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Andrea Müller
Fitness-Training, morgendliche Jogging-Touren und die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arbeitsplatz geht man mit Musik im Ohr gleich viel beschwingter an. Eine Auswahl seiner Lieblingsmusik dabei zu haben, kam schon 1979 in Mode, als die Firma Sony den ersten Walkman auf den Markt brachte. Welchen Erfolg der musikalische Begleiter hatte, lässt sich schon allein daran ablesen, dass sich Geräte dieses Markennamens über 330 Millionen Mal verkauften.
Auch die modernen MP3-Player leben von diesem Erfolgskonzept: Jeder kann sich seine eigene Musikauswahl zusammenstellen, sie in den handlichen Geräten immer dabei haben und sich die Langeweile vertreiben. Wenn man dabei die Lautstärke auf ein erträgliches Maß reduziert, droht nicht einmal Ärger von genervten unfreiwilligen Zuhörern. Die Speicherkapazität der Geräte nimmt kontinuierlich zu, so dass man leicht gleich mehrere CDs immer griffbereit hat. Nahezu jeder Hersteller von Speichermedien bietet auch Jukeboxen im Westentaschenformat an. EasyLinux hat zwei Modelle der T.Sonic-Reihe von Transcend [1] unter die Lupe genommen, sie auf Ihre Funktionen und natürlich auch ihre Linux-Tauglichkeit getestet.
Nur wenig Hardware spielt so problemlos mit Linux zusammen wie MP3-Player. Voraussetzung ist, dass die Geräte sich als weitere Festplatte am System anmelden. Das tun die meisten USB-Speichermedien, da auch Windows XP und MacOs X diese Hardware einbinden, ohne dass man zuvor einen Treiber installieren muss. Wer also schon beim Kauf darauf achtet, dass ein Gerät ohne zusätzliche Treiber unter Windows XP funktioniert, ist auf der sicheren Seite.
Bei den getesteten Playern von Transcend ist man nicht einmal auf diese Indizien angewiesen. Der Hersteller wirbt auf der Verpackung des T.Sonic 510 sogar explizit mit dessen Linux-Tauglichkeit. Im Handbuch beider Geräte findet sich auch ein Abschnitt, wie man die MP3-Player unter Linux anspricht. Die Anleitung ist nicht auf eine bestimmte Distribution beschränkt, sondern weist auf den allgemein unter Linux üblichen Weg hin, USB-Massenspeichergeräte einzubinden. Diese werden, genau wie Festplatten und CDs mit dem Befehl mount in den Linux-Verzeichnisbaum eingebunden [2].
Was früher für Linux-Einsteiger ausführliches Handbuchstudium erforderte, ist dank der cleveren Automatismen moderner Distributionen kein Problem mehr. Während man früher noch wissen musste, über welche Gerätedatei man einen USB-Stick anspricht und wie man einen entsprechenden Eintrag in der Datei /etc/fstab erstellt, reicht es heute aus, solche Geräte einfach mit dem Rechner zu verbinden -- den Rest erledigt die Distribution.
Unter Suse, Mandriva und Kubuntu Linux läuft ein Dienst, der registriert, wenn man Hardware mit dem USB-Anschluss des Rechners verbindet. Handelt es sich um ein Massenspeichergerät, erzeugt der Dienst einen temporären Eintrag in der Datei /etc/fstab, legt einen Mount-Ordner an und bindet das Gerät dort ein.
Über dieses Verzeichnis -- bei Suse und Kubuntu Linux ein Ordner unterhalb von /media, bei Mandriva Linux einer im Verzeichnis /mnt -- greift man mit dem Konqueror auf das Gerät zu und kann dort Dateien speichern und löschen. Suse Linux ist besonders komfortabel und fragt beim Anschluss eines USB-Sticks, ob man den Konqueror im entsprechenden Verzeichnis öffnen will (Abbildung 1). Kubuntu Linux verhält sich ähnlich und öffnet einfach den entsprechenden Ordner. Wer mit Mandriva Linux 2006 arbeitet, klickt stattdessen auf Geräte und findet in der Übersicht den angeschlossenen Datenträger (Abbildung 2).
