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Erschienen in EasyLinux 06/2006

Lieblings-Chat-Programme der Redaktion

Redakteure im Chat

EasyLinux-Redaktion


Chat- und Messaging-Programme unter Linux -- ein weites Feld. Welche Anwendung die beste ist, ist Geschmacksache. Hier finden Sie ein paar subjektive Einschätzungen aus der Redaktion.

Auf den Seiten 20-36 haben wir einige Programme vorgestellt, die Linux zu einem Kommunikationsexperten machen. Doch womit arbeiten wir Redakteure? Auf dieser Doppelseite stellen wir unsere Lieblings-Tools vor und erzählen auch, warum wir uns für sie entschieden haben. (hge)

X-Chat, Version 1

Erste Kontakte mit dem "Chat"-Prinzip hatte ich 1991 in meinem ersten Informatik-Semester an der Uni -- damals war das aber eine eher störende Erfahrung: Für die Hausaufgaben brauchte ich eine freie Unix-Workstation im Rechnerraum der Uni, und die meisten Maschinen waren rund um die Uhr von Studenten belegt, die daran nicht arbeiten, sondern im IRC chatten wollten.

2000 kam ich dann zur Linux New Media AG und entdeckte erst dort, dass Chat-Programme neben Mail und Telefon eine interessante zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit bieten -- seitdem nutze ich es beruflich und privat. Als IRC-Client habe ich von Anfang an ausschließlich X-Chat verwendet, und zwar auch heute noch eine Version aus der (veralteten) 1.x-Reihe (aktuell X-Chat 1.8.11) [1] -- das modernisierte Interface der neuen 2.x-Reihe gefällt mir gar nicht.

Auf jeden Fall muss ein IRC-Client Tabs haben, damit man mehrere Gespräche parallel führen und in diversen Channels (Chat-Räumen) sitzen kann; der Wechsel zwischen den Tabs muss über Tastenkombinationen möglich sein.

Mit Instant Messaging (AIM, MSN & Co.) kann ich wenig anfangen; das liegt u. a. daran, dass die ersten Vertreter dieser Systeme bei neuen Nachrichten mit Pop-up-Fenstern nervten. Einziger Vorteil: Man kann auch Nachrichten verschicken, wenn die Gegenseite offline ist. Muss ich mal in ein IM-Netz, nutze ich trotzdem meinen Lieblings-IRC-Client; die Brücke zwischen dem Programm und dem fremden Netz baut das Tool Bitlbee [2,3]. (Hans-Georg Eßer)

Gepflegte Konversation

Ich habe relativ spät, nämlich 2004, meine ersten Chat Erfahrungen gesammelt und das auch nur aus beruflichen Gründen. Privat habe ich mich bis vor kurzem noch mit einem Modem eingewählt, was Plauderein im Chat schon aus Kostengründen unmöglich machte. Selbst jetzt mit DSl-Flatrate ziehe ich im privaten Bereich die Kommunikation per Telefon oder Mail vor.

Lange Ratschereien mit der besten Freundin sind am Telefon viel witziger, persönlicher und entspannender als Kommunikation mit der Tastatur, bei der man örtlich an den Schreibtisch gebunden ist. Wichtige Nachrichten sind in Mails am besten aufgehoben, da dort nicht die Gefahr besteht, dass die Unterhaltung abschweift -- Chatten ist zwar oft sehr amüsant, aber auch ein riesiger Zeitfresser.

Beruflich sieht die Sache anders aus, denn dort kann ich per Chat am schnellsten klären, ob ein Autor einen bestimmten Artikel schreiben will und welcher Aufmacher zu einem Text passen könnte. Diese Kommunikation findet im IRC statt, und als Programm nutze ich Konversation [4]. Ich schätze vor allem das frei konfigurierbare Fenster-Layout, die Channel-Anordnung in Tabs und seine Schlichtheit. Im Gegensatz zu Kopete, das mir zu überladen erscheint, präsentiert sich Konversation in der Standardeinstellung rein funktional, und alle Features, die einen leicht ablenken, wie etwa grafische Smileys, sind deaktiviert.

