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Peter Kreußel

Der Bitmap-Editor Gimp ist unter Linux das optimale Programm um Fotos zu bearbeiten: Durch Anpassen von Helligkeit, Kontrast und Farben können Sie Ihre Bilder verbessern. Möchten Sie jedoch Zeichnungen erstellen, werden Sie feststellen, das sich glatte Linien in Gimp mit der Maus nur schwer zeichnen lassen. Deswegen setzen Grafikprofis so genannten Bézier-Kurven ein, um Zeichnungen zu erstellen: Dabei definieren Kontrollpunkte den Kurvenverlauf. Das "Nachziehen" der Linien mit der Maus, das fast unweigerlich zu "zittrigen" Ergebnissen führt, entfällt also. Der Spezialist für Bézier-Kurven unter Linux heißt Inkscape. Inkscape erstellt keine Bitmap- sondern Vektorgrafiken. Fertige Bilder können Sie jedoch in eine Bitmap-Datei exportieren und mit Gimp weiter bearbeiten.
Dieser Artikel bildet den Auftakt einer dreiteiligen Serie, die Sie in die Bedienung von Inkscape einführt. Im ersten Teil lernen Sie den Umgang mit einfachen Grundformen: Viele Gegenstände lassen sich aus Kreisen und Rechtecken zusammensetzen. Sie erfahren außerdem, wie Sie Füllfarben und Umrisse einstellen. Der zweiten Teil führt in den Umgang mit Bézier-Kurven ein. Wenn die Grundformen Ihrer Zeichnung fertig sind, fehlt oft noch das "gewisse Etwas": Der dritten Teil des Tutorials erläutert, wie Sie Ihre Zeichnung mit Effekten interessanter gestalten.
Installieren Sie Inkscape, wie auf der Heft-CD beschrieben. Starten Sie das Programm und maximieren Sie das Fenster. Inkscape zeigt eine Zeichenfläche in der Größe eines DIN A4-Blattes. Mit der mittleren Maustaste oder mit [Strg-Pfeiltaste] verschieben Sie diese, [+] und [-] im Ziffernblock verändern den Anzeigemaßstab. Stellen Sie den Arbeitsbereich so ein, dass das DIN-A4-Blatt in der Breite den Bildschirm nahezu ausfüllt (Abbildung 1).
Die Aufmachergrafik zeigt das "Gesellenstück" unseres Tutorials. Indem Sie es Schritt für Schritt erstellen, lernen Sie die wichtigsten Werkzeuge und Techniken im Umgang mit Inkscape kennen. Eigenen Entwürfen steht dann nichts mehr im Weg.
Die Kunst beim Zeichnen mit dem Computer liegt oft darin, kompliziertere Formen aus einfachen aufzubauen. Das Schachbrett ist ein gutes Beispiel dafür: Das perspektivische Karomuster entsteht aus einem einfachen Quadrat, das Sie mehrfach verschieben und schließlich abwechselnd einfärben. Das flache Schachbrett fügen Sie schließlich zu einem zusammenhängenden Objekt zusammen (Gruppieren) und verzerren es perspektivisch.
Wählen Sie zunächst das Werkzeug Rechtecke und Quadrate erstellen. Statt durch einen Klick auf die Symbolleiste am linken Bildschirmrand lässt sich das Werkzeug auch mit [F4] aktivieren. Ziehen Sie nun mit gedrückter Maustaste ein Quadrat auf. Halten Sie [Strg] gedrückt, Inkscape beschränkt dann das Verhältnis von Höhe und Breite auf geradzahlige Werte, so dass Sie leicht exakte Quadrat zeichnen können.