Per Drag & Drop stellt man sich dann eine Musikauswahl für unterwegs zusammen. In welchen Ordnern die Dateien auf den beiden getesteten Playern liegen, spielt keine Rolle, man kann also eine Verzeichnishierarchie nach seinen Wünschen anlegen. Ein wenig Vorsicht ist nur beim T.Sonic 520 geboten: Kopiert der Benutzer dort MP3-Dateien in die standardmäßig vorhandenen Ordner MICIN.DIR, LINEIN.DIR oder FMIN.DIR, stürzt der Player im Navigationsmodus ab. Das liegt daran, dass diese Ordner den WAV-Dateien vorbehalten sind, die Radio- oder Sprachaufzeichnungen enthalten. Wenn man in diese Falle getappt ist, reicht es aus, die Dateien im Konqueror zu löschen, um das Problem zu beheben.
Kaum größer als ein Feuerzeug präsentiert sich der T.Sonic 520 (Abbildung 3). Im Test hatten wir den Player mit 512 MByte Speicherkapazität in dunkelrot. Bei den Geräten von Transcend steht die Farbe für die Speicherkapazität. Das Modell mit 1 GByte Platz zeigt sich in silbergrau. Beide Modelle begnügen sich nicht damit MP3- und WMA-Dateien abzuspielen, sondern bringen zusätzlich ein Radio mit 20 programmierbaren Sendeplätzen mit. Das eingebaute Diktiergerät erlaubt nicht nur Sprachaufzeichnungen, auch Radiosendungen kann man im Wav-Format mitschneiden.
Dank der an einen Kassettenrekorder erinnernden Bedienelemente kommt man auch ohne Studium der Kurzanleitung intuitiv mit dem Player zurecht. Ein langer Druck auf die Play-Taste (mit dem nach rechts zeigenden Dreieck) schaltet den T.Sonic 520 ein. Direkt danach zeigt er die freie Speicherkapazität an und befindet sich im Abspielmodus. Mit Hilfe des Navigationsrads wechselt man zur gewünschten Datei und startet über die Play-Taste die Wiedergabe. Mit einem Druck auf das Rad gelangt man ins Menü, in dem man zum Radio- oder Aufnahmemodus wechselt. Außerdem erreicht man dort die Löschfunktion und legt im Einstellungsmenü fest, nach wie vielen Minuten der Untätigkeit der T.Sonic sich automatisch abschaltet.
Bei der Musikauswahl muss man sich nicht an oft kryptischen Dateinamen orientieren: Enthält die MP3-Datei ID3-Tags, zeigt der Player im Wechsel den Interpreten und den Titel des Stücks auf dem Display an. Sogar den Liedtext kann man sich zum Mitsingen auf dem Display einblenden lassen. Voraussetzung ist, dass man gemeinsam mit der MP3-Datei die Lyrics, also den Liedtext in einer Textdatei auf den Player kopiert. Diese Datei mit der Endung .lrc muss im selben Ordner wie die MP3-Datei liegen und mit demselben Namen beginnen. Heißt das Musikstück music.mp3, nennt man die Lyrics-Datei music.lrc. Damit der Player den Liedtext einblendet, aktiviert man in seinem Einstellungsmenü die Option Sync Liedtexte. Dort ist auch der richtige Ort, um die Sprache auf Deutsch umzustellen. Welchen Aufbau eine .lrc-Datei hat und wie man eine solche erstellt, beschreibt der Kasten MP3 zum Mitsingen.
Besonders viel Spaß machen die Wiederholfunktionen des Players, die sich im Einstellungsmenü verbergen. Sie reichen von der Wiederholung eines einzelnen Titels über die Wiederholung aller Dateien in einem Verzeichnis bis hin zu der Möglichkeit alle MP3-Dateien in zufälliger Reihenfolge abzuspielen.
