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Erschienen in EasyLinux 07/2006   »   Ausgabe bestellen

Nachrichten

LinuxTag 2006 mit Stargast Shuttleworth

Der LinuxTag, Europas größte Open-Source-Veranstaltung, fand nach vier Jahren in Karlsruhe dieses Jahr erstmals in Wiesbaden statt. Rund 9000 Linux-Interessierte kauften sich eine Eintrittskarte -- bei 12 000 im letzten Jahr ein deutlicher Rückgang. Dabei bot die Veranstaltung in den Rhein-Main-Hallen vom 3. bis 6. Mai ein dichtgedrängtes Programm mit über 100 Vorträgen sowie zahlreichen Tutorials und Workshops. Für Struktur sorgten distributionsspezifische Schwerpunkte, die sich mit Debian, Ubuntu, OpenSolaris, OpenSuse und BSD beschäftigten.

Unter den prominenten Rednern war der südafrikanische Unternehmer Mark Shuttleworth (Abbildung 1), der mit seiner Firma Canonical hinter der Linux-Distribution Ubuntu steht. In seinem Vortrag erklärte er das 21. Jahrhundert zum Zeitalter von Open Source: Das bisherige Entwicklungsmodell hinter den verschlossenen Türen eines Konzerns sei nicht mehr zeitgemäß. Zuvor hatte er sich mit KDE- und Kubuntu-Entwicklern getroffen, die er stärker in sein Projekt einbinden möchte. Die Ubuntu-Anwender sollen in Zukunft die freie Wahl zwischen den gleichermaßen unterstützten Desktop-Umgebungen Gnome und KDE haben. "Die nächsten Monate gehören Kubuntu", sagte der Open-Source-Mäzen, der bei seinem Vortrag im KDE-T-Shirt auftrat.

Abb. 1: Ganz im Zeichen von KDE: Mark Shuttleworth auf dem LinuxTag 2006.
Newsticker

LG3D-Live-CD 2.5: Dieses Live-System verwendet den 3D-Java-Desktop Looking Glass von Sun. Es basiert auf der Linux-Distribution Slackware und lässt sich von CD oder einem USB-Stick booten. Als Anwendungen sind unter anderem Firefox, OpenOffice und Gimp an Bord. Um ohne Probleme in den Genuss der grafischen Effekte zu kommen, empfiehlt sich ein Rechner mit aktueller Nvidia-Grafikkarte. Weitere Informationen und ein CD-Image zum Download gibt es unter https://lg3d-livecd.dev.java.net.

Tellico 1.1.6: Mit dem Datenbankprogramm für den KDE-Desktop lassen sich Bücher, Videos, der Weinkeller oder sonstige Sammlungen katalogisieren. Dazu liefert Tellico (http://www.periapsis.org/tellico/) vorgefertigte Formate, der Anwender kann jedoch auch eigene Felder definieren. Das Programm importiert zahlreiche Formate wie CSV und Bibtex und sucht auf Amazon.com nach Buchdaten sowie in der Internet Movie Database (IMDB) nach Filmen. Die aktuelle Version behebt einige Fehler und bringt aktualisierte Übersetzungen mit.

Liquid Weather ++ 12.1: Dieses Applet zeigt aktuelle Wetterberichte und Vorhersagen auf dem Desktop an. Es benötigt KDE und Superkaramba. Die Entwickler haben einen Bug bei der Anzeige der Nachttemperatur und der Tooltips behoben. Daneben signalisiert das kleine Programm nun, wenn es neue Daten aus dem Internet holt. Näheres gibt es unter http://liquidweather.net.

Recovery is Possible (RIP) 1.4: Das Rettungssystem bootet von CD oder von einem USB-Stick, um eine Vielzahl von Dateisystemen zu reparieren oder die Daten über das Netzwerk zu sichern. RIP (http://www.tux.org/pub/people/kent-robotti/looplinux/rip/) lässt sich auch verwenden, um Windows-Partitionen verlustfrei zu verkleinern. Bisher war das Werkzeug rein textbasiert, nun gibt es auch eine Version mit X-Server und dem schlanken Window-Manager Fluxbox. Unter den mitgelieferten grafischen Anwendungen sind Firefox und der Video-Player Gxine.

(K)ubuntu nimmt Java-Paket auf

Viele Linux-Distributionen verzichteten bislang wegen Lizenzproblemen auf die Integration von Java. Nun hat Java-Rechteinhaber Sun Microsystems die Lizenzbedingungen für Linux- und freie Solaris-Distributionen gelockert: Ab sofort dürfen den Distributionen installierbare Pakete beiliegen, verkündete Sun-CEO Jonathan Schwartz Mitte Mai auf der Entwicklermesse Java One in San Francisco. Die Lizenz nennt sich Operating System Distributors License for Java (kurz Distro License for Java oder noch kürzer DLJ).

Ubuntu-Förderer Mark Shuttleworth vernahm die Botschaft mit Freude. Sun räume damit eine große Hürde zur Verbreitung von Java auf den Desktops beiseite, befand er bei einem Gastauftritt auf der Java One. Im Repository Multiverse der Distributionen Ubuntu und Kubuntu tauchte wenige Stunden später bereits ein installierbares Paket der Java 5 Standard Edition (SE) auf.