Die Einstellungsleiste oberhalb der Zeichenfläche verändert sich mit der Auswahl eines Zeichenwerkzeugs. Für das Rechteckwerkzeug zeigt es die Felder W (Width = Breite), H (Height = Höhe), Rx (Eckenradius in X-Richtung) und Ry (Eckenradius in Y-Richtung) (Abbildung 1). Im Listenfeld hinter den Eckenradiuseinstellungen wählen Sie die Einheit. Hier sollte nach dem Start von Inkscape px für Pixel stehen. Passen Sie den Wert falls nötig an. Der Button Nicht abgerundet setzt schließlich die beiden Werte für den Eckenradius auf 0. Klicken Sie darauf, wenn in Rx und Ry nicht bereits der Wert 0 steht: Die einzelnen Quadrate sollen sich lückenlos zu einem Schachbrett zusammenfügen.
Für Höhe und Breite stellen Sie den Wert 50 ein. Das Schachbrett entsteht, indem Sie das Quadrat mehrfach duplizieren und um je 50 Pixel verschieben. Beim pixelgenauen Verschieben, das mit der Maus kaum gelingt, hilft die Verändern-Funktion, bei der Sie die Verschiebung in ein Dialogfeld eingeben. Daher war es für unser Beispiel sinnvoll, die Seitenlänge auf einen runden Wert einzustellen.
Bevor Sie mit dem Verschieben beginnen, sollten Sie dem Quadrat, das die linke, obere Ecke des Schachbretts bilden wird, noch eine helle Elfenbeinfärbung zuweisen.
Für die Konturlinie (Reiter Farbe der Konturlinie ) wählen Sie einfache Farbe und stellen einen etwas dunkleren und rötlicheren Wert als für die Füllung ein. Abbildung 3 zeigt die Werte aus der Beispielgrafik. Unter Muster der Konturlinie passen Sie die Werte für die Linienbreite und die Form der Linienenden an. Auch gestrichelte Linien lassen sich hier einstellen. Setzen Sie die Linienbreite auf 1 und wählen Sie unter Verbindungsart und Linienende den linken der drei Buttons. Schließen Sie das Einstellungsfenster über den Schließen-Button in der Titelleiste des Unterfensters.
Duplizieren Sie nun das Quadrat mit [Strg-D]. Öffnen Sie dann den Verändern-Dialog mit [Strg-Umschalt-M]. Wählen Sie den Reiter Verschieben und geben Sie 50 für Horizontal und 0 für Vertikal ein. Ein Klick auf Apply (= Anwenden) platziert das zweite Quadrat genau neben dem ersten. Wiederholen Sie diese beiden Schritte achtmal und vervollständigen Sie so die erste Zeile des Schachbretts.
Für die weiteren Zeilen müssen Sie die Quadrate nicht mehr einzeln verschieben: Schneller geht es, wenn Sie einfach die ganze bereits fertige Zeile duplizieren und verschieben. Aktivieren Sie dazu das Werkzeug Objekte auswählen und verändern. Ziehen Sie mit gedrückter Maustaste einen Rahmen um alle Quadrate. Inkscape zeigt deren Umrisse nun gestrichelt und umgibt die ganze Auswahl mit pfeilförmigen Griffen, über die Sie die Objektgröße verändern.
[Strg-D] verdoppelt die ganze Zeile. Öffnen Sie mit [Strg-Umschalt-M] den Verändern-Dialog und verschieben Sie die verdoppelten Quadrate mit den Werten 0 für Horizontal und -50 für Vertikal an den unteren Rand der ersten Zeile. Wiederholen Sie dies achtmal für ein Schachbrett mit 64 Feldern.
Als Nächstes sorgen Sie für die abwechselnde Färbung der Schachfelder:
Um alle Quadrate gemeinsam zu perspektivisch zu verzerren, gruppieren Sie diese nun zu einem großen Objekt. Ziehen Sie dazu mit dem Auswahlwerkzeug bei gedrückter Maustaste einen Rahmen um das ganze Schachfeld und drücken Sie [Strg-G]. Inkscape zeichnet dann nicht mehr um jedes einzelne Quadrat ein gestricheltes Auswahlrechteck, sondern nur noch um das ganze Brett.
