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Erschienen in EasyLinux 06/2006

Vektorgrafik mit Inkscape

Licht und Schatten

Peter Kreußel


In Inkscape erstellte Bilder müssen nicht wie technische Zeichnungen wirken -- die richtigen Effekte sorgen für einen lebendigen Gesamteindruck.

In Teil 1 und 2 dieses Tutorials haben Sie die "harten Fakten" kennengelernt: Aus Grundformen und mit Hilfe von Bézierkurven entstanden ein Schachbrett und die Figuren. Mit dem dabei erworbenen Wissen können Sie beliebige Formen zeichnen. Sie wissen außerdem bereits, wie Sie in Inkscape Farbverläufe erstellen. Doch auch wenn die Farbverläufe die Figuren bereits beleben -- insgesamt wirkt die Zeichnung noch etwas "nüchtern". Dieser letzte Teil des Tutorials befasst sich mit der Ausgestaltung: Sie lernen, wie Sie die Zeichnung mit Schlagschatten und Linsenreflexen interessanter gestalten. Außerdem erfahren Sie, wie Sie Schriftzüge ansprechend gestalten (Abbildung 1).

Abb. 1: Aus nüchtern mach interessant: Dieser Teil des Workshops fügt Brett und Figuren aus den vorausgehenden Teilen das gewisse Etwas hinzu.

Die beiden ersten Teile des Tutorials finden Sie als HTML-Dateien auf der Heft-CD, ebenso eine Inkscape-Datei mit dem fertigen Schachbrett. Sie können sie als Ausgangsbasis für die Verschönerungen in diesem Artikel verwenden, wenn Sie das Schachbrett noch nicht selbst gezeichnet haben. Dieser Teil des Tutorials setzt allerdings voraus, dass Sie mit den Inkscape-Funktionen aus Teil 1 und 2 vertraut sind.

Da die einzelnen Bestandteile des Schachbretts nicht mehr verändert werden sollen, ist es sinnvoll, sie zu einer Gruppe zu verbinden, so dass sich die Einzelteile nicht mehr gegeneinander verschieben können. Aktivieren Sie das Auswahlwerkzeug. [Strg-A] aktiviert alle Bestandteile der Zeichnung, [Strg-G] gruppiert die markierten Elemente. Sie lassen sich nun nur noch zusammenhängend verschieben. Auch Farbeinstellungen und beliebige andere Operationen wirken sich von nun an auf die gesamte Gruppe aus.

Hintergründig

Ein plakettenartiger Hintergrund hebt die Wirkung des Schachbretts hervor. Zeichnen Sie dazu mit dem Kreiswerkzeug die hellbraune Ellipse aus Abbildung 2. So erstellen Sie die Plakette:

  1. Aktivieren Sie das Auswahlwerkzeug. Mit der Leertaste geht dies schneller als über einen Klick auf die Symbolleiste.
  1. Das Oval ist nun aktiv, mit [Strg-F] öffnen Sie das Dialogfeld Füllung und Kontur. Wählen Sie den Reiter Füllung und stellen Sie sicher, dass unterhalb der Reiter das zweite Symbol von links (einfache Farbe) aktiv ist.
  1. Unter Einfache Farbe aktivieren Sie nun den Reiter HLS. Stellen Sie die Werte 18, 77, und 182 für H, S und L ein. In das Feld A (Alpha/Deckkraft) geben Sie den Maximalwert 255 ein.
  1. Der Schlagschatten entsteht aus einem Duplikat des Ovals, das Sie mit [Strg-D] erstellen. Ändern Sie dessen Einstellungen fürH, S und L in 19, 29, und 96.
  1. Ein Druck auf [Ende] verschiebt den Schatten hinter die eigentliche Plakette. Mit [Pfeil links] und [Pfeil runter] verschieben Sie ihn, wie in Abbildung 2 zu sehen.

Abb. 2: Vor einem repräsentativen Hintergrund kommt das Schachbrett besser zur Geltung als auf der leeren Seite.

Die heller gefärbte Spirale müssen Sie nicht in Handarbeit zeichnen: Das Werkzeug Spiralen erstellen aus der Symbolleiste am linken Fensterrand nimmt Ihnen den größten Teil der Arbeit ab:

1. Damit die Spirale wie in der Abbildung 2 ausfällt, klicken Sie sicherheitshalber auf den Button Vorgaben oberhalb der Zeichenfläche. Sollten Sie die Werte für das Werzeug Spiralen erstellen verändert haben, gelten nun wieder die Programmvorgaben.

2. Ziehen Sie dann mit gedrückter linker Maustaste eine Spirale auf, deren Durchmesser in etwa der Höhe der Plakette entspricht.

3. Aktivieren Sie das Auswahlwerkzeug mit der Leertaste und verschieben Sie die Spirale über das Oval. Nutzen Sie nun die Griffpfeile in der Mitte der vier Seiten des gestrichelten Rechtecks, um die ausgewählte Spirale in die ovale Plakette einzupassen.

4. Wählen Sie in der Symbolleiste am linken Fensterrand das Pipettenwerkzeug. Mit einem Klick auf ein helles Schachfeld übernehmen Sie dessen Farbe für die Füllung der Spirale. Wenn Sie nun noch den Wert A (Alpha=Deckkraft) auf 155 herabsetzen, scheint die dunklere Farbe des Hintergrunds durch. Die Spirale wirkt dann etwas dunkler als die hellen Schachfelder, so dass sie sich von den hellen Schachfeldern abhebt.

5. Stellen Sie nun einen grauen Umriss mit der Breite 0,3 Pixel ein. Wählen Sie dazu alle drei Elemente der Plakette aus, indem Sie mit dem Auswahlwerkzeug einen Rahmen um diese ziehen. [Strg-G] gruppiert die Einzelteile.

6. Verschieben Sie neuerstellte Gruppe nun über das Schachbrett. [Strg-Ende] sorgt dafür, dass das Brett wieder im Vordergrund sichtbar wird.

Der Schatten des Schachbretts entsteht wie der der Plakette aus einem Duplikat: Klicken Sie mit dem Auswahlwerkzeug auf die Gruppe aus Brett und Figuren und vervielfältigen Sie diese mit [Strg-D]. [Strg-Ende] würde den Schatten ganz in den Hintergrund hinter die Plakette verschieben. Benutzen Sie daher [Strg-Bild runter] um ihn nur eine Ebene nach hinten zu verlegen.

Im Dialogfeld Füllung und Kontur stellen Sie nun eine graue, transparente Färbung ein: Setzen Sie die Werte für H, S, L und A auf 30, 170, 15 und 155, um eine Wirkung wie in Abbildung 1 zu erzielen.

Schrifteffekte

Das Schachproblem aus diesem Tutorial (Matt in zwei Zügen) stammt von Friedrich Metzenauer aus dem Jahr 1931. Um dem Erfinder die verdiente Ehre zu erweisen, vor allem aber, um den Umgang mit Schrift in Inkscape zu erlernen, wenden Sie sich nun dem Schriftzug im unteren Teil der Plakette zu. So erstellen Sie den Schriftzug:

1. Aktivieren Sie das Werkzeug Textobjekte bearbeiten und erstellen aus der Symbolleiste am linken Fensterrand. Stellen Sie eine Schrift ein, die Ihnen gefällt. (Das Tutorial verwendet die unter Suse Linux verfügbare Schriftart Andy MT.) Als Stil wählen Sie Bold, für die Größe ist je nach Schriftart 60 ein angemessener Wert. Unter Ausrichtung klicken Sie auf den mittleren Button in der oberen Zeile (zentriert). Mit Anwenden übernehmen Sie die Einstellungen.

2. Klicken Sie mit dem Textwerkzeug auf eine freie Stelle unterhalb der Plakette und geben Sie den Text ein.

3. Für einen bogenförmigen Textverlauf zeichnen Sie zunächst eine gerade Linie in der Länge des Schriftzuges: Wählen Sie das Werkzeug Kurven und gerade Linien zeichnen, klicken Sie unterhalb des Beginns des Schriftzuges, drücken Sie [Strg] und klicken Sie am rechten Ende des Schriftzugs erneut. [Eingabe] schließt die Linie ab.

