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Erschienen in EasyLinux 03/2006   »   Ausgabe bestellen

Netzwerk-Festplattenadapter von Linksys

Wie die Profis

Marcel Hilzinger


In den letzten Jahren arbeiteten viele Computerspezialisten an Lösungen, um Festplattenkapazität zentral zur Verfügung zu stellen. Einige Früchte dieser Arbeit können nun auch Privatanwender ernten.

Die Zahl der Haushalte mit zwei oder mehr Computern steigt konstant an. Mit jedem weiteren PC wächst aber auch das Datenchaos. Gewisse Dateien befinden sich auf mehreren Rechnern, andere nur auf einem. Einen möglichen Ausweg aus dem Dateidschungel stellen so genannte Network Attached Storage Devices (NAS) dar. Die Idee hinter den Netzwerk-Festplatten ist denkbar einfach: Anstatt Speicher fest einem Rechner zuzuordnen, schalten Sie Festplatten per Adapter über das Netzwerk frei. So sieht jeder Rechner im Netz den Speicher.

USB ans Netz

Der Netzwerk-Adapter "Network Storage Link" von Linksys (Abbildung 1) integriert über ein gewöhnliches Ethernet-Kabel zwei USB-Speicher in ein bestehendes Netzwerk. Bei den USB-Speichern kann es sich um externe Festplatten oder einfache Flash-Speicher (MP3-Player, digitale Kamera, USB-Stick) handeln. Der Vorteil dieser Lösung gegenüber dem direkten Anschluss der USB-Geräte am Rechner ist, dass sämtliche Rechner im Netzwerk auf die USB-Speicher zugreifen können.

Abb. 1: Der Network Storage Link von Linksys ist kaum größer als eine Brieftasche und bietet zwei USB-Speichern Anschluss.

Abbildung 2 zeigt die Konfiguration eines kleinen Netzwerks mit drei Rechnern, einem Router und zwei USB-Festplatten am USB-Netzwerk-Adapter. Egal, welchen Rechner Sie einschalten, über die vorgegebenenAdresse smb://192.168.1.77 sind die zwei Speicher unter Linux stets erreichbar. Würden Sie die USB-Festplatten hingegen am Rechner 1 anschließen, müsste dieser ständig laufen, damit Rechner 2 und Rechner 3 auf die Festplatten zugreifen können. Zudem steigen dadurch der Stromverbrauch und der Lärmpegel. Benutzen Rechner 1 und Rechner 3 zudem unterschiedliche Betriebssysteme, gestaltet sich das Setup ohne den USB-Netzwerk-Adapter noch komplizierter.

Abb. 2: Schematische Darstellung eines kleinen Heimnetzes. Über den Router sind die beiden Speicher stets erreichbar, unabhängig davon, welches Betriebssystem die Rechner 1 bis 3 benutzen.


Ethernet-Kabel: Netzwerkkabel für die Ethernet-Schnittstelle. Sie verbinden damit zum Beispiel Ihren PC mit einem DSL-Modem oder direkt mit einem zweiten PC. Früher brauchte man dazu eine spezielle Netzwerkkarte, heute befindet sich der Ethernet-Anschluss meistens auf der Hauptplatine. Bei Notebooks finden Sie ihn in der Regel neben der Modem-Buchse.

Anschließen, testen

Im einfachsten Fall schließen Sie den Network Storage Link mit dem beiliegenden Kabel direkt an dem Router oder Switch an und öffnen dann im Browser die Adresse http://192.168.1.77, um Zugriff auf die Administrationsoberfläche des Linksys-Geräts zu bekommen. Möchten Sie auf den USB-Speicher zugreifen, geben Sie als Adresse smb://192.168.1.77 ein. Mit dieser Netzwerkadresse liefert Linksys das Gerät standardmäßig aus. Dazu muss allerdings die Netzwerkadresse Ihres PCs ebenfalls mit 192.168.1 beginnen. Welche Adresse Ihr Rechner besitzt, ermitteln Sie über den Befehl /sbin/ifconfig in einem Terminal-Fenster. Suchen Sie nach dem Eintrag inet Adresse: für das Gerät eth0 und notieren Sie sich die Adresse. Besitzen Sie einen Router mit DHCP-Server, erhält Ihr Rechner die Netzwerkadresse in der Regel automatisch. Das Linksys-Gerät ist jedoch auf eine feste Adresse eingerichtet.


DHCP-Server: Programm, das Computern und anderen Netzwerkgeräten automatisch eine Netzwerkadresse zuteilt. Da moderne Betriebssysteme beim Start automatisch nach einem solchen Server Ausschau halten, beschränkt sich die Netzwerkkonfiguration mit DHCP auf ein Minimum.

Gelingt es Ihnen nicht, über einen Router oder Switch auf den Network Storage Link zuzugreifen, schließen Sie das Gerät zunächst direkt an den Ethernet-Port Ihres PCs an. Dann ändern Sie die Netzwerkeinstellungen Ihres Rechners folgendermaßen:

  1. Starten Sie über [Alt-F2] und den Befehl kdesu konsole ein Terminal-Fenster mit Root-Rechten.
  1. Deaktivieren Sie die bestehenden Netzwerkeinstellungen mit dem Befehl
    /etc/init.d/network stop
  1. Teilen Sie dem Rechner über den Befehl
    ifconfig eth0 192.168.1.100
    eine IP-Adresse zu.

