claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 07/2006   »   Ausgabe bestellen

Vier Digitalkameras im Test

Bilderbuchmacher

Mirko Dölle


Urlaubsfotos gibt es heute fast nur noch digital, da aktuelle Digicams nicht nur kleiner und handlicher als Kleinbildkameras sind, sondern die Bilder gleich vor Ort anzeigen können. Passend zur Urlaubs-Saison hat EasyLinux vier aktuelle Kameras der 200-Euro-Kategorie getestet.

Die Digitalisierung der Urlaubsbilder erlaubt heute, den neidischen Bekannten und Verwandten nicht erst beim Dia-Abend Wochen nach der Rückkehr die schönsten Erlebnisse unter die Nase zu reiben. Dank Notebooks, Handys und den kompakten Digicams lassen sich die Schnappschüsse noch im Urlaub sichten, aussortieren und nach Hause verschicken.

Die Preise der Digitalkameras sind in den letzten Jahren so weit gefallen, dass man heute bereits für 200 Euro sehr gute Geräte mit 4 bis 5 Megapixeln bekommt. Durch die einhergehende Miniaturisierung fällt es auch immer leichter, die Kamera einfach in der Hosentasche mit herumzutragen, die beiden Casio-Modelle Exilim EX-S600 und EX-Z600 sind kaum schwerer als ein Schlüsselbund.

Wer keinen Laptop mit ins Hotel nehmen möchte, sollte sich vor der Reise ausreichend mit Speicherkarten eindecken. Die Filmformate der Kleinbildkameras waren weitestgehend standardisiert, und man konnte bei Bedarf an jedem Kiosk Ersatz beschaffen -- bei der Vielzahl an Flash-Kartenformaten für Digitalkameras ist dies jedoch deutlich schwieriger.

Planlos im Karten-Dschungel

Der Wildwuchs bei den Flash-Karten-Formaten und den dafür nötigen USB-Adaptern ist kaum mehr zu überblicken -- reichten noch vor fünf Jahren so genannte 4-in-1-Kartenleser, sind heute 7-in-1-Geräte und eine Hand voll Steckadapter durchaus üblich.

Der Memory Stick ist ein gutes Beispiel für die Kreativität der Hersteller: Obwohl ausschließlich Sony dieses Speicherkartenformat in seinen Produkten verwendet, gibt es fünf unterschiedliche Bauformen, die untereinander entweder mechanisch oder elektrisch nicht voll kompatibel sind. So passen weder der flache Memory Stick Duo noch der Memory Stick Pro Duo in Geräte, die für den dickeren und längeren Memory Stick oder Memory Stick Pro ausgelegt sind. Zwar behebt ein 15 Euro teurer Memory-Stick-Adapter das mechanische Kontaktproblem, aufgrund der geänderten Speichergeometrie im Memory Stick Duo können jedoch nicht alle älteren Geräte etwas mit dem neuen Speicherriegel anfangen.

Die Sonderformen Memory Stick High Speed und Magic Gate, letzteres ist eine für Audio-Geräte bestimmte digitale Rechteverwaltung, stellen ältere Geräte ebenfalls vor unlösbare Probleme. So weist Sony im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung darauf hin, dass der Datenaustausch mit einem Memory Stick Duo mit Magic Gate nicht mehr unbedingt gewährleistet werden kann. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Varianten, gibt es über ein Dutzend Memory Sticks, aus denen der Anwender den passenden auswählen muss.

Wildwuchs allenthalben

Doch Sony ist mit seinem Formatedschungel keineswegs allein, so ist etwa die SD-Karte (Secure Digital) die mit Rechte-Management ausgestattete Variante der Multi-Media-Cards (MMC). Nicht nur, dass sich die Bauform von SD- und MMC-Karten unterscheidet, die Endgeräte müssen auch eine proprietäre Unterstützung für die SD-Karten mitbringen, um überhaupt an die Daten heran zu kommen. Immerhin kann bislang jedes Gerät, das für SD-Karten ausgelegt ist, mit den etwas dünneren Multi-Media-Cards problemlos umgehen, umgekehrt gilt dies jedoch nicht.

Für kleine portable Player und Handys gibt es die nur halb so großen Reduced-Size Multi-Media-Cards (RS-MMC) sowie die nochmals verkleinerten Micro-MMC-Cards. Auch von SD-Karten gibt es mit Mini-SD und Micro-SD zwei verkleinerte Versionen, die sich nur noch über entsprechende Adapter in handelsüblichen USB-Kartenlesern benutzen lassen -- ab 2 GByte müssen die Kartenleser jedoch den neuen SD-Standard 1.1 unterstützen.

