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Erschienen in EasyLinux 06/2006

Schriften-Tuning unter KDE

Schriftkundig

Sebastian Holler


Nicht jeder ist mit dem Schriftbild unter Linux glücklich -- manch neidvolle Blicke zu Mac- und Windows-Nutzern sind die Folge. Doch auch auf dem KDE-Desktop sind gut lesbare Schriften kein Hexenwerk.

Noch vor wenigen Jahren waren Schriften unter Linux ein Sorgenkind: Pixelige und verwaschene Menüschriften bereiteten Windows-Umsteigern nicht nur Verdruss, sondern auch Kopfschmerzen und die Frage, wie man etwas daran ändern könne, war ein Dauerbrenner in Linux-Foren und -Newsgroups. Obwohl Linux in diesem Bereich inzwischen Fortschritte gemnacht hat, gibt es immer noch Verbesserungsbedarf. Gegenüber Windows sehen die Standard-Schriften vergleichsweise blass, verschwommen oder sogar fransig aus. Das fällt besonders bei der Darstellung von Web-Seiten auf, die oft für die unter Windows typischen Fonts Arial oder Times New Roman optimiert sind.

Die Gründe dafür sind zum Teil rechtlicher Natur: Lizenzen bzw. Patente hindern die Distributoren an der Bereitstellung hochwertiger Schriftarten. Selbst die nötigen mathematischen Algorithmen zur Darstellung einer Schrift sind nicht ganz frei von Patenten, beispielsweise das so genannte Hinting, das die Leserlichkeit sehr kleiner Schriften deutlich erhöht [1]. Dennoch ist es möglich, die Schriftdarstellung unter Linux mit einfachen und legalen Methoden zu verbessern.

Schaltzentrale

Das Menü zur Schriftkonfiguration finden Sie im KDE-Kontrollzentrum, das Sie über Eingabe von kcontrol in ein Schnellstartfenster aufrufen. Unter Erscheinungsbild / Schriften gibt es acht Einträge, welche die Schriften für den Desktop und Programmfenster bestimmen. In Abbildung 1 sehen Sie, auf welche Kategorie sich ein Element bezieht.

Abb. 1: Dieses Bild zeigt, an welcher Stelle sich eine Änderung der Schriftart auf dem Desktop auswirkt.

Per Klick auf eine der Auswählen-Schaltflächen öffnet sich ein Auswahldialog, in dem Sie sich für eine Schriftart und -größe und den Schriftstil entscheiden. Im Vorschaubereich am unteren Fensterrand sehen Sie, wie die Schrift aussieht. Auch wenn Sie sich nicht für Falsches Üben von Xylophonmusik interessieren, sollten Sie dennoch einen genaueren Blick auf den Beispielsatz werfen und überprüfen, ob die deutschen Umlaute (ä, ö, ü) korrekt dargestellt werden. Viele für die englische Sprachregionen entworfene Schriften bringen diese Zeichen gar nicht mit, so dass sich die Fonts nur bedingt als Desktop-Schriftart eignen.

Abb. 2: Nicht jede Schriftart enthält landesspezifische Sonderzeichen.

Hochwertige Schriften

Besonders wichtig ist, dass Sie die eingestellte Schrift gut lesen können, da Sie so weniger schnell bei der Arbeit am Rechner ermüden. Nicht alle eignen sich für die Bildschirmdarstellung so gut wie für den Ausdruck. Microsoft liefert Windows beispielsweise mit den Schriften Tahoma und Verdana aus, die auf dem Monitor besonders gut lesbar sind. Finden Sie bei den vorinstallierten Fonts keinen, der Ihnen zusagt, statten Sie KDE einfach mit zusätzlichen Schriften aus.

