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Erschienen in EasyLinux 06/2006

Diagramme in OpenOffice

Anschauliche Zahlen

Thomas Hümmler


Komplexe Zusammenhänge darzustellen, gelingt am besten mit einem Diagramm. OpenOffice bringt für diesen Zweck das Modul Chart mit, das Zahlenmaterial in Präsentationen, Textdokumenten und Tabellen grafisch darstellt.

Diagramme machen Zahlen anschaulicher: Manches ist mit einer Tortengrafik oder einem Säulendiagramm schneller gezeigt und bleibt länger im Gedächtnis als lange Zahlenkolonnen. Daten in OpenOffice grafisch darzustellen, geht mit Chart flott von der Hand -- ärgerlich ist nur, dass sich das Einfügen von Diagrammen in den verschiedenen OpenOffice-Programmen unterscheidet. Dieser Workshop zeigt die Unterschiede und erklärt, wie Sie mit Chart beeindruckende Ergebnisse erzielen.

Diagramme in Writer

In der Textverarbeitung fügen Sie ein Diagramm über Einfügen / Objekt / Diagramm ein. Daraufhin öffnet sich der Autoformat-Assistent, in dem Sie in vier Schritten den Bereich und das Layout des Diagramms festlegen.

Zunächst wählen Sie einen Bereich, was allerdings nur gelingt, wenn das Dokument Tabellen enthält. Markieren Sie dann mit der Maus die Zellen, deren Inhalt das Diagramm anzeigen soll, so dass der Tabellenbereich im Autoformat-Assistenten erscheint. Möchten Sie die gesamte Tabelle als Diagramm darstellen, gelangen Sie noch schneller zum Ziel, indem Sie vor dem Start des Assistenten den Cursor in die Tabelle setzen: In diesem Fall schlägt der Assistent automatisch die Tabelle als Bereich vor.

Je nach Art der Tabelle müssen Sie eine oder beide der Optionen Erste Zeile als Beschriftung und Erste Spalte als Beschriftung abschalten, um weder die oberste Zeile noch die linke Spalte der Tabelle als Beschriftung zu verwenden (Abbildung 1).

Abb. 1: Wenn in der ersten Spalte einer Tabelle Zahlenwerte stehen, deaktivieren Sie die Option "Erste Spalte als Beschriftung".

Abb. 2: Sie haben die Wahl zwischen acht 2D- und fünf 3D-Diagrammen; die Datenreihen ordnen Sie in Zeilen oder Spalten an.

Mit einem Klick auf Weiter gelangen Sie zum zweiten Schritt im Assistenten. Hier wählen Sie die gewünschte Diagrammart. Es gibt acht zweidimensionale (Linien-, Flächen-, Säulen-, Balken-, Kreis-, XY-, Netz- und Kursdiagramm) und fünf dreidimensionale Typen (Linien-, Flächen-, Balken-, Säulen- und Kreisdiagramm). Außerdem können Sie hier festlegen, ob das Chart-Modul die Datenreihen in Zeilen oder Spalten anordnet (Abbildung 2). Möchten Sie bereits jetzt eine Vorschau sehen, setzen Sie ein Häkchen vor Textobjekte in Vorschau darstellen.

Im dritten Schritt entscheiden Sie sich für eine Variante des zuvor ausgesuchten Diagramms. Insgesamt bietet Chart für die 13 Diagrammtypen 79 Varianten zur Auswahl an -- es sollte also für jede Art von Zahlenmaterial etwas Passendes dabei sein. Zusätzlich schalten Sie hier die Gitternetzlinien der Diagrammachsen ein (Abbildung 3). Die Option Z-Achse ist nur aktiv, wenn Sie im zweiten Schritt ein 3D-Diagramm gewählt haben.

Abb. 3: Je nachdem, für welchen Diagrammtyp Sie sich im zweiten Schritt entschieden haben, können Sie aus bis zu 16 Varianten wählen.

Abb. 4: Im letzten Schritt des Diagramm-Assistenten tragen Sie den Titel und die Achsenbeschriftungen ein.

Spätestens in Schritt vier sollten Sie die Option Textobjekte in Vorschau darstellen einschalten, da Sie dort die Beschriftung des Diagramms festlegen. Wählen Sie, ob Diagrammtitel, Legende und Achsenbeschriftungen im Diagramm stehen sollen, und geben Sie den gewünschten Text ein (Abbildung 4). Anschließend klicken Sie auf Fertig stellen, um das Diagramm in das Writer-Dokument einzufügen.

Nach dem Durchlaufen des Assistenten ist das Diagramm markiert, so dass Sie es direkt an die gewünschte Stelle verschieben können. Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt die Werte in der Tabelle ändern, ist es nicht nötig, den Assistenten erneut zu starten: Platzieren Sie den Cursor in der Tabelle und drücken Sie [F9], um die geänderten Werte in das Diagramm zu übernehmen.