Trotz der schon vorhandenen Vielzahl an Formaten( zusammen mit althergebrachten Medien wie Compact Flash und Smart Media tummeln sich heute fast 30 am Markt) stellten Olympus und Fuji Film Mitte 2003 die XD Picture Card vor. Sie ist etwas kleiner als eine MMC-Karte, ähnelt im Aufbau jedoch der Smart-Media-Karte. Außer den beiden Herstellern benutzt bis heute niemand die XD Picture Card, viele USB-Kartenleser können ebenfalls nichts mit ihr anfangen.

Für die Praxis sollte man darauf achten, möglichst für alle Geräte das gleiche Kartenformat zu verwenden, oder zumindest innerhalb der gleichen Kartengruppe zu bleiben. Hier haben sich besonders die Multi-Media-Cards bewährt, da sie ohne Rechte-Management auskommen und sowohl in SD- als auch MMC-Geräten funktionieren. Von proprietären Formaten wie Memory Stick und XD ist hingegen abzuraten.

Linux-Anbindung

Alle getesteten Digitalkameras arbeiten wahlweise als USB-Storage-Gerät, also genau wie ein herkömmlicher USB-Speicherriegel, oder im PTP-Modus (Picture Transfer Protocol). PTP ist bei den vier Kameras jedoch nur für die Datenübertragung zum Drucker vorgesehen. Das Programm gphoto, das sich normalerweise im Hintergrund um die Kommunikation mit PTP-Kameras oder solchen mit proprietären Protokollen kümmert, funktioniert hier also nicht.

Da die Testkameras über einen internen Speicher verfügen, kann man zur Not auch noch ein oder zwei Fotos ohne Speicherkarte machen. An diese Fotos kommt man jedoch nur heran, wenn man die jeweilige Kamera ohne Speichermedium über USB anschließt -- ist eine Flash-Karte eingesetzt, liefern die Kameras sämtlich nur die dort gespeicherten Bilder, der Inhalt des internen Speichers ist dann versteckt.

Die Anschlusskabel sind teilweise abenteuerliche Spezialkonstruktionen, bei der Sony Cybershot gibt es sogar nur ein einziges Kabel für USB und den analogen Video-Anschluss -- das kann im Zweifel Störungen verursachen. Nur Casio setzt auf Standard-USB-Kabel, die jedoch zusammen mit dem Netzteil an die Docking Station angeschlossen werden. Somit gibt es keine Möglichkeit, die sperrige Docking Station für den Urlaub zu Hause zu lassen, da man sonst nicht einmal den Akku laden kann.

Casio Exilim EX-S600 und EX-Z600

Bei den technischen Daten und im Funktionsumfang unterscheiden sich die beiden Casio-Kameras nur minimal. So ist die EX-S600 etwas dünner als ihr größerer Bruder, muss dafür aber auch mit einem fast halb so großen Akku auskommen. Zudem ist die Tastenwippe für den Zoom etwas ungünstiger angebracht -- sie liegt wie bei den beiden Kameras von Nikon und Sony auf der Rückseite der Kamera, muss also mit dem Daumen bedient werden.

Bei der EX-Z600 hingegen ist die Wippe für den Zoom als Ring um den Auslöser ausgeführt und wird mit dem Zeigefinger bedient. Somit können der Daumen und die übrigen Finger die EX-Z600 sehr gut ruhig halten. Ein weiterer Vorteil der EX-Z600 ist ihr um über 1 cm größerer Bildschirm auf der Rückseite, es war das leuchtstärkste und am besten ablesbare Display im Testfeld.

Ein Problem der Casio Exilims ist der Einsatz im Urlaub: Beide Kameras können nur über die mitgelieferte Docking Station aufgeladen werden, die ein wenig, aber für den USB-Anschluss zum PC nötig ist. Ohne externes Ladegerät wie bei den Geräten von Nikon und Sony ist es jedoch nicht möglich, die Kamera im Urlaub mit zum Strand zu nehmen und in der Zwischenzeit einen zweiten Akku im Hotelzimmer zu laden. Zwar bietet Casio optional ein externes Ladegerät an, dies ist dann jedoch neben der Docking Station ein weiteres Gerät, das erst einmal im Urlaubskoffer unterkommen muss. Die Lösung von Sony, einfach herkömmliche Mignon-Akkus einzusetzen, ist für diesen Anwendungszweck die bessere.

