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Erschienen in EasyLinux 06/2006

Suse Linux in der nächsten Version

Neuer Sprössling

Peter Kreußel


Alles neu macht Mai -- Anfang Mai ist Suse Linux in der neuen Version 10.1 erschienen. Ist wirklich alles neu? Lohnt sich der Umstieg? EasyLinux hat die Suse-Neuauflage für Sie auf Herz und Nieren geprüft.

Never change a running system -- professionelle Systemadministratoren nehmen sich die alte Weisheit (nichts verändern, wenn alles funktioniert) meist zu Herzen, doch viele Heimanwender sehen dies ein wenig anders: Nicht zuletzt die Neugierde treibt viele dazu, neue Linux-Distributionen auszuprobieren. Aber es gibt auch weitere gute Gründe für ein Update:

Für diesen Artikel stand Suse Linux 10.1 in der Version RC1 zur Verfügung, "RC" steht für "Release Candidate". Release Candidates stellen noch nicht die endgültige Version dar, größere Veränderungen finden jedoch nicht mehr statt.

Installation

Bei der Installation hat sich gegenüber den Vorgängerversionen wenig verändert: Wie bisher lassen sich Größen bestehender Windows- und Linux-Partitionen anpassen und neue Partitionen erstellen. Bei der Wahl der Desktop-Umgebung bietet Suse Linux 10.1 allerdings eine kleine Überraschung: Lag bisher der Schwerpunkt eindeutig auf KDE, so steht nun zum ersten Mal Gnome im Auswahldialog vor KDE. Immerhin wurde die KDE-Einbindung, anders als eine Pressemitteilung in der Frühphase der Entwicklung glauben machte, keineswegs aufgegeben, sondern sogar weiter verbessert.

Abb. 1: Bekanntes Bild: Der Installer hat sich im Vergleich zu Suse Linux 10.0 wenig verändert.

Wie bei der älteren Suse-Versionen benötigt eine Standardinstallation etwa 30 Minuten. Das Booten nach Abschluss der Installation dauert allerdings gut 50% länger als beim konkurrenzlos schnellen Suse Linux 10.0.

Bei der Netzwerkeinrichtung findet sich ein neues Feature: Sie können zwischen der traditionellen Methode, bei der Einwahlverbindungen über das KDE-Tool KInternet gestartet werden, und dem neuen NetworkManager wählen, der neben Einwahlverbindungen auch WLAN unterstützt. Wenn Sie kein WLAN benutzen, sollten Sie die Voreinstellung (traditionellen Methode) beibehalten, da der NetworkManager noch nicht besonders stabil läuft.


WLAN: drahtloses, lokales Funknetzwerk mit einer Reichweite von 30 bis 100 Meter.

Abb. 2: Unter Suse Linux 10.1 steht zur Verwaltung von Einwahl- und WLAN-Verbindungen das neue Tool NetworkManager zur Verfügung.

Frische Ware

Suse Linux 10.1 bietet viele aktualisierte Software-Komponenten und Programmversionen. Die Desktop-Umgebung KDE ist in der Version 3.5.1 an Bord, Gnome in Version 2.12. Zum ersten Mal macht die Gnome-Umgebung unter Suse den Eindruck, dass sie mit der gleichen Gründlichkeit vorkonfiguriert wurde wie KDE. Auch der Umstieg von KDE fällt nun leichter: Gnome besitzt nur noch eine Leiste am unteren Fensterrand, in die wie bei KDE Startmenü und Fensterleiste integriert sind.

Die Tabelle Programmversionen bietet einen Überblick über die Versionen häufig genutzter Programme in Suse Linux 10.0 und 10.1.

