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Erschienen in EasyLinux 03/2006   »   Ausgabe bestellen

Zeichnen mit Draw 2.0

Objekte statt Pinsel

von Thomas Hümmler


OpenOffice Draw kann zwar mit Bildern umgehen, seine eigentliche Stärke liegt aber in der Arbeit mit Objekten. Wir erklären, welche Funktionen das Programm bietet und wie Sie damit ansprechende Zeichnungen erstellen.

Für Zeichnungen sind Bildbearbeitungsprogramme wie Gimp denkbar ungeeignet: Wenn es darum geht, eine mathematische oder Schmuckzeichnung zu erstellen, schlägt die Stunde von Zeichenprogrammen wie OpenOffice Draw. Diese arbeiten nicht mit Bitmap-, sondern mit Vektorgrafiken. Im Gegensatz zu den erstgenannten können Sie Vektorzeichnungen beliebig vergrößern und verkleinern. Das liegt an der Art, wie die Bildinformationen gespeichert werden. Bitmap-Grafiken bestehen aus einzelnen Bildpunkten und deren Farbwerten. Vergrößern Sie ein solches Bild, erhöht sich die Anzahl der Bildpunkte, und Programme wie Gimp können nur raten, welche Farbe die Pixel haben sollen.

Bei Vektorgrafiken sieht es anders aus: Sie setzen sich aus einzelnen Objekten zusammen. Für jedes Objekt speichern Programme wie Draw Position, Größe und Farbe. So ist es möglich, Vektorzeichnungen ohne Qualitätsverlust zu vergrößern und zu verkleinern.

Unter Windows benutzen viele Anwender die Programme Corel Draw und Adobe Illustrator zum Erstellen von Zeichnungen. Unter Linux bietet sich Draw an, das Bestandteil der OpenOffice-Büro-Suite ist.

Wenn Sie das Programm starten, präsentiert es sich mit einem Seitenbereich links im Fenster und der Zeichnen-Symbolleiste am unteren Fensterrand. Die Symbolleiste gab es mit weniger Funktionen schon in früheren Versionen von Draw, der Seitenbereich ist neu. Dort können Sie -- wie im Präsentationsprogramm Impress -- Seiten ins Dokument einfügen. Diese Funktion ist praktisch, wenn Sie nicht nur eine einzelne Zeichnung, sondern ein mehrseitiges Dokument wie eine Broschüre gestalten wollen.

Stellen Sie zunächst über Format / Seite die gewünschte Papiergröße ein (Abbildung 1). Möchten Sie keine der vordefinierten Papiergrößen verwenden, passen Sie das Format Benutzer an. Auf dem Register Hintergrund legen Sie den Hintergrund der Seite fest: Keine, Farbe, Farbverlauf, Schraffur oder Bitmap. Bei den Bitmaps sind Sie auf die von OpenOffice angebotenen 20 Bilder angewiesen. Weitere können Sie nicht importieren -- auch, wenn die Hilfedatei etwas anderes behauptet.

Den ausgewählten Hintergrund legt OpenOffice in den Grenzen der Randeinstellung über die Seite. Möchten Sie die Datei später auf einem Drucker ausgeben, der randlos drucken kann, setzen Sie die Seitenränder unter Seite auf 0,00cm. Den folgenden Hinweis, dass die Ränder außerhalb des Druckbereichs liegen, quittieren Sie mit einem Klick auf Ja.

Abb. 1: In Draw kann eine Seite bis DIN A0 groß sein, mit Hilfe eines benutzerdefinierten Formats sogar bis zu 1,4 Quadratmeter.

Neue Custom Shapes

Nach den Seitenanpassungen werden Sie hauptsächlich mit der Zeichnen-Symbolleiste arbeiten. Dort erreichen Sie auch die so genannten Custom Shapes von OpenOffice. In Version 2.0 sind viele neue hinzugekommen (Abbildung 2). Diese Formen wie Pfeile, Linien, Flussdiagrammsymbole und Sterne sind mit den AutoShapes in Microsoft Office vergleichbar.

Abb. 2: Im neuen Draw gibt es wesentlich mehr Custom Shapes als in älteren Versionen.

