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Erschienen in EasyLinux 04/2006   »   Ausgabe bestellen

Flussdiagramme unter Linux

¡Buenos Dias!


Sie glauben Flussdiagramme zu erstellen sei kompliziert und zeitaufwändig? Muss es nicht! EasyLinux zeigt, wie komplexe Abläufe durch das Illustrationsprogramm Dia zum Kinderspiel werden.

Hendrik Heuer

Ob Stammbaum, Netzwerktopologie oder Firmenhierarchie -- oft ist es einfacher, schwierige Zusammenhänge oder Beziehungen in strukturierten Diagrammen darzustellen, anstatt sie umständlich zu umschreiben. Zwar ließe sich diese Aufgabe auch mit einem normalen Bildbearbeitungsprogramm lösen, doch fehlt dort der Arbeitskomfort, denn bereits minimale Änderungen erfordern einen großen Aufwand. Glücklicherweise gibt es unter Linux Dia [1], ein Illustrationsprogramm, das sich ähnlich wie sein proprietäres Pendant Visio aus dem Hause Microsoft, das Darstellen von Abläufen in Form von Flussdiagrammen zur Aufgabe macht.

Installation

Nutzer von Suse Linux 9.3 und 10.0 installieren Dia, indem Sie YaST starten, ihr Root-Passwort eingeben und unter dem Reiter Software/ Software installieren oder entfernen auswählen. Als Suchbegriff geben Sie dia ein, die Abhängigkeiten installiert YaST automatisch. Freunde von Mandriva Linux 2006 rufen den beliebten Paket-Manager RpmDrake auf, indem Sie im K-Menü System/ Einstellungen/ Paketverwaltung/ Software installieren auswählen, das Root-Passwort angeben und dann dia in das Suchfeld tippen. Auch RpmDrake kümmert sich selbständig um die Abhängigkeiten. Kubuntu-Nutzer finden Dia hingegen mitsamt einer Installationsanleitung auf der Heft-CD.

Arbeiten mit Dia

Ein aussagekräftiges Diagramm erstellen Sie dank der intuitiven Bedienung und der vielen mitgelieferten Symbole in wenigen Schritten:

Abb. 1: Über den Dialog "Eigenschaften" ändern Sie zahlreiche Optionen. Sie erhöhen die Übersicht und erleichtern das Verständnis der Diagramme.
  1. Sie rufen über [Alt-F2] das Schnellstartfenster auf, starten das Programm, indem Sie dia eingeben und öffnen über Datei/ Neu eine Zeichenfläche.
  1. Wählen Sie den Objektbogen Flussdiagramm aus der Auswahlliste, die sich im mittleren Bereich des Dia-Bedienfelds unterhalb der Symbolfelder befindet.
  1. Ziehen Sie das quadratische Objekt Prozess-/Hilfsoperation links oben in der Ecke per Drag & Drop in die Zeichenfläche ein.
  1. Passen Sie die Größe des Quadrats durch Ziehen der grünen Punkten an und verschieben Sie das Objekt mit gedrückter linker Maustaste. Der kleine schwarze Strich in der Mitte des Quadrats dient der Texteingabe und ist im fertigen Diagramm nicht zu sehen. Klicken Sie in das Quadrat und geben Sie den gewünschten Text ein. Per Doppelklick auf das Objekt öffnen Sie den Eigenschaftendialog (Abbildung 1), über den Sie die Form der Linie, die Füllfarbe sowie Schriftgröße, -art und -farbe verändern.
  1. Erstellen Sie ein weiteres Quadrat und bearbeiten Sie es wie oben beschrieben. Sie verknüpfen beide Objekte, indem Sie zunächst das Icon Linie aus dem Werkzeugfenster anklicken. Wählen Sie dann eines der kleinen Kreuze am Rand eines Quadrats aus -- das angeklickte Kreuz wird rot, zugleich erscheint die Linie (Abbildung 2). Ziehen Sie das grüne Ende der Linie zu einem der kleinen Kreuze auf den Rändern des anderen Quadrats. Der Rand erscheint in roter Farbe, sobald eine Verbindung zwischen den beiden Objekten besteht. Lassen Sie die Maus los, ist die Verknüpfung perfekt und bleibt auch bestehen, wenn Sie eines der beiden Objekte verschieben.

