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Marcel Hilzinger und Kristian Kißling
Ist von Voice over IP (VoIP) die Rede, fällt meist auch schnell der Begriff Skype. Das recht schlanke Programm behauptet sich schon länger erfolgreich auf dem VoIP-Markt, mit ihm telefonieren nicht nur Windows sondern auch Linux-Nutzer.
Skype setzt wenig voraus: Sie und der Gesprächspartner brauchen lediglich die Software, je ein handelsübliches Headset und idealerweise einen DSL-Zugang. Sie installieren Skype, richten einen Account ein, passen gegebenenfalls die Sound-Einstellungen an und telefonieren dann gratis von PC zu PC. Besitzt Ihr Gesprächspartner weder einen DSL-Anschluss noch ein Headset, rufen Sie zu recht günstigen Preisen sein Telefon im Festnetz an. Mit kostenpflichtigen Gesprächen und verschiedenen weiteren Angeboten (siehe Kasten Skype-Services) verdienen die Skype-Betreiber ihr Geld. Natürlich gibt es Alternativen zu Skype, eine Auswahl dieser Lösungen finden Sie weiter unten. Skype besticht jedoch durch die einfache Handhabung -- das proprietäre Programm entgeht scheinbar mühelos Problemen mit Firewalls und Routern, mit denen andere Anbieter kämpfen. Hinzu kommt, dass viele Windows-Nutzer Skype verwenden. Unter Umständen kommen Sie kaum um die Software herum, denn anders als im Bereich der Instant Messenger gibt es keine alternative Software-Lösung, um Skype-Anwender anzurufen. Leider ist auch die Linux-Variante von Skype proprietär und verfügt nicht über den gleichen Funktionsumfang wie die Windows-Version, die auch Videosignale überträgt.
| SkypeOut, SkypeIn und VoiceMail |
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Die Firma hinter Skype verdient hauptsächlich an den kostenpflichtigen Angeboten rund um die Gratis-Software, dazu gehören SkypeOut, SkypeIn und VoiceMail. Über SkypeOut rufen Sie Telefonnummern im Festnetz an, und zwar international. Die Preise fallen oft recht niedrig aus, nach Japan telefonieren Sie zur Zeit für rund 2 Cent pro Minute, eine Übersicht über die aktuellen Tarife gibt es unter [2]. Um eine Nummer zu wählen, wechseln Sie im Skype-Hauptfenster zum Reiter Wähltasten, in dem sich ein Nummernfeld befindet. Geben Sie die Nummer in folgendem Format ein: +4930123456. Das Pluszeichen und die ersten beiden Nummern bilden den Ländercode, die 30 wäre dann die Vorwahl von Berlin (eigentlich 030, aber die 0 fällt weg), schließlich folgt die eigentliche Festnetznummer. Über den ebenfalls kostenpflichtigen Service SkypeIn erhalten Sie eine feste Telefonnummer, über die Anrufer Sie aus dem Festnetz erreichen. Wohnen Sie in Berlin, erhalten Sie eine Berliner Telefonnummer. Der Vorteil: Auch wenn Sie gerade in Australien weilen, rufen Freunde und Bekannte aus Berlin Sie zum Ortstarif an. VoiceMail funktioniert wie ein Anrufbeantworter für SkypeIn-Nutzer. Über ihn empfangen Sie Nachrichten, wenn Sie nicht online sind. Im Reiter Anrufprotokoll rufen Sie diese später ab, unter diesem Reiter protokolliert Skype auch die ein- und ausgehenden Anrufe. |
Sie finden verschiedene Linux-Versionen der Software auf der Skype-Web-Seite [1]. Nutzer von Suse Linux 9.3 und 10.0 laden das RPM for SuSE 9 and newer herunter, rufen anschließend den Konqueror auf, klicken auf das Paket und dann auf Paket mit YaST installieren. Der Paket-Manager spielt das Programm nun auf den Rechner.
Verwenden Sie Mandriva Linux 2006, hilft das Paket für Mandrake Linux 10.1. Laden Sie es herunter, wechseln Sie im Konqueror in das Download-Verzeichnis und klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Paket. Aus dem Kontextmenü wählen Sie Öffnen mit / Software Installation / Installieren und geben anschließend das Root-Passwort ein.
Kubuntu-Anhänger bedient die Web-Seite ebenso, allerdings müssen Sie zunächst über Adept das Paket libstdc++5 nachinstallieren:
Sie rufen das VoIP-Programm auf, indem Sie [Alt-F2] drücken und skype eingeben.
Skype speichert die Daten jedes Benutzers auf zentralen Servern im Netz, an denen Sie sich anmelden müssen, um Skype zu nutzen.