Diagramme in Tabellen

In Calc starten Sie mit Einfügen / Diagramm den Autoformat-Assistenten. Auch hier bietet es sich an, zuvor die Daten für das Diagramm zu markieren oder den Cursor in eine Tabelle zu setzen, die Sie grafisch darstellen wollen. Haben sie weder das eine noch das andere getan, legen Sie den Bereich nachträglich im Assistenten fest. Das geht in Calc noch einfacher als in Writer: Sobald Sie mit der Maus die Tabellenzellen markieren, deren Zahlen im Diagramm berücksichtigt werden sollen, verkleinert sich der Assistent und zeigt nur noch das Feld Bereich an.

Eine weitere Möglichkeit, ein Diagramm in ein Tabellendokument einzufügen, bietet das achte Symbol von rechts in der Werkzeugleiste. Bei einem Klick darauf verwandelt sich der Mauszeiger in ein Fadenkreuz mit Diagramm, und Sie können mit gedrückt gehaltener linker Maustaste ein Diagramm aufziehen. Wenn Sie die linke Maustaste loslassen, öffnet sich der Autoformat-Assistent, in dem Sie die erforderlichen Angaben machen.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied zum Assistenten in Writer: Im ersten Schritt entscheiden Sie, wo Chart das Diagramm platziert -- entweder auf einem der vorhandenen oder auf einem neuen Tabellenblatt. Von dieser Besonderheit abgesehen, durchlaufen Sie im Calc-Assistenten dieselben Shritte wie in dem der Textverarbeitung.

Diagramme für Impress und Draw

Am schnellsten peppen Sie Präsentationen und Zeichnungen mit Diagrammen auf: Wenn Sie in Impress oder Draw Einfügen / Diagramm wählen, fügt das Programm automatisch ein zweidimensionales Säulendiagramm im Bearbeitungsmodus ein. Den Diagrammtyp und die Werte tragen Sie erst dort ein. Um letztere einzugeben, öffnen Sie über den Menüpunkt Bearbeiten / Diagrammdaten eine Tabelle mit Beispielzahlen. Mit Hilfe der Schaltflächen fügen Sie neue Zeilen oder Spalten hinzu bzw. löschen und sortieren diese. Ein Klick auf das rechte Symbol fügt die geänderten Daten in das Diagramm ein.

Zwar gibt es sowohl in Impress als auch in Draw die Möglichkeit, über Einfügen / Tabelle eine Tabelle zu erstellen, doch damit erhalten Sie nur ein Gestaltungsobjekt, aus dem sich kein Diagramm erzeugen lässt.

Diagramm bearbeiten

Stellen Sie irgendwann fest, dass Sie Teile eines einmal erstellten Diagramms ändern wollen, ist auch das kein Problem: Das erledigen Sie im Bearbeitungsmodus von Chart. Sie erreichen ihn entweder über einen Doppelklick auf das Diagramm oder über Bearbeiten / Objekt / Bearbeiten im Menü. Daraufhin erscheint das Diagramm grau umrandet, und Sie erhalten eine veränderte Menü- und Symbolleiste.

Datenreihen müssen Sie zunächst markieren, um sie anschließend über Format / Objekteigenschaften zu bearbeiten. Alle anderen Elemente wie Titel, Diagrammachsen, -fläche und -wand passen Sie direkt über das Format-Menü an. Dort wählen Sie einfach das Element aus, das Sie ändern wollen.

Titel ändern

Ein Diagramm kann mehrere Titel haben: Haupt- und Untertitel sowie die Achsentitel. Für jeden Titel passen Sie über Format / Titel Eigenschaften wie Linienstil, Füllung, Transparenz, Schrift und Ausrichtung an. Über Format / Titel / Alle Titel legen Sie diese Eigenschaften gleich für alle Titel fest (Abbildung 5). Das ist vorteilhaft, da Sie so zum Beispiel erst eine gemeinsame Schriftart und Ausrichtung wählen und anschließend in den Einzeleinstellungen nur noch die Größe ändern müssen.

Abb. 5: Über "Format / Titel / Alle Titel" legen Sie eine gemeinsame Schrift für Haupt- und Untertitel und die Achsenbeschriftungen fest.

Möchten Sie einen Titeltext ändern oder ausschalten, erledigen Sie das im Titel-Dialog des Einfügen-Menüs.

Legende bearbeiten

Die Legende eines Diagramms zeigt dem Betrachter, welche Datenreihen welche Werte repräsentieren. In der Voreinstellung steht die Legende rechts neben dem Diagramm. Über Format / Legende im Register Anordnung platzieren Sie diese aber auch links, ober- oder unterhalb des Diagramms. Möchten Sie die Legende frei positionieren, erreichen Sie das, indem Sie diese mit gedrückter linker Maustaste verschieben. Dabei gilt es aufzupassen: Wenn Sie die Legende über ein anderes Objekt des Diagramms geschoben haben, können Sie diese mit der Maus nicht mehr greifen. In dem Fall verschieben Sie die Legende erst über das Formatmenü neben das Diagramm, um sie wieder mit der Maus positionieren zu können.

