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Marcel Hilzinger
Früher beschränkten sich die Stromsparmaßnahmen von PCs darauf, den Monitor abzuschalten und die Festplatte zu deaktivieren. Während der Monitor -- vor allem bei Laptops -- noch immer der größte Stromverbraucher ist, sollten Sie Programme zum Abschalten der Festplatte meiden: Sie sparen damit kaum Strom, verkürzen aber das Leben der Festplatte durch häufiges Anhalten und Hochfahren. Die Helligkeit des Displays um eine oder zwei Stufen zu verringern, ist nicht nur die einfachste, sondern auch die effektivste Möglichkeit, bei Notebooks Strom zu sparen und die Laufzeit des Akkus zu verlängern.
Aktuelle Computer bieten mit dem Advanced Configuration and Power Interface (ACPI) umfassende Möglichkeiten, den Energieverbrauch von PCs zu steuern (siehe Kasten ACPI und APM). Einen großen Teil dieser neuen Möglichkeiten nutzen der Powersave-Daemon und das zugehörige KDE-Miniprogramm KPowersave.
Der Powersave-Daemon war ursprünglich eine Eigenentwicklung von Suse, um die Stromsparmodi von Notebooks zu verbessern. Inzwischen hat sich das Programm zu einem sehr flexiblen Werkzeug für Laptops und Desktop Computer entwickelt und es gibt Pakete für Debian, Ubuntu und weitere Distributionen.
Suse Linux installiert den Powersave-Daemon seit Version 9.3 standardmäßig und unabhängig davon, ob es sich beim Rechner um ein Notebook oder einen stationären PC handelt. Pakete für Ubuntu finden Sie auf der Heft-CD und im Internet [1]. Unter [2] stehen auch für die aktuelle Debian-Version Pakete bereit. Für Mandriva Linux gibt es zurzeit keine Powersave-Unterstützung. Die französische Distribution benutzt stattdessen das KDE-Programm KLaptop. Details dazu lesen Sie gegen Ende des Artikels.
Nach dem Start von KPowersave über [Alt-F2] und die Eingabe des Befehls kpowersave finden Sie ein neues Symbol im Systemabschnitt der Kontrollleiste. Es zeigt bei Desktop-Computern oder Laptops mit angeschlossenem Netzteil einen blauen Stecker an. Bei tragbaren Computern ändert sich das Symbol in eine Batterie mit grüner Ladeanzeige, sobald Sie den Computer vom Stromnetz trennen.
| ACPI und APM |
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Das Advanced Configuration and Power Interface (ACPI) ist der Standard für Stromsparfunktionen bei Notebooks und Desktop-Computern. ACPI löste vor einigen Jahren das veraltete Advanced Power Management (APM) ab. Während APM lediglich bei tragbaren Computern sinnvoll zum Einsatz kam und vollständig von den BIOS-Einstellungen abhing, funktioniert ACPI theoretisch mit jedem Computer. "Theoretisch" deshalb, weil die Funktionalität von ACPI überwiegend vom Betriebssystem abhängt. Microsoft hat dank seines Einflusses auf die Hardware-Hersteller bei der ACPI-Unterstützung klar die Nase vorn, der ACPI-Support von Linux hat sich jedoch in letzter Zeit deutlich verbessert. ACPI ist nicht nur für das Energiesparen verantwortlich, sondern koordiniert auch das Zusammenspiel der einzelnen Hardware-Komponenten. Rechner, die vor 2000 gebaut wurden, sollten unter Linux noch den alten APM-Standard benutzen. Rechner mit Baujahr 2002 oder später sollten ACPI benutzen. Computer dazwischen funktionieren je nach Hersteller mit APM oder ACPI besser. Die von EasyLinux unterstützten Distributionen schalten in der Grundeinstellung für sämtliche Rechner nach 2000 den ACPI-Support ein. Um dies zu ändern, müssen Sie beim Start des Rechners unter den Boot-Optionen die Zeile acpi=off apm=on eintragen. Möchten Sie wissen, welches Power Management Ihr Rechner unterstützt, tippen Sie in einer Konsole den Befehl dmesg | grep -i apm ein. (Den senkrechten Strich erzeugen Sie über [AltGr] und [>].) Sehen Sie als Ausgabe apm: BIOS not found, funktioniert Ihr PC nur mit ACPI. Hinweise zu ACPI oder APM finden Sie auch im BIOS Ihres Rechners. |
Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Symbol, zeigt KPowersave ein Menü an (Abbildung 1). Den Punkt YaST2 Power-Management-Modul starten gibt es nur unter Suse Linux. Der Eintrag Setze CPU-Frequenzverhalten ist nur auf Rechnern aktiv, deren CPU mehrere Frequenzen unterstützt. Zu diesen Prozessoren gehören der Pentium und der Celeron M, sowie 64-Bit-Prozessoren von AMD mit dem Logo "Cool and Quiet".
