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Erschienen in EasyLinux 06/2006

Der KDE-Media-Player in Version 0.8.1

Tägliches Kaffeine

Marcel Hilzinger


Linux ist viel zu schön, um nur damit zu arbeiten. Der KDE-Media-Player Kaffeine sorgt dafür, dass auch der Genuss nicht zu kurz kommt.

Mit MPlayer, Vlc und Xine stehen unter Linux gleich drei mächtige Media-Player zur Auswahl. Jeder hat seine Vor- und Nachteile. So sieht die grafische Oberfläche von Vlc nicht allzu ansprechend aus, Xine und MPlayer lassen sich hingegen nur von Profis bedienen oder müssen zunächst umständlich eingerichtet werden.

Kaffeine ist stärker

Kaffeine verbindet die Vorteile einer modernen Benutzeroberfläche mit den zahlreichen Fähigkeiten der Xine-Engine. Als KDE-Programm passt es perfekt zur grafischen Oberfläche. Da es intern Xine als Player benutzt, stimmt auch die Performance. Sie finden aktuelle Pakete von Xine und Kaffeine auf der Heft-CD. Bei Suse Linux gehören beide Programme zur Standardinstallation, sie verfügen hier aber nur über beschränkte Fähigkeiten, so dass Sie unbedingt die Version von der Heft-CD installieren sollten.


Engine: Englisch für Motor. Xine und MPlayer sind oft nur die Motoren, für die verschiedene grafische Oberflächen (so genannte Frontends) existieren.

Sie starten Kaffeine über [Alt-F2] und die Eingabe von kaffeine. Das Programm zeigt im Hauptfenster Schnellstartknöpfe für die meist benutzen Aufgaben an (Abbildung 1). Die Anzahl der Knöpfe hängt von der technischen Ausstattung Ihres Rechners ab. So zeigt Kaffeine zum Beispiel den Button für das digitale Fernsehen nur dann an, wenn es in Ihrem Rechner auch entsprechende Hardware gibt. Auf jedem Button befindet sich neben der Beschriftung auch eine Nummer: Damit lässt sich der Media-Player bequem über den Nummernblock oder eine Fernbedienung steuern. Alternativ klicken Sie auf einen der Reiter am linken Fensterrand. Hinter der Kaffeebohne versteckt sich das Player-Fenster, das dritte Symbol von oben öffnet den Dialog Wiedergabeliste, und so weiter.

Abb. 1: Ein Klick genügt: Über die Schnellstartknöpfe von Kaffeine starten Sie einen Film, eine CD oder schauen TV.

Erster Start

Öffnen Sie Kaffeine zum allerersten Mal, zeigt das KDE-Programm in einem Dialogfenster an, welche Systemkomponenten es gefunden hat (Abbildung 2). Lesen Sie die Erklärungen zu den einzelnen Punkten durch. Für das komplette Multimediavergnügen sollten keine Punkte mehr rot markiert sein. Die gängigen Download-Adressen für fertige Pakete der Windows-Codecs listet die Tabelle "Videocodecs" auf. (Aus rechtlichen Gründen können wir diese nicht auf der Heft-CD mitliefern.) Alternativ laden Sie die Datei all-20050412.tar.bz2 von [1] in Ihr Home-Verzeichnis und entpacken dann die Codecs ins Verzeichnis /usr/lib/win32. Dazu öffnen Sie nach dem Download mit [Alt-F2] und dem Befehl kdesu konsole ein Terminal-Fenster mit Administratorrechten und geben dann folgende Befehle ein:

tar xvfj all-20050412.tar.bz2
mkdir /usr/lib/win32
cp all-20050412/*  /usr/lib/win32

Download-Adressen für die zum Abspielen von verschlüsselten DVDs benötigte Bibliothek libdvdcss dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht angeben. Ein Klick auf die im Wizard unter libdvdcss... angegebene URL oder eine Suche bei Google dürfte Sie allerdings schnell zum gewünschten Ziel führen.

In einem zweiten Schritt fragt Sie der Installationshelfer, ob Sie Kaffeine als Player für Microsoft Media und Real Media Streams benutzen möchten. Weiter können Sie auf dem Desktop einen Schnellstarter für Kaffeine anlegen.

Haben Sie Kaffeine bereits gestartet und möchten lediglich überprüfen, ob sämtliche Systemkomponenten vorhanden sind, löschen Sie in Ihrem Home-Verzeichnis die Datei .kde/share/apps/kaffeine/wizard_stamp_Versionsnummer und starten dann Kaffeine neu.

