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Carsten Schnober
Stellen Sie sich vor, mit Ihrem Telefon-Anschluss von der Telekom könnten Sie mit Arcor-Kunden nicht telefonieren, oder nur gegen Zusatzgebühren: So geht es Nutzern des Internet-Telefonieanbieters Skype, wenn sie mit Personen kommunizieren möchten, die einen anderen Dienst benutzen. Die Kunden der restlichen Anbieter verwenden als Protokoll für die Internet-Telefonie den allgemeingültigen Standard SIP -- so nutzen sie die Vorteile von Voice over IP aus und sprechen unabhängig vom Anbieter kostenlos miteinander. Auch in der Wahl ihrer Software sind sie damit frei.
Ekiga unterstützt nicht nur das SIP-Protokoll, sondern auch ältere Standards für die Sprachübertragung sowie Videotelefonie. Darüber sprechen Sie mit Benutzern SIP-basierter Internet-Telefonie ebenso kostenlos wie mit Anwendern des Ekiga-Vorgängers GnomeMeeting, der SIP noch nicht beherrschte.
Wer über das Internet telefonieren möchte, benötigt die Internet-Adresse des Kommunikationspartners, um ihn zu erreichen -- vergleichbar mit der Telefonnummer. Diese bleibt bei einem Anschluss jedoch gleich, dagegen ändert sich die Internet-Adresse gewöhnlich mit jeder Einwahl -- um sie zu erfahren, wäre vor dem Internet-Telefonat eine Verständigung auf anderem Wege nötig. Das ist natürlich unpraktisch, deshalb besteht ein Service der zahlreichen VoIP-Anbieter in einem Registrierungs-Server, an dem sich die Telefon-Software des Kunden beim Start anmeldet. So ist er unter einer gleich bleibenden SIP-Adresse erreichbar, der Registrierungs-Server nimmt Anrufe für diese Adresse entgegen und leitet sie an den angemeldeten Rechner weiter.
Die Ekiga-Entwickler bieten unter dem Namen Ekiga.net [2] einen eigenen SIP-Service an, bei dem Sie sich während der Einrichtung des Programms registrieren können. Das versetzt Sie in die Lage, kostenlos andere Kunden von SIP-basierten Providern und gegen Bezahlung auch Festnetz- und Mobiltelefone anzurufen. Ekiga funktioniert aber auch mit jedem anderen Anbieter (siehe Kasten Voice-over-IP-Anbieter).
| Voice-over-IP-Anbieter |
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Wer Internet-Telefonie nutzen möchte, benötigt ein Konto bei einem der zahlreichen Internet-Telefonieanbieter. Sie verlangen gewöhnlich keine Grundgebühr und sorgen dafür, dass Sie erreichbar sind, wenn Sie sich mit Ekiga oder einer anderen SIP-Telefon-Software angemeldet haben. Eine Telefonnummer, unter der Bekannte Sie aus dem Festnetz anrufen können, erhalten Sie gewöhnlich ebenfalls kostenlos dazu. Finanziellen Nutzen ziehen die Anbieter aus diesem Service, weil sie durch die kostenlosen Angebote Kunden gewinnen und ihnen gegen Gebühren anbieten, SIP-Telefonate auch ins Fest- und Mobiltelefonnetz weiterzuleiten. Zu den deutschen VoIP-Anbietern gehören neben vielen Internet-Providern GMX, Schlund&Partner, 1&1, Freenet, Kikotel, Sipgate, LambdaNet und Outbox. Wer Internet-Telefonie speziell für Gespräche ins Ausland verwenden möchte, hat die Möglichkeit, sich einen Anbieter im jeweiligen Land zu suchen. Da Gebühren nur für die Vermittlung zwischen VoIP-Anbieter und dem angewählten Telefonanschluss anfallen, spielt der Standort des Providers aus technischer Sicht keine Rolle. Hat er seinen Sitz im Land des Angerufenen, kommt man auf diese Weise häufig zu günstigeren Auslandsgesprächen. |
Nach der Installation des Pakets ekiga von der Heft-CD erscheint der Eintrag Ekiga Softfon in der Kategorie Internet des K-Menüs. Ein Klick darauf startet das Programm. Beim ersten Mal öffnet sich daraufhin automatisch der Konfigurationsassistent, der Sie durch die Einrichtung führt.