Über den Eintrag KPowersave konfigurieren öffnen Sie den Konfigurationsdialog des KDE-Tools (Abbildung 2). KPowersave arbeitet mit verschiedenen Schemata. Diese lassen sich unter Suse Linux im Power-Management-Modul von YaST2 noch genauer definieren. In YaST legen Sie zum Beispiel fest, was passiert, wenn Sie den Deckel eines Laptops schließen oder das Ladegerät vom Notebook trennen. Die meisten Einstellungen von KPowersave funktionieren aber auch ohne YaST.
Über ein Schema legen Sie fest,
So verhindert KPowersave zum Beispiel mit den Einstellungen des Schemas Präsentation, dass Ihr Computer unerwartet den Bildschirmschoner einschaltet oder das Display abschaltet. Wählen Sie hingegen Energiesparen, schaltet KPowersave das Display so oft wie möglich ab und verwendet als Bildschirmschoner nur einen schwarzen Hintergrund.
Unter dem Punkt Autosuspend legen Sie fest, ob KPowersave den Rechner nach einer bestimmten Zeit automatisch in einen Ruhezustand versetzen soll (Abbildung 3). Diese Option gibt es erst seit Version 0.5 von KPowersave. Benutzern von Suse Linux 9.3 steht sie erst nach einem Update zur Verfügung. Die Autosuspend-Funktion lässt sich für jedes Schema einzeln einrichten. Welche Ruhezustände das Programm zur Auswahl anbietet, hängt von den Fähigkeiten des Rechners ab. In der Grundeinstellung ist nur Suspend to Disk aktiv. Details zu den einzelnen Zuständen lesen Sie im folgenden Abschnitt.
Da der Computer ja auch bei anscheinender Inaktivität durchaus beschäftigt sein kann (zum Beispiel beim Fernsehen oder Musik hören), können Sie über die Option Schemaspezifische Blacklist aktivieren Programme bestimmen, die den automatischen Suspend verhindern (Abbildung 4). Die Blacklist von KPowersave enthält bereits einige Multimedia-Programme. Möchten Sie ein weiteres hinzufügen, schreiben Sie den Befehl in das leere Feld und klicken auf Hinzufügen.
Über die Einträge Suspend to Disk, Suspend to RAM und Stand-by versetzen Sie das System in einen Ruhezustand. In der Grundeinstellung ist hier nur der Eintrag Suspend to Disk aktiv, da dieser Ruhezustand mit den meisten Rechnern problemlos funktioniert. Wählen Sie diesen Eintrag, speichert KPowersave den Zustand des Systems auf die Swap-Partition der Festplatte (to Disk), entlädt nicht benötigte Treiber (Kernel-Module) und schaltet den Rechner danach aus. Um den PC wieder hochzufahren, drücken Sie ganz normal den Einschaltknopf. Linux sucht dann auf der Swap-Partition nach einem gespeicherten Zustand und stellt diesen wieder her (Resume). Suspend und Resume dauern etwa halb so lang wie ein normaler Neustart, und das System befindet sich exakt in dem Zustand, in dem Sie es verlassen haben.