Ein weiterer Pluspunt ist, dass Konversation sich komplett mit der Tastatur bedienen lässt und mir die Möglichkeit bietet, eine Befehlsausgabe direkt ins Chat-Fenster zu schreiben. Bei Nachfragen zu den im Artikel genannten Befehlen muss ich dann nicht deren Ausgabe umständlich aus dem Konsolenfenster in die Eingabezeile von Konversation kopieren. Ein weiteres praktisches Merkmal ist der URL-Catcher, der alle in einer Diskussion geposteten Links auflistet, so dass ich sie der Reihe nach ansurfen kann, ohne erst lange im Chat-Fenster herum zu scrollen. (Andrea Müller)

Gajim

Ein Programm sollte immer das können, was der Benutzer benötigt, und nicht mehr. Gerade wenn die Kommunikation im Vordergrund steht, geht es darum, dass die Software Inhalte überträgt und ansonsten möglichst dem Anwender aus dem Weg geht. Ich habe alle möglichen Chat-Clients ausprobiert, die meisten waren zu bunt und aufdringlich, anderen fehlten für mich wichtige Features.

Mit Gajim [5] habe ich einen Client für das Jabber-Protokoll gefunden, der an das System wenig Ansprüche stellt und unter KDE ebenso läuft wie unter Gnome und jeder anderen Umgebung. Die Einrichtung für mein bestehendes Benutzerkonto dauerte weniger als 30 Sekunden: Zugangsdaten eingeben und zwei Mal klicken. Die Privatsphäre ist durch die Integration des Verschlüsselungsprogramms GnuPG gewährleistet, andere Protokolle als Jabber benötige ich momentan nicht.

Der Jabber-Chat hat den Vorteil, dass die Kontaktadressen von Bekannten auf dem Server gespeichert sind. Einem spontanen Wechsel des Clients steht also nichts im Weg; auch unterwegs kann ich so ohne Umschweife loslegen. (Carsten Schnober)

Alter Kumpel

Irgendwann hat mich AOL mit dem Kampf gegen die konkurrierenden Instant Messenger weichgekocht. Ständige Änderungen im AIM-Protokoll (AOL Instant Messenger) zwangen zum ebenso häufigen Update der alternativen Clients mit Deinstallation, Neuinstallation und Neueinrichtung. Konnte der AOL-Kunde seine lange gepflegte Liste von Instant-Messaging-Kontakten, Buddies (Kumpel), wie die Teilnehmer am Instant Messaging des amerikanischen Providers heißen, nicht mitnehmen, blieb er dem Provider treu, so die Hoffnung seitens des Unternehmens.

Einen Kumpel hat AOL damit nicht gewonnen -- dafür einen gebeugten Anwender, der es leid war, die Spielchen mitzuspielen und auf Installationen alternativer AIM-Clients verzichtete. Wenn man so will, war es eine Bruchlandung beim offiziellen AIM-Client [6].

Ich weiß, die Zeiten haben sich geändert, was die Ausgrenzung der feindlichen Messenger betrifft. Heute tummeln sich diverse Multiprotokoll-Clients auf dem IM-Markt. Inzwischen aber ist mir der von AOL seit langem nicht mehr gepflegte Client für Linux-Rechner mit seinem schlichtem Design und dem Verzicht auf Schnickschnack für meine spärliche Echtzeitkommunikation gerade recht. Bis Versionsnummer 1.5.286 hat es die Linux-Ausgabe gebracht -- der aktuelle AIM für Windows und Mac OS ist bei Ausgabe 5 angekommen. Mir egal: Ich brauchte nicht mal die Smiley-Vorlagen -- vom Versand von Bildern, Sound und sonstigen Multimediadateien ganz zu schweigen. (Uli Bantle)

Das IRC erforschen mit XChat

Dem IRC als "hautnahes" Kommunikationsmedium bin ich schon vor vielen Jahren verfallen -- nicht zuletzt wegen seiner unglaublichen Flexibilität. Bin ich unterwegs, kann ich das IRC zur Not auch über Web-Frontends nutzen, wenn auf dem Rechner kein entprechender Client installiert ist. Auch bei den meisten meiner geschäftlichen und viele meiner privaten Kontakte gilt das IRC das bevorzugtes Chat-Medium. Neben Funktionen wie dem Dateitransfer erlaubt es sowohl Solo- als auch Gemeinschafts-Chats mit beliebig vielen Teilnehmern. Solls etwas diskreter zugehen, lassen sich Chat-Räume auch so einstellen, dass nur eingeladene Personen Zuttritt haben.

