claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 05/2006   »   Ausgabe bestellen

Gnome und KDE im Team

Unter fremder Flagge

Peter Kreußel


Gnome-Anwendungen unter KDE und umgekehrt -- normalerweise ist das kein Problem. Dieser Artikel beschreibt, was hinter den Kulissen vor sich geht.

Wer Windows benutzt, kann sich auf eines verlassen: Es gibt eine einheitliche Oberfläche. Die Programme benutzen (fast) alle den gleichen Dialog zum Öffnen von Dateien und Buttons und Eingabefelder sehen gleich aus. Unter Linux gibt es diese "eine" Oberfläche nicht -- Gnome und KDE sind gleichberechtigte Konkurrenten.

Die meisten Linux-Anwendungen gehören entweder zu Gnome oder KDE -- das heißt, sie nutzen das zu der jeweiligen Umgebung gehörige Toolkit (Gtk oder Qt), um Buttons, Symbolleisten und standardisierte Dialoge wie Datei speichern oder Datei öffnen auf dem Bildschirm darzustellen. Die folgenden Tabellen geben einen Überblick, welche häufig genutzten Programme zu Gnome oder KDE gehören.

Häufig genutzte Gnome/Gtk-Programme
ProgrammnameProgrammtyp
GimpBitmap-Editor ("Malprogramm")
InkscapeVektorgrafikprogramm ("Zeichenprogramm)
GnumericTabellenkalkulation
XsaneScann-Programm
EvolutionPersonal Information Management (Mailer, Adressbuch, Terminplaner)
FirefoxInternet-Browser
GaimChat-Programm
NautilusDateimanager

Häufig genutzte KDE/Qt-Programme
ProgrammnameProgrammtyp
KaffeineMedien-Player
AmarokAudio-Player
K3bBrenn-Software (CD/DVD)
KdetvFernsehprogramm
KookaScan-Programm
KontactPersonal Information Management (Mailer, Adressbuch, Terminplaner)
KdissertMind-Mapping-Programm
KopeteChat-Programm
KonquerorDatei-Manager

Ein Nachteil dabei ist, dass Gnome- und KDE-Programme unterschiedlich aussehen. Abbildung 1 zeigt ein Datei-Öffnen-Dialogfeld eines Gnome- und eines KDE-Programms. KDE zeigt den Dateipfad als Text im Feld am oberen Fensterrand an. Gnome stellt ihn symbolisch durch Buttons dar. Wenn Sie sich unter KDE in der Ordnerhierarchie nach oben bewegen möchten, benutzen Sie dazu den Pfeil-nach-oben-Button. Bei Gnome klicken Sie auf den Button für den entsprechenden Ordner.

Abb. 1: Unterschiedliche Philosophien: Die Datei-Öffnen-Dialogfelder von Gnome und KDE unterscheiden sich in Funktionsweise und Anordung der Buttons.


Toolkit: Sammlung von grundlegenden Funktionen, auf die sich Entwickler beim Programmieren von Anwendungen stützen können. Beispiele für verbreitete Toolkits sind Qt (KDE-Programme) und Gtk (Gnome-Programme). Sie stellen die Grundlage für die Anzeige einer grafischen Oberfläche (Symbolleisten, Buttons, Dialogfelder etc.) bereit. Qt und Gtk sind Bibliotheken. Das heißt, sie liegen als eigenständige Dateien vor. Unterschiedliche Programme können Sie so nutzen; sie müssen dabei nur einmal in den Arbeitsspeicher geladen werden. Unter Windows haben Bibliotheken die Endung dll.

Suse Linux 9.3. und 10.0 sowie Kubuntu Linux 5.10 stellen sicher, dass die Oberflächen (Form der Buttons, Farben etc.) gleich aussehen. Zuständig hierfür ist das Programm Gtk-Qt, das bei den genannten Distributionen standardmäßig installiert und aktiv ist.

Mandriva-Anwender finden das 88 KByte große Programm unter [1] zum Download. Ein Doppelklick auf das Paket startet die Installation. Sie benötigen es unter Mandriva Linux allerdings nur, wenn Sie das Aussehen der KDE-Umgebung im Kontrollzentrum anpassen möchten: In der Standardeinstellung ist der Stil der KDE- und Gnome-Umgebung, und damit auch der zugehörigen Programme, gut aufeinander abgestimmt.

Freiheit für den Desktop

Sie werden sich vielleicht fragen: Warum gibt es unter Linux nicht eine einheitliche Oberfläche wie unter Windows? Schlicht gesagt: Diese Situation ist historisch gewachsen. Verschiedene Entwickler versuchten, den Mangel zu beheben, dass unter Linux vor zehn Jahren keine komfortable grafische Benutzeroberfläche zur Verfügung stand. Ende 1996 begann Matthias Ettrich mit der Entwicklung von KDE. Dass KDE auf der damals nicht unter einer freien Lizenz stehenden Qt-Bibliothek basierte, löste Kritik aus. Miguel de Icaza und Federico Mena initiierten schließlich das Gnome-Projekt, das ausschließlich freie Softwarekomponenten nutzt. Gnome und KDE bauen zudem auf verschiedene Programmiersprachen (C und C++) auf. Ein Zusammenführen der beiden Desktop-Umgebungen, das oft gefordert wird, ist technisch kaum realisierbar.

