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Erschienen in EasyLinux 06/2006

Kontakt halten mit Konversation

Plaudertasche

Andrea Müller


Im Internet Relay Chat unterhalten Sie sich nicht nur mit Menschen aus aller Welt über Linux und andere Themen, sondern bleiben auch mit Freunden und Bekannten in Kontakt und übertragen Daten. Ein besonders komfortabler IRC-Client ist das KDE-Programm Konversation.

Im IRC finden Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Gesprächspartner, ganz egal, ob Sie gemeinsam mit Bekannten Linux-Probleme lösen oder mit Freunden am anderen Ende der Welt plaudern wollen. Oft entstehen in den Chat-Räumen des IRC, den so genannten Channels, sogar neue Freundschaften. Jede Distribution bringt gleich mehrere Chat-Programme mit, von denen viele nicht nur IRC, sondern noch weitere Protokolle beherrschen. Doch nur wenige sind so einfach zu bedienen und komfortabel wie KDEs IRC-Spezialist Konversation.


IRC: Internet Relay Chat ist ein Dienst im Internet, über den sich mehrere Nutzer per Tastatur fast in Echtzeit miteinander unterhalten können. Die Anwender nutzen ein IRC-Programm; ein IRC-Server im Internet sendet die Nachrichten an die Empfänger. Anstelle eines IRC-Clients kann man auch über Web-Seiten am Chat teilnehmen.

Gesprächsbereit

Konversation ist unter Kubuntu standardmäßig installiert, Nutzer dieser Distribution können also sofort loslegen. Wer mit Suse Linux arbeitet, spielt den IRC-Client über das Software-Modul von YaST ein. Verwenden Sie konversation als Suchbegriff und markieren Sie das gefundene Paket in der rechten Fensterhälfte mit einem Häkchen zur Installation. Nach einem Klick auf Übernehmen kopiert YaST die Software auf die Festplatte und bringt die Konfigurationsdateien auf den neuesten Stand.

Alle, die Mandriva Linux verwenden, finden Konversation und eine Installationsanleitung auf der Heft-CD.

Sie starten den KDE-IRC-Client über ein mit [Alt-F2] geöffnetes Schnellstartfenster, in das Sie konversation eingeben. Beim Start zeigt das Programm das Server-Fenster an, in dem schon das IRC-Netz Freenode eingetragen ist. Wenn Sie sich dort mit Ihrem Nickname, dem Spitznamen, schon registriert haben, reicht es aus, den Eintrag zu markieren und auf Verbinden zu klicken. Im IRC gibt es genau wie bei E-Mail ein Spam-Problem, weshalb Freenode eine Registrierung verlangt, damit Sie Nachrichten versenden dürfen. Das ist schnell erledigt und unter [1] ausführlich, allerdings nur in Englisch, beschrieben:

  1. Markieren Sie den Freenode-Eintrag, klicken Sie auf Verbinden und wechseln Sie danach zum neuen Tab irc.freenode.org.
  1. Geben Sie nun in die Eingabezeile am unteren Bildschirmrand
    /msg nickserv register <I>passwort<I>
    ein und drücken Sie [Eingabe]. passwort ersetzen Sie dabei durch ein frei wählbares Kennwort. Mit diesem Befehl registrieren Sie Ihren Spitznamen. Konversation versucht, Sie zunächst unter Ihrem Benutzernamen und danach mit einigen Abwandlungen davon beim Server anzumelden.
  1. Der nächste Befehl lautet
    /msg nickserv set hide email on
    Er legt fest, dass Ihre Mail-Adresse, die Sie im nächsten Schritt benötigen, versteckt wird, so dass andere Nutzer sie nicht sehen.
  1. Nun verknüpfen Sie Ihren registrierten Spitznamen mit einer gültigen Mail-Adresse. Das erledigen Sie mit dem Kommando
    /msg nickserv set email <I>adresse@provider.de<I>
    Die Beispieladresse ersetzen Sie durch eine, die Ihnen gehört.

