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Erschienen in EasyLinux 03/2006   »   Ausgabe bestellen

OpenOffice als Boxprodukt

In der Schachtel

Marcel Hilzinger


Gut verpackt ist halb verkauft. Das dachten sich auch einige Freiwillige des OpenOffice.org Deutschland Vereins, die ein erweitertes OpenOffice als CD und als Boxprodukt zum Verkauf anbieten.

OpenOffice ist eigentlich bei jeder Linux-Distribution mit dabei, doch Updates oder Erweiterungen sind meistens nur im Internet verfügbar. Dieser Artikel stellt die OpenOffice-Version in der Box vor. Sie richtet sich in erster Linie an Benutzer ohne schnelle Internet-Anbindung; die zahlreichen Erweiterungen machen die PrOOo-Box aber auch sonst interessant. Die OpenOffice-Pakete sowie einige Zusätze finden Sie auch auf der Heft-CD.

Besitzen Sie zu Hause einen DSL-Anschluss, sind Sie aus dem Schneider: Dann laden Sie sich das PrOOo-Box-CD-Image einfach von [1] aus dem Internet herunter und brennen damit eine CD. Das zugehörige Cover im OpenOffice-Format finden Sie für die gängigen CD- und DVD-Hüllen ebenfalls auf der CD, Sie müssen es nur noch ausdrucken und einlegen. Möchten Sie die CD mit oder ohne Verpackung bestellen, schreiben Sie entweder eine E-Mail an order@prooobox.de oder bestellen das Produkt über [2] online. Im Onlineshop kostet die CD 5, die Box-Version 10 Euro. Die Einnahmen aus dem Verkauf kommen dem deutschen OpenOffice.org-Verein zugute.

Installation

Die aktuelle Version der PrOOo-Box enthält OpenOffice 2.0.1 für Linux, Windows und Mac OS X sowie zahlreiche Zusatzprogramme, darunter Cliparts, Vorlagen, Schriften und vieles mehr. Die Linux-Programme liegen dabei als einfach zu installierende RPM-Pakete vor. Wie Sie diese Pakete unter Debian oder Ubuntu benutzen, lesen Sie im Kasten "Installation unter Ubuntu". Ausführliche Informationen finden Sie auch im Installationshandbuch auf der CD.

Benutzen Sie Suse Linux und verfügen über einen DSL- oder Kabel-TV-Internet-Anschluss, sollten Sie Ihr OpenOffice nicht über die PrOOo-Box aktualisieren, sondern mit Hilfe des Online Updates von YaST, da die Version auf der CD nicht optimal in KDE integriert ist. Dies bedeutet, dass die Symbole von OpenOffice nicht so hübsch aussehen und beim Speichern von Dateien nicht der Standard-Dialog von KDE erscheint, sondern der Originaldialog von OpenOffice (Abbildung 1 und 2). Auch Dateien per Drag & Drop mit OpenOffice zu öffnen, funktioniert nur mit der Suse-Variante.

Ein Update ist aber in jedem Fall zu empfehlen, da zum Beispiel das vorinstallierte OpenOffice unter Suse Linux 9.3 keine StarOffice-Dokumente öffnen kann und auch sonst etliche Mängel hat.


RPM-Paket: RPM steht für Red Hat Package Manager und bezeichnet das Software-Verwaltungssystem der meisten Linux-Distributionen. RPM-Pakete sind unter Linux genauso einfach zu installieren wie eine EXE-Datei unter Windows.

Abb. 1: Das OpenOffice von Suse Linux bietet standardmäßig eine gute KDE-Integration.

Abb. 2: Installieren Sie OpenOffice von der PrOOo-Box, benutzt es das Standard-Icon-Theme.
Installation unter Ubuntu

Ubuntu benutzt keine RPM-Pakete (siehe Glossar), sondern das Paketformat der Debian-Distribution. Mit dem Hilfsprogramm alien lassen sich aber die meisten RPM-Pakete in DEB-Pakete umwandeln. Installieren Sie dazu das Programm über den Befehl

sudo apt-get install alien

und befolgen Sie dann die Schritte 1 bis 3 der Installationsanleitung. Anstelle von Schritt 4 geben Sie den Befehl

sudo alien -k *.i586.rpm

ein. Dieser wandelt die RPM-Pakete in das DEB-Format um. Hat alien seine Arbeit beendet, installieren Sie die neuen Pakete mit dem Befehl

sudo dpkg -i *.deb

Schließlich wechseln Sie ins Verzeichnis desktop-integration und installieren noch das Paket openoffice.org-debian-menus.

Im folgenden beschreibt der Artikel die Installation der OpenOffice-Pakete von der PrOOo-Box für Mandriva und Suse Linux. Auf der Heft-CD befinden sich ebenfalls aktuelle OpenOffice-Pakete, die sich auch mit YaST oder Rpmdrake installieren lassen. Details dazu finden Sie auf der Heft-CD.