Als Vorteil bleibt auf jeden Fall die Freiheit des Anwenders: Die bessere Desktop-Umgebung gibt es nicht. Gnome hat seine Anhänger, ebenso KDE. Dass neben den beiden "Großen" noch weitere Lösungen für den Linux-Desktop existieren, sollte nicht übersehen werden: Xfce [2] zum Beispiel bietet weniger Features als KDE und Gnome, verbraucht aber auch wesentlich weniger Rechnerressourcen. Unter Xfce ist es mit einem in die Jahre gekommenen Rechner möglich, aktuelle Software zu nutzen, speicherplatzhungrige Programme wie OpenOffice einmal ausgenommen.

Gnome installieren

Bei Suse und Mandriva Linux können Sie bei der Installation wählen, ob Sie KDE oder Gnome als Desktop-Umgebung verwenden möchten. Die dort getroffene Auswahl legt Sie aber nicht endgültig fest: Die jeweils andere Umgebung lässt sich auch nachträglich noch installieren.

Möchten Sie unter Suse Linux die Gnome-Umgebung ausprobieren, wählen Sie in YaST die Pakete gnome-session, gnome-libs, gnome-themes, metacity-themes und gnome-panel aus. Bestätigen Sie die automatische Auswahl zusätzlicher Pakete, die YaST vorschlägt. Da sich an Ihrer KDE-Umgebung durch die Installation von Gnome nichts ändert, können Sie dies gefahrlos ausprobieren.

Unter Mandriva Linux wählen Sie im Mandriva-Linux-Kontrollzentrum das Paket gnome2-2.10.2-1mdk aus und bestätigen ebenfalls die automatische Paketauswahl.

Bei Kubuntu sind die Gnome-Pakete nicht auf dem Installationsmedium enthalten, allerdings lassen Sie sich direkt über den Kubuntu-Installer Adept in das System einbinden. Wählen Sie den Menüpunkt Adept / Manage Repositories, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Eintrag http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu breezy universe und wählen Sie enable (aktivieren). Mit Apply übernehmen Sie die Änderungen, mit close schließen Sie die Liste der Paketquellen. Fetch Updates aktualisiert die Liste der installierbaren Anwendungen.

Geben Sie in das Quick-Filter-Feld gnome desktop-environment ein. Ein Klick auf den einzigen verbleibenden Eintrag in der Paketliste erweitert diesen zur Langform. Mit einem Klick auf Install Package merken Sie das Paket zu Installation vor, Commit Changes am oberen Fensterrand führt die Installation schließlich aus. Adept lädt dabei etwa 83 MByte aus dem Internet herunter; die Kubuntu-CD ist zusätzlich erforderlich. Nach dem Herunterladen fragt Adept Sie, welchen Displaymanager Sie verwenden möchten. Hier sollten Sie kdm wählen, um den vertrauten Login-Bildschirm zu erhalten. Die Auswahl funktioniert in diesem Fall nicht mit der Maus; benutzen Sie [Pfeil runter], um dem gewünschten Eintrag zu wählen, und drücken Sie dann [Eingabe].

Um die Gnome-Umgebung zu starten, wählen Sie bei allen EasyLinux-Distributionen im Startmenü Abmelden, im folgenden Dialog klicken Sie auf aktuelle Sitzung beenden. Der Anmeldebildschirm bietet links unten unter Sitzungsart die Möglichkeit Gnome als Desktop-Umgebung zu wählen. Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein und klicken Sie auf den Pfeil neben den Eingabefeldern, um eine neue Sitzung zu starten.

Fremdgänger

Gnome-Programme laufen grundsätzlich auch unter KDE ohne Probleme und umgekehrt: Wenn Sie entsprechende Programme installieren, sorgen die Abhängigkeiten im Programmpaket automatisch dafür, dass die benötigten Teile der Gnome- oder KDE-Umgebung installiert werden. Bei Gnome-Programmen unter KDE sind dafür etwa 25 MBytes Platz auf der Festplatte erforderlich, bei KDE-Programmen unter Gnome etwas über 40MBytes. Diese Zahlen gelten allerdings nur für Systeme, auf denen noch kein einziges Gnome/Gtk-Programm installiert ist. Meist ist jedoch Gimp bereits in der Standardinstallation enthalten, so dass weitere Anwendungen aus der Gnome-Umgebung keinen zusätzlichen Festplattenplatz beanspruchen.