Beim Suspend to RAM speichert KPowersave den Zustand des Systems nicht im virtuellen Speicher auf der Festplatte, sondern im Hauptspeicher selbst. Das geht wesentlich schneller, und das System ist innerhalb von fünf bis zehn Sekunden wieder aktiv. Den Zustand Suspend to RAM unterstützen in der Regel nur Notebooks. Aber auch hier wachen viele Geräte nicht mehr aus dem Tiefschlaf auf. Deshalb ist diese Funktion in der Grundeinstellung deaktiviert. Um sie zu aktivieren, gehen Sie folgendermaßen vor:
kdesu kate
/etc/init.d/powersaved restart
Klicken Sie nun mit der rechten Maustaste auf das KPowersave-Symbol, sollte auch der Eintrag Suspend to RAM aktiv sein. Auf die gleiche Weise aktivieren Sie auch den Eintrag Stand-by. Lässt sich ein Eintrag nicht auswählen, obwohl Sie diesen in der Datei /etc/sysconfig/powersave/sleep aktiviert haben, unterstützt Ihr Computer den entsprechenden Ruhezustand nicht.
Probleme mit den einzelnen Ruhezuständen entstehen selten beim Aktivieren, sondern beim Aufwachen aus dem Tiefschlaf. Die größten Schwierigkeiten verursacht die grafische Oberfläche: Bleibt der Bildschirm einfach schwarz, sollten Sie überprüfen, ob sich der Rechner über den Einschaltknopf noch herunterfahren lässt. Funktioniert auch dies nicht, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als den Power-Schalter zirka fünf Sekunden gedrückt zu halten, um den PC abzuschalten.
Versucht Linux beim Hochfahren des Rechners ständig, einen gespeicherten Zustand wiederherzustellen, geben Sie als Boot-Option den Parameter noresume an. Drücken Sie dazu beim grafischen Bildschirm des Boot-Loaders [F2] und geben Sie dann die Option noresume ein.
Mandriva Linux setzt bei den Stromsparfunktionen auf das klassische KDE-Werkzeug KLaptop. Merkt Mandriva Linux bei der Installation, dass es auf einem Notebook läuft, installiert es KLaptop automatisch. Bei Desktop-Computern lässt es sich zwar über die Paketverwaltung nachrüsten -- da Mandriva Linux das Panel-Applet jedoch nicht anzeigt, müssen Sie das Programm dann über die Kommandozeile bedienen. Der Befehl für den Suspend-to-Disk-Ruhezustand lautet
klaptop_acpi_helper --hibernate
Die folgenden Informationen beziehen sich somit ausschließlich auf Notebooks.
Analog zu KPowersave legt auch KLaptop ein Symbol im Systemabschnitt der KDE-Kontrollleiste ab. Allerdings zeigt dies nur den aktuellen Zustand des Akkus an und erlaubt zunächst keine Schlafmodi. Mit folgenden Schritten erweitern Sie das Programm um diese Fähigkeiten:
Nach einem Klick auf Anwenden zeigt Ihnen das KLaptop-Applet in der Kontrollleiste nun zahlreiche Menüeinträge an, über die Sie die Leistung der CPU festlegen oder in einen Ruhezustand wechseln (Abbildung 6).

Unter den Leistungsprofilen bietet sich bei Akkubetrieb das Profil powersave an. Damit schränkt der Prozessor seine Leistung so stark wie möglich ein. Für maximale Leistung wählen Sie das Profil performance. Bei ondemand schaltet der Prozessor automatisch die höchstmögliche Frequenz ein, sobald eine Anwendung die Leistung benötigt.
Die Einträge unter CPU-Drosselung schalten das so genannte Throttling ein. Es versetzt den Prozessor in einen künstlichen An-/Aus-Zustand, in dem er nur einen gewissen Prozentsatz der möglichen Arbeit erledigt, und ist eine sehr effektive Stromsparmaßnahme. Unter Suse Linux schalten Sie das Throttling im Power-Management-Modul von YaST ein. Sämtliche Funktionen von KLaptop können Sie im Laptop-Akku-Modul des KDE-Kontrollzentrums auch fest einstellen. (mhi)
| Infos |
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[1] Ubuntu-Repository: http://www.teco.edu/~biebl/ubuntu/
[2] Debian-Repository: http://www.teco.edu/~biebl/debian/dists/unstable/main/binary-i386/ Software zum Artikel auf CD: Powersave-Daemon und KPowersave für Ubuntu 5.10. |
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Last modified: 2007-04-05 11:24
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