Sobald Sie die Maus einige Sekunden über ein Symbol der Zeichnen-Leiste halten, blendet Draw in einem gelben Fähnchen, einem so genannten Tooltip, den Namen des Werkzeugs ein. Die wichtigsten davon sind:

Zusatzfunktionen

Bei den restlichen Symbolen auf der Leiste handelt es sich nicht um Zeichenwerkzeuge, sondern ein Klick darauf ruft bestimmte Funktionen auf:

Bei vielen Formen sehen Sie einen gelben Griffpunkt, sobald Sie das Objekt markieren. Ziehen Sie diesen, ändern Sie damit Eigenschaften des Objekts, etwa die Position eines Legendenpfeils oder die Strahlenlänge eines 24-zackigen Sterns.

Bitmaps in Zeichenobjekte wandeln

Um beispielsweise eine Bitmap-Grafik umzuwandeln, öffnen Sie die Gallery im Menü Extras, klicken mit der rechten Maustaste auf eines der Bilder und wählen Hinzufügen / Kopie. Daraufhin fügt Draw eine Kopie des Bildes auf der Seite ein. Über Ändern / Umwandeln / In Polygon konvertieren Sie die Grafik in viele farbig gefüllte Vielecke.

Im folgenden Dialog geben Sie die Umwandlungsoptionen an: Hinter Farbanzahl legen Sie fest, wie viele Farben (maximal 32) im umgewandelten Bild erscheinen sollen. Für jede Farbe erzeugt OpenOffice ein Polygon. Mit der Punkt-Reduktion geben Sie vor, welche Farbpolygone Draw entfernt: Das sind alle, die kleiner sind als der von Ihnen eingegebene Pixelwert. Dabei entstehen Löcher im Bild, die Sie mit der Option Löcher füllen schließen können. Geben Sie die Kachelgröße in Bildpunkten an; Draw fügt die Kacheln dann in dieser Größe im Hintergrund ein.

Nachdem Sie alles eingestellt haben, klicken Sie auf Vorschau, um das Ergebnis zu sehen. Entspricht es Ihren Vorstellungen, wandeln Sie es mit OK um; anderenfalls ändern Sie die Werte. Das Ergebnis ist meist nicht mehr so farbenprächtig und detailreich, hat aber den Vorteil, dass Sie es ohne weiteren Qualitätsverlust beliebig vergrößern und verkleinern können (Abbildung 3).

Abb. 3: Das Originalbild in der Mitte wurde einmal als Bitmap vergrößert (unten) und einmal als Vektorgrafik (oben). Zwar sind in dem Polygon nicht mehr alle Details zu erkennen, die Konturen sind aber gestochen scharf.

Anschließend ist das Polygon immer noch gruppiert. Mit dem Befehl Ändern / Aufbrechen lösen Sie die Gruppe auf und können jetzt jede Farbfläche einzeln bearbeiten (Abbildung 4).

Abb. 4: Erst wenn ein Polygon aufgebrochen ist, können Sie die Farbflächen einzeln bearbeiten.

Aufbruch in die dritte Dimension

Diese Funktionen zeigen bereits einen der Unterschiede zu einer Bitmap-orientierten Grafiksoftware wie Gimp. Ein weiterer Unterschied ist die dritte Dimension. Draw arbeitet dreidimensional mit Kugeln, Quadern und Zylindern -- sogar mit Text. Diese Elemente dürfen sie in jede Richtung um alle drei Achsen drehen. Selbst mehrere Lichtquellen aus unterschiedlichen Perspektiven sind in Draw kein Problem.

Ein Beispiel für Dreidimensionalität ist Fontwork. Mit dieser Funktion erzeugen Sie Textgrafikobjekte. Klicken Sie dazu in der Zeichnen-Symbolleiste auf Fontwork Gallery und wählen Sie im folgenden Dialog einen Stil aus, den Draw dann ins Dokument einfügt.

Um den Text zu ändern, klicken Sie doppelt auf das Fontwork-Objekt. Jetzt erscheint der Fontwork-Standardtext im Textbearbeitungsmodus. Markieren Sie diesen mit [Strg-A] und ersetzen Sie ihn durch einen eigenen Text. Mit [Esc] verlassen Sie den Textbearbeitungsmodus.

