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Kristian Kißling
Eine Tauschbörse, die in den Diskussionen über Verstöße gegen das Urheberrecht neuerdings häufiger auftaucht, ist das Torrent-Netzwerk: Das aber ist gerade mehr als eine Tauschbörse für Film- und Musikdateien. Insbesondere freie Software lässt sich über das Netzwerk optimal verteilen, denn wenn dutzende Nutzer gleichzeitig ein umfangreiches Software-Paket herunterladen, gehen die Server häufig in die Knie. Verständlich -- schließlich kann ein Projekt, das mit seiner Software kein Geld verdient, keine kostspielige Infrastruktur bereitstellen. Im Torrent-Netzwerk verteilt sich die Last auf hunderte Nutzer, was die Download-Geschwindigkeit erhöht. Selbst Linux-Distributor Novell empfiehlt seinen Kunden mittlerweile, OpenSuse Linux nicht vom FTP-Server herunterzuladen, sondern einen Torrent-Client zu nutzen, den Suse Linux 10.0 dann auch standardmäßig installiert.
Nutzer von Suse Linux 10.0 finden die Version 1.1 gewöhnlich im K-Menü unter dem Eintrag Internet / Datenübertragung. Verwenden Sie Suse Linux 9.3, Mandriva Linux 2006 oder Kubuntu, installieren Sie die jeweilige Ktorrent-Version von der Heft-CD, wo Sie auch eine Anleitung zum Einspielen der Pakete finden. Die Versionen der Distributoren weichen allerdings leicht voneinander ab: Während sich Mandriva-Nutzer mit Version 1.0 begnügen müssen, kommt unter Suse Linux 9.3 bereits die Version 1.2 zum Einsatz, Nutzer von Suse Linux 10.0 finden diese Version ebenfalls auf der Heft-CD.
Wie laden Sie nun mit Ktorrent eine Datei herunter? Angenommen, Sie benötigen die neue Version von Ubuntu Linux, die entsprechende Datei heißt ubuntu.iso und ist 1 GByte groß. Auf der Download-Seite finden Sie einen Link, der auf eine Datei namens ubuntu.torrent verweist. Ein Klick darauf eröffnet zwei Möglichkeiten: Sie speichern ubuntu.torrent auf der Festplatte oder öffnen den Link direkt in Ktorrent. Entscheiden Sie sich für die zweite Variante, lädt zunächst der Browser die Datei herunter. Ktorrent fragt nach dem passenden Speicherort für die Iso-Datei, deren Download anschließend beginnt. Nach ein paar Sekunden -- manchmal auch Minuten -- ist die maximale Download-Geschwindigkeit erreicht, nun warten Sie einfach, bis der Download von ubuntu.iso abgeschlossen ist.
Es folgt ein wenig Theorie, der Blick hinter die Kulissen: Die erwähnte Datei ubuntu.torrent nennt man Metainfo-Datei. Sie informiert Ktorrent nicht nur über den Namen, die Prüfsumme und die Größe der eigentlichen Zieldatei ubuntu.iso, sondern enthält auch Links zu den so genannten Trackern, die den Status der Zieldatei ständig überwachen.
Ktorrent wertet also zunächst die Datei ubuntu.torrent aus und erfährt, welche Tracker etwas über die Zieldatei wissen (Abbildung 1, Schritt 1). Dann greift das Programm auf die Tracker selbst zu, die -- wenn sie online sind -- darüber Auskunft geben, welche Rechner die Datei ubuntu.iso ganz (Seeder) oder teilweise (Leecher) anbieten (Abbildung 1, Schritt 2). Privatpersonen und Institutionen betreiben diese Tracker, die wie dynamische Inhaltsverzeichnisse funktionieren. Schließlich tritt Ktorrent in direkten Kontakt mit den Peers (Abbildung 1, Schritt 3) und lädt die Zieldatei ubuntu.iso herunter. Das eigentliche Peer-to-Peer-Netzwerk -- kurz P2P-Netzwerk -- entsteht also erst im letzten Schritt.
Sie laden jedoch nicht die gesamte Datei von einem einzigen Peer herunter -- vielmehr setzen sich Dateien im Torrent-Netzwerk aus vielen kleinen Puzzle-Teilen (Chunks) zusammen, die Sie parallel von verschiedenen Peers beziehen. Bereits nach dem Download der ersten Teile von ubuntu.iso laden andere Peers Teile von Ihnen herunter: Sie gelten nun offiziell als Leecher. Haben Sie das letzte Puzzle-Teil heruntergeladen und bieten die gesamte Datei ubuntu.iso im P2P-Netz an, werden Sie zu einem Seeder.
