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Erschienen in EasyLinux 03/2006   »   Ausgabe bestellen

Podcasts abonnieren mit AmaroK

Radio vom Küchentisch

Elisabeth Bauer


Lesen ist out, Zuhören ist in. Podcasts verbinden die Welt der Blogs mit dem althergebrachten Radio. Wir verraten, wie Sie mit dem KDE-Audioplayer AmaroK die Radio-Shows beziehen und sich die Perlen darunter rauspicken.

Kaum hat der Internet-Nutzer gelernt, was ein Blog [1] ist, und sich vielleicht auch selbst eines zugelegt, bringen die Pioniere des Webs schon wieder einen neuen Begriff ins Spiel: Podcasting. Ihren Namen bezieht die neue Technik von Apples tragbaren MP3-Player iPod und dem englischen Verb cast (senden), und sie ist mittlerweile so beliebt, dass die Oxford University Press "Podcasting" zum Wort des Jahres 2005 gekürt hat und den Begriff im Frühjahr 2006 ins Oxford Dictionary aufnehmen will.

Wer nun denkt, Podcasting wäre auch nur ein anderes Wort für Web-Radio, liegt falsch: Während Web-Radios aus einem kontinuierlichen Audio-Stream bestehen, sind Podcasts einzelne, kurze Sendungen, von denen der Podcaster in regelmäßig neue Folgen produziert. Der zweite Unterschied ist die Art des Abspielens.

So funktionieren Podcasts

Die Technik hinter Podcasts ist einfach, aber genial: Die einzelnen Sendungen stehen -- meist im MP3-Format -- auf einer Website zum Download bereit. Theoretisch könnten Sie also einen Podcast einfach herunterladen, auf Ihrer Festplatte speichern und mit einem Audio- oder MP3-Player anhören. Das bedeutet für den Anwender jedoch eine Menge Verwaltung: Er müsste die Dateien sortieren, in Playlists aufnehmen und, wenn er sie nicht mehr hören will, wieder löschen.


Playlist: Der Begriff bezeichnet eine selbst zusammengestellte Liste von Audio-Dateien. Diese enthält alle Titel, die man nacheinander oder in zufälliger Reihenfolge mit einem Audio-Player wie AmaroK oder XMMS abspielen will.

Deshalb gibt es zu jedem Podcast eine Datei, die als Inhaltsverzeichnis dient. Dort stehen Titel, Beschreibungen und Download-Adressen der einzelnen Sendungen. Kommt eine neue Episode hinzu, wird das Inhaltsverzeichnis aktualisiert. Diese Technik heißt RSS (Really Simple Syndication). Mit speziellen RSS-Readern, etwa KNewsticker oder Akregator [2], verwalten Sie die Feeds und sehen dort auf einen Blick, ob es eine neue Folge gibt.

Für Leute, die das immergleiche Musikgedudel deutscher Radiosender satt haben und stattdessen lieber echte Radiobeiträge hören wollen, gibt es in der Welt der Podcasts viel zu entdecken. Kommerzielle Musik kostet Lizenzgebühren, die für die meisten Podcaster, die ihre Sendungen als Hobby betreiben, unbezahlbar sind. So ist man gezwungen, sich auf Inhalte zu konzentrieren -- und auf freie, alternative Musik, die von kommerziellen Sendern nicht gespielt wird.

Die ersten Podcasts befassten sich vor allem mit Technik- und Computer-Themen, aber mittlerweile bieten Podcasts für den Hörer eine Möglichkeit, sich in den verschiedensten Bereichen zu informieren. Die Qualität der Podcasts ist gemischt und reicht von amateurhaften Experimenten mit der Technik ohne nennenswerten Inhalt bis hin zu unterhaltsamen und gut recherchierten Beiträgen mit professioneller Untermalung. So berichtet ein in Japan stationierter amerikanischer Soldat von seinen Eindrücken aus Tokio, eine Leichenbestatterin erzählt per Podcast aus ihrem Berufsalltag, und das Berliner Küchenradio sendet Gespräche von seinem Küchentisch, an dem sich jede Woche neue, interessante Gäste tummeln, vom türkischen Migrationsexperten bis hin zum Sammler bedrohter Wörter [3].

Der Frankfurter Journalist Thomas Wanhoff, einer der Pioniere der deutschen Podcast-Szene, stellt jede Woche Kuriosa aus der Welt der Wissenschaft vor [4] (Abbildung 1) -- und natürlich gibt es auch Podcasts, die sich dem Thema Podcast selbst widmen: Die "Podcastschau" stellt andere Podcasts vor [5].

Abb. 1: Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft ist einer der beliebtesten deutschen Podcasts.