Wenn Sie ein solches Textobjekt markieren, sollte Draw auch die Symbolleiste Fontwork anzeigen. Ist das nicht der Fall, blenden Sie diese über Ansicht / Symbolleisten / Fontwork ein. Dort finden Sie unter anderem Funktionen zum Ändern der Form, der Ausrichtung und des Zeichenabstands.

Bevor Sie das Fontwork-Objekt in ein 3D-Objekt umwandeln, sollten Sie außer dem Text auch die Eigenschaften wie Linienbreite, Linienfarbe, Füllfarbe oder Füllstil anpassen; das ist später nicht mehr möglich. Am einfachsten gelingt das mit Hilfe der Symbolleiste Linie und Füllung, die unterhalb der Standard-Symbolleiste steht.

Das Umwandeln in ein 3D-Objekt geht anschließend genauso wie mit anderen Zeichenobjekten über den Menüpunkt Ändern / Umwandeln. Die Textgrafik können Sie sowohl In 3D als auch In 3D-Rotationskörper konvertieren. Letztere Funktion ergibt teilweise lustige Textreliefs, die von der Mitte zum Rand die Höhen und Tiefen der Buchstaben zeigen (Abbildung 5).

Abb. 5: Ein Fontwork-Objekt können Sie wie jedes andere Grafikobjekt in einen 3D- oder 3D-Rotationskörper umwandeln.

Arbeiten auf verschiedenen Ebenen

Wenn Sie schon einmal mit einem CAD-Programm oder auch mit Gimp oder Photoshop gearbeitet haben, ist Ihnen der Begriff "Ebene" oder "Layer" vertraut. Ebenen dienen in Draw dazu, verwandte Elemente anzuordnen, nicht jedoch deren Stapelreihenfolge festzulegen (das erreichen Sie mit dem Befehl Ändern / Anordnung). Die Ebenen können Sie ausblenden und damit Teile des Dokuments verstecken.

Wenn Sie eine neue Zeichnung erstellen, hat diese zunächst die drei Standardebenen Layout, Controls und Maßlinien. Sie sehen die Ebenen wie die Tabellenblätter in der Tabellenkalkulation Calc als Register unterhalb der Zeichnung (Abbildung 6). Diese Standardebenen können Sie weder löschen noch umbenennen.

Abb. 6: Jede neue Zeichnung hat zunächst die drei Standardebenen "Layout", "Controls" und "Maßlinien".

Auf der Ebene Layout arbeiten Sie nach dem Start von Draw. Hier platzieren Sie die Text- und Zeichenobjekte. Die Ebene Controls dient für Kontrollelemente, denen eine Aktion zugewiesen wurde. Die Ebene Maßlinien ist zum Zeichnen von Maßlinien. Dabei spielt es keine Rolle, auf welcher dieser drei Ebenen Sie arbeiten -- Objekte, Kontrollelemente und Maßlinien legt Draw automatisch auf die richtige Ebene.

Interessant wird die Ebenen-Funktion daher erst, wenn Sie mit Einfügen / Ebene eine neue hinzufügen (Abbildung 7). Auf diese können Sie Objekte verschieben. Blenden Sie die Ebene dann mit Format / Ebene / Sichtbar aus, sehen Sie deren Objekte nicht mehr, was für mehr Übersicht bei komplexen Zeichnungen sorgt (Abbildung 7).

Abb. 7: Ausgeblendete Ebenen erkennen Sie an den Ebenen-Titeln in blauer Schrift. Hier sind die Ebenen "Textgrafik", "Maßlinien" und "Controls" ausgeblendet.

Schalten Sie über das Ansicht-Menü von der normalen zur Master-Ansicht um, erscheint die ebenfalls immer vorhandene Ebene Hintergrundobjekte. Auf dieser Ebene platzierte Objekte erscheinen auf jeder Seite (Abbildung 8). Diese können Sie in der Normalansicht weder markieren noch löschen. Um sie zu entfernen, müssen Sie zunächst zur Master-Ansicht wechseln und dort die entsprechenden Funktionen wählen. (amü)

Abb. 8: Mit Hilfe von Ebenen verwalten Sie zusammenhängende Objekte. Welche Objekte Teil des Hintergrunds sind, erkennen Sie links im Seitenbereich auf der leeren Seite.

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