  1. Öffnen Sie die CD im Datei-Manager Konqueror und navigieren Sie ins Verzeichnis openoffice.org/linux/.
  1. Ziehen Sie den Ordner RPMS auf den Desktop. Wählen Sie dazu die Option An diese Stelle kopieren. Konqueror kopiert nun die rund 100 MByte von der CD auf die Festplatte Ihres PCs.
  1. Öffnen Sie das Verzeichnis RPMS auf dem Desktop und drücken Sie anschließend die Taste [F4]. KDE öffnet dadurch ein Terminal-Fenster im Verzeichnis ~/Desktop/RPMS.
  1. Geben Sie den Befehl su ein, um die Rechte des Systemadministrators zu übernehmen. Das Passwort müssen Sie dabei blind eintippen, da Linux keine Sternchen anzeigt.
  1. Installieren Sie nun die RPM-Pakete mit dem Befehl
    rpm -Uvh *.rpm
    Sie sehen für jedes Paket eine Zeile mit mehreren Rautezeichen als Fortschrittsbalken (Abbildung 3).

Abb. 3: Installation auf der Kommandozeile: Der Paket-Manager RPM zeigt als Fortschrittsbalken eine Reihe mit Rautezeichen an.

Die Installation des Office-Pakets ist damit beendet. Um auch die Menüeinträge für OpenOffice zu installieren, wechseln Sie mit dem Befehl cd desktop-integration ins Verzeichnis für die Menüdateien und installieren für Suse Linux das Paket openoffice.org-suse-menus:

rpm -ivh openoffice.org-suse*

Unter Mandriva Linux lautet der entsprechende Befehl:

rpm -ivh openoffice.org-mandriva*

Im Test brachte dies unter Suse Linux 9.3 trotzdem nicht den gewünschten Erfolg -- im K-Menü fand sich kein Eintrag zum Start des Office-Pakets. Das neue Office lässt sich aber über den Befehl /usr/bin/soffice starten. Funktioniert alles wie gewünscht, können Sie den Ordner RPMS auf dem Arbeitsplatz wieder löschen.

Suche in der Wikipedia

Einige interessante Zusätze der PrOOo-Box finden Sie auch auf der Heft-CD von EasyLinux im Verzeichnis programme/openoffice.org/erweiterungen. Der Artikel beschreibt diese im Folgenden näher. Eine Liste sämtlicher Erweiterungen der PrOOo-Box inklusive Download-Möglichkeit finden Sie im Internet unter [2]. Weitere Zusätze für OpenOffice stellen wir in einer der nächsten Ausgaben vor.


UNO-Komponente: Universal Network Objekts. Universelle Schnittstelle (eine Art Plug-In-Infrastruktur), über die auch andere Programme mit OpenOffice kommunizieren können, unabhängig von der benutzten Programmiersprache und vom Betriebssystem.

Mit der UNO-Komponente OOoWikipedia finden Sie Begriffe über einen Mausklick im Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Zur Installation der Erweiterung starten Sie OpenOffice, wählen Extras / Package Manager und klicken dann auf die Schaltfläche Hinzufügen. Navigieren Sie ins Verzeichnis programme/openoffice.org/erweiterungen/wikipedia auf der Heft-CD, markieren Sie die Datei OOoWikipedia-2.1.zip und klicken Sie auf Öffnen. OpenOffice installiert nun das Paket und zeigt es unter dem Eintrag Meine Packages an (Abbildung 4).

Abb. 4: Der Package Manager von OpenOffice verwaltet Erweiterungen und Zusätze.

Nach einem Neustart von OpenOffice sehen Sie zwei neue Schaltflächen mit dem Großbuchstaben "W". Um einen Begriff in der Wikipedia nachzuschlagen, markieren Sie ihn und klicken auf die W-Schaltfläche mit dem Pfeil. OpenOffice startet dann in Konqueror die Suchanfrage. Möchten Sie den Begriff in einer anderssprachigen Wikipedia nachschlagen, wählen Sie das W-Symbol mit dem Fragezeichen. Auf diese Weise erscheint vor der Abfrage noch ein Dialog zur Sprachauswahl. Sollten die Schaltflächen nicht sichtbar sein, wählen Sie über Ansicht / Symbolleisten die Symbolleiste Add-On 1 zur Ansicht aus.

Wörterbuch erweitern

Die deutsche Rechtschreibprüfung von OpenOffice ist im Vergleich zu kommerziellen Produkten noch ziemlich im Hintertreffen. Gerade bei langen Dokumenten mit vielen Fachbegriffen wirkt sich dieser Umstand negativ auf die Arbeit aus. Besitzen Sie hingegen eine Terminologie oder eine Wörterliste der zentralen Begriffe, nehmen Sie diese mit dem Makro ImportExportDictionary per Mausklick in das Wörterbuch von OpenOffice auf.


Makro: In ein (Open)Office-Dokument eingebettetes Mini-Programm. Mit Makros lassen sich zum Beispiel komplizierte Arbeitsschritte aufzeichnen und dann per Knopfdruck abspielen.