Amarok 1.4 hat Featuritis

Fast Forward -- schnell voran -- hat das Team, das den Mediaplayer Amarok betreut, die neue Release 1.4 getauft. Mag die Namenswahl darauf hindeuten, dass wohl das letzte Mal eine 1 in der Versionsnummer auftaucht und Ausgabe 2.0 vor der Tür steht, so ist ein großer Schritt auch mit der aktuellen Veröffentlichung (Abbildung 2) getan. Die Liste der Neuerungen und Änderungen unter http://websvn.kde.org/trunk/extragear/multimedia/amarok/ChangeLog?rev=540777&view=auto ist ellenlang. Besonders auf Unterstützung für die Metadaten von WMA, AAC und Realmedia weisen die Entwickler hin. Der Player (Abbildung 2) spielt damit die gängigsten Formate wie Ogg Vorbis, MP3, Realmedia, FLAC, WMA und AAC ab und kann darin enthaltene Metainformationen wie Titel und Interpret anzeigen.

Wer sich neben dem Hörgenuss gerne mit den Texten befasst, war bereits mit der vorangegangenen Version gut bedient: Der Player zeigte, falls vorhanden, beim Abspielen Liedtexte an, die er aus dem Internet bezog. Jetzt ist dieses Feature erweitert worden. Scriptgesteuert apportiert der Player Liedtexte von einer erweiterbaren Liste von Web-Seiten -- einige sind bereits voreingetragen. Der Vorteil: Ist eine dieser Web-Seiten nicht erreichbar, wählt Amarok die nächste an. Weitere Neuerungen betreffen den Umgang mit mobilen Geräten. Die Software versteht sich nun mit Geräten aus der IFP-Serie von iRiver und generischen USB-Geräten mit dem Dateisystem VFAT. Unter http://amarok.kde.org/amarokwiki/index.php/Download stehen Pakete für diverse Distributionen zum Download bereit.

Abb. 2: Player mit neuen Funktionen -- Amarok 1.4.
Mandriva One verlässt das Clubhaus

Die Linux-Distribution Mandriva One (http://www.mandriva.com/en/community/mandrivaone) steht zum freien Download zur Verfügung. Bislang war die als Live- und Installations-CD konzipierte Linux-Ausgabe nur den Clubmitgliedern des französischen Distributors zugänglich. Von dem All-in-One-System erhofft sich Mandriva mehr Popularität für seine Linux-Version. Um die Ausgabe auf CD-Volumen anzupassen, enthält One nicht alle Anwendungen, die in Mandriva Linux 2006 stecken, aber wichtige Helfer wie etwa Openoffice, Firefox, Kopete, Konqueror, Amarok und Gimp. Die Live-CD soll sich bei Gefallen durch einfaches Anklicken eines Installationsprogramms auf dem Desktop in einer Dual-Boot-Konfiguration fest installieren lassen.

PS3 spielt mit Linux

Bei der Spielemesse Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles hat Sony Computer Entertainment (SCE) Details zum Start der Spielekonsole Playstation 3 (PS3) verlautbart. Die Konsole (Abbildung 3) liegt ab Mitte November auch in Europa in den Regalen der Händler. 500 Euro kostet die Ausgabe mit einer 20-GByte-Festplatte, 600 Euro die Version mit 60 GByte. Die PS3 ist zudem mit einem Blu-Ray-Laufwerk -- dem DVD-Nachfolger -- bestückt.

Ein für die Entwicklung der PS3 zuständiger Manager von SCE, Izumi Kawanishi, hat in einem Interview mit dem japanischen Branchenmagazin Impress Watch weitere Angaben gemacht. Dass die Konsole mit Linux bestückt ist, hat Kawanishi bestätigt. Damit steht der Open-Source-Gemeinde die Tür für eigene Entwicklungen bereits einen Spalt weit offen. So genannte Homebrew-Entwicklungen für die neue Konsole hält Kawanishi durchaus für möglich. Der Zugang zu den Bibliotheken für Rendering und Spielephysik samt Support bleibt laut dem SCE-Manager aber professionellen Spieleentwicklern vorbehalten. Für die Playstation 2 stellte Sony interessierten Entwicklern bereits ein Linux-Entwickler-Kit unter http://playstation2-linux.com zur Verfügung.

Abb. 3: Sonys neue Konsole kommt am 17. 11. 2006 in der Farbe Clear Black nach Europa.
Flugsimulation zum Ausprobieren

Das Team um den Open-Source-Flugsimulator Flightgear hat sich erstmals mit eigenem Stand am LinuxTag beteiligt und dort die aktuelle Version 0.9.10 der Software präsentiert (Abbildung 4). Im Gepäck lag zudem die erste Live-CD auf Debian-Basis mit dem Programm an Bord.

Zu den neuen Features des Programms zählen ein Flugzeugträger, der die Simulation von Starts via Katapult und Landungen mit Fanghaken erlaubt. Mittels eines neuen Systems sind die Benutzer überdies eingeladen, sich an der Flightgear-Entwicklung zu beteiligen: Selbst entworfene Gebäude schickt man einfach an eine von Jon Stockill und Martin Spot betreute Datenbank, Flightgear-Fans laden diese dann bei Gefallen herunter und integrieren sie in die eigenen Landkarten. Neben Reichstag und Pentagon gibt es inzwischen auch die Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden, wo der LinuxTag dieses Jahr stattfand. Insbesondere für deutsche Piloten interessant: die Region um den Bodensee in detaillierter Version. Screenshots auf der Flightgear-Webseite http://www.flightgear.org/Gallery-v0.9.10/ liefern Einblicke ins Programm.

Die Live-CD gibt es zum Download. Zuvor empfiehlt sich ein Blick in die (englische) Readme-Datei http://pigeond.net/flightgear/README.fglive.html. Voraussetzung ist zumindest eine Grafikkarte mit 3D-Beschleunigung (ATI Radeon oder Nvidia Geforce).

Abb. 4: Rundumblick: Der freie Flugsimulator Flightgear.

(Ulrich Bantle/Mathias Huber/mhu/uba)

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