claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 04/2006   »   Ausgabe bestellen

Digitales Fernsehen unter Linux

Fernsehersatz

Mirko Dölle


In wenigen Jahren soll Deutschland flächendeckend mit DVB-T versorgt sein, zudem werden immer mehr digitale Sender in die Kabelnetze eingespeist und per Satellit übertragen. Für den Empfang sind jedoch spezielle digitale TV-Karten erforderlich, deren Linux-Tauglichkeit dieser Artikel überprüft.

Die Umstellung auf das digitale Fernsehzeitalter läuft auf vollen Touren, spätestens in vier Jahren sollen alle terrestrischen analogen Fernsehsender abgeschaltet sein. Seit Anfang des Jahres hat auch Kabel Deutschland begonnen, vermehrt digitale Sender einzuspeisen, und der Satellitenbetreiber SES-Astra kann sich über steigende Nachfrage bei digitalen Satellitenkanälen freuen.

Herkömmliche analoge TV-Karten können jedoch das digitale Fernsehen (DVB, Digital Video Broadcasting) nicht empfangen, so dass Sie für den digitalen TV-Empfang eine DVB-Empfangskarte benötigen. Zudem haben die alten TV-Programme wie KWinTV und XawTV ausgedient, DVB-Karten werden gänzlich anders angesteuert als ihre analogen Schwestern.

Digital-TV unter Mandriva Linux

Digitales Fernsehen ist für Mandriva Linux 2006 anscheinend ein Fremdwort. So bringt die Distribution zwar etliche Treiber mit, um ein paar der älteren DVB-Empfangskarten zu betreiben -- es fehlt jedoch schon an der erforderlichen Firmware, ohne die keine DVB-Karte funktioniert. Selbst wenn Sie die Paketverwaltung mit Hilfe von Easy-Urpmi komplett auf externe Server mit teils experimentiellen Paketen umstellen, können Sie zwar die Firmware-Pakete dvb-firmware* nachinstallieren und damit die Empfangskarte in Betrieb nehmen -- ein Programm, mit dem Sie auch nur einen Kanal komfortabel einstellen können, gibt es dort aber nicht.

Kaffeine 0.7, das wir von http://rpmfind.net nachinstallierten, funktionierte unter Mandriva Linux 2006 schlicht nicht mit den DVB-Karten, kdetv und xawtv können wiederum nicht mit den in den digitalen TV-Karten eingebauten Tunern umgehen. Pakete für den digitalen Videorekorder VDR gibt es ebenfalls nicht, und die in EasyLinux 07/2005 veröffentlichten RPM-Pakete für Mandriva Linux 2005 lassen sich mit der neuen Version nicht mehr benutzen. Für digitales Fernsehen bleibt Mandriva-Benutzern daher keine andere Wahl, als auf Suse Linux umzusteigen, Mandriva 2006 ist einfach nicht dafür ausgelegt.

Kernel-Tausch bei Suse Linux

Auch Kaffeine 0.5 von Suse Linux 9.3 eignet sich nicht, um den DVB-Empfangskarten ein Fernsehbild zu entlocken -- diese Funktionalität gibt es erst ab Version 0.7. Die Treiberpkete für die DVB-Empfangskarten kopiert Suse Linux 9.3 bei der Standardinstallation nicht auf die Festplatte, Sie müssen daher das Paket dvb wie gewohnt per YaST nachinstallieren. Zudem benötigen Sie die Pakete vdr und kvdr für die Steuerung und Wiedergabe, worauf wir später zurück kommen:

  1. Starten Sie YaST über das KDE-Menü, Sie finden das Programm in der Rubrik System. Anschließend wird das Administratorpasswort abgefragt.
  1. Wählen Sie in der Rubrik Software das Modul Software installieren oder löschen.
  1. Geben Sie im Suchfeld als Suchbegriff dvb ein und klicken Sie auf Suche. YaST listet daraufhin im rechten Bereich das Paket dvb auf, das Sie zur Installation markieren.
  1. Geben Sie im Suchfeld nun den Begriff vdr ein und klicken Sie auf Suche. YaST listet drei Pakete auf, von denen Sie kvdr und vdr für die Installation markieren.
  1. Klicken Sie auf Übernehmen. YaST installiert nun die ausgewählten Pakete, danach können Sie die Software-Installation beenden.