Programmversionen
ProgrammSuse Linux 10.0Suse Linux 10.1
Firefox (Browser)1.0.61.5.0.1
OpenOffice (Textverarbeitung)1.9.1252.0.2
Gimp (Bitmap-Editor)2.2.82.2.10
Inkscape (Vektorgrafikprogramm)0.42.20.43
Amarok (MP3-Player)1.3.11.3.8
K3B (Brennprogramm)0.12.80.12.14
Wine (Windows-Emulator)Alpha-Version0.9.11

Für Anwender ohne schnelle Internet-Verbindung stellt das Update der OpenOffice-Suite von der instabilen Version 1.9.125 auf 2.0.2 eine der wichtigsten Neuerungen dar. Auch Wine, mit dessen Hilfe sich manche Windows-Anwendungen unter Linux starten lassen, macht mit Version 0.9.11 von der Alpha-Version (einer frühen Entwicklerversion) einen großen Versionssprung.

Abb. 3: Endlich eine taugliche OpenOffice-Version. Die Suse-10.0-Box enthielt nur die instabile Vorschauversion 1.9.125.

Neues Kleid

Ändert sich die Versionsnummer nur in der letzten Stelle hinter dem Punkt, so spricht man von einem Minor (geringfügigen) Update. Wie erwartet, ist daher der Wiedererkennungswert zur Suse-Version 10.0 recht groß. Nur der Boot Screen und der Standard-Desktop-Hintergrund wurden neu gestaltet (Abbildung 4).

Abb. 4: Desktop (links) und Bootscreen (rechts) erscheinen in neuem Look, sonst ändert sich am Erscheinungsbild nicht allzu viel.

Das Startmenü ist genau so aufgebaut wie unter Suse Linux 10.0, auch das zentrale Verwaltungs-Tool YaST beinhaltet weiterhin alle aus der Vorgängerversion bekannten Module. Die neu hinzugekommenen stehen überwiegend in Zusammenhang mit der Paketverwaltung: Über das Modul Add-on-Product lassen sich nun weitere Installationsmedien einbinden, etwa eine CD mit nicht-freier Software zur Ergänzung der wie bisher zum Download verfügbaren fünf CD-Images.


CD-Images: Brennprogramme wie K3B (auch Windows-Programme wie Nero) verwenden Dateien mit der Endung iso, um die Inhalte ganzer CDs oder DVDs in einer Datei (einer Image-Datei) zu speichern.

Die wesentliche Neuerung an den Modulen Software-Update und Software installieren oder löschen ist allerdings für den Privatanwender weder direkt sichtbar noch von Belang: Die Yast-Module unterstützen Novells ZENworks-Umgebung, eine für Windows und Linux verfügbare IT-Management-Lösung für größere Unternehmen. Deutlicher als bisher zeigt sich hier ein grundsätzliches Umdenken: Stand bisher bei Suse die auf private Anwender oder kleine Unternehmen zugeschnittene Linux-Distribution im Zentrum, so rücken seit der Übernahme der Firma Suse durch den Software-Giganten Novell vor etwa zwei Jahren die Firmenkunden stärker in den Vordergrund. Inwieweit dies für Privatanwender einen Nachteil darstellt, lässt sich schwer entscheiden. Immerhin bietet Suse Linux 10.1 ebenso viele Verbesserungen für den "Hausgebrauch" wie bisherige Minor Updates.

Leichter wechseln

Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft den Umgang mit Wechseldatenträgern. Gab es unter Suse Linux 10.0 Probleme mit USB-Sticks (sehr langsame Datenübertragung), so arbeitet die Einbindung nun mit einer neuen Technik. Sichtbar wird dies (außer an der ordentlichen Übertragungsgeschwindigkeit beim Schreiben auf USB-Sticks, Abbildung 5) nach einem Rechtsklick auf das Laufwerkssymbol.

Abb. 5: Problem gelöst: USB-Sticks beschreibt Suse Linux nun mit der Geschwindigkeit, die die Hardware hergibt.

Öffnen Sie dazu das ebenfalls neu gestaltete Fenster Arbeitsplatz durch Klick auf das entsprechende Desktop-Symbol. Ein Rechtsklick öffnet nach Wahl der Option Eigenschaften ein Dialogfenster, das es ermöglicht, verschiedene Einstellungen für dieses Laufwerk anzupassen.

