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Erschienen in EasyLinux 05/2006   »   Ausgabe bestellen

Einführung in das K Desktop Environment

KDE erklärt

Andrea Müller und Marcel Hilzinger


Lesen Sie EasyLinux regelmäßig, ist Ihnen vermutlich die Arbeitsoberfläche KDE bereits bekannt. Wenn nicht, erfahren Sie in diesem Artikel, wie Sie KDE an Ihre Bedürfnisse anpassen und den Datei-Manager Konqueror bedienen.

KDE ist die Abkürzung von K Desktop Environment. Es ist eine von mehreren grafischen Oberflächen, die es für Linux gibt (siehe auch die Artikel zu Gnome und den alternativen Fenster-Managern in diesem Heft). Da KDE den Umstieg von Windows auf Linux besonders leicht macht, ist es die von EasyLinux offiziell unterstützte Arbeitsoberfläche.

Grundlegende Elemente

Am unteren Bildschirmrand befindet sich die KDE-Kontrollleiste (Abbildung 1), auch KDE-Panel genannt. Das Startmenü erreichen Sie, wie unter Windows üblich, per Klick auf das Symbol in der unteren linken Ecke. KDE merkt sich, welche Anwendungen Sie starten, und registriert, ob Sie ein Programm besonders häufig aufrufen. Ihre Favoriten finden Sie im Startmenü ganz oben unter Meistbenutzte Programme.

Nach einer gewissen Einarbeitungszeit benötigen Sie vermutlich das Startmenü gar nicht mehr, da Sie unter Linux Anwendungen ganz einfach über die Tastatur starten können: Drücken Sie [Alt-F2] erscheint der Dialog Befehl ausführen. Hier geben Sie dann den gewünschten Befehl oder eine URL ein. In den meisten Fällen tippen Sie dazu einfach den Programmnamen in Kleinbuchstaben ein, zum Beispiel kmail, konsole oder konqueror, es gibt aber auch einige besondere Adressen:

gg:easy linux

startet zum Beispiel eine Suche nach Easy und Linux auf Google, mit

wp:Linux

schlagen Sie in der Wikipedia nach, was eigentlich Linux ist.

Am rechten Ende der Kontrollleiste befindet sich die Uhr, daneben der so genannte Systemabschnitt. Ein Klick auf die Uhr öffnet einen kleinen Kalender; wenn Sie das Mausrad über der Uhr bewegen, ändert sich die Zeitzone. Im Systemabschnitt finden Sie in der Regel das KDE-Mischpult KMix (blauer Lautsprecher) und die KDE-Zwischenablage Klipper (Klemmbrett-Symbol): Sobald Sie einen Text markieren, landet dieser in der Zwischenablage, die standardmäßig sieben Einträge aufnimmt. Um einen davon mit [Strg-V] in ein Dokument einzufügen, klicken Sie das Klemmbrett mit der linken Maustaste an und wählen dort den gewünschten Text aus. Neben diesen zwei Standard-Programmen tummeln sich im Systemabschnitt verschiedene Anwendungen, die sich je nach Distribution und Umfang der Installation unterscheiden, zum Beispiel die Internet-Einwahl, der Tastaturumschalter und so weiter.

Abb. 1: Die KDE-Kontrollleiste von Kubuntu (oben), Suse (mitte) und Mandriva Linux (unten).

Zwischen dem Systemabschnitt und dem Startmenü finden Sie noch den Arbeitsflächenumschalter, die Fensterleiste (Taskbar) und Schnellstarter für einige Programme. Suse Linux bringt zum Beispiel für folgende Programme Schnellstartknöpfe mit:

Um für andere Programme einen Schnellstarter anzulegen, ziehen Sie einfach das gewünschte Symbol mit gedrückt gehaltener linker Maustaste aus dem Startmenü auf eine freie Stelle im Panel und lassen es dort fallen. Das funktioniert nicht nur aus dem Menü, sondern auch mit Symbolen vom Desktop. Arbeiten Sie nicht gerne mit Drag & Drop, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich der Kontrolleiste und wählen dann Zur Kontrollleiste hinzufügen.

Arbeitsflächen und Fenster

Anders als unter Windows arbeiten Sie auf dem KDE-Desktop mit mehreren, so genannten virtuellen Arbeitsflächen. Standardmäßig richtet Suse Linux zwei davon ein, Kubuntu und Mandriva Linux warten mit vier Desktops auf. Um zwischen den Arbeitsflächen zu wechseln, finden Sie auf der Kontrollleiste den Arbeitsflächenumschalter. Mit einem Klick auf den mit 2 beschrifteten Button oder der Tastenkombination [Strg-F2] wechseln Sie zur zweiten Arbeitsfläche. Die virtuellen Arbeitsflächen sorgen für mehr Übersicht: So können Sie zum Beispiel auf einem Desktop einen Browser und ein Mail-Programm starten, auf dem anderen OpenOffice. Haben Sie sich erst einmal an die Vorteile der virtuellen Arbeitsflächen gewöhnt, werden Sie vermutlich bald mehr davon benötigen. KDE erlaubt bis zu 20 Desktops. Um die Zahl der virtuellen Desktops zu erhöhen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Umschalter und wählen Virtuelle Arbeitsflächen einrichten aus dem Kontextmenü. Über den Schieberegler erhöhen Sie die Anzahl der virtuellen Desktops. Jedem Desktop können Sie auch einen aussagekräftigen Namen zuordnen.