Im nächsten Schritt müssen Sie den Kernel aktualisieren, da die Treiber des Original-Kernels von Suse Linux 9.3 die aktuellen DVB-Empfangskarten noch nicht unterstützen. Selbst das auf der Heft-DVD enthaltene Kernel-Update für Suse Linux 9.3 enthält noch nicht die richtigen Treiber, weshalb Sie kurzerhand den für Suse Linux 10.0 bestimmten, aktualisierten Kernel installieren.

Falls Sie eine Nvidia-Grafikkarte mit dem 3D-beschleunigten Nvidia-Treiber benutzen, müssen Sie in jedem Fall vorher auf den nicht beschleunigten Treiber zurückschalten, da sonst die grafische Oberfläche nach dem Update nicht startet:

  1. Öffnen Sie mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster und geben Sie als Befehl kdesu konsole ein. Nach Eingabe des Root-Passworts öffnet sich ein Terminal-Fenster.
  1. Geben Sie im Terminal-Fenster den Befehl switch2nv ein und drücken Sie [Eingabe]. Damit verwendet das System beim nächsten Start den unbeschleunigten Treiber.
  1. Schließen Sie das Terminal-Fenster.

Nach dem nun folgenden Kernel-Update müssen Sie den Nvidia-Treiber noch einmal installieren, die Einrichtung unterscheidet sich dabei nicht von der ursprünglichen Installation. Da der Kernel von Suse Linux 10.0 nicht für die Verwendung mit Suse Linux 9.3 gedacht ist, können Sie ihn nicht wie üblich über das YaST-Modul Patch CD-Update einspielen, sondern müssen die Pakete manuell im Konqueror auswählen:

  1. Legen Sie die EasyLinux-Heft-DVD ein und öffnen Sie den Arbeitsplatz. Dann wechseln Sie mit Konqueror auf die Heft-DVD, also in das Verzeichnis /media/EL200604
  1. Gehen Sie in das Unterverzeichnis i386/update/10.0/rpm/i586. Dort listet Ihnen Konqueror diverse Text- und RPM-Pakete auf.
  1. Klicken Sie das Paket kernel-default-2.6.13-15.7.i586.rpm an, woraufhin Konqueror in die Detailansicht wechselt (Abbildung 1).
  1. Mit einem Klick auf Installiere Paket mit YaST und nach Eingabe des Root-Passworts startet die Software-Installation von YaST. YaST warnt Sie vor einem Konflikt des neuen Kernel-Pakets mit kernel-default-nongpl. Lassen Sie das alte Paket entfernen und klicken Sie auf Übernehmen.
  1. YaST weist Sie am Ende des Updates darauf hin, dass Sie nun neu starten müssen -- ignorieren Sie diese Aufforderung; stattdessen installieren Sie zusätzlich das Paket kernel-default-nongpl-2.6.13-15.7.i586.rpm wie in Schritt 3 und 4 beschrieben. Erst dann starten Sie den Computer neu, um den neuen Kernel zu aktivieren.

Abb. 1: Um den für Suse Linux 10.0 vorgesehenen Kernel unter der Vorgänger-Version 9.3 installieren zu können, müssen Sie die Pakete einzeln mit YaST einspielen.

Auch unter Suse Linux 10.0 müssen Sie den installierten Kernel aktualisieren und dafür gegebenenfalls den Nvidia-Treiber abschalten. Ansonsten folgen Sie den auf der Heft-DVD angegebenen Anweisungen zur Installation. Ab dem nächsten Neustart unterscheidet sich die Hardware-Unterstützung von Suse Linux 9.3 und 10.0 nicht mehr, so dass alle nachfolgenden Schritte für beide Distributionen gelten.

DVB-Treiber laden

Bei den meisten DVB-Karten lädt Suse Linux automatisch die korrekten Treiber, allerdings müssen Sie dazu den Dienst dvb über den Runlevel-Editor aktivieren:

  1. Starten Sie YaST, wie im vorletzten Abschnitt beschrieben, und rufen Sie in der Rubrik System den Runlevel-Editor auf.
  1. Wählen Sie den Dienst dvb und klicken Sie auf Aktivieren. YaST versucht nun, die Treiber zu laden, und meldet, wenn alles geklappt hat, done.
  1. Klicken Sie auf Beenden und lassen Sie YaST die Einstellungen speichern.

Damit ist die Hardware eingerichtet. Es fehlt nun noch ein Programm, mit dem Sie fernsehen können. Unter Suse Linux 10.0 können Sie dafür Kaffeine verwenden. Das Programm benutzt für die Wiedergabe Xine als MPEG-2-Decoder, so dass Sie sowohl so genannte Premium- als auch Budget-Karten verwenden können. Das Kaffeine-Paket aus dem EasyLinux-Starter-Kit hingegen zeigt kein Bild an, weil die Interaktion mit Xine nicht funktioniert. Sie können Kaffeine jedoch verwenden, um schon einmal nach Kanälen zu suchen.

