Titel: EasyLinux 07/2006: Digikam
Pfad: http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2006/07/023-digikam/index_html


Fotos mit Digikam aufbessern

Fotolabor für Eilige

Andrea Müller


Mit einfach zu bedienenden Programmen erzielt man oft schneller Erfolge als mit ausgewachsenen Profi-Tools: Für schnelle Korrekturen an digitalen Bildern muss es daher auch nicht Gimp sein, denn der KDE-Fotoverwalter Digikam bringt die wichtigsten Werkzeuge bereits mit.

Digitalkameras machen grenzenlosen Fotospaß ohne Reue möglich: Misslungene Aufnahmen kosten kein Bild auf den teuren Filmen, und man kann sie einfach löschen. Auch der Weg zum Fotogeschäft entfällt genauso wie die langweilige Geduldsarbeit, die Bilder mit Fotoecken ins Album einzukleben. Um jedoch auf dem Computer nicht den Überblick zu verlieren, reicht das Kopieren der Fotos auf die Festplatte nicht aus: Eine leistungsfähige Bildverwