox die Lesezeichen immer im verwendeten Profil erwartet, ist es notwendig, ein neues auf einer unter beiden Systemen zugänglichen FAT-Partition einzubinden. Dazu sind folgende Arbeitsschritte notwendig:
Es empfiehlt sich, dieses Profil als Standard einzurichten. Klicken Sie dazu auf den neuen Eintrag und aktivieren Sie die Check-Box Beim Starten nicht mehr nachfragen. Die gemeinsame Basis ist damit erstellt und wird im nächsten Arbeitsschritt wie folgt unter Linux eingerichtet:
/home/Benutzername/.mozilla/firefox/Beliebige Zeichenkette.default
mv bookmarks.html /<i>Verzeichnisname<i>
ln -s /Pfad zum FAT-Verzeichnis/bookmarks.html
Ebenso problemlos wie die Bookmarks lassen sich auf diesem Weg auch andere Dateien wie cookies.txt, history.dat und formhistory.dat auf beiden Systemen verwenden. Wiederholen Sie dazu die oben genannten Arbeitsschritte mit den genannten Dateien. Möchten Sie die alten Firefox-Lesezeichen weiterhin verwenden, gehen Sie dazu wie folgt vor:
Abb. 4: Mit dem Lesezeichen-Manager von Firefox fügen Sie mit wenigen Mausklicks die alten Bookmarks den gemeinsam benutzten hinzu. |
Der Weg zum Glück ist -- wie so oft -- etwas steinig, aber durchaus lohnenswert. Vor allem wenn Sie beide Betriebssysteme regelmäßig verwenden, rechtfertigt der Nutzen die etwas umständliche Konfiguration in jedem Fall. (tle)
| Infos: |
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[1] Mozilla Thunderbird: http://www.thunderbird-mail.de/
[2] Mozilla Firefox: http://firefox-browser.de |
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Last modified: 2007-04-05 11:24
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