Programme unter der fremden Desktop-Umgebung starten langsamer und belegen auch zusätzlichen Arbeitsspeicher. Dies liegt daran, dass die Programme Teile der Umgebung, für die sie programmiert wurden, in den Speicher laden. Mit dem Programm KDE-Systemüberwachung finden Sie heraus, ob Ihr Rechner überfordert ist, oder noch über genügend freie Ressourcen verfügt. Unter Kubuntu Linux finden Sie es unter System / Performance-Monitor im Startmenü, bei Mandriva Linux unter System / Systemüberwachung / KSysGuard, Suse Linux hält das Programm unter System / Überwachung / Performance-Monitor bereit.

Das Programm zeigt die Belastung Ihres Rechners im zeitlichen Verlauf. Die beiden unteren Diagramme geben die Belegung des Arbeitsspeichers wieder (Abbildung 2). Das linke untere Diagramm zeigt, welcher Prozentsatz des physisch vorhandenen Arbeitsspeichers (Physical Memory) gerade belegt ist. Hinter der Bezeichnung "physisch vorhanden" steckt folgendes: Ist der Arbeitsspeicher aufgebraucht, dann schafft sich Linux Luft, indem es momentan nicht benötigte Bereiche auf die Festplatte auslagert. Damit "simuliert" das Betriebssystem zusätzlichen Speicher. Das rechte untere Diagramm zeigt, wieviel Arbeitsspeicher momentan ausgelagert ist. Im Optimalfall sollte hier der Wert 0 angezeigt werden, denn Auslagern von Arbeitsspeicher verlangsamt den Rechner stark.

Abb. 2: Die KDE-Systemüberwachung zeigt unter anderem die Belegung der Arbeitsspeichers.

Um das linke untere Diagramm (Arbeitsspeicher) richtig zu interpretieren, beachten Sie Folgendes: Wenn das Diagramm bis an den oberen Rand reicht, heißt dies nicht, dass kein Arbeitsspeicher mehr für Programme verfügbar ist: Der obere, olivgrüne Bereich repräsentiert den Festplattencache, den Linux bei Bedarf verkleinert. Nur die unteren beiden blauen und orangen Bereiche stehen für Speicher, der von Anwendungen belegt ist. Füllen diese zusammen das Diagramm größtenteils aus, dann beginnt der Rechner mit dem Auslagern und wird spürbar langsamer.

Normalerweise sorgen die Distributionen automatisch dafür, dass installierte Programme sowohl in den Gnome- als auch KDE-Startmenüs erscheinen. Sollte ein Programm fehlen, lässt es sich sowohl unter KDE als auch unter Gnome mit [Alt-F2] und Eingabe des Namens der ausführbaren Datei starten. Wenn das Programm im KDE-Startmenü steht, finden Sie unter KDE folgendermaßen heraus, wie diese heißt: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Startmenüeintrag und wählen Sie Eintrag bearbeiten. Unter Befehl im oberen Drittel der rechten Fensterhälfte finden Sie den Aufruf des Programms, über den Sie es mit [Alt-F2] unter KDE und Gnome starten können.

(Fast) problemlos

Über Jahre verstanden sich KDE und Gnome als konkurrierende Projekte. Anstrengungen, die Benutzung von Programmen unter der jeweils anderen Desktop-Umgebung zu erleichtern, gab kaum. Erst seit einiger Zeit bemüht sich die Initiative freedesktop.org [3] mit gutem Erfolg, gemeinsame Standards für beide Desktop-Umgebungen zu schaffen.

Zwar war es schon immer möglich, Gnome-Programme unter KDE zu starten und umgekehrt. Doch beim Austausch von Daten über die Zwischenablage kam es früher zu Problemen. Inzwischen funktioniert sogar Drag & Drop meist reibungslos: Wenn Sie unter KDE den Gnome-Dateimanager Nautilus starten, können Sie Dateien auf den KDE-Desktop ziehen. Auch mit dem Konqueror unter Gnome funktioniert dies.

Wenn es in Einzelfällen beim Drag & Drop noch zu Problemen kommt, liegt dies also nicht mehr an KDE oder Gnome, sondern ist ein spezifisches Problem der jeweiligen Anwendung, die die Standards von freedesktop.org nicht oder nicht richtig umsetzt.

Wenn Sie bereit sind, kleinere Schönheitsfehler wie unterschiedlich aufgebaute Speichern-Unter-Dialoge in Kauf zu nehmen, spricht also nichts dagegen, sich aus dem gemischten Repertoire von KDE- und Gnome-Programmen die besten Anwendungen auszusuchen: Der leicht erhöhte Ressourcenverbrauch fällt bei aktuellen Rechnern kaum mehr ins Gewicht. (pkr)

Infos
[1] Gtk-Qt für Mandriva: ftp://ftp.lip6.fr/pub/linux/distributions/mandrake-devel/cooker/i586/media/contrib/gtk-qt-engine-0.7-0.20050303.3mdk.i586.rpm
[2] Desktop-Umgebung Xfce http://www.xfce.org/
[3] Initiative für übergreifende Standards auf dem Linux-Desktophttp://freedesktop.org/wiki/

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2012 Linux New Media AG | Last modified: 2007-04-05 11:24

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]