Deutlich leistungsfähiger als Kaffeine ist jedoch der digitale Videorekorder VDR. Da Sie VDR bereits installiert haben, müssen Sie nur noch den Dienst vdr analog zum vorangegangenen Abschnitt aktivieren. Das Programm setzt jedoch voraus, dass Sie über eine so genannte Premium-Empfangskarte mit integriertem MPEG-2-Decoder verfügen. Das Bild können Sie entweder direkt am TV-Anschluss der Empfangskarte abgreifen oder aber per kvdr auf dem Monitor darstellen. Auch die Bedienung erfolgt über kvdr, einen detaillierten Artikel finden Sie in [1]. DVB-Empfangskarten ohne MPEG-Decoder können Sie mit VDR als zweite Empfangskarte benutzen, oder aber um gleichzeitig Kabel- und terrestrisches Fernsehen zu empfangen. Sie müssen dann lediglich die Kanalliste /etc/vdr/channels.conf an Ihren Wohnort anpassen, gute Quellen für die Kanaldaten sind [2-4].

Premium-DVB-Karten

Premium-DVB-Empfangskarten zeichnen sich dadurch aus, dass sie neben der Empfangseinheit mit dem Tuner auch über einen TV-Anschluss sowie einen MPEG-2-Decoder verfügen. Man nennt sie auch Full-Featured-Karten. Derzeit werden nur noch zwei Modelle von Technotrend hergestellt: das Modell DVB S-2300 für Satellit, auch bekannt als Hauppauge WinTV Nexus-S Revision 2.3, und das Modell DVB C-2300 für Kabel, alias Hauppauge WinTV Nexus-CA. Der Preis liegt zwischen 150 und 200 Euro pro Karte. Bei Ebay werden gelegentlich noch frühere Modelle wie die Technotrend DVB-S Revision 1.3, 1.5 oder 1.6 oder die Hauppauge Nexus-S Revision 2.1 und 2.2 angeboten, die Sie ebenfalls bedenkenlos einsetzen können. Premium-Karten für terrestrisches Fernsehen gibt es keine, die wenigen von Technotrend gebauten Exemplare wurden mit einem unzureichenden Tuner bestückt und sind daher nicht zu empfehlen.

Während die älteren Revisionen der Premium-Karten bereits mit den Original-Kerneln von Suse Linux 10.0 und 9.3 funktionieren, benötigen Sie für die Modelle S-2300 und C-2300 in jedem Fall den Kernel von der EasyLinux-Heft-DVD. Nach der Installation funktionierte die Technotrend DVB S-2300 im Test auf Anhieb, während die C-2300 nur das Bild lieferte -- der analoge Tonausgang blieb stumm, lediglich der S/P-DIF-Ausgang funktionierte. Hierbei handelt es sich um eine Unzulänglichkeit im Treiber, die wahrscheinlich in einer der nächsten Versionen behoben ist. Bis dahin können sie die Kabel-Karte lediglich an einem Verstärker mit digitalem Eingang betreiben.

Budget-DVB-Karten

Alle DVB-Empfangskarten ohne MPEG-Decoder bezeichnet man als Budget-Karten. Im Zusammenhang mit VDR kommen sie nur als zweite Empfangskarte neben einer Full-Featured-Karte zum Einsatz. Insgesamt wurden fünf Budget-Karten getestet, zwei für DVB-S und drei für DVB-T.

Die Satelliten-Empfangskarte Technotrend Budget S-1500 unterstützt der aktualisierte Kernel gar nicht, während er die Budget S-1400 immerhin erkannte und benutzte -- sie lieferte allerdings kein Bild. Das Problem war der Tuner der Karte, er konnte auf keiner Frequenz einrasten. Auch hier ist ein neuer Treiber erforderlich, derzeit kann man also keine der beiden Karten empfehlen.

Die Unterstützung der Hauppauge Nova-T mit der Modellnummer 90002 hingegen war einwandfrei. Sie erkennen die Karte an den zwei großen Conexant-Chips, die rechts und unterhalb des Tuners aufgelötet sind. Im Gegensatz dazu funktionierte die Nova T Revision 1.1, auf der zwei Philips-Chips aufgelötet sind, nicht -- der von Philips gefertigte Tuner TD1318/S1HP rastete ebenfalls nicht auf die Kanäle ein.