Diagrammachsen bearbeiten

Wie die Titel können Sie auch alle Aspekte der Diagrammachsen ändern: Mit Format / Achse / Alle Achsen im Menü passen Sie die gemeinsamen Eigenschaften Linienstil, Schrift und Ausrichtung für die X-, Y- und Z-Achsen an.

Einige Eigenschaften gelten jedoch nicht übergreifend. So finden Sie bei 2D-Diagrammen zum Beispiel unter Format / Achse / X-Achse bzw. Format / Achse / Y-Achse im Register Beschriftung die folgenden Optionen zur Anordnung der Achsenbezifferung:

Abb. 6: Wenn für die Achsenbeschriftungen wenig Platz ist, können Sie gerade und ungerade Zahlen versetzt anordnen.

Der Eigenschaften-Dialog der Y-Achse enthält darüber hinaus noch das Register Skalierung. Zwar skaliert Chart die Y-Achse automatisch so, dass die Werte optimal dargestellt werden, in manchen Fällen ist es aber sinnvoll, die Skalierung anzupassen, etwa wenn man die Null-Linie verschieben will, um nur einen Bereich der Diagrammsäulen anzuzeigen.

Die Vorgaben für Minimal- und Maximalwert, Haupt- und Teilintervall bestimmen Sie selbst, indem Sie die Option Automatisch deaktivieren. Beachten Sie dabei, dass das Hauptintervall nicht größer als der Wertebereich sein darf. Mit Achse bei definieren Sie eine Stelle an der Y-Achse, an der entlang Chart die Werte einblendet.

Um sehr unterschiedliche Zahlenwerte, beispielsweise sehr viele kleine und einige große Zahlen, in einem Diagramm zusammenzufassen, bietet sich die Logarithmische Skalierung an. Damit bleiben die Abstände zwischen den Gitterlinien der Achse gleich, allerdings ist die Werteabstufung eine andere.

Wand und Fläche

Etwas verwirrend sind zunächst die Begriffe Diagrammwand und Diagrammfläche, deren Eigenschaften Linienstil, Füllung und Transparenz Sie ebenfalls über das Format-Menü ändern.

Die Diagrammwand bezeichnet den Bereich, vor dem die Datenreihen stehen. In einem zweidimensionalen Diagramm gibt es nur eine Diagrammwand, in einem dreidimensionalen sind es zwei Wände. Im Gegensatz dazu versteht Chart unter der Diagrammfläche den gesamten Hintergrund (Abbildung 7).

Abb. 7: Die Diagrammwand ist in diesem Beispiel türkis, die Diagrammfläche ziert ein gelber Farbverlauf.

Dreidimensionale Besonderheiten

Wenn Sie ein 3D-Diagramm erzeugt haben, finden Sie im Format-Menü zusätzliche Optionen. Über den Eintrag Diagrammboden passen Sie beispielsweise Linienstil, Farbe und Transparenz des Bodens an.

Wählen Sie Format / 3D-Effekte, öffnet sich der gleichnamige Dialog. Er erscheint angedockt auf der linken Seite des Programmfensters, und über einen Klick auf Einblenden klappen Sie ihn aus. Dort beeinflussen Sie über die oben liegenden Schaltflächen die folgenden Objekteigenschaften (Abbildung 8):

Abb. 8: Mit den 3D-Effekten schalten Sie beispielsweise eine oder mehrere Lichtquellen ein.

Diagrammgröße ändern

Den letzten Feinschliff verpassen Sie Ihrem Dokument durch Anpassen der Größe und eine genaue Platzierung des Diagramms. In Chart suchen Sie eine solche Funktion jedoch vergeblich. Zwar können Sie die Größe und Position mit der Maus bestimmen, das reicht aber nicht aus, wenn es um millimetergenaue Platzierung geht. Diese stellen Sie im OpenOffice-Dokument ein: Klicken Sie dazu einmal neben das Diagramm, um den Bearbeitungsmodus von Chart zu verlassen. In Writer ist das Diagramm danach noch markiert, in den anderen Programmen müssen Sie erneut darauf klicken.

Dann können Sie Größe und Position ändern. In Writer wählen Sie dazu Format / Rahmen, in Calc gelangen Sie mit Format / Grafik / Position und Größe ans Ziel, und in Impress und Draw sind Sie beim Menüpunkt Format / Position und Größe richtig (Abbildung 9). (amü)

Abb. 9: Eine genaue Platzierung eines Diagramms ist nur im Objektdialog des Dokuments möglich.

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