Unter dem Reiter Meta-Info finden Informationen über den freien Speicherplatz (Abbildung 6).

Abb. 6: Der Reiter "Meta-Info" zeigt, wie viel Platz auf dem Speichermedium noch frei ist.

Abb. 7: Sie möchten über den Pfad "/home/peter/Floppy" auf Ihr Diskettenlaufwerk zugreifen? "Mount-Vorgang" gibt ihnen die Möglichkeit, diesen "Mountpunkt" einzustellen, ohne mit einem Text-Editor die Datei "/etc/fstab" anpassen zu müssen.

Unter Mount-Vorgang (Abbildung 7) lassen sich Datenträger vor unerwünschtem Überschreiben schützen (Nur lesen). Leise (die irreführende deutsche Bezeichnung wird sich hoffentlich noch ändern) unterdrückt Fehlermeldungen. Hinter der Option Synchron versteckt sich die Lösung für das bereits erwähnte Problem mit dem langsamen Schreibzugriff auf USB-Datenträger: Ist Synchron aktiviert, so umgeht Linux für dieses Laufwerk den Festplatten-Cache.


Festplatten-Cache: Ein Puffer im Arbeitsspeicher, der den Zugriff auf Speichermedien beschleunigt.

Der Vorteil: Wenn Sie den USB-Stick entfernen, nachdem sich der Kopieren-Dialog geschlossen hat, können Sie ohne Einsatz des Caches sicher sein, dass alle Daten angekommen sind. Wird dagegen der Cache verwendet, so schreibt Linux die Daten erst endgültig auf den Datenträger, wenn das System Zeit hat. Da das Schreiben auf USB-Speichermedien mit der Synchron-Option wieder ähnlich langsam würde wie unter Suse Linux 10.0, sollten Sie die Standardeinstellung (nicht aktiviert) beibehalten.

Im Arbeitsplatz hat sich allerdings auch ein störender Fehler eingeschlichen: Zwar funktioniert der Zugriff auf USB-Sticks nun zufriedenstellend. Wenn Sie jedoch auf das Symbol für eine Partition aus einer anderen Linux-Installation klicken, quittiert dies der Konqueror mit der Fehlermeldung Berechtigungen verweigert. Unter den Vorgängerversionen funktionierte dies einwandfrei, auch unter früheren Entwicklerversionen von Suse 10.1 funktionierte es. So bleibt Hoffnung, dass dieser Fehler bis zur endgültigen Version bereinigt sein wird.

Beagle für alle

Mandriva Linux 2006 war die erste Distribution, die eine Desktop-Suchmaschine in den KDE-Desktop einband. Suse Linux 10.1 zieht nach: Ein kleines Icon in der Task-Leiste (oder [F12]) startet die Suchmaschine Beagle, die Sie nach Kräften unterstützt, wenn Sie einmal eine eigene Datei nicht wiederfinden: Beagle sucht nicht nur nach Dateinamen, sondern auch in den Inhalten der Dateien. Mehrere Suchkriterien lassen sich kombinieren, auch Ausschlusskriterien sind möglich. Unter Gnome ist Beagle wie unter KDE über ein Task-Leisten-Icon erreichbar.


Desktop-Suchmaschine: Statt wie Google im Internet, sucht eine Desktop-Suchmaschine auf Ihrem Rechner nach Dokumenten. Gute Desktop-Suchmaschinen suchen nicht nur nach Dateinamen, sondern auch nach Treffern innerhalb der Dokumente.

Abb. 8: Die Desktop-Suchmaschine Beagle hilft Ihnen, Dokumente wiederzufinden, die in den Tiefen des Dateisystems verloren gegangen sind.