Im freien Bereich in der Mitte der Startleiste blendet KDE Schaltflächen für die geöffneten Fenster ein. Darauf finden Sie den Programmnamen und das zur Anwendung gehörende Symbol. Auf Abbildung 1 sehen Sie zum Beispiel die Jukebox Amarok und den KDE-Packer Ark. Mit Klick auf einen der Buttons aktivieren Sie ein Fenster und holen es in den Vordergrund. Möchten Sie ein Programmfenster schließen, minimieren oder maximieren, geht dies ebenfalls über die Fensterleiste. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf das gewünschte Programm und wählen Sie Maximieren, Minimieren oder Schließen. Über Auf Arbeitsfläche und Auswahl eines Eintrags aus dem Untermenü befördern Sie Programme sogar auf einen anderen Desktop. Seit KDE 3.5 können Sie Fenster auch per Drag & Drop über den Arbeitsflächenumschalter auf einen anderen Desktop befördern.

Eine Besonderheit von Linux-Desktops ist der Fensterheber. Sie reduzieren damit die Größe eines Fensters auf die Titelleiste. Auch diese Funktion erreichen Sie über die Fensterleiste. Alternativ klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Titelleiste und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Fensterheber aus. Hier finden Sie auch zahlreiche weitere Einstellungsmöglichkeiten des KDE-Fenster-Managers. So legen Sie zum Beispiel über Erweitert / Tastenkürzel für Fenster eine Tastenkombination fest, die Sie immer zum ausgewählten Fenster zurückbringt. Über Fensterverhalten festlegen richten Sie unter anderem das Aussehen der Titelleiste ein und bestimmen, wie ein KDE-Fenster auf verschiedene Mausklicks reagiert.

Der Desktop

Auf der Arbeitsoberfläche von KDE liegen je nach Distribution bereits einige Symbole für die wichtigsten Programme. Unter Suse Linux greifen Sie zum Beispiel mit einem Klick auf den Arbeitsplatz auf Festplatten, Partitionen und Wechseldatenträger wie CDs zu. Mandriva Linux zeigt automatisch passende Symbole auf der Arbeitsfläche an, wenn Sie eine CD/DVD einlegen oder einen externen Datenträger anschließen. Möchten Sie dieses Feature auch unter Suse Linux benutzen, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Starten Sie über [Alt-F2] und den Befehl kcontrol das KDE-Kontrollzentrum.
  1. Wählen Sie Arbeitsfläche / Verhalten / Gerätesymbole und markieren Sie die Option Gerätesymbole anzeigen. Unter den vielen Einträgen kreuzen Sie am besten alle Einträge an, die mit Eingebunden beginnen.

Die Arbeitsoberfläche fungiert unter KDE als ganz normales Verzeichnis. Wenn Sie im Datei-Manager Ihr Benutzerverzeichnis öffnen, finden Sie darin einen Ordner Desktop. Sämtliche Dateien, die Sie in diesem Ordner speichern, erscheinen auf dem Desktop.

Das optische Erscheinungsbild von KDE lässt sich voll nach Ihrem Geschmack verändern: Gefällt Ihnen der Standard-Look nicht, stellen Sie im Konfigurationsdialog ein Hintergrundbild nach Ihrem Geschmack ein, ändern Symbole, Farben und Schriften.

Um den Hintergrund zu ändern, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Desktop und wählen im aufklappenden Kontextmenü Arbeitsfläche einrichten. Hier klicken Sie auf das Ordnersymbol hinter Bild, um eine andere Grafik auszuwählen oder Sie aktivieren den Eintrag Kein Bild und entscheiden sich im Abschnitt Optionen für eine Hintergrundfarbe oder einen Farbverlauf. Falls Sie online sind, finden Sie über einen Klick auf Neue Hintergrundbilder herunterladen eine große Auswahl an Grafiken und Fotos, die Sie über Installieren auf die Festplatte kopieren und danach im Drop-down-Menü hinter Bild auswählen können.

Um den einzelnen virtuellen Arbeitsflächen einen individuellen Look zu verschaffen, können Sie für jeden Desktop ein separates Hintergrundbild einrichten. Dazu stellen Sie über das Drop-down-Menü hinter Einstellung für Arbeitsfläche das gewünschte Bild ein. Beachten Sie auch hier, dass jedes Bild an den Ressourcen des Rechners nagt.