Abb. 2: Die Benutzeroberfläche von Dia ist zweigeteilt: Links befindet sich das Werkzeugfenster mit den Standardfunktionen, rechts die Zeichenfläche.

Um Beziehungen zwischen den Objekten auszudrücken, variieren Sie die Form der Pfeile. Auch die Linie verfügt über einen Eigenschaftendialog, den Sie mit einem Doppelklick öffnen und über den Sie unter anderem Linienbreite, -farbe und -stil verändern. Es ist auch möglich, dass die Objekte mehr als eine Verbindung eingehen.

Stöbern Sie doch einmal in den anderen Karteien der Auswahlliste: Dort finden Sie eine nützliche Sammlung von Symbolen zum Erstellen von Chemie-Versuchen, Computer-Netzwerken, Schaltkreisen sowie eine große Zahl an geometrischen Formen. Falls Sie keine passende Form finden oder Sie zum Beispiel Ihren Stammbaum mit Fotos von Verwandten aufpeppen möchten, nutzen Sie die Bildfunktion aus dem Werkzeugfenster. Ersetzen Sie den Platzhalter durch Ihr eigenes Bild oder Symbol, indem Sie es über den Eigenschaftendialog einbinden.

In Reih und Glied

Eine klare Struktur in das Diagramm zu bringen, ist trotz der Hilfslinien nicht immer einfach, da hilft die Funktion Am Gitter ausrichten. Durch sie rasten die Objekte immer an den Hilfslinien ein, was das Ausrichten der Diagramme erheblich erleichtert. Markieren Sie die Objekte mit [Strg-A], rufen Sie mit einem Rechtsklick auf die Zeichenfläche das Kontextmenü auf und wählen Sie Ansicht/ Am Gitter einrasten. Beim automatischen Ausrichten mehrerer Objekte hilft die Funktion Anordnen, die Sie im Kontextmenü unter Objekte/ Anordnen finden.

Überlagerungen vermeiden

Spätestens wenn Ihre Projekte wachsen oder Sie einem bestehenden Projekt noch etwas hinzufügen wollen, überlagern sich Elemente teilweise. Fügen Sie beispielsweise eine Verbindung hinzu, die quer über bestehendes Objekt verläuft, befindet sich die neue Linie oft über dem Objekt. Diesen unerwünschten Effekt stellen Sie über die vertikale Anordnung der Ebenen ab. Markieren Sie dazu das Objekt, das in den Hintergrund soll, und öffnen Sie das Kontextmenü mit einem Rechtsklick: Unter Objekte finden Sie die vier Optionen Ganz nach hinten, Ganz nach vorne, Nach hinten und Nach vorne, mit denen Sie die Reihenfolge neu arrangieren.

Maustaste Mitte

Wahrscheinlich haben Sie bereits festgestellt, dass Ihnen neben der vorgestellten Linie noch weitere Verbindungsarten zur Verfügung stehen. Das Verhalten der Objekte ist größtenteils identisch, wobei sich auf manchen Elementen -- wie dem Bogen -- ein orangefarbener Punkt befindet. Über ihn beeinflussen Sie die Krümmung. Für Bézierkurven und Zickzacklinien ist es oft wünschenswert, den Verlauf mit mehreren Punkten zu beschreiben: Über das Kontextmenü der mittleren Maustaste ergänzen Sie die Linie um weitere Punkte. Falls Ihre Maus über keine mittlere Taste verfügt, emulieren Sie den Klick durch gleichzeitiges Betätigen der linken und der rechten Taste. Im Falle einer Bézierkurve besteht jedes Segment aus drei orangefarbenen Punkten, von denen nur einer auf der eigentlichen Linie liegt. Die beiden anderen Punkten verändern Sie mit gedrückter linker Maustaste, um den Verlauf der Kurven anzupassen.