Klicken Sie noch einmal auf die Auswahl. Die pfeilförmigen Griffe nehmen eine andere Form an (Abbildung 5). Wenn Sie diese mit der Maus verschieben, ändert Inkscape nicht mehr die Größe des Objekts, sondern dreht oder verzerrt dieses. Wie beim Rechteckwerkzeug aktiviert [Strg] eine "Einrastfunktion", die das Drehen oder Verzerren auf abgestufte Schritte beschränkt.

Verwandeln Sie nun das flach in der Zeichenebene liegende in eine perspektivische Darstellung:
Die Seitenteile des Schachbretts entstehen aus Rechtecken: Wählen Sie das Rechteckwerkzeug und zeichnen Sie zunächst die vordere "Wand". Verwenden Sie das Farbauswahlwerkzeug, um diese mit der Farbe der hellen Felder zu füllen. Duplizieren Sie das Rechteck und verschieben Sie es mit dem Auswahlwerkzeug so, dass es direkt links an das erste Rechteck anschließt (Abbildung 6). Benutzen Sie nun den mittleren Pfeil an der linken Seite, um es so weit zu verkleinern, dass es mit dem Schachbrett bündig abschließt.
Wenn Sie erneut auf das Rechteck klicken, wechseln die Griffpfeile in den Drehen-Modus. Zusätzlich zu den Griffen an der Außenseite sehen Sie dann im Inneren des Objekts ein kleines Fadenkreuz: Es kennzeichnet den Punkt, um den Inkscape die Objekte dreht. Ziehen Sie diesen Drehpunkt in die Mitte der rechten Kante (Abbildung 6, Nummer 1). Dann lässt sich die Seitenwand mit dem mittleren linken Griff nach oben klappen (Abbildung 6, Nummer 2). Sollte dabei die linke Kante zu kurz oder zu lang ausfallen, aktivieren Sie das Werkzeug Bearbeiten der Knoten oder der Anfasser eines Pfades und klicken auf das Rechteck. Verschieben Sie das kleine Quadrat links oben so, dass die Seitenwand passt.
Nun wird es Zeit, das Schachbrett mit Figuren zu bevölkern. Der Bauer ist von der Form die einfachste Schachfigur: Für Sie benötigt man nur Kreise, Ellipse und Rechtecke (Abbildung 7, links). So erstellen Sie die Schachfigur:
Um die schlichten Rechtecke in den geschwungenen Unterleib des Bauern zu verwandeln, klicken Sie zunächst mit dem Auswahlwerkzeug auf das obere Rechteck. Wählen Sie Pfad / Objekt in Pfad umwandeln. Inkscape verwandelt die in der Form unveränderlichen Rechtecke dann in Bézier-Pfade. Das Werkzeug Bearbeiten der Knoten oder Anfasser eines Pfades dient dazu, die Form von bereits erstellten Bézier-Kurven zu verändern. Aktivieren Sie es in der linken Symbolleiste und ziehen Sie ein Auswahlrechteck um das Rechteck. Kicken Sie auf den Button Die gewählten Abschnitte in Kurven umwandeln in der Symbolleiste am oberen Rand der Zeichenfläche (Abbildung 8).
Zusätzlich zu den vier Eckpunkten liegen nun acht kleine Kreise auf den Seiten des Rechtecks. Mit ihnen lässt sich die Krümmung der Kurve einstellen. Abbildung 7, Mitte, zeigt ihre Funktion: Ziehen Sie die beiden Griffe ein Stück ins Innere des Rechtecks, bis sich eine Krümmung ergibt, die möglichst glatt in die Ellipse übergeht. Sollten die beiden oberen Eckpunkte nicht genau auf dem Rand der Ellipse liegen, klicken Sie zunächst auf einen leeren Bereich, um die Auswahl der vier Eckpunkte aufzuheben; ziehen Sie die Punkte dann an die passende Stelle.