Haarscharf daneben

Die Casio-Kameras besitzen von allen Testgeräten die umfangreichste Sammlung von Voreinstellungen für bestimmte Fotografierumgebungen. Die so genannte Best-Shot-Funktion stellt 34 Voreinstellungen bereit, die der Anwender um eigene Profile erweitern kann. Das gedruckte Handbuch schweigt sich darüber jedoch komplett aus -- hier hat Casio gespart; das eigentliche Benutzerhandbuch gibt es im Gegensatz zur Konkurrenz nur auf CD.

Bei Schnappschüssen offenbarten beide Exilim-Modelle ein altbekanntes Problem: Wer zu schnell am Drücker ist, bekommt lediglich unscharfe Fotos. Konkret muss man den Auslöser zunächst nur halb durchdrücken, bis das Rechteck im Display grün wird, und darf erst dann das Foto schießen -- tut man das nicht, löst die Kamera bereits aus, während der Autofokus noch arbeitet. Das Ergebnis sind dann hoffnungslos unscharfe Bilder (Abbildung 1). Dieser Fehler zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und die verschiedenen Modelle der Exilim-Kameras, die Redaktion findet ihn seit nunmehr über zwei Jahren bei jedem getesteten Modell. Die Auslöseverzögerung für scharfe Fotos liegt trotzdem bei rund 0,6 Sekunden, nur Sonys Cybershot ist schneller.

Abb. 1: Wer bei den Casio-Exilim-Modellen den Auslöser sofort durchdrückt, bekommt nur ein unscharfes Bild (links). Damit es scharf wird, muss erst der Auslöser halb gedrückt bleiben, bis die Markierung im Display grünes Licht gibt. Dennoch liegt die Auslösezeit bei guten 0,6 Sekunden.

Nikon Coolpix P2

Die Nikon Coolpix P2 besitzt als einzige Kamera im Testfeld eine WLAN-Schnittstelle für den Datenaustausch. Ihr Nutzen ist allerdings sehr beschränkt: Zunächst muss der Anwender unter Windows mit Hilfe einer proprietären Software einzelne Profile für die Kamera entwerfen -- etwa eine Verbindung mit dem WLAN-fähigen Notebook oder einem Drucker mit WLAN-Adapter. Unterwegs lassen sich diese Profile jedoch nicht verändern, so dass man etwa nicht bei Freunden kurzerhand ein Foto ausdrucken oder Bilder auf einen anderen PC übertragen kann. Genauso wenig ist es möglich, unterwegs Bilder über einen Hot-Spot auf einen Server hochzuladen.

Selbst wenn die WLAN-Kommunikation eingerichtet ist, funktioniert sie ausschließlich mit Windows-PCs, da Nikon proprietäre Server-Dienste wie zum Beispiel NKStorageServer.exe einsetzt, anstatt SMB oder andere standardisierte Netzwerkdienste auf der Kamera zu implementieren.

Die Motivprogramme der Nikon Coolpix ähneln der Best-Shot-Funktion von Casio, Nikon bietet jedoch deutlich weniger vordefinierte Einstellungen. Der Benutzer kann allerdings die Blendeneinstellung, Verschlusszeit und auch den Weißabgleich selbst einstellen. Für den schnellen Schnappschuss zwischendurch verwendet man aber am besten den Automatik-Modus: In diesem liegt die Auslöseverzögerung knapp unter einer Sekunde.

Sony Cybershot DSC-S90

Die Möglichkeiten der Sony Cybershot DSC-S90 sind deutlich beschränkter als die der anderen Testteilnehmer. Es stehen lediglich sieben Motivprogramme zur Wahl, zudem mangelt es an manuellen Eingriffsmöglichkeiten -- so gibt es zum Beispiel keinen manuellen Weißabgleich. Korrekterweise gibt Sony selbst im Handbuch an, dass der Weißabgleich bei Neonröhren scheitern kann, was sich im Test in deutlich verfärbten Bildern äußerte.

Mit 4,1 Megapixeln liegt die Cybershot bei der Auflösung deutlich hinter der Konkurrenz zurück, kann aber mit klaren Fotos und einer Auslösezeit von nur 0,3 Sekunden mit Autofokus glänzen. Für den Heimgebrauch genügt die Auflösung völlig, lediglich bei Postern ist sie etwas zu gering.