Jetzt müssen Sie nur noch Konversation beibringen, Sie automatisch mit Ihrem Passwort anzumelden. Wählen Sie dazu Datei / Serverliste, markieren Sie Freenode und klicken Sie auf Bearbeiten. Im folgenden Dialog markieren Sie unter Server den Eintrag Freenode und öffnen über Bearbeiten den Einrichtungsdialog. Tragen Sie dort in das Feld Passwort das in Schritt 2 festgelegte Kennwort ein.

Wenn Sie sich das nächste Mal am Freenode-Server anmelden, schickt Konversation Ihr Passwort automatisch an den Server. Dass Sie nun als registrierter Nutzer unterwegs sind, überprüfen Sie mit Eingabe von /whois ihr_spitzname in die Eingabezeile am unteren Bildschirmrand (Abbildung 1).

Abb. 1: "/whois" zeigt Informationen über einen Benutzer an bei Freenode auch, ob er sich bei dem Dienst angemeldet hat.

Möchten Sie nicht im Freenode-Netz, sondern einem anderen, etwa dem Klassiker IRCnet, chatten, müssen Sie den Server selbst eintragen. Klicken Sie dazu im Server-Fenster auf Hinzufügen und geben Sie dem Netzwerk in der ersten Zeile des folgenden Dialogs einen frei wählbaren Namen.

Unter Identität richten Sie über die Schaltfläche Bearbeiten neue Spitznamen ein. Klicken Sie neben der Liste Server auf Hinzufügen. Der folgende Dialog nimmt die Adresse des Servers auf, für das IRCnet beispielsweise irc.belwue.de oder irc.fu-berlin.de. Im Feld Kanäle automatisch betreten tragen Sie über Hinzufügen die Chat-Channels ein, die Konversation nach der Anmeldung am Server automatisch betreten soll (Abbildung 2). Dort gibt es auch ein Eingabefeld für ein eventuell gesetztes Passwort. Mit OK schließen Sie den Server-Dialog und können nun über Verbinden Kontakt mit dem IRC-Server aufnehmen.

Abb. 2: In diesem Dialog tragen Sie einen IRC-Server ein.

Chatten nach KDE-Art

Das Konversation-Fenster unterteilt sich in drei Bereiche. Den meisten Platz beansprucht das Nachrichtenfenster. Sobald Sie einen Channel betreten, öffnet Konversation es in einem neuen Tab am unteren Rand (Abbildung 3). Per Mausklick oder mit [Alt-Zahl] wechseln Sie zwischen den Tabs hin und her, wobei [Alt-1] Sie zum ersten Reiter, normalerweise dem Server-Fenster, bringt.

Abb. 3: Konversation öffnet für jeden Chat-Raum einen neuen Tab, rechts im Fenster sehen Sie die Gesprächspartner, über die Eingabezeile am unteren Rand versenden Sie Nachrichten.

Um sich im IRCmit anderen Teilnehmern auszutauschen, reicht es nicht aus, sich an einem Server anzumelden, sondern Sie müssen einen Channel betreten. Zu nahezu jedem Thema findet man im IRC eine passende Gesprächsrunde. Konversation macht es Ihnen mit der Gruppensuche besonders leicht: Drücken Sie im Server-Fenster [F5], damit das Programm einen weiteren Reiter namens Kanalliste öffnet. Klicken Sie dort auf Liste neu aufbauen, um alle Channels anzuzeigen. Suchen Sie nach einem bestimmten Thema, etwa Linux, geben Sie es als Suchbegriff in das Eingabefeld hinter Filtermuster ein und drücken [Eingabe]. Möchten Sie dabei nicht die Channel-Namen, sondern das dortige Thema, das Topic, nach einem Begriff durchsuchen, setzen Sie ein Häkchen vor Thema.