Dasselbe Vorgehen wenden Sie nun auch auf das untere Rechteck an: Markieren Sie es mit dem Auswahlwerkzeug und wandeln Sie es in einen Pfad um (Pfad / Objekt in Pfad umwandeln). Mit dem Werkzeug Bearbeiten der Knoten oder Anfasser eines Pfades ziehen Sie ein Auswahlrechteck um das Objekt. Klicken Sie auf Die gewählten Abschnitte in Kurven umwandeln. Nach einem Klick auf einen leeren Bereich verschieben Sie die oberen Eckpunkte so, dass sie an den darüberliegenden Teil des Körpers anschließen. Verschieben Sie dann die kleinen Kreise, bis sich die in Abbildung 7 rechts gezeigte Form der fertigen Spielfigur ergibt.
Der jetzige "Fertigungsstand" der Schachfigur eignet sich gut zur Weiterverarbeitung in einen Läufer. Wechseln Sie daher zum Auswahlwerkzeug, ziehen Sie ein Auswahlrechteck um die ganze Figur, duplizieren Sie diese mit [Strg-D] und schieben Sie das Duplikat zur Seite. Wählen Sie erneut die ganze ursprüngliche Figur aus und wählen Sie aus dem Menü Pfad / Vereinigung: Nun steht die fertige Schachfigur aus einem Guss vor Ihnen.
Verwandeln Sie das Duplikat des Bauern in einen Läufer: Aktivieren Sie das Werkzeug Bearbeiten der Knoten oder Anfasser und wählen Sie den Kreis im Duplikat des Bauern. Nach dem Anwenden von Pfad / Objekt in Pfad umwandeln aus dem Menü besitzt der Kreis vier Griffpunkte. Ziehen Sie den obersten ein Stück in die Höhe, bis sich eine eiförmige Form ergibt. Mit dem Kreiswerkzeug fügen Sie oben eine kleine Kugel an.
Die Kerbe im Kopf des Läufers ist leicht zu erstellen:
Vervielfältigen Sie nun die Schachfiguren: Schwarz und Weiß benötigen je zwei Bauern und Läufer. Natürlich müssen die Figuren entsprechend eingefärbt werden: Wählen Sie dazu mit dem Auswahlwerkzeug alle Figuren aus, die Weiß gehören. Halten Sie dabei [Umschalt] gedrückt. Aktivieren Sie dann das Farbauswahlwerkzeug und klicken Sie auf ein helles Feld im Schachbrett. Wählen Sie die schwarzen Schachfiguren aus und drücken Sie [Strg-Umschalt-F]. Im Dialogfeld Füllung und Kontur wählen Sie unter Füllung in der ersten Zeile den zweiten Button von links für einfache Farbe. Im Reiter HSL ziehen Sie dann die Regler S und L ganz nach links, den Regler A ganz nach rechts. Auf diese Weise stellen Sie die Farbe Schwar ein. Schließen Sie das Füllungsdialogfeld über den X-Button in der Fensterleiste.
Um den Umriss der hellen Figuren hervorzuheben, sollten Sie noch eine feine Konturlinie einstellen: Wählen Sie alle hellen Figuren aus und aktivieren Sie das Farbauswahlwerkzeug. Klicken Sie dann auf eines der dunklen Schachfelder, während Sie [Umschalt] gedrückt halten. Inkscape übernimmt die Farbe, die die Pipette aufnimmt, auf den Objektrand. Drücken Sie dann [Strg-Umschalt-F] und aktivieren Sie den Reiter Muster der Konturlinie. Stellen Sie eine Breite von 0,3 ein. Im Drop-down-Feld Strichlinien wählen Sie den zweiten Eintrag, die Linie mit den am dichtesten zusammenliegenden Punkten: Mit dieser Einstellung wirken die Schachfiguren am plastischsten.
Der nächste Teil dieses Workshops erläutert die Verwendung der Bézier-Kurven, mit den Sie die übrigen Spielfiguren zeichnen. Im dritten Teil "verfeinern" Sie die Zeichnung mit Farbverläufen, die den Figuren ein räumliches Look & Feel verleihen. (pkr)
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Last modified: 2007-04-05 11:24
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