| Port Forwarding |
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Wer die Internet-Verbindung über einen NAT-Router herstellt, hat den Vorteil, dass mehrere Rechner sich eine Internet-Verbindung teilen. Die internen Rechner sind von anderen PCs aus über das Internet jedoch nicht erreichbar -- im Falle von Anwendungen wie Internet-Telefonie ist das ein schwerwiegender Nachteil: Das von Internet-Telefonen wie Ekiga eingesetzte SIP-Protokoll ist so konzipiert, dass ohne Erreichbarkeit von außen Gespräche nicht einmal dann möglich sind, wenn Sie selbst den Anruf tätigen. Ihr Gesprächspartner könnte Sie dann zwar hören, Sie ihn aber nicht. Eine Möglichkeit zur Lösung dieses Problems liefern so genannte STUN-Server. Sie wandeln den ansonsten aus einzelnen so genannten UDP-Paketen bestehenden Netzwerkverkehr in einen beständigen Datenstrom (TCP-Verbindung) um. NAT-Router leiten so ein- und ausgehende Pakete gewöhnlich umstandslos weiter. Das STUN-Verfahren funktioniert jedoch in manchen Fällen nicht, dann ist Port Forwarding notwendig [3]. Um das einzurichten, melden Sie sich per Webbrowser in der Konfigurationsoberfläche Ihres Routers an, beispielsweise über die Adresse http://192.168.1.1. Stellen Sie ihn so ein, dass er aus dem Internet ankommenden UDP-Pakete an die Ports 5000 bis 5100 an den Rechner weiterleitet, mit dem Sie telefonieren möchten. Wie das funktioniert, hängt vom Gerät ab und steht im Handbuch Ihres Routers. Bei fast allen NAT-Routern ist dies jedoch unnötig, weil das STUN-Verfahren funktioniert. |
Wer einen anderen VoIP-Anbieter als Ekiga.net verwenden möchte, muss nach der Erstkonfiguration von Ekiga seine Zugangsdaten eintragen. Das erfolgt im Dialog unter Bearbeiten / Konten. Nach dem Klick auf Hinzufügen geben Sie eine Kontenbezeichnung ein, als Protokoll übernehmen Sie die Vorauswahl SIP. Die richtigen Einträge für die Felder Registrar, Benutzer und Passwort erfahren Sie bei der Anmeldung von Ihrem Telefonieanbieter. Von ihm erhalten Sie meist auch eine Nummer, unter der Anrufer Sie aus dem herkömmlichen Telefonnetz erreichen.
Mit OK stellen Sie das Konto fertig. Nun aktivieren Sie per Mausklick auf das Kästchen in der Spalte A die Verbindung zum Anbieter. Damit sind Sie erreichbar und können selbst Anrufe tätigen. Über den Button Eigenschaften kommen Sie zurück zum Konfigurationsdialog des markierten Kontos.
Nun rufen Sie Bekannte an, indem Sie die Zielrufnummer im Hauptfenster des Programms in das mit sip: beginnende Eingabefeld eintragen oder per Maus über das Zahlenfeld wählen (Abbildung 2). Sind Sie Kunde eines VoIP-Anbieters, der Ihnen Telefonate ins Festnetz ermöglicht, geben Sie lediglich die Telefonnummer inklusive Vorwahl an. Möchten Sie einen anderen SIP-VoIP-Benutzer erreichen, tragen Sie seine SIP-Adresse ein; ihr Aufbau ähnelt der einer E-Mail-Adresse.