Podcasts abonnieren

Als Anwender benötigen Sie, um einen Podcast zu beziehen, genau eine Information: Die Adresse des Inhaltsverzeichnis. Mittlerweile gibt es zahlreiche Verzeichnisse im Internet, die nach Themen und Beliebtheit sortiert eine Übersicht über Podcasts anbieten, etwa unter [6] und [7].

Haben Sie dort einen interessanten Podcast gefunden, können Sie ihn in der Regel direkt aus dem Verzeichnis heraus abonnieren. Dazu heißt es Ausschau nach einem Link zu halten, der mit Abonnieren, Subscribe, Feed oder RSS betitelt ist. Wer zuerst mehr über den Podcast erfahren will, ruft hingegen die angegebene Website auf. Podcasts stammen aus der Welt der Blogs, und deshalb sind sie üblicherweise auch in ein Blog integriert. Dort im Blog finden Sie Informationen zu den Machern und kurze Texte zum Hintergrund der einzelnen Sendungen. Genauso wie in den Verzeichnissen gilt es auch hier wieder den Link fürs Abonnement zu finden. Oft verbirgt sich dieser hinter einem so genannten Micro-Button (Abbildung 2).

Abb. 2: Um einen Podcast zu abonnieren, kopieren Sie den Link zu seinem RSS-Feed ins Abspielprogramm.

In Firefox kopieren Sie diesen Link über den Eintrag Link-Adresse kopieren im Kontextmenü. Im Konqueror heißt die Funktion Verknüpfungsadresse kopieren. Starten Sie den Musik-Player AmaroK und wechseln Sie dort in der linken Spalte zum Reiter Wiedergabelisten. Die Rubrik Podcasts ist zu Beginn noch leer. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf Podcasts und wählen Sie Podcast hinzufügen. In das Dialogfeld setzen Sie mit [Strg-V] die zuvor kopierte Adresse ein.

AmaroK erzeugt nun einen Eintrag mit dem Namen des Podcasts und lädt das Inhaltsverzeichnis der Episoden herunter. Klicken Sie auf eine Folge, lädt AmaroK sie als Stream aus dem Internet, und Sie können sie sofort anhören (Abbildung 3).

Abb. 3: Im Reiter "Wiedergabelisten" verwalten Sie Ihre abonnierten Podcasts. AmaroK aktualisiert die Liste automatisch, wenn es neue Sendungen gibt.

Podcasts verwalten

Ab diesem Zeitpunkt übernimmt AmaroK die Verwaltung der Podcasts für Sie. In festem Zeitabstand überprüft er die RSS-Feeds und aktualisiert die Liste der Podcasts. Neue Episoden markiert er mit einem gelben Sternchen. Erscheint Ihnen die Zeitspanne zwischen den automatischen Aktualisierungen zu lang, erledigen Sie das manuell, indem Sie Podcasts aktualisieren aus dem Kontextmenü wählen. Oder Sie greifen zur Funktion Such-Intervall und legen dort fest, wie oft AmaroK nach neuen Episoden Ausschau halten soll.

Vor allem bei den kostenlosen Podcasting-Hostern ist der Speicherplatz beschränkt, und irgendwann müssen alte Folgen neuen Inhalten weichen. Dieser Unsicherheit trotzen Sie, indem Sie Sendungen, die Ihnen besonders gut gefallen haben, auf Ihrer Festplatte speichern. Über Medien herunterladen im Kontextmenü einer Folge speichert AmaroK die Datei lokal. Alle so heruntergeladenen Podcasts finden Sie im Ordner .kde/share/apps/amarok/podcasts/data/ in Ihrem Home-Verzeichnis. Wird der Platz auf der Festplatte einmal knapp, löschen Sie die heruntergeladenen Podcast-Folgen am bequemsten ebenfalls direkt aus AmaroK heraus: Wählen Sie dazu Datei löschen aus dem Kontextmenü des Beitrags in der Wiedergabeliste. (amü)

Infos
[1] Blog-Artikel: Ulrich Wolf, "Netztagebuch", EasyLinux 04/2005, S. 49 ff.
[2] Artikel über RSS-Reader: Thomas Hümmler "Nachrichtensammler", EasyLinux 12/2005, S. 51ff., http://www.easylinux.de/2005/12/051-rss/
[3] Küchenradio: http://www.kuechenradio.org
[4] Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft: http://wissenschaft.wanhoff.de/
[5] Die Podcastschau: http://www.podcastschau.de/
[6] Deutsche Podcastverzeichnisse: http://www.podster.de/, http://www.ipodfun.de/, http://podlog.de/de/
[7] Englische Podcastverzeichnisse: http://www.podcastpickle.com/ , http://www.podcast.net/, http://podcastalley.com/ und http://www.podnova.com/

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