Sie richten einen neuen Account ein, indem Sie den Reiter New Users wählen, unter Choose Skype Name Ihren Namen und unter Passwort ein geheimes Kennwort Ihrer Wahl eintragen. Zwar müssen Sie hier eine E-Mail-Adresse angeben, aber eine erfundene Adresse tut es auch. Setzen Sie zudem ein Häkchen bei den Lizenzbedingungen und schließen Sie den Vorgang mit einem Klick auf Next ab. Skype kontaktiert den zentralen Server und prüft, ob der Benutzername bereits existiert. In diesem Fall schlägt das Programm eine Alternative vor, andernfalls meldet es Sie als neuen Nutzer beim Server an. Im Systemabschnitt der Kontrollleiste erscheint ein rundes grünes Logo mit einem weißen Häkchen darin, das signalisiert, dass Kontakt zum Server besteht.
Besitzen Sie bereits einen Account, verwenden Sie gleich den Reiter Existing Users. Geben Sie Ihre Zugangsdaten ein, zeigt Skype anschließend eine Liste mit bestehenden Kontakten an (Abbildung 1).
Dabei handelt es sich um Personen, mit denen Sie bereits einmal telefoniert haben; die Kontakte speichert Skype unter Ihrem Profil auf dem zentralen Server. Das bedeutet: Egal wo Sie die Software später installieren, Ihre Kontakte sind immer vor Ihnen da. In einem neuen Profil gibt es solche Kontakte natürlich noch nicht, also fügen Sie zunächst einen Kontakt hinzu. Zuvor stellen Sie aber unter dem Menüpunkt Tools / Select Language erstmal die Sprache ein, in der Skype sich präsentieren soll, hier soll es Deutsch sein.
Im Skype-Hauptfenster sehen Sie eine Reihe von Symbolen. Über den grünen Kreis mit dem weißen Kreuz ganz links fügen Sie der Software neue Kontakte hinzu, wie zum Beispiel Ihren fiktiven Schulfreund Hans Müller, der zur Zeit in Kyoto, Japan weilt. Leider kennen Sie seinen Skype-Namen nicht, aber dafür gibt es ja die praktische Suchfunktion (Abbildung 2).
Aus Sicherheitsgründen entscheidet aber Herr Müller letztlich darüber, ob Sie wissen dürfen, dass er online ist. Nur wenn er es erlaubt, erfahren Sie auch zukünftig seinen Online-Status. Er landet damit auf Ihrer Kontaktliste.
Die Software läuft, nun passen Sie noch die Hardware an. Ihre Sound-Karte verfügt gewöhnlich über drei Anschlüsse: Einen Mikrofoneingang (Mic-In), einen Eingang für Aufnahmen (Line-In) sowie einen Ausgang für die Lautsprecher (Speaker). Schließen Sie Ihr Headset -- sofern es kein USB-Gerät ist -- über die Anschlüsse Mic-In und Speaker an Ihre Sound-Karte an und stellen Sie die Lautstärke gegebenenfalls auf einen mittleren Wert.
Gerade zu Beginn eines Gesprächs kommt es mitunter vor, dass Sie den Gesprächspartner hören -- der Sie aber nicht. In diesem Fall verständigen Sie sich einfach über einen Chat, bis die Kommunikation klappt. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Namen des Gesprächspartners und wählen Sofortnachricht senden. Es öffnet sich ein Fenster, wie Sie es auch von Instant Messengern kennen (Abbildung 3).
Nun rufen Sie die Software-Regler auf: Drücken Sie [Alt-F2] und geben Sie kmix ein, um den KDE-Mixer zu starten. Wechseln Sie zum Reiter Eingänge und aktivieren Sie das grüne Lämpchen unter dem Mikrofon und zusätzlich das rote Lämpchen, um das Mikrofon in eine Aufnahmequelle zu verwandeln (Abbildung 4). Während Sie mit der anderen Person sprechen, bewegen Sie die Regler für das Mikrofon auf und ab, bis Ihre eigene Stimme auf der anderen Seite deutlich ankommt und es möglichst keine ungewollten Halleffekte gibt. Letztere reduzieren Sie, indem Sie die Lautstärke des Mikrofons verringern. Sehr hilfreich löst X-Lite dieses Problem (siehe unten), nutzen Sie zur Not dessen automatisches Konfigurations-Tool, um die Spracheinstellungen zu testen. Hören Sie beim Mikrofontest die eigene Stimme, funktioniert alles bestens.
Ironischerweise gehört die Closed-Source-Software Skype zu den sichersten Programmen auf dem VoIP-Sektor, denn einige freie Programme verzichten ganz auf Verschlüsselung. Das macht es Außenstehenden leicht, Gespräche mit Hilfe entsprechender Programme aufzuzeichnen und abzuspielen. Es ist sogar möglich, Sprachschnipsel in ein Gespräch einzuschleusen, so dass der Empfänger Worte hört, die der Absender nie gesagt hat. Da Skype auf ein proprietäres Protokoll setzt, sind Mängel in der Verschlüsselung nicht einfach zu entdecken. Offiziell kommt Skype mit einer 256-Bit-Verschlüsselung, beim Aushandeln der Schlüssel zwischen den Gesprächspartnern kommt eine 1024-Bit-RSA-Verschlüsselung zum Zug. Damit bietet Skype eine vergleichsweise hohe Sicherheit.