4. Um die Biegung zu erstellen, aktivieren Sie das Werkzeug Bearbeiten der Knoten oder Anfasser eines Pfades. Ziehen Sie damit einen Rahmen um die gesamte Linie. Der dritte Button von rechts oberhalb der Zeichenfläche (Die gewählten Abschnitte in Kurven umwandeln) fügt der geraden Linie Kontrolltangenten hinzu. Ziehen Sie die beiden Endpunkte der Kontrolltangenten ein wenig nach unten, bis eine Krümmung entsteht, die dem Verlauf des Texts in Abbildung 3 entspricht.

5. Markieren Sie nun den Schriftzug und die Linie ([Strg] gedrückt halten). Wählen Sie aus dem Menü Text / Text an Pfad ausrichten.

6. Nun müssen Sie nur noch die Linie zum Verschwinden bringen: Aktivieren Sie zunächst das Auswahlwerkzeug. Klicken Sie dann auf eine freie Stelle in der Zeichenfläche, um die bisherige Auswahl zu löschen. Ein Klick auf die Linie aktiviert danach ausschließlich diese. Im Dialog Füllung und Kontur wählen Sie den Reiter Farbe der Konturline und klicken auf den Button X.

7. Wählen Sie dann die Schrift aus und stellen Sie eine braune Farbe ein.

Abb. 3: Mehr als nur Textverarbeitung: Mit Inkscape gestalten Sie auch Text grafisch ansprechend.

Als Nächstes soll die Schrift einen hellen Umriss erhalten. Duplizieren Sie dazu den Schriftzug. Wählen Sie dann Ausweiten aus dem Menü Pfad. Stellen Sie für das ausgeweitete Duplikat eine helle Farbe ein und verschieben Sie es mit [Strg-Bild runter] nach hinten. Duplizieren Sie es erneut und wählen Sie eine dunkle, fast schwarze Färbung. Verschieben Sie das Duplikat erneut nach hinten. Damit es wie ein Schatten wirkt, verschieben Sie es noch mit den Pfeiltasten leicht nach rechts unten.

Blendwirkung

Gegenlicht führt auf der Kameralinse machmal zu sichtbaren Reflexen. Auch wenn dies eigentlich ein Fehler der Kameraoptik ist, wirken Gegenlichtaufnahmen mit Lichtreflexionen besonders stimmungsvoll und authentisch. Das Vektorgrafikprogramm Adobe Illustrator bringt daher ein Werkzeug mit, das Linsenreflexe erzeugt.

Sieht man sich die mit diesem Werkzeug erstellten Reflexe an, so stellt man fest, dass das Werkzeug zwar die Arbeit erleichtert -- um Hexerei handelt es sich dabei aber nicht. Lichtreflexe von vergleichbarer Qualität erstellen Sie auch per Hand mit den Zeichenwerkzeugen in Inkscape. Sie bestehen aus sternförmigen Strahlen und einem Kreis, der mit einem Farbverlauf mit mehreren Farbübergängen ausgefüllt ist. Die Strahlen zeichnen Sie mit dem Werkzeug Sterne und Polygone erstellen. Abbildung 4 zeigt die Einzelteile, aus denen sich ein Lichtreflex zusammensetzt.

Abb. 4: Ein Linsenreflex setzt sich aus zwei Sternen und einem Kreis mit Farbverlauf zusammen.

So erstellen Sie die Lichtrefelxe:

  1. Wählen Sie Sterne und Polygone erstellen in der linken Symbolleiste aus. Es handelt sich dabei um ein leistungsfähiges Werkzeug, das viele verschiedene Formen zeichnen kann: Über das Kontrollkästchen Polygon legen Sie fest, ob Sie Sterne oder Vielecke zeichnen. Im Feld Ecken stellen Sie die Zahl der Ecken oder Zacken ein. Das Spitzenverhältnis legt fest, wie lang die Zacken im Verhältnis zum Umfang des Sterns ausfallen. Mit Abrundung stellen Sie eine Eckenrundung ein. Über das Feld Zufallsänderung fügen Sie der Stern- oder Polygonform eine Unregelmäßigkeit hinzu, die das Ergebnis wie eine per Hand gefertigte Zeichnung wirken lässt.
  1. Für die Sterne mit schlanken Zacken, einem leichten Zufallsfaktor sowie ungerundeten Spitzen, übernehmen Sie die Werte aus Abbildung 5. Weitere Informationen zum Werkzeug Sterne und Polygone erstellen finden Sie in der Inkscape-Online-Hilfe unter Grundformen.
  1. Ziehen Sie mit gedrückter Maustaste einen Stern von der Größe des großen Lichtreflexes in Abbildung 4 auf. Als Füllung stellen Sie ein helles Gelb mit hoher Transparenz ein: 42, 255, 200 und 35 für H, S, L und A im Dialog Füllung und Kontur ergeben die richtige Färbung.
  1. Duplizieren Sie den Stern und verkleinern Sie ihn mit dem Auswahlwerkzeug. Wenn Sie ihn erneut anklicken, verändert sich die Form der Griffpfeile. Mit den gebogenen Pfeilen an einer der vier Ecken verdrehen Sie den Stern ein wenig gegenüber dem größeren. Geben Sie in das Feld A (Alpha) 75 ein, um die Transparenz etwas zu verringern.

Für den fertigen Linsenreflex fehlt nur noch der Kreis mit dem Farbverlauf. Zeichnen Sie zunächst einen Kreis in passender Größe. Im Dialog Füllung und Kontur löschen Sie die Umrisslinie, indem Sie in der Kategorie Farbe der Konturline den Button x aktivieren. Unter Füllung stellen Sie einen Radialen Farbverlauf ein. Ein Klick auf Bearbeiten öffnet den Farbverlaufs-Editor.

Abb. 5: Das Stern/Polygon-Werkzeug kann viele unterschiedliche Formen erzeugen. Stellen Sie es für die Sterne mit schlanken Spitzen, aus denen die Lichtreflexe entstehen, wie in der Abbildung gezeigt ein.

Farbenfroh

Die farbige Leiste oben im Fenster des Farbverlaufs-Editor zeigt eine Vorschau des Farbverlaufs. Darunter finden Sie eine Liste der einzelnen Farben, aus denen sich der Verlauf zusammensetzt. Zunächst enthält das Dropdown-Feld nur zwei Schritte. Für den Lichtreflex sind sieben Schritte erforderlich. Klicken Sie also fünf Mal auf den Button Zwischenfarbe einfügen.

Sie verändern die Einzelfarben, indem Sie nacheinander im Listenfeld unterhalb der Verlaufsvorschau auswählen und den Farbwert wie für Einzelfarben gewohnt im Reiter HSL einstellen. Abbildung 6 zeigt die Einzelfarben, aus denen sich der fertige Farbverlauf zusammensetzt. Die linke Seite der Farbfelder ist mit einem Karomuster hinterlegt, so dass Sie die Transparenz beurteilen können. Passen Sie die einzelnen Farben so an, dass Sie der Abbildung entsprechen.

Abb. 6: Ein Lichtreflex weist feine Farbschattierungen zwischen Rot und Gelb auf.

Markieren Sie nun alle Bestandteile der Lichtreflexionen und verbinden Sie sie zu einer Gruppe. Vervielfältigen Sie die fertigen Reflexe und verteilen Sie die Duplikate in einer geraden Linie in der Zeichnung (Abbildung 1). Für eine natürliche Wirkung variieren Sie noch die Transparenzwerte der Duplikate: Wählen Sie nacheinander die kleineren Reflexe aus und stellen Sie für die Gesamtdeckkraft Werte zwischen 1 und 0.5 ein.

Fazit

Die wichtigsten Funktionen des Zeichenprogramms Inkscape haben Sie im Verlauf des dreiteiligen Tutorials kennengelernt. Auch wie Sie ohne die zahlreichen Effektfunktionen von Programmen wie Adobe Illustrator aus schlichten Zeichnungen wirkungsvolle Grafiken machen, haben Sie erfahren. Wie so vieles ist das Weitere Übungssache. Anregungen finden Sie unter Hilfe / Einführungen im Inkscape-Menü. (pkr)

Teil 1 auf der Jahres-CD

Teil 2 auf der Jahres-CD

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