Effizienter arbeiten

Dia bringt für viele Anlässe die passenden Symbole mit, die es kategorisch in so genannten Objektbögen zusammenfasst. Das Wechseln der Objektbögen erweist sich bei häufigem Gebrauch jedoch als umständlich und zeitintensiv, daher ist es sinnvoll, individuelle Objektbögen mit häufig verwendeten Symbolen zu entwerfen.

  1. Rufen Sie dazu den Objektbogeneditor über Datei/ Objektbögen auf.
  1. Erstellen Sie einen neuen, leeren Bogen über die Schaltfläche Neu. Hierbei ist sowohl ein Name als auch eine Beschreibung gefragt.
  1. Wählen Sie einen Standardbogen, aus dessen Repertoire Sie sich bedienen wollen. Personalisieren Sie Ihren Bogen, indem Sie die Symbole mit Hilfe der Schaltflächen in der Mitte des Editors kopieren bzw. entfernen.
  1. Übernehmen Sie die Änderungen mit einem Klick auf Anwenden: So verändern Sie auch die mitgelieferten Objektbögen.

Weiterverarbeitung

Die Funktionen Speichern und Exportieren erreichen Sie über den Eintrag Datei im Kontextmenü, das Sie mit einem Rechtsklick auf das Zeichenfenster aufrufen. Um das spätere Bearbeiten zu ermöglichen, empfiehlt es sich, das Diagramm im hauseigenen DIA-Format zu speichern. Im Fenster Diagramm speichern sollten Sie darauf achten, dass die Option Diagrammdateien komprimieren aktiv ist, da sie die Datei auf ein Zehntel ihrer Größe reduziert. Wollen Sie Ihr Diagramm in eine Präsentation einbinden oder es im Internet veröffentlichen, exportieren Sie es ins PNG-Format. Dazu wählen Sie auch aus dem Menü Datei den Eintrag Exportieren und wählen Portable Network Graphics (*.png) als Dateityp. Es erscheint ein neues Fenster mit den PNG-Export-Optionen, in dem Sie die Bildbreite und -höhe definieren. Achten Sie darauf, die Größe des Bildes dem Verwendungszweck anzupassen: Soll die Grafik Teil einer Bildschirmpräsentation werden, empfiehlt sich eine Größe, die der Bildschirmauflösung entspricht.

Druck machen

Um das Diagramm auch öffentlich zur Schau zu stellen, müssen Sie es erst druckgerecht formatieren. Die blauen Linien auf der Zeichenfläche entsprechen in etwa einer A4-Seite. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Zeichenfläche und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Punkt Datei/ Seiteneinstellungen: Hier passen Sie Ihre Skizze den Druckbedürfnissen an (Abbildung 3). Verändern Sie die Größe der Ränder, die Ausrichtung der Seite, positionieren Sie das Bild innerhalb der Seite oder verteilen Sie es auf mehrere Seiten, indem Sie die Skalierung ändern. Nach einem Klick auf Anwenden sieht man anhand der blauen Linien, wie groß das Bild im Verhältnis zur Druckseite ist. Entspricht die Aufteilung Ihren Wünschen, klicken Sie auf Datei/ Diagramm drucken im Kontextmenü. Speichern Sie das Bild vor dem Drucken in einer PostScript-Datei ab oder senden Sie die Daten direkt an den Drucker.

Abb. 3: Die blauen Linien stehen in Dia für die Umrisse des Papiers. Dessen Format legen Sie im Druckdialog fest, ebenso wie die Skalierung der Grafik.

Fazit

Das Illustrationsprogramm Dia ermöglicht das schnelle und bequeme Erstellen von Flussdiagrammen, die sich sehen lassen können. Durch die reiche Auswahl an mitgelieferten Symbolen und die Möglichkeit der Erweiterung erschließen sich dem Nutzer viele Anwendungsmöglichkeiten, die Dia schnell zum praktischen und verlässlichen Helfer bei Präsentationen und Referaten machen. (kki)

Infos
[1] Projektseite von Dia: http://www.gnome.org/projects/dia/

Auf der Heft-CD:


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