Hochwertige TrueType-Fonts für den alltäglichen Schriftverkehr und die Bildschirmdarstellung sind, anders als die zahlreichen im Internet erhältlichen Schmuckschriften (z. B. unter [2]), meistens nicht kostenlos erhältlich. Eine Ausnahme bildet das "Linux Libertine Open Fonts Project" [3], dass es sich zum Ziel gesetzt hat, freie Alternativen zu den sehr verbreiteten Schriftarten Times New Roman und Arial zu schaffen. Auch der freigegebene Font Gentium [4] verfolgt dieses Ziel, allerdings befinden sich beide Projekte noch im Aufbau.

Glücklicherweise können Sie auch die Windows-Schriften unter Linux nutzen. Bei einem Rechner, auf dem beide Betriebssysteme installiert sind, bedienen Sie sich einfach im Ordner windows\Fonts auf Ihrer Windows-Systempartition. Suse Linux bindet die Partition in einen Unterordner des Verzeichnisses /media, Mandriva Linux in einen unterhalb /mnt ein.

Die meisten Fonts mit der Dateiendung .ttf bestehen aus vier Dateien für die Schriftstile Normal, Fett (Bold), Kursiv (Italic) und Fett-Kursiv (Bold Italic ) (Abbildung 3). Die Schriftarten Verdana, Tahoma und Courier New eignen sich besonders gut als Bildschirmschriftarten, für den Einsatz in Textverarbeitungsprogrammen greifen Sie beispielsweise zu Times New Roman, Arial und Symbol.

Bis vor einigen Jahren hat Microsoft diese Fonts kostenlos im Internet zum Download angeboten. Aber auch seitdem das nicht mehr der Fall ist, duldet die Firma das Verwenden dieser Schriften unter anderen Betriebssystemen. Es spricht also nichts dagegen, sich die Schriften notfalls von einem Bekannten kopieren zu lassen. Nur die Schriftart Tahoma ist an den Internet Explorer gebunden und setzt demnach, rein rechtlich, eine lizenzierte Windows-Installation auf Ihrem Rechner voraus.

Abb. 3: Im Unterverzeichnis "windows/fonts" der Windows-Partition liegen die installierten Schriften.

Haben Sie sich für einige Schriften entschieden, gelingt es unter KDE sehr leicht, sie einzuspielen. Starten Sie dazu den Konqueror, wechseln Sie in das Verzeichnis mit den Schriften, halten Sie [Strg] gedrückt und markieren Sie die gewünschten. Kopieren Sie die Dateien mit [Strg-C] und geben Sie in die Konqueror-Adressleiste fonts:/ ein und wechseln Sie dort in den Ordner Persönlich. Durch [Strg+V] fügen Sie die Schriften ein und Sie können diese ab sofort in allen KDE- und Gnome-Programmen verwenden.

Groß und klein

Auch die Schriftgröße hat einen Einfluss darauf, ob Sie ermüdungsfrei am Rechner arbeiten können. Die geeigneten Einstellungen hängen in erster Linie von der Größe Ihres Monitors und der Bildschirmauflösung ab. Hier geht Probieren über Studieren. Im Allgemeinen empfiehlt es sich, den einzelnen Kategorien Schriftgrößen zwischen 8 und 12 zuzuordnen, wenngleich sich bei Fenstertitel und Feste Breite auch eine etwas größere Schriftart eignet. Mit einem Klick auf Alle Schriftarten anpassen weisen Sie allen Desktop-Elementen dieselben Einstellungen zu.

Geglättet

Moderne Technologien zur digitalen Darstellung von Schriften, wie etwa TrueType, verwenden als Vorlage eine mathematische Beschreibung des Schriftbildes in Form von Linien und Kurven. Das hat den Vorteil, dass man die Fonts in mehreren Größen anzeigen kann, ohne dass sich das Schriftbild verschlechtert; sie sind skalierbar. Außerdem ist es möglich, die Randbereiche und Kurven der einzelnen Buchstaben glatter erscheinen zu lassen. Die Technik heißt Anti-Aliasing und führt dazu, dass der Treppeneffekt an den Buchstabenrändern abgemildert wird. Auf Deutsch liest man statt Anti-Aliasing oft den Begriff Kantenglättung.