Abb. 2: Beim allerersten Start überprüft Kaffeine, ob sämtliche Systemkomponenten vorhanden sind.
Videocodecs
DistributionDownload-Adresse
Suse Linuxhttp://packman.links2linux.de/?action=046
Mandriva Linuxftp://ftp.free.fr/pub/Distributions_Linux/plf/mandriva/non-free/2006.0/i586/win32-codecs-1.7-2plf.i586.rpm
Ubuntu Linuxftp://ftp.free.fr/pub/Distributions_Linux/plf/ubuntu/plf/pool/i386/non-free/w32codecs/

Audio-CDs

Kaffeine spielt nicht nur Videos, sondern auch Audio-CDs und andere Musikstücke ab. Um eine Audio-CD anzuhören, klicken Sie auf dem Startbildschirm auf den entsprechenden Button oder wählen Datei / Audio-CD öffnen. Bei aktiver Netzwerkverbindung lädt Kaffeine Informationen zum Interpreten und zu den einzelnen Songs aus dem Internet (Abbildung 3). Es zeigt zudem das Visualisierungs-Plug-In goom an, das versucht, die Stimmung und Dynamik der Musik visuell wiederzugeben. Über die Tastenkombination [Strg-Umschalt-F] oder einen Doppelklick zeigt Kaffeine das Plug-In auch im Vollbildmodus an. Das Miniprogramm belastet den Prozessor allerdings stark, was zum Beispiel bei Laptops störende Lüftergeräusche verursacht und den Akku schneller leert. Möchten Sie das Plug-In abschalten, wählen Sie Abspielgerät / Audio / Audio Visualisierung / None.

Abb. 3: Kaffeine zeigt beim Abspielen von Audio-CDs hübsche Grafiken an. Die Informationen zu Interpret und Titel holt sich der Player aus dem Internet.

Seit Version 0.8.0 wandelt Kaffeine auch Audio-CDs in MP3- oder OGG-Vorbis-Dateien um. Damit lassen sich Musikstücke bequem auf dem Rechner speichern, und das Wechseln von CDs entfällt. Um eine CD umzuwandeln, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Wählen Sie auf dem Startbildschirm den Menüpunkt Audio-CD kodieren aus. Hören Sie gerade eine CD an, klicken Sie im Audio-CD-Fenster auf den Button CD-Inhalt auf Festplatte kopieren. Kaffeine stoppt dann das Playback und wechselt in den Kodiermodus.
  1. Markieren Sie mit gedrückter Strg- oder Umschalt-Taste die Songs, die Sie auf die Festplatte kopieren möchten.
  1. Klicken Sie auf den Button Kodieren und wählen Sie im nächsten Dialog den Kodierer aus (Abbildung 4). Lame mp3 erstellt Songs im MP3-Format. Diese sind mit allen portablen Playern kompatibel, werden aber von den meisten Linux-Distributionen nicht von Haus aus unterstützt. Auch der dazu benötigte Kodierer lame ist normalerweise nicht mit dabei. Möchten Sie die Musik in erster Linie auf dem PC anhören, sollten Sie deshalb immer OGG Vorbis wählen. Kaufen Sie später einen MP3-Player, müssen Sie allerdings darauf achten, dass dieser auch das OGG-Format unterstützt.
  1. Unter Paranoid legen Sie fest, mit welchen Optionen das Ausleseprogramm cdparanoia arbeitet. In der Regel funktioniert die Einstellung Alles Ausgewählte abschalten am schnellsten, da das Programm dann keine aufwendige Fehleranalyse betreibt. Bei stark verkratzten oder aus anderen Gründen schwer lesbaren CDs helfen die Optionen Normaler Modus und Paranoider Modus.
  1. Über die Checkbox Normalisieren schalten Sie die Lautstärkeregulierung ein. Bei CDs mit Stücken unterschiedlicher Qualität versucht Kaffeine dann einen einheitlichen Lautstärkepegel für die kodierten Songs zu finden.
  1. Nach einem Klick auf OK stellen Sie die Optionen für den MP3- oder den OGG-Kodierer ein. Bei OGG Vorbis sind Sie mit einer Qualität von 6 auf der sicheren Seite, bei MP3 mit einer Bitrate von 192 Kbit/s. Die Option VBR schaltet bei MP3 die variable Bitrate ein. Damit erzielt der Kodierer bei gleicher Qualität kleinere Dateien. Der OGG-Kodierer benutzt immer eine variable Bitrate.