Der T.Sonic 520 bezieht seinen Strom aus einer Batterie, womit er laut Herstellerinformation bis zu 15 Stunden Abspieldauer erreicht. Die mitgelieferten Kopfhörer bieten eine guten Klang und sind in das Trageband integriert. Ein kleiner Wermutstropfen ist der mitgelieferte USB-Stecker: Es handelt sich nur um ein einfaches kurzes Verbindungsstück ohne Kabel. Wer also keinen Computer mit USB-Front-Anschluss besitzt, muss wahrscheinlich jedes Mal unter den Schreibtisch kriechen, um den MP3-Player mit einem USB-Anschluss an der Rückseite des Rechners zu verbinden.
Der T.Sonic 610 erinnert vom Design her an den iPod von Apple, ist aber wesentlich kleiner (Abbildung 4). Bei dem runden Bedienelement an der Vorderseite handelt es sich um einen Vierfachschalter und nicht um ein Rad. Im Abspielmodus dient es dazu, die Lautstärke anzupassen und zwischen den MP3-Dateien hin- und herzuwechseln. Springt man mit der Menü-Taste rechts unter dem gut lesbaren Display in Menü, navigiert man dort mit den Radschaltern durch die Optionen. Den T.Sonic 610 gibt es mit 256, 512 und 1024 MByte Speicher. Auch bei diesem Modell dient die Farbe als Zeichen für die Speicherkapazität; unser Testgerät mit 256 MByte Fassungsvermögen erkennt man am grünen Ring um das runde Bedienelement.
Von den Funktionen bietet das Gerät ähnliches wie der T.Sonic 520: MP3-Player, Radio und Diktiergerät, lediglich auf LineIn-Aufnahmen muss man verzichten. Dafür beherrscht der Player das Kunststück, einen frei definierbaren Abschnitts eines Lieds als Endlosschleife wiederzugeben. Die mit A-B beschriftete Taste an der rechten Seite des Players dient dazu, Anfang- und Endpunkt des Ohrwurms zu markieren.
MP3-Dateien abspielen, Radio hören und ein Gespräch aufzeichnen, gelingt intuitiv auch ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung zu werfen. Wie auch der T.Sonic 520 zeigt der Player auf dem Display eventuell gesetzte ID3-Tags oder gar die Liedtexte an. Über das mehrsprachige Menü lasen sich nicht nur einzelne Dateien, sondern ganze Ordner löschen. Der eingebaute Equalizer sorgt für guten Klang bei jeder Stilrichtung und mit Hilfe der Funktion Aufnahmequalität beeinflusst man, wie lang Radio und Sprachaufzeichnungen sein dürfen. Hier bietet es sich an, sich für die Option Hoch zu entscheiden, die bei dem Modell mit 512 MByte Speicher eine vier Stunden dauernde Sprachaufzeichnung mit 32 KHz erlaubt.
Beim T.Sonic 610 gefällt besonders das mitgelieferte Zubehör: Transcend legt nicht nur die obligatorischen Kopfhörer und Trageband bei, sondern liefert den MP3-Player zusätzlich mit einer Tragetasche und Handgelenksband aus. Das ebenfalls beiliegende USB-Kabel erlaubt es, das Gerät auch ohne Front-Usb-Anschlüsse unkompliziert mit dem Rechner zu verbinden. Die Kurzanleitung beschreibt alle Funktionen verständlich und wer auf das Radio keinen Wert legt, erhält die Hardware auch als reinen MP3-Player und Diktiergerät.