  1. Öffnen Sie in OpenOffice das Dokument ImportExportDictionary1.1.sxw. Sie finden es auf der Heft-CD im Verzeichnis programme/openoffice.org/erweiterungen/dictionary.
  1. Da das Dokument ein Makro enthält, zeigt OpenOffice beim Öffnen einen Warnhinweis an (Abbildung 5). Wählen Sie hier Makros aktivieren, um das Dokument zu öffnen.
  1. Klicken Sie auf die Schaltfläche Run Macro, um das Programm zu starten.

Obwohl das Programm nur Englisch spricht, ist die Bedienung denkbar einfach. In der Zeile Textfile geben Sie einen Dateinamen ein, zum Beispiel /tmp/terminologie.txt, dann wählen Sie aus der Liste das Wörterbuch aus. Ihre Erweiterungen zum OpenOffice-Wörterbuch speichert die Suite in der Datei soffice.dic, so dass diese Option in der Regel die beste Wahl ist.

Um das OpenOffice-Wörterbuch mit den Einträgen der Datei /tmp/terminologie.txt zu erweitern, klicken Sie auf die Schaltfläche Import. Möchten Sie hingegen die Einträge des bestehenden Wörterbuchs in die angegebene Datei speichern, klicken Sie anschließend auf Export. Vorsicht: Eine bestehende Datei /tmp/terminologie.txt wird dabei überschrieben!

Abb. 5: OpenOffice warnt Sie, wenn Sie ein Dokument mit Makros öffnen. Obwohl es unter Linux keine bekannten Makroviren für OpenOffice gibt, sollten Sie diese Warnung ernst nehmen -- vor allem bei Dokumenten unbekannter Herkunft.

Vokabeltrainer

Auch dieses Dokument arbeitet mit Makrofunktionen. Um den Vokabeltrainer zu starten, öffnen Sie die Datei vokabeltrainer.sxc aus dem Verzeichnis programme/openoffice.org/erweiterungen/vokabeltrainer und klicken beim Öffnen auf die Option Makros aktivieren.

Über die große Schaltfläche im neuen Dokument wählen Sie die Sprache aus und klicken dann auf Start. Wie bei einem richtigen Vokabeltrainer arbeitet auch dieses OpenOffice-Dokument mit verschiedenen Karteikästen. Bekannte Wörter wandern in den nächsten Kasten, neue oder nicht gekannte bleiben im Kasten 0. Richtige Übersetzungen belohnt das Programm mit einem grünen Hinweisfenster, bei Fehlern erscheint ein rotes. Die Wörterliste des Trainers ist nicht besonders lang, das Tabellendokument lässt sich aber sehr leicht um eigene Begriffe ergänzen.

Rechtschreibprüfung

Im Ordner programme/openoffice.org/dicooofull finden Sie Rechtschreib- und Thesaurus-Wörterbücher für über 50 Sprachen. Auch die Installation dieser Dictionaries erfolgt über ein spezielles OpenOffice-Dokument mit Makros.

  1. Öffnen Sie die Datei DicOOo-offline.odt aus obigem Ordner von der Heft-CD, bestätigen Sie die Warnung mit Makros aktivieren und wählen Sie anschließend die gewünschte Sprache aus.
  1. Nach dem Starten von DicOOo über die entsprechende Schaltfläche klicken Sie auf Weiter und wählen dann das Wörterbuch für die Rechtschreibung aus. Die besten Resultate erzielten wir mit der Version Neue Rechtschreibung und Komposita. Hängen Sie an den traditonellen Schreibweisen, wählen Sie die Datei mit dem Zusatz alte+neueRS.
  1. In den folgenden Dialogen bestimmen Sie die Silbentrennung und den Thesaurus. Mit gedrückter Strg-Taste lassen sich auch mehrere Sprachen auswählen.
  1. Klicken Sie auf Weiter und Fertigstellen, um die Installation zu beenden.

Starten Sie nun OpenOffice neu und wählen Sie Extras / Optionen / Spracheinstellungen / Linguistik. Markieren Sie unter Verfügbare Sprachmodule den Eintrag OpenOffice.org MySpell SpellChecker und klicken Sie auf Bearbeiten. Überprüfen Sie hier, ob der Eintrag OpenOffice.org MySpell SpellChecker aktiv ist und vor dem Eintrag Deutsch (Deutschland) ein Symbol mit einem Häkchen und den Buchstaben "ABC" zu sehen ist. Nur dann ist die Rechtschreibprüfung auch aktiv. (mhi)

Infos
[1] Download: http://www.prooo-box.org/download.html
[2] Inhalt: http://www.stud.uni-goettingen.de/~openoff/proooboxorg/cdinhalt/index.html

Software zum Artikel auf CD: OpenOffice 2.0.1, OOoWikipedia, ImportExportDictionary, Vokabeltrainer, Wörterbücher

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