Klicken Sie einen Chat-Raum an, um ihn zu betreten, öffnet Konversation einen neuen Reiter. Dort sehen Sie im rechten Unterfenster, welche Nutzer sich im Channel tummeln. Einige, die Operatoren oder Ops, versieht Konversation mit einem anderen Icon als normale Teilnehmer. Die Operatoren können jemanden aus dem Chat-Raum hinauswerfen (kick) oder einzelnen Nutzern sogar "Hausverbot" erteilen.

Im Hauptfenster verfolgen Sie das Gespräch, Ihre eigenen Mitteilungen schreiben Sie in die Eingabezeile unten im Fenster und schicken sie mit [Eingabe] ab.

Da man nicht jedes Thema im großen Kreis besprechen will, gibt es auch die Möglichkeit, sich mit einzelnen Gesprächspartnern privat zu unterhalten. Um jemandem etwas mitzuteilen, was nur für ihn bestimmt ist, klicken Sie seinen Eintrag in der Nutzerliste mit der rechten Maustaste an und wählen Query öffnen (Abbildung 4). Alternativ schreiben Sie /query spitzname in die Eingabezeile. Letztere Methode hat den Vorteil, dass Sie so auch eine private Unterhaltung mit jemandem beginnen können, der zwar am Server angemeldet ist, aber nicht im selben Raum ist wie Sie. Über das Kontextmenü eines Teilnehmers verschicken Sie mit Datei senden Dateien an andere Nutzer.

Abb. 4: Über "Query öffnen" im Kontextmenü eines Chat-Partners starten Sie eine private Unterhaltung ohne Mitleser.

Einstellungssache

Konversation bietet einige Features, die das Chatten besonders bequem machen. Wenn Sie länger mit etwas anderem beschäftigt waren, ist es denkbar unkomfortabel, im Chat-Fenster nach oben zu scrollen und das Gespräch nachzulesen. Sobald jemand eine neue Nachricht schreibt, springt Konversation automatisch ans Ende des Fensters und blendet die aktuelle Meldung ein. Abhilfe schafft das Log-Fenster, das Sie mit [Strg-O] in einem neuen Tab öffnen. Dort erfahren Sie, was sich in Ihrer Abwesenheit getan hat.

Ein weiteres praktisches Goodie ist das URL-Fenster, das Sie mit [F6] einblenden (Abbildung 5). Dort zeigt Konversation alle Links an, welche die Channel-Teilnehmer gepostet haben. Gerade in Linux-Channels, in denen oft auf externe Hilfeseiten verwiesen wird, ist diese komprimierte Zusammenfassung praktisch. Mit einem Doppelklick auf einen Link surfen Sie die Adresse mit dem Konqueror an.

Abb. 5: Im URL-Fenster fasst Konversation alle in einem Channel geposteten Links zusammen.

Auch mit anderen KDE-Programmen spielt Konversation mühelos zusammen. Über das Kontextmenü eines Chat-Partners verbinden Sie ihn per Klick auf Adressbucheinträge / Kontakt auswählen mit einem Eintrag im KDE-Adressbuch. Danach ist es möglich, ihm direkt über das Kontextmenü eine Mail zu schreiben. Ein Klick auf E-Mail senden öffnet dann das Nachrichten-Editor-Fenster von KMail.

Nervt Sie jemand mit Bemerkungen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, oder versucht, Sie zu provozieren, blenden Sie die Mitteilungen des Störenfrieds aus: Wählen Sie dazu einfach Ignorieren aus seinem Kontextmenü. Diese Strafmaßnahme können Sie nur im Einrichtungsdialog unter Einstellungen / Konversation einrichten / Verhalten / Ignorierte Nicknamen wieder aufheben. Markieren Sie dazu dort einen ignorierten Nutzer und klicken Sie auf die Schaltfläche Entfernen.