Noch schöner gestalten Sie KDE im Kontrollzentrum: Sie starten es aus dem Hauptmenü oder über [Alt-F2] und den Befehl kcontrol. Hier klicken Sie auf Erscheinungsbild und wählen dann eines der zahlreichen Module aus (Abbildung 2).

Abb. 2: Das KDE-Kontrollzentrum ist die Schaltzentrale für die KDE-Oberfläche.

Ausflug ins Dateisystem

Der Datei-Manager und Internet-Browser Konqueror ist das Herzstück von KDE. Jede KDE-Anwendung macht von ihm Gebrauch, sei es nur, um Dateien zu öffnen oder zu speichern. Eine Stärke von Konqueror ist die große Zahl der unterstützten Protokolle. So können Sie Konqueror mit ftp://benutzername@rechner auch als FTP-Client benutzen, über die Adresse audiocd:/ CDs kopieren und vieles mehr. Konqueror ist somit ein wahres Allround-Talent. In diesem Artikel beschränken wir uns auf seine Fähigkeiten als Dateiverwalter.

Über einen Klick auf das Haus-Icon auf der Kontrollleiste öffnet der Datei-Manager Ihr Benutzerverzeichnis /home/benutzername (wobei Sie benutzername durch den Namen des bei der Installation von Linux angelegten Benutzers ersetzen müssen). Genau wie im Ordner Eigene Dateien unter Windows legen Sie dort persönliche Dokumente ab. Da Linux ein Mehrbenutzersystem ist, speichern die Programme dort auch Ihre Einstellungen. Die Konfigurationsdateien beginnen meistens mit einem Punkt. Linux verbirgt diese Dateien standardmäßig und verhindert so, dass Sie den Überblick verlieren. Sie blenden sie über Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen ein.

Auf der linken Seite befindet sich die Baumansicht mit allen Ordnern des Systems (Abbildung 3). Ist sie verborgen, drücken Sie einfach [F9]. Obwohl Sie als normaler Benutzer nicht überall Schreibrechte haben, dürfen Sie trotzdem in die meisten Verzeichnisse hineinschauen. Am meisten Zeit verbringen Sie jedoch in Ihrem Home-Verzeichnis: Dort legen Sie neue Ordner an, kopieren Dateien hin und her oder räumen gründlich auf.

Abb. 3: In der Baumansicht auf der linken Seite sehen Sie alle Verzeichnisse; den Inhalt des ausgewählten Ordners zeigt der Konqueror rechts an.

Die wichtigsten Aufgaben bei der Dateiverwaltung -- Verzeichnisse und Dateien erstellen, kopieren, umbenennen und in den Mülleimer werfen -- erreichen Sie über das Kontextmenü der rechten Maustaste oder über Bearbeiten. Im Unterschied zum Kontextmenü finden Sie unter Bearbeiten zusätzlich den Eintrag Löschen, der eine Datei ohne Umweg über den KDE-Mülleimer entsorgt. Dasselbe erreichen Sie im Kontextmenü, wenn Sie dieses mit gedrückt gehaltener Umschalttaste öffnen.

Möchten Sie gleich einen ganzen Schwung Dateien kopieren oder löschen, markieren Sie mehrere mit gedrückt gehaltener Strg-Taste und wenden danach die gewünschte Aktion an. Dabei müssen Sie nicht den Umweg über das Menü gehen: [Strg-C] kopiert, [Strg-V] fügt ein, und bei einem Druck auf [Entf] wandern die markierten Dateien und Ordner direkt in den Mülleimer.

Konqueror kennt die meisten Dateitypen und startet bei einem Klick auf ein Dokument gleich die passende Anwendung. Grafiken stellt er im eingebetteten Bildbetrachter dar. Um eine Datei mit einem anderen Programm zu öffnen, wählen Sie Öffnen mit aus dem Kontextmenü und entscheiden sich dort für ein anderes Programm, etwa The GIMP, wenn Sie ein Bild bearbeiten und nicht nur anschauen wollen.

Die wichtigsten Informationen über eine Datei erhalten Sie, indem Sie nur den Mauszeiger über das Icon bewegen. Im aufklappenden Info-Feld finden Sie unter anderem die Dateigröße und das Änderungsdatum, bei Grafiken blendet Konqueror sogar eine Vorschau ein. Haben Sie sich einmal im Linux-Verzeichnisdschungel verirrt, bringt Sie ein Klick auf das Icon mit dem Häuschen zurück in Ihr Home-Verzeichnis.

Das Hauptfenster von Konqueror lässt sich über das Menü Fenster in beliebig viele Unterfenster teilen. So kennt Konqueror zum Beispiel auch einen Zweifenstermodus. Wählen Sie dazu Einstellungen / Ansichtsprofil laden / Midnight Commander. Natürlich können Sie auch selber Ansichtsprofile speichern, wenn Sie zum Beispiel möchten, dass Konqueror in der Grundeinstellung im Vollbildmodus startet oder immer eine bestimmte Adresse öffnet. KDE setzt Ihren Phantasien keine Grenzen. (mhi)

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