Beide Geräte sind eine klare Kaufempfehlung wert. Der Hersteller nimmt die Linux-Unterstützung nicht nur stillschweigend in Kauf, sondern Transcend testet neue Geräte explizit unter Linux und weist auch in der Dokumentation auf die Kompatibilität hin. Beide Player funktionierten unter den von uns unterstützten Distributionen auf Anhieb völlig problemlos. Das reichhaltige Zubehör und dass es dieses Modell auch ohne Radio gibt, machen den T.Sonic 610 besonders attraktiv. Wer jedoch zwingend die LineIn-Funktion benötigt, sollte zum T.Sonic 520 greifen. Da beide Geräte sich vom Leistungsumfang her sehr ähnlich sind, kann man seine Kaufentscheidung auch einfach nur nach der Optik treffen. (amü)
| MP3 zum Mitsingen |
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MP3-Player mit Lyrics-Unterstützung zeigen auf dem Display den Text des aktuellen Lieds an, sofern im selben Ordner wie die MP3-Datei ein gleichnamiger Text mit der Endung .lrc liegt. Eine solche Datei kann am Anfang Informationen, wie den Interpreten und den Titel enthalten. Der Text eines Liedes muss in der folgenden Form in der Datei stehen: [00:02.00]Hier beginnt der Text [00:10.00]weiter geht's [00:20.00]Der Refrain beginnt [00:30.00]usw. Am Anfang einer Zeile steht in eckigen Klammern die Zeit, nach welcher der dahinter folgende Text kommt. Die Zeitmarken findet man am leichtesten mit einem Software-Player heraus. Dabei sollte man zu Amarok greifen, der auf Wunsch auch die Song-Texte aus dem Internet herunterlädt, so dass man sie per Copy & Paste in die .lrc-Datei übertragen kann. Da es recht zeitaufwendig ist, eigene .lrc-Dateien zu erstellen, lohnt es sich, erst einmal im Internet zu stöbern, ob sich nicht schon jemand anderes die Mühe für das gewünschte Lied gegeben hat. Eine gute Anlaufstelle für die Suche nach .lrc-Dateien ist beispielsweise die Website unter [3] (Abbildung 5). Abb. 5: Hier finden Sie fertige Lyrics-Dateien geordnet nach dem Interpret. |
| MP3-Player im Überblick | |||||
| T.Sonic 520 | T.Sonic 610 | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Gewicht (in Gramm) | 28 (ohne Batterie) | 28 | |||
| Abmessungen (LxBxH in mm) | 74x30x18,5 | 70x34,5x15,5 | |||
| Stromversorgung | Batterie (AAA) | Li-Ion-Akku | |||
| Speicherkapazitäten | 512 MByte, 1GByte | 256 MByte, 512 MByte, 1 GByte | |||
| Unterstützte Audio-Formate | MP3, WMA, WAV | MP3, WMA, WAV | |||
| Laufzeit im Test | 13 Stunden | 13 Stunden | |||
| Mitgeliefertes Zubehör | Kopfhörer, Batterie, Kurzanleitung, USB-Verbindungsstecker, Line-In-Kabel, Treiber-CD | Kopfhörer, Handgelenksband, Trageband, Tasche, USB-Kabel, Kurzanleitung, Treiber-CD | |||
| Zusatzfunktionen | Radio, Sprachaufzeichnung, Radioaufzeichnung, 20 Radiofrequenzen programmierbar, Liedtextanzeige über .lrc-Dateien | Radio, Sprachaufzeichnung, Radioaufzeichnung, 20 Radiofrequenzen programmierbar, Liedtextanzeige über .lrc-Dateien | |||
| Garantiezeit | 2 Jahre | 2 Jahre | |||
| Preis | 77 Euro (512 MByte), 95,80 Euro (1 GByte) 1) | 79 Euro (512 MByte), 95,60 Euro (1 Gbyte) 1) | |||
| 1) Preise vom Transcend-Webshop, 26.03.1006 | |||||
| Infos |
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[1] Transcend: http://www.transcend.de/
[2] Artikel über das Mounten von Dateisystemen: Heike Jurzik und Hans-Georg Eßer, "Bergsteiger", EasyLinux 06/2004, S. 80 ff., http://www.easylinux.de/2004/06/080-guru-mount/ [3] Lyrics-Dateien zum Download: http://powerlrc.atspace.com/ |
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Last modified: 2007-04-05 11:24
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