Aktivieren Sie diese Funktion im KDE-Kontrollzentrum finden Sie unter Einrichten weitere Optionen. Gerade bei sehr kleinen Schriften verschlechtert Anti-Aliasing die Lesbarkeit. Deshalb bietet KDE die Möglichkeit, einen Größenbereich festlegen, in dem Anti-Aliasing deaktiviert ist. Eine geeignete Einstellung ist ein Intervall zwischen 5,0 und 7,0 Punkten.

Um das auch in diesem Menü angebotene Sub-Pixel-Hinting anzuwenden, ist ein wenig Hintergrundwissen erforderlich. Was es mit dem Begriff eigentlich auf sich hat, erfahren Sie im Kasten Anti-Aliasing und Sub-Pixel-Hinting.

Nacharbeit

Einstellungen, die Sie im Kontrollzentrum vornehmen, gelten unter Suse Linux und Kubuntu nur für KDE-Programme. Mandriva Linux überträgt diese auch auf Gtk-Anwendungen, so dass Benutzer dieser Distribution hier im Vorteil sind. Gtk-Programme unterscheiden sich von KDE-Anwendungen durch die Grafikbibliothek, mit der Sie programmiert wurden. Diese bestimmt, wie Schaltflächen, Scrollbalken und andere Fensterelemente aussehen. Auch die Schriftoptionen unterscheiden sich.

Besonders schnell weisen Sie Gtk-Programmen mit dem Kontrollzentrum des Gnome-Desktops [5] Ihre Wunschschriften zu. Unter Suse Linux 9.3 versteckt es sich im Paket control-center2, Nutzer von Version 10.0 installieren die gnome-utils. Bei Kubuntu heißt das richtige Paket gnome-control-center.

Nach dem Einspielen starten Sie das Konfigurationsprogramm auch unter KDE mit dem Befehl gnome-control-center über ein Schnellstartfenster. Klicken Sie im folgenden Dialog auf Schrift bzw. Fonts. Die einzige Option, die Sie anpassen müssen, damit auch Gtk-Programme im Menü die gewünschte Schrift anzeigen, finden Sie im Abschnitt Schrift in Anwendungen bzw. Application font (Abbildung 5). Wählen Sie dort dieselben Schriften aus, die Sie im Bereich Menü der KDE-Font-Einstellungen eingetragen haben. Auch die Optionen zur Kantenglättung sollten mit denen im KDE-Kontrollzentrum übereinstimmen.

Abb. 5: In diesem Dialog wählen Sie die Schriftarten für Gnome-Programme aus.

Jetzt benötigt nur noch OpenOffice ein wenig Nachhilfe im Fach Schriftdarstellung: Starten Sie dazu eine beliebige Anwendung des Office-Paketes, etwa die Textverarbeitung, und wählen Sie im Menü Extras / Optionen / Ansicht. Aktivieren Sie die Option Systemschriftart für die Benutzeroberfläche verwenden, damit die Programme die im KDE-Kontrollzentrum eingestellte Menüschriftart verwenden. Für die Zeichen in Ihren Dokumenten schalten Sie über Bildschirmschriften glätten das Anti-Aliasing ein. Auch hier empfiehlt es sich, das Feature bei kleinen Schriftgrößen zu deaktivieren.