Die Stromversorgung übernehmen bei Sony zwei herkömmliche Mignon-Akkus, die samt Ladegerät im Lieferumfang enthalten sind. Damit besteht jederzeit die Möglichkeit, im Notfall einfach ein paar Batterien einzusetzen, falls die Akkus unterwegs einmal leer sind. Am Speichermedium hat der Hersteller dafür gespart: Wem die 32 MByte interner Bildspeicher nicht genügen, der muss sich einen teuren Memory Stick oder Memory Stick Pro nachkaufen -- die Preise liegen regelmäßig 30% oder mehr über gleich großen Compact-Flash- oder MMC-Karten.

Fazit

Die Sony Cybershot DSC-S90 ist klares Schlusslicht dieses Tests. Die Kamera wiegt fast doppelt so viel wie die beiden Casio-Geräte, hat die größten Außenmaße und mit 4,1 Megapixeln die niedrigste. Der Preis von 200 Euro ist für diese Leistungsdaten nicht angemessen, noch dazu benötigt die Sony-Kamera teure Memory Sticks als Speichermedien.

Der WLAN-Adapter der Nikon Coolpix P2 ist ein interessantes Feature, erlaubt er es doch zu Hause, die Bilder gleich auf den PC zu transferieren -- allerdings nur unter Windows. Unterwegs ist der WLAN-Anschluss überhaupt nicht zu gebrauchen. Insgesamt machte die Coolpix P2 einen durchaus guten Eindruck.

Die Casio Exilim EX-S600 und EX-Z600 machen den Sieg unter sich aus. Die Funktionalität beider Kameras ist gleich, beide bieten mit Best Shot eine übersichtliche Sammlung an Voreinstellungen für die meisten Szenarien. Der Vorteil der EX-S600 ist eindeutig ihre Größe, sie passt problemlos in jede Hosentasche -- erkauft sich dies jedoch mit einem relativ kleinen Akku. Die EX-Z600 hingegen hat fast doppelt so große Energiereserven, das größte Display im Test, und der Zoom wird über einen Ring gesteuert, der ergonomisch sinnvoll um den Auslöser herum angeordnet ist. So braucht man zum Fotografieren lediglich noch den Zeigefinger, alle anderen können die Kameras gut festhalten. Wer nicht eine möglichst kleine Kamera sucht, sollte daher der EX-Z600 den Vorzug geben. (mdö)

Infos
[1] Casio Exilim: http://www.exilim.de
[2] Nikon: http://www.nikon.de
[3] Sony: http://www.sony.de

Die Digitalkameras im Überblick
 
HerstellerCasioCasioNikonSony
ModellExilim EX-S600Exilim EX-Z600Coolpix P2Cybershot DSC-S90
TFT-Diagonale56 mm71 mm63 mm63 mm
Pixel des CCD6,18 Mio.6,18 Mio.5,26 Mio.4,1 Mio.
Echte Auflösung2816x21122816x21122592x19442304x1728
Video-Auflösung640x480640x480640x480640x480
Zoom (opt./digital)3 x / 4x3 x / 4 x3,5 x / 4 x3 x / 6 x
DateiformateJPEG/AVIJPEG/AVIJPEG/QuickTimeJPEG/MPEG-1
Interner Speicher8,3 MB8,3 MB16 MB32 MB
Flash-FormatSD/MMCSD/MMCSD/MMCMemory Stick Pro
StromversorgungLi-Io-Akku, 700 mAhLi-Io-Akku, 1300 mAhLi-Io-Akku, 730 mAh2 x Mignon,
Ext. Ladegerätoptionaloptionaljaja
Netzteiljajaneinnein
USB-AnschlussUSB 2.0USB 2.0Spezialkabel, USB 2.0Spezialkabel, USB 2.0
LieferumfangDocking Station, AV-Kabel, HandschlaufeDocking Station, AV-Kabel, HandschlaufeAV-Kabel, Handschlaufe, HandbuchSpezialabel, Handschlaufe, Handbuch
Abmessungen / Gewicht92x60x19mm / 132g92x59x22mm / 142g98x63x38mm / 187g97x68x44mm / 261g
BezugsquelleMedia MarktMedia MarktMedia MarktMedia Markt
Preisca. 240 Euroca. 240 Euroca. 200 Euroca. 200 Euro

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2017 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2008-11-05 16:58

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]