Vor dem @-Zeichen einer so genannten SIP-URL steht die Benutzer-ID, gewöhnlich eine Ziffernfolge ähnlich einer Telefonnummer. Hinter dem @ steht dann der Anbieter, beispielsweise ekiga.net. Dann klicken Sie auf das Steckersymbol, um die Verbindung herzustellen. Bei einem eingehenden Anruf ertönt ein Klingelton. Um ihn entgegenzunehmen, klicken Sie ebenfalls auf das Steckersymbol.
Ekiga nistet sich beim Start selbständig in der Kontrollleiste ein, das erkennen Sie am Telefonsymbol. Wenn Sie das Ekiga-Fenster schließen, bleibt das Programm aktiv und Sie sind weiterhin erreichbar. Um das Ekiga-Fenster wieder zu öffnen, genügt ein Klick auf das Symbol in der KDE-Leiste.

Ist Ihr Rechner, wie oben beschrieben, über einen NAT-Router mit dem Internet verbunden, müssen Sie Ekiga dies vor dem ersten Telefonat mitteilen. Wählen Sie den Menüpunkt Bearbeiten / Einstellungen und dann im Bereich Protokolle den Punkt Netzwerk-Einstellungen (Abbildung 3). Unter Überwachter Port ist Ihr Netzwerkgerät gewöhnlich korrekt voreingestellt, im Falle einer Verbindung per Kabel meist eth0, bei drahtlosen Netzwerken wlan0 oder eth1.
Darunter steht der Punkt NAT-Durchquerungs-Methode. Bei einer direkten Internet-Verbindung über ein (DSL-) Modem oder ISDN heißt die richtige Wahl Keine. Verwenden Sie einen NAT-Router, markieren Sie STUN und tragen im Eingabefeld STUN-Server die Adresse des STUN-Servers Ihres Providers ein. Falls Sie auf Ihrem Router Port Forwarding konfiguriert haben, wählen Sie IP-Adressübersetzung.
Hat Ihr Anbieter Ihnen zusätzlich einen SIP-Proxy mitgeteilt -- häufig auch als Outbound Proxy oder ausgehender Proxy bezeichnet --, tragen Sie diesen ebenfalls im Einstellungen-Dialog unter SIP-Einstellungen im Feld Ausgangs-Proxy ein. In den anderen Punkten des Einstellungen-Dialogs ändern Sie alle Einstellungen, die Sie bei der Erstkonfiguration über den Assistenten festgelegt haben. Möchten Sie diesen nochmal komplett durchlaufen, wählen Sie den Menüpunkt Bearbeiten / Konfigurations-Druide.
Die große Beliebtheit von Skype gründet sich auf die einfache Bedienbarkeit. Da der Skype-Client ausschließlich mit dem zugehörigen Anbieter zusammenarbeitet, braucht der Benutzer lediglich seinen Benutzernamen einzugeben; anbieterspezifische Einstellungen entfallen. Da sich auch das Netzwerkprotokoll konzeptionell von SIP unterscheidet, stellen NAT-Router anders als beim SIP-Protokoll kein Hindernis dar.
Der Vorteil der SIP-basierten Provider und Programme liegt in der Kompatibilität. Alle SIP-Nutzer telefonieren kostenlos miteinander, unabhängig vom verwendeten Anbieter. Auch welche Software sie dazu verwenden, spielt keine Rolle. Wer Skype benutzt, nimmt also die Einschränkung in Kauf, nur mit anderen Skype-Benutzern kostenlos telefonieren zu können. Möchten Sie sich alle Optionen wie einen Anbieterwechsel offenhalten, lohnt sich der höhere Konfigurationsaufwand von Ekiga. (csc)
| Infos: |
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[1] Ekiga: http://www.ekiga.org
[2] Ekiga SIP-Telefonieservice: http://www.ekiga.net [3] NAT-Router und Port Forwarding: Carsten Schnober, "Streckenplanung", EasyLinux 04/2006, S. 64 ff. -- auf der Jahres-CD |
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Last modified: 2008-11-05 16:56
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