Finetuning

Im Konfigurationsmenü richten Sie nahezu jeden Aspekt des Verhaltens von Konversation ein. Stört es Sie, dass das Programm vor jeder Nachricht die Uhrzeit einblendet, deaktivieren Sie das Feature im Abschnitt Erscheinungsbild / Chatfenster. Unter Erscheinungsbild ändern Sie auch die Schriftarten im Nachrichtenfenster und der Gruppenliste und gestalten Konversation etwas farbiger. Beim Eintrag Farben weisen Sie die Anwendung an, die Spitznamen anderer Teilnehmer einzufärben, im Bereich Themes wählen Sie andere Icons für die Gruppenliste aus oder installieren neue Symbole aus dem Internet (Abbildung 6).

Abb. 6: Im Einrichtungsdialog aktivieren Sie unter anderem Äußerlichkeiten wie farbige Spitznamen und neue Icons.

Damit Ihnen auf keinen Fall entgeht, wenn jemand Ihren Spitznamen erwähnt, weisen Sie Konversation unter Benachrichtigungen / Hervorhebungen an, die Tab-Beschriftung der Chat-Räume einzufärben, in denen Ihr Name fällt. Aktivieren Sie dazu die Option Always highlight own current nick. Soll Konversation zusätzlich einen Sound abspielen, setzen Sie auch ein Häkchen in die Checkbox Enable Sound for highlighted list items.

Über einen Klick auf Neu definieren Sie Schlagworte, die Konversation ebenfalls einfärbt oder akustisch meldet. Geben Sie hinter Muster den gewünschten Begriff ein und wählen Sie in der Auswahlbox dahinter eine Farbe aus. Eine passende Audiodatei markieren Sie im Dateiauswahldialog, den Sie per Klick auf das Ordnersymbol hinter Klang öffnen . (Abbildung 7).

Abb. 7: Kubuntu-Alarm: Sobald jemand die beliebte Distribution im Chat erwähnt, färbt Konversation die Tab-Beschriftung der Gruppe ein und spielt eine Sound-Datei ab.

Konversation gibt sich optisch bewusst schlicht, um den Nutzer nicht von den Nachrichten im Chat abzulenken. Aus diesem Grund zeigt das Programm standardmäßig keine grafischen Smileys an, sondern nur die reinen ASCII-Zeichen wie ;-). Wenn Sie vorher mit einem Instant Messenger gearbeitet haben und die lustigen grafischen Grinsegesichter vermissen, bleibt nur der Griff zum Text-Editor, um sie in Konversation zum Leben zu erwecken. Der Einrichtungsdialog unterschlägt diese Option. Das ist jedoch kein Problem, da Sie das Festure leicht über einen Eintrag in der Konfigurationsdatei des Programms freischalten.

Starten Sie dazu einen Text-Editor wie KWrite und öffnen Sie die Datei konversationrc im Ordner /home/ihr_benutzername/.kde/share/config. Damit der Dateiauswahldialog das versteckte Verzeichnis .kde anzeigt, drücken Sie [F8] oder wählen Versteckte Dateien anzeigen im Menü, das sich hinter dem Schraubenschlüssel-Icon verbirgt. Suchen Sie nach EnableEmotIcons, springt KWrite zur Zeile mit dem Inhalt

EnableEmotIcons=false

Ersetzen Sie dort false durch true (Abbildung 8) und speichern Sie die Datei mit einem Klick auf das Diskettensymbol. Wenn Sie Konversation das nächste Mal starten, zeigt das Programm grafische Smileys statt der ASCII-Zeichen an.

Abb. 8: Mit dem Eintrag "EnableEmotIcons=true" in der Konfigurationsdatei bringen Sie Konversation die Anzeige grafischer Smileys bei.

Konversation punktet nicht nur mit Übersichtlichkeit, sondern bietet auch viele Komfort-Features, die man jedoch erst aktivieren muss. Ob man das als Vor- oder Nachteil betrachtet, ist Geschmackssache, doch gerade IRC-erfahrene Nutzer werden die schnörkellose Optik und Konzentration aufs Wesentliche bei Konversation zu schätzen wissen. (amü)

Infos
[1] Anleitung zum Registrieren bei Freenode: http://freenode.net/faq.shtml#nicksetup

Software zum Artikel auf Heft-CD: Konversation für Mandriva Linux

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