Starten Sie nun einen Browser und geben als Adresse http://192.168.1.77 ein, sehen Sie die grafische Administrationsoberfläche des Linksys-Geräts. Klicken Sie auf den Reiter Administration und geben Sie als Benutzername und Passwort jeweils admin ein. Sie sehen jetzt das Netzwerk-Setup des NSLU2 (Abbildung 3). Arbeiten Sie mit einem DHCP-Server, wählen Sie die Option Obtain IP Address automatically (DHCP client) an und klicken auf Save. Bei Netzwerken mit festen Adressen ändern Sie den Eintrag für IP Address: und wählen dann Save. In beiden Fällen verlieren Sie dann zunächst den Kontakt mit dem Network Storage Link, da Sie ja die IP-Adresse des Geräts geändert haben.

Schließen Sie den NSLU2 wieder an den Switch oder Router an, sollten Sie über die neue Adresse auf das Gerät zugreifen können. Haben Sie sich bei der Konfiguration vertippt und besteht keine Chance mehr, die IP-Adresse des Linksys-Geräts herauszufinden, setzen Sie den NSLU2 über den Reset-Knopf unterhalb der USB-Anschlüsse wieder auf die Adresse 192.168.1.77 zurück.

Abb. 3: Die Administrationsoberfläche des Linksys-Geräts erreichen Sie standardmäßig über die Adresse http://192.168.1.77. Hier ändern Sie diese Einstellung.

Samba-Finessen

Nach außen sind die an den Storage Link angeschlossenen USB-Festplatten als Windows-Freigaben zu erkennen. Unter Linux greifen Sie auf diese mit dem Samba-Client zu. Das Paket gehört bei Suse Linux zur Standard-Installation, unter Mandriva Linux müssen Sie hingegen zunächst über den Paket-Manager samba-client nachinstallieren. Wählen Sie dazu aus dem Hauptmenü den Eintrag System / Einstellungen / Paketverwaltung / Software installieren, suchen Sie nach samba und markieren Sie dann das Paket samba-client-3.0.20-3mdk zur Installation.

Ist der Samba-Client installiert, starten Sie über [Alt-F2] und die Eingaben von konqueror den KDE-Datei-Manager und öffnen die URL smb://192.168.1.77. Falls Sie die IP-Adresse des Linksys-Geräts geändert haben, müssen Sie hinter smb:// anstelle von 192.168.1.77 die neue IP-Adresse eingeben. Kennen Sie die Netzwerkadresse des Adapters nicht, können Sie nach dem Gerät suchen. Dazu müssen Sie zunächst die Firewall Ihres PCs vorübergehend ausschalten, da diese Suchanfragen verhindert:

  1. Drücken Sie [Alt-F2] und geben Sie den Befehl kdesu konsole ein. KDE startet dann ein Terminal mit Root-Rechten.
  1. Unter Suse Linux geben Sie den Befehl
    rcSuSEfirewall2 stop
    ein und drücken [Eingabe]. Benutzen Sie Mandriva Linux, tippen Sie den Befehl
    /etc/init.d/iptables stop
    ein und bestätigen mit der Eingabetaste.

Jetzt können Sie mit dem Befehl nmblookup netdrive nach dem Storage Link suchen. Die zweite Zeile der Ausgabe zeigt Ihnen die IP-Adresse des Linksys-Geräts an. Ohne Firewall sollten Sie auch über die Adresse smb://netdrive sofort Zugriff auf die Netzwerk-Festplatten haben. Aus Sicherheitsgründen ist es aber besser, die Firewall eingeschaltet zu lassen und für den Zugriff die Netzwerkadresse zu benutzen.

Linux unter der Haube

Im Innern des Network Storage Link läuft ein Linux-System mit einem Samba- und einem HTTP-Server, quasi ein Mini-Linux. Formatieren Sie eine Festplatte über das Web-Frontend, benutzt der NSLU2 das Linux-Dateisystem Ext3. Deshalb befindet sich in der gedruckten Dokumentation des Geräts auch ein großer Warnhinweis, dass einmal formatierte Festplatten unter Windows nur noch über den Netzwerk-Adapter benutzt werden können. Unter Linux hat das Ext3-Format hingegen keinen Einfluss darauf, ob Sie die USB-Festplatte direkt am PC oder über das Linksys-Gerät benutzen.

Die Festplatte neu zu formatieren, ist nur dann nötig, wenn der USB-Speicher mit dem Dateisystem ReiserFS formatiert ist oder Sie die erweiterten Optionen des NSLU2 benutzen möchten, zum Beispiel das automatische Backup oder den Dateisystem-Check. Das Formatierungsprogramm von Linksys legt dann auf der Festplatte zwei Ext3-Partitionen an. Eine davon benötigt das System selbst, die zweite enthält die eigentlichen Daten. Bestehende Platten mit FAT32, NTFS, Ext3 oder XFS lassen sich sofort benutzen; diese zu formatieren, ist nicht nötig. ReiserFS unterstützt der Network Storage Link hingegen nicht. (mhi)

Technische Daten
HerstellerLinksys
ModellNSLU2
Maße (HxBxT)13x9x2cm
AnschlüsseZwei USB 2.0, ein RJ-45 10/100-Ethernet
Zubehör5-Volt-Netzteil, Ethernet-Kabel
Preis (ca.)90 Euro

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