Das Umwandeln der CD dauert je nach Leistung des PCs 20 bis 60 Minuten.

Abb. 4: Die neueste Version von Kaffeine wandelt Audio-CDs auch in die Formate MP3 und OGG Vorbis um.

Wiedergabelisten

Kaffeine liest die gängigen Wiedergabelistenformate wie .m3u und .pls. Da diese aber bloß Audiodateien verarbeiten, benutzt der KDE-Player in der Grundeinstellung ein eigenes Format. Nach einem Klick auf den Reiter Wiedergabeliste (drittes Symbol von oben) ziehen Sie Videos oder Songs einfach mit der Maus auf das leere Fenster. Alternativ öffnen Sie Dateien über Datei / Öffnen oder Datei / Verzeichnis öffnen. Filme und Musikstücke können Sie dabei beliebig mischen.

Um in der Wiedergabeliste ein Stück möglichst schnell zu finden, geben Sie zum Beispiel die Anfangsbuchstaben in die Filter-Liste ein. Kaffeine verkleinert dann die Trefferanzahl bereits beim Tippen. Weitere Möglichkeiten bietet das Menü Wiedergabeliste. Über Zufällig und Wiederholen schalten Sie den Random- und den Repeat-Modus um. Möchten Sie eine Wiedergabeliste speichern, wählen Sie Derzeitige Wiedergabeliste speichern als aus dem Kontextmenü.

Digitales TV

Kaffeine ist nicht nur ein komfortabler Media-Player sondern auch eines der besten TV-Programme für digitales Fernsehen (Abbildung 5). Findet Kaffeine im Rechner ein solches Gerät, zeigt der Startbildschirm einen zusätzlichen Knopf für Digitales Fernsehen an. Im Gegensatz zu anderen TV-Anwendungen wie Kalva oder Klear benötigt Kaffeine keine Channel-Datei; diese ist bereits Teil des Programms.

Zeigt Kaffeine keine Kanalliste an, wählen Sie DVB / DVB konfigurieren und wählen dann unter dem ersten Punkt aus der Liste Quelle Ihr Sendegebiet aus. Für die Region München wählen Sie zum Beispiel de-Muenchen. Unter Sonstiges / Herunterladen bietet Kaffeine auch die Möglichkeit die Liste der Sendegebiete über das Internet zu aktualisieren.

Wechseln Sie anschließend zu DVB / Kanäle aus dem Hauptmenü und klicken Sie auf Suche starten, um die Liste der Kanäle zu aktualisieren. Die gefundenen Kanäle listet der Media-Player dann in der rechten Fensterhälfte auf (Abbildung 6). Über einen Klick auf Ausgewählte hinzufügen verschieben Sie diese in die aktuelle Kanalliste. Um sämtliche Fernsehprogramme hinzuzufügen, markieren Sie Filter / Fernsehen und klicken dann auf Gefilterte hinzufügen.

Abb. 5: Kaffeine spielt auch digitales Fernsehen und Radio ab -- inklusive Aufnahmemöglichkeit.

Abb. 6: In diesem Dialog suchen Sie nach neuen Fernseh- und Radiostationen.

Wechseln Sie nun auf den Reiter Digitales Fernsehen, startet ein Doppelklick auf den gewünschten Sender den Player. Auch hier schalten Sie mit [Strg-Umschalt-F] oder per Doppelklick in den Vollbildmodus.

Zum nächsten Kanal wechseln Sie entweder mit [BildAb]/[BildAuf] oder mit einem Klick auf Vorheriges/Nächstes Stück. Über [O] schaltet das On-Screen-Menü ein. Einmaliges Drücken der Taste zeigt Kurzinformationen zur aktuellen und zur nächstfolgenden Sendung an. Drücken Sie die Taste ein zweites Mal erscheint ein ausführlicher Hinweis zum aktuellen Programm. Mit [Umschalt-Strg-W] sehen Sie, was zurzeit auf den anderen Kanälen läuft. Weitere Optionen bietet das DVB-Menü.

Kaffeine kann auch Ihren Videorecorder ersetzen. Um eine Sendung aufzuzeichnen, klicken Sie auf das Diskettensymbol unterhalb der Senderliste oder wählen DVB / Sofortaufnahme. In der Grundeinstellung nimmt der Media-Player 120 Minuten lang auf und speichert das Video mit dem Namen des Programms als Dateiname in Ihrem Home-Verzeichnis. Während der Aufnahme zeigt Kaffeine unter der Senderliste eine rote LED an.