Kombi-Karte

Eine Besonderheit ist die Kombi-Karte Creatix CTX-917 DVBT/TV/FM, die bei verschiedenen Komplett-PCs von Aldi und Lidl verbaut wurde: Sie verfügt nicht nur über einen DVB-T-Empfänger, sondern funktioniert auch als analoge Empfangskarte. Allerdings lädt Suse Linux den DVB-T-Treiber für die Karte nicht automatisch, weshalb Sie das dafür zuständige Kernel-Modul saa7134_dvb manuell eintragen müssen:

  1. Starten Sie das Infozentrum, das Sie im KDE-Menü unter System / Überwachung finden.
  1. Wählen Sie die Kategorie PCI. Daraufhin listet Ihnen das Infozentrum eine Liste mit den Daten aller angeschlossenen PCI-Geräte auf.
  1. Suchen Sie nach einem Gerät des Typs Multimedia Controller, in dessen Bezeichnung die Typennummer des Chips, SAA7314, vorkommt. Notieren Sie die PCI-ID der Karte am Anfang der Zeile, in Abbildung 2 ist dies 00:0c.0.
  1. Starten Sie den Editor Kate mit Administratorrechten, indem Sie per [Alt-F2] ein Schnellstartfenster öffnen und dort das Kommando kdesu kate eingeben.
  1. Geben Sie die folgenden zwei Zeilen ein:
    MODULE='saa7134_dvb'
    STARTMODE='auto'
  1. Speichern Sie die zwei Zeilen im Verzeichnis /etc/sysconfig/hardware unter einem beliebigen Dateinamen, zum Beispiel creatix.
  1. Starten Sie wiederum mit [Alt-F2] den Konqueror mit Root-Rechten, indem Sie den Befehl kdesu konqueror eingeben.
  1. Begeben Sie sich in das Verzeichnis /etc/sysconfig/hardware und benennen Sie die gerade angelegte Datei um. Der neue Dateiname muss mit hwcfg-bus-pci-0000: beginnen, gefolgt von der PCI-ID. Im Beispiel aus Abbildung 2 lautet der Dateiname dementsprechend hwcfg-bus-pci-0000:00:0c.0.

Beim nächsten Neustart lädt Suse Linux den passenden Treiber dann automatisch.

Abb. 2: Das KDE-Infozentrum listet alle PCI-Geräte auf. Wichtig ist die PCI-ID, die vor der Bezeichnung des jeweiligen Geräts steht -- in diesem Fall "00:0c.0".

Fazit

Nicht nur fehlende Treiber stellen den Linux-Anwender immer wieder vor Schwierigkeiten. Wenn wie im Fall von Mandriva Linux 2006 gar keine Anwendungsprogramme für digitales Fernsehen vorgesehen sind, muss der Benutzer sogar die Distribution wechseln, um mit vertretbarem Aufwand an sein Ziel zu gelangen. Gerade im Bereich Video ist es zudem wichtig, stets auf dem aktuellen Treiberstand zu bleiben, da hier die Entwicklung schnell voran schreitet und manche heute im Handel befindlichen Geräte wie im Fall der Technotrend DVB C-2300 erst rudimentär oder wie bei der Technotrend Budget S-1500 gar nicht unterstützt werden. (mdo)

Infos
[1] VDR-Einrichtung: Mirko Dölle, " Fernsehen in Eigenregie", EasyLinux 07/2005, S. 24
[2] Kanallisten für DVB-T: http://www.vdr-wiki.de/wiki/index.php/DVB-T_channels.conf
[3] Kanalliste für DVB-C: http://www.vdr-wiki.de/wiki/index.php/DVB-C_channels.conf
[4] Kanalliste für DVB-S: http://www.vdr-wiki.de/wiki/index.php/DVB-S_channels.conf

Tabelle 1: DVB-Empfangskarten im Überblick
 
BezeichnungTechnotrend DVB S-2300Technotrend DVB C-2300Technotrend Budget S-1400Hauppauge Nova-T 90002Creatix CTX-917 DVB-T/TV/FM
TypPremiumPremiumBudgetBudgetBudget
SignalDVB-SDVB-CDVB-SDVB-TDVB-T
BezugsquelleDVB-Shop.tvDVB-Shop.tvDVB-Shop.tvMedia MarktEbay
Preisca. 180 Euroca. 150 Euroca. 50 Euroca. 80 Euroca. 25 Euro

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2017 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-04-05 11:24

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]