Auch ohne spezielle Anliegen oder Probleme eignet sich das IRC hervorragend, um nette Leute kennenzulerenen, die gemeinsame Interessen teilen.

Das Programm XChat [7] verwende ich, weil es sehr stabil läuft und das simultane Öffnen von Chat-Räumen auf verschiedenen Servern unterstützt. Darüber hinaus verfügt es über Schnittstellens, die sowohl Einbinden eigener Skripte als auch das Nachladen von Plug-ins erlaubt, wovon Hunderte auf der Webseite http://scripts.xchat.org zum Download bereit stehen. (Thomas Leichtenstern)

Kein Chat, sondern Voice over IP

Mein liebstes Chat-Programm ist eigentlich gar keines: Es ist die Telefon-Software Skype [8] (siehe auch Artikel ab Seite 26). Ich mag Skype, weil es zuverlässig arbeitet und die Einrichtung sehr einfach ist. Nach dem Download des Programms muss man sich nicht auf irgendwelchen Web-Seiten registrieren oder die HTTP- oder IP-Adresse des Anbieters kennen. Einfach Skype starten, im Programm selbst einen neuen Benutzer anlegen, und schon ist man online.

Da ich in der Regel nicht um des Chatten Willens chatte, sondern um mit jemandem etwas zu besprechen, schätze ich bei Skype, dass ich nur für meine Freunde und Bekannten sichtbar bin. Um ein Gespräch zu beginnen, muss ich mich nicht in irgendwelchen Kanälen oder Chat-Räumen anmelden, sondern ich klicke einfach auf das entsprechende Icon.

Da ich schon viele Freunde und Bekannte zu Linux gebracht habe, leiste ich ab und zu auch Live-Support im Chat. Dabei benutze ich gelegentlich auch die Funktion, Dateien zu senden. Und wenn der Chat nicht reicht, kann ich das Gegenüber auch mal anrufen. Closed Source hin oder her: Ich möchte Skype nicht mehr missen. (Marcel Hilzinger)

Kopete

Die meisten Chat-Programme haben alle erdenklichen Features -- Rechtschreibprüfung, Benachrichtigung bei Aktivität des Chat-Partners usw. Unterschiede gibt es eigentlich nur im Detail. Kopete [9] zeichnet sich durch ein recht nützliches Detail aus: die Art, wie es neue Aktivitäten im Chat anzeigt. Das Programm öffnet dazu kein neues Fenster, sondern blendet eine Sprechblase direkt über dem Kopete-Icon im Systemabschnitt der Kontrolleiste ein. Dies stört mich viel weniger beim Arbeiten, wenn zum Beispiel das Layout-Team per IRC eine Frage an mich richtet, denn die Sprechblase ist unaufdringlicher als ein Fenster mit Titelleiste und Rahmen. Es liegt außerdem immer direkt über der Task-Leiste und verdeckt damit wenig von dem Text, an dem ich arbeite -- so kann ich noch, ohne abgelenkt zu werden, meinen Satz zu Ende schreiben. Trotzdem bemerke ich es immer, wenn jemand mit mir reden möchte.

Kopete unterstützt auch alle gängigen Chat-Protokolle -- von MSN bis hin zu Jabber, das die Unterhaltung verschlüsselt. Jabber basiert auf einem freien Standard -- kommerzielle Betreiber von Chat-Servern, wie Microsoft oder Yahoo, verändern gezielt immer wieder Details an den Chat-Protokollen, damit freie Chat-Programme nicht mehr funktionieren. Sie möchten damit ihren eigen Produkten einen Wettbwerbsvorteil verschaffen. Mit Jabber bleiben mir solche Ärgernisse erspart. (Peter Kreußel)

Infos
[1] X-Chat 1.x: http://www.xchat.org/files/source/1.8/
[2] Bitlbee: http://www.bitlbee.org/
[3] Bitlbee-Artikel: Hans-Georg Eßer, "Ein Client reicht", LinuxUser 04/2004, S. 55 ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2004/04/055-bitlbee/index.html
[4] Konversation: http://konversation.kde.org/
[5] Gajim: http://www.gajim.org/
[6] AOL Instant Messenger: http://www.aim.com/index.adp?language=l
[7] XChat 2.x: http://www.xchat.org/
[8] Skype: http://www.skype.com/
[9] Kopete: http://kopete.kde.org/

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