Beagle arbeitet komfortabler und schneller als Kat, die Suchmaschine, die bei Mandriva zum Einsatz kommt: Das Suchergebnis zeigt für viele Dateitypen (z. B.: HTML- und Grafikdateien) eine Vorschau, das Datum, an dem die Datei zuletzt verändert wurde, sowie weitere für den Dateityp spezifische Informationen (z. B. Größe eines Bildes, Titel einer HTML-Seite) an. Wenn Sie neue Dateien hinzufügen, findet Beagle diese sofort ohne manuelles Update des Index; das Programm überwacht das Dateisystem und bemerkt jede Änderung.

Vernetzt

Alternativ zum bekannten KInternet steht in Suse Linux 10.1 mit KNetworkManager ein neues Programm zur Verwaltung der Netzwerkverbindungen zur Verfügung: KNetworkManager kann anders als KInternet mit allen Arten von Netzwerkverbindungen (Netzwerkkarten, Einwahl- und WLAN-Verbindungen) umgehen. Bereits bei der Installation konnten Sie zwischen KNetworkManager und KInternet wählen. Wenn Sie die WLAN-Funktionalität nicht benötigen, ist es im Moment ratsam, bei der altbewährten Lösung zu bleiben, da KNetworkManager noch nicht immer stabil funktioniert. Sie sind nicht an die bei der Installation getroffene Auswahl gebunden: Über das YaST-Modul Netzwerkgeräte/Netzwerkkarte lässt sich diese Einstellung verändern (Abbildung 9).

Abb. 9: Über das YaST-Modul "Netzwerkkarte" können Sie sich auch noch nach der Installation für KInternet oder den neuen KNetworkManager zur Verwaltung Ihrer Einwahlverbindung entscheiden.

Mehrarbeit

Ab Version 10.1 enthält Suse Linux keine proprietären Treiber-Module mehr. Suse folgt damit den Vorstellungen der Linux-Kernel-Entwickler, die möchten, das in Zukunft alle Kernkomponenten des Linux-Systems unter einer Open-Source-Lizenz stehen. Ob sie den Anwendern damit einen Gefallen tun, ist umstritten. Zwar müssen Sie nicht befürchten, dass beispielsweise die 3D-Beschleunigung der Grafikkarten unter Suse Linux 10.1 überhaupt nicht mehr funktioniert. Eine komfortablere Installation des erforderlichen nicht-freien Kernel-Moduls über YaST ist allerdings nicht mehr möglich. Für Nvidia-Karten und mache andere Hardwarekomponenten (z.B. Fritz-Card, ATI-Grafikkarten) müssen Sie sich benötigte Module selbst über das Internet besorgen. Auch andere Distributionen, zum Beispiel Fedora Core, verfahren ähnlich.


Proprietär: Ein geschlossener Standard, auf den der Hersteller Copyright- oder Patentrechte beansprucht. Im Gegensatz dazu ist bei Open-Source-Software der Quellcode jedermann zugänglich. Meist darf jeder die Software verändern und in veränderter Form weiterverteilen, was bei proprietärer Software nicht immer möglich ist.

Fazit

Insgesamt wirkt Suse Linux 10.1 in der RC1-Version bereits überwiegend ausgereift und stabil. Nach wie vor bleibt Suse Linux eine Distribution, die mit Ihrem reichhaltigen Software-Angebot und dem leistungsstarken Konfiguration-Tool YaST sowohl für Anfänger als auch für Profis viele Vorteile bietet.

Bei den Updates der enthaltenen Software-Programme fällt besonders Open-Office 2.0.2 ins Gewicht: Suse Linux 10.0 enthielt hier eine instabile Beta-Version. Diese ließ sich zwar über Yast updaten, dafür war allerdings ein Download von etwa 100 MBytes erforderlich. Die Arbeitsumgebung bereichert die neue Suse-Version mit der sowohl in Gnome und KDE gut integrierten Desktop-Suchmaschine Beagle um ein sehr nützliches Tool. (pkr)

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