Möchten Sie die Aufnahme früher beenden, klicken Sie erneut auf das Disketten-Symbol, markieren die Sendung und klicken auf Abbrechen/Löschen. Lassen Sie sich durch die Aufschrift des Buttons nicht verwirren: Kaffeine stoppt die Aufnahme nur, es löscht sie nicht. Bei aktiver Aufnahme reduziert sich die Anzahl der Sender auf vier Kanäle. Das ist normal, da Sie dann nur noch die Kanäle schauen können, die zusammen mit dem Aufnahmesignal gesendet werden. Sie können aber von den verbleibenden Kanälen weitere Aufnahmen starten. Um eine Sendung zu einem späteren Zeitpunkt aufzunehmen, wählen Sie DVB / Aufnahmezeiten oder drücken [T].

Müssen Sie während einer Sendung an den Kühlschrank, klicken Sie einfach auf den Pause-Knopf. Kaffeine nimmt dann die Sendung auf und spielt das Programm nach einem erneuten Klick auf den Pause-Button zeitversetzt ab. Bei einer zeitversetzten Aufnahme zeigt Kaffeine unterhalb der Channel-Liste eine grüne LED an.

Filme im Netz

Kaffeine kann digitales Fernsehen und Videos auch über das Netzwerk senden. Das ist praktisch, wenn Sie einen lauten, starken Rechner mit DVD-Laufwerk und DVB-Empfang besitzen und auf einem leisen Notebook die Filme anschauen möchten. Oder wenn Sie im Wohnzimmer die Fußball-WM anschauen möchten und Ihre Frau oder die Kinder in einem anderen Zimmer einen Spielfilm. Kaffeine kann maximal vier zusammen gehörende Sender auf einmal senden.

Um eine Übertragung zu starten, müssen Sie eventuell zunächst die IP-Adresse anpassen. Wählen Sie dazu DVB / DVB konfigurieren und wechseln Sie zum Punkt Netzwerkübertragung. Hier geben Sie Ihre eigene IP-Adresse ein, aber mit 255 anstelle der letzten Ziffer, wie Kaffeine dies vorschlägt. Klicken Sie dann auf DVB / Übertragung und wählen Sie die Kanäle aus, die Sie senden möchten. Der erste Kanal beschränkt die Auswahl auf die restlichen drei Sender, die auf dem gleichen Transponder liegen. Ein Klick auf OK startet die Übertragung.

Auf dem Client wählen Sie Einstellungen / Kaffeine einrichten / DVB-Client und markieren die Checkbox DVB-Client aktivieren. Die Adresse müssen Sie Ihrem Netzwerk entsprechend anpassen. Lautet die IP-Adresse Ihres Rechners 192.168.1.2, geben Sie 192.168.1.255 ein. Nach einem Klick auf OK zeigt Kaffeine im Startfenster für den DVB-Client einen neuen Button und am linken Fensterrand einen neuen Reiter an. Hier sieht der Client nun die freigegebenen Sender.

Bei Problemen müssen Sie eventuell noch auf beiden Rechnern die Firewall ausschalten. Unter Suse Linux geben Sie dazu als root in einem Terminal-Fenster den Befehl

rcSuSEfirewall2 stop

ein. Bei Mandriva Linux lautet der entsprechende Befehl /etc/init.d/iptables stop. Ubuntu benutzt keine Firewall; hier sollte es keine Probleme geben.

Neben DVB kann Kaffeine auch DVDs oder andere Videos übers Netz senden. Wählen Sie dazu aus dem Datei-Menü den Eintrag Netzwerkübertragung / Übertragungsstrom senden beziehungsweise Netzwerkübertragung / Übertragungsstrom empfangen.

Beenden

Eine Besonderheit von Kaffeine sind die verschiedenen Möglichkeiten, das Programm zu beenden. Im Gegensatz zu früheren Versionen beendet sich der Player jetzt wirklich, wenn Sie in der rechten oberen Fensterecke den Schließen-Button betätigen. Die störende Nachfrage "Wollen Sie wirklich...?" erscheint nicht mehr. Empfanden Sie diese Funktion nicht als störend, sondern hilfreich, wählen Sie Einstellungen Kaffeine einrichten / Erscheinungsbild und kreuzen die Option In Kontrollleiste einbetten an. Weitere Möglichkeiten, das Programm zu beenden, finden Sie unter Datei / Abschaltoptionen. (mhi)

Infos
[1] MPlayer-Codecs: http://www2.mplayerhq.hu/MPlayer/releases/codecs/

Software zum Artikel auf CD: Kaffeine, Xine

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