Sitzen Sie hinter einem Router, kommt das so genannte Port Forwarding ins Spiel, damit der Datenverkehr mit Ktorrent in beide Richtungen fließt. Durch NAT ist nur die IP-Adresse des Routers im Internet sichtbar, während Ihre privaten Rechner ein Netzwerk mit rein lokalen IP-Adressen bilden, das man nicht aus dem Internet erreicht. Die Daten gelangen also aus dem Internet zum Router, während Ktorrent auf dem lokalen Rechner vergeblich auf sie wartet. Daher teilen Sie dem Router mit, dass er den TCP-Port 6881, über den die Clients miteinander kommunizieren, und den UDP-Port 4444, über den Ktorrent und die Tracker miteinander kommunizieren, weiterleiten soll. Die Benutzeroberfläche zur Konfiguration des Routers rufen Sie gewöhnlich über den Browser auf, Genaues entnehmen Sie dem Router-Handbuch. Alternativ nutzen Sie das ab Version 1.2rc1 eingebaute UPNP-Plug-in: Das ersetzt das Port Forwarding, funktioniert jedoch nur, wenn der Router ebenfalls UPNP unterstützt -- im Test fand das Plug-in trotz erfüllter Bedingungen den Router nicht.
In den meisten Fällen suchen Sie vermutlich erstmal nach einer bestimmten Datei: Dafür gibt es den Reiter Suche (Abbildung 2). Links oben tragen Sie den Suchbegriff ein, rechts wählen Sie eine Suchmaschine für Torrent-Dateien aus. Eine Liste von Such-Web-Seiten finden Sie unter [1], neue Suchmaschinen tragen Sie einfach nach.
Für Archive wartet Ktorrent mit einem besonderen Feature auf: Sie beziehen nicht das komplette Archiv, sondern wählen durch Ankreuzen einfach eine oder mehrere Dateien aus dem Archiv aus und laden nur diese herunter.
Nun sehen Sie im Reiter Transfers noch eine ganze Reihe von Feldern, die eine -- auf den ersten Blick -- verwirrende Vielzahl an Daten anzeigen (Abbildung 3). Unter dem Reiter Status finden Sie zunächst zwei Balken: Der obere zeigt Ihnen die bereits heruntergeladenen Chunks einer Datei an, der zweite Balken informiert darüber, wie viel Prozent der Datei Sie im P2P-Netzwerk finden. Darunter gibt es vier Bereiche mit Zahlenfeldern, der Abschnitt Gegenstellen führt auf, wie viele Teilnehmer die gewünschte Datei besitzen, unterteilt nach Leechern und Seedern. Der Bereich Tracker rechts daneben überwacht den Status der Tracker und verrät, nach welchem Zeitraum Sie aktualisierte Informationen vom Tracker erhalten.
Auch hinter den vier Reitern verbergen sich noch Informationen. Interessant ist der Reiter Gegenstellen: Dort erfahren Sie, von wem Sie zur Zeit in welcher Geschwindigkeit Daten herunterladen, und zwar detailliert aufgeschlüsselt nach IP-Adressen: Ktorrent ist eben -- wie die meisten Tauschbörsen -- nicht anonym.
Wollen Sie eigene Dateien zum Download anbieten, konvertieren Sie diese zunächst mit Ktorrent in das Torrent-Format. Mit Datei / Neu rufen Sie ein Fenster auf, über das kleine blaue Symbol oben rechts wählen Sie eine Datei zum Veröffentlichen aus. Im Feld darunter geben Sie der Datei einen Namen, im Drop-down-Menü Größe jedes Blocks legen Sie fest, in wie große Chunks Ktorrent die Datei zerlegt. Nun folgt der wichtigste Punkt: Sie müssen einen Tracker bestimmen, der Ihre Datei im Auge behält und ihren Status an die anderen Teilnehmer im P2P-Netzwerk weitergibt. Wie Sie Torrents veröffentlichen und wo Sie öffentliche Tracker finden, verrät eine Web-Seite [2] (Abbildung 4). Tragen Sie die Adresse eines Trackers in das Feld ein, klicken Sie auf Hinzufügen und dann auf Erstellen: Die Datei erscheint unter dem Status Seeding im Fenster Transfers. Wie schnell sich die Datei im Netz verbreitet, hängt natürlich von ihrer Popularität ab.
Es gibt unter Einstellung / KTorrent einrichten noch weitere Schräubchen: Über den Reiter Transfers beschränken Sie die Bandbreite für Up- und Downloads -- mitunter beeinträchtigen massive Downloads die Geschwindigkeit anderer Anwendungen und nehmen die komplette Bandbreite in Beschlag. Reduzieren Sie in diesem Fall die Maximale Herunterladerate. Befindet sich Ihr Rechner hinter einem Router, ändern Sie hier auch die Ports, über die Ktorrent Daten empfängt und sendet.
Nützlich ist auch der Reiter Plugins, denn hier finden Sie einige Erweiterungen für Ktorrent. Vom upnpplugin war bereits die Rede, weitere Plug-ins laden und entfernen Sie mit einem Klick auf Load und Unload.
Alles in allem ist Ktorrent ein überaus praktisches und recht unkompliziert zu bedienendes Filesharing-Tool, mit dem Sie zudem hohe Geschwindigkeiten errreichen. Anbietern und Nutzern freier Software hilft die Tauschbörse, Download-Engpässe zu umgehen und neue Wege in der Software-Verteilung zu beschreiten -- Filesharing beschränkt sich eben nicht allein auf den Tausch von Musik und Filmen. (kki)
| Infos |
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[1] Liste von Torrent-Suchmaschinen: http://www.slyck.com/bt.php?page=3
[2] Selbst Inhalte anbieten: http://www.mininova.org/upload/ |
Auf der Heft-CD:
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Last modified: 2007-04-05 11:24
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