Mit den hier vorgestellten Konfigurationsschritten erhalten Sie auch unter Linux ein gut lesbares Schriftbild, das sich nicht hinter einem Windows-Desktop verstecken muss (Abbildung 6). (amü)

Abb. 6: Eine Beispielkonfiguration für gut lesbare Bildschirmschriften unter Linux.
Anti-Aliasing und Sub-Pixel-Hinting

Da der Bildschirm nur eine begrenzten Anzahl von Bildpunkten darstellt, sehen Sie bei Kurven und Schrägen, die in Buchstaben häufig vorkommen, bei genauerem Hinsehen den so genannte Treppeneffekt (Abbildung 7). Um diesen etwas abzumildern, verwendet der Computer bei der Darstellung eines schwarzen Buchstabens im Randbereich auch Grautöne, um den Übergang zwischen Buchstabe und Hintergrund zu glätten. Diesen Vorgang nennt man Anti-Aliasing.

Abb. 7: Ein Buchstabe einmal ohne (links) und mit Anti-Aliasing (rechts).

Eine zusätzliche Verbesserung bei der Schrift-Anzeige erreichen Sie über das Sub-Pixel-Hinting. Jeder Bildpunkt (Pixel) des Monitors besteht aus drei Sub-Pixeln, die jeweils eine der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau repräsentieren. Die Sub-Pixel sind nicht hintereinander, sondern nebeneinander angeordnet, jedoch so dicht, dass das menschliche Auge sie als einen Mischfarbton wahrnimmt. Zeichenen Sie beispielsweise in Gimp einen roten Kreis, leuchtet in diesem Bereich nur der rote Sub-Pixel. Durch die Farbwahl kann man indirekt das Leuchten der Sub-Pixel beeinflussen. Durch diesen Trick der separaten Ansteuerung gelingt es, die Bildschirmauflösung im Randbereich der Buchstaben scheinbar zu verdreifachen, um einen zusätzlichen Glättungseffekt zu erzielen. Diese Möglichkeit bewirkt besonders auf LCD-Bildschirmen eine bessere Anzeige von Schriften.

Um das Sub-Pixel-Hinting unter KDE zu nutzen, müssen Sie die Anordnung der Sub-Pixel Ihres Monitors herausfinden.

  1. Am leichtesten gelingt das mit einem weißen Desktop-Hintergrund. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle des Desktops und öffnen Sie den Dialog zum Einrichten der Arbeitsoberfläche. Markieren Sie die Optionen Durchgehende Farbe und Kein Bild.
  1. Öffnen Sie mit einem Klick auf Farben den Auswahldialog und geben Sie #FFFFFF in das Feld HTML ein. Mit einem Klick auf Anwenden färbt sich der Bildschirmhintergrund weiß.
  1. Schauen Sie sich nun durch eine Lupe die erste Pixel-Spalte am linken Rand Ihres Monitors genau an. Sie sollten ein Muster, ähnlich dem in Abbildung 8 erkennen.
    Insgesamt gibt es vier Möglichkeit für die Anordnung der Sub-Pixel. Sehr verbreitet ist die vertikale Reihenfolge Rot, Grün und Blau (RGB). Haben Sie das Schema Ihres Monitors herausgefunden, wählen Sie im KDE-Kontrollzentrum die richtige Variante aus. Bei der Option Hinting-Stil ist wieder Probieren angesagt, wobei Vollständig in den meisten Fällen das beste Resultat liefert.

Abb. 8: Mit einer Lupe machen Sie die Sub-Pixel-Anordnung Ihres Monitors sichtbar und wählen anschließend die richtige Reihenfolge aus.

Infos
[1] Informationen zu Patenten bzgl. des TrueType-Hinting (englisch): http://www.freetype.org/patents.html
[2] Archiv für kostenlose Schmuckschriften: http://www.fontshack.com
[3] Linux Libertine Open Fonts Project: http://linuxlibertine.sourceforge.net/
[4] freier Font "Gentium": http://scripts.sil.org/cms/scripts/page.php?site_id=nrsi&item_id=Gentium_linux&_sc=1
[5] Gnome-Artikel: Carsten Schnober, "Der Schreibtisch der Gnome", EasyLinux 05/2006, S. 26 ff., http://www.easylinux.de/2006/05/026-gnome-desktop/ -- auf der Jahres-CD

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