Als Open-Source-Alternativen eignen sich theoretisch das KDE-Programm KPhone und das Gnome-Programm Linphone. Sie benutzen das offene SIP-Protokoll für die Kommunikation. Der Gesprächspartner muss also nicht zwingend über die gleiche Software verfügen, sondern nur über ein Programm, das ebenfalls über das SIP-Protokoll kommuniziert. Auch Ekiga (siehe Artikel ab Seite 20) gehört in diese Kategorie. Um mit einem SIP-Phone zu telefonieren, benötigen Sie zunächst einen SIP-Zugang. Freie Accounts erhalten Sie bei http://www.iptel.org, http://www.ekiga.net und http://www.sipgate.de. Für die Tests benutzte die Redaktion Iptel- und Ekiga-Zugänge, da Sipgate bei der Registrierung sehr viele persönliche Daten abfragt.
In der Praxis laufen viele der Lösungen nicht wirklich rund: SIP-Programme kommen nur schlecht oder gar nicht mit Firewalls bzw. Routern zurecht. Die meisten Benutzer mit einer DSL-Leitung sitzen aber in der Regel hinter einem Router oder zumindest einer Firewall.
Das einzige SIP-Phone, das in den EasyLinux-Tests annähernd so einfach zu bedienen war wie Skype und auch funktionierte, ist X-Lite (Abbildung 5). Sie finden die Linux-Version unter [3] zum Download. X-Lite ist keine Open-Source-Software, der Vorteil gegenüber Skype besteht also nur darin, dass X-Lite SIP beherrscht. Nach dem Download der rund 2 MByte großen Datei gehen Sie folgendermaßen vor:

Jetzt starten Sie das Programm über einen Klick im Konqueror oder in einem Terminal-Fenster über den Befehl ./xtensoftphone.
Beim ersten Start zeigt X-Lite einen Einrichtungsassistenten für die Tonqualität an. Hier regeln Sie die Lautstärke-Einstellung für das Mikrofon und die Lautsprecher. Nach dem Assistenten zeigt das Programm das Fenster Menu an. Hier klicken Sie zunächst doppelt auf den Eintrag Enabled und ändern dann No zu Yes. Bei Display Name, Username und Authorization User geben Sie den Benutzernamen Ihres SIP-Zugangs an. Als Passwort geben Sie das zum SIP-Account gehörige Passwort ein. Schließlich tragen Sie unter Domain/Realm und SIP Proxy die Domain des Providers ein, zum Beispiel iptel.org. Die übrigen Felder lassen Sie leer oder unverändert. Ein Beispiel für den Benutzer hili beim Provider Iptel zeigt Abbildung 6. Sind die Einstellungen erledigt, klicken Sie auf Back. Hat alles geklappt, zeigt das Display des Telefons die Meldung Logged in - Enter Phone Number an. Jetzt brauchen Sie noch einen Kontakt, den Sie anrufen können. Dazu benötigen Sie die SIP-Adresse Ihres Gegenübers:

Nach einem Klick auf Back sehen Sie den neuen Kontakt in der Liste. Markieren Sie den Eintrag und klicken Sie auf das Symbol mit dem grünen Telefonhörer, um einen Anruf zu starten.
Möchten Sie die Einstellungen ändern, klicken Sie auf das Symbol links vom grünen Hörer, es öffnet das Hauptmenü. Um den Einrichtungsassistenten neu zu starten, löschen Sie die Datei .Xscrc in Ihrem Home-Verzeichnis und starten X-Lite neu.
Nach wie vor kommt man kaum an Skype vorbei, lediglich X-Lite kann es mit der Software aufnehmen. Doch Skype ist -- ähnlich wie Google -- auf dem Markt etabliert, viele Windows-User nutzen es. X-Lite ist hingegen noch relativ unbekannt und geht auch mit Firewalls nicht ganz so souverän um wie Skype. Eins aber ist sicher: Auch Linux-Nutzer dürfen nun kostenlos in die ganze Welt telefonieren -- vielleicht klappt es ja auch irgendwann mit einer komfortablen Videoübertragung. (kki)
| Infos |
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[1] Download-Seite von Skype: http://www.skype.com/download/skype/linux/
[2] SkypeOut-Tarife: http://www.skype.com/products/skypeout/rates/all_rates.html [3] X-Lite: http://www.xten.net/index.php?menu=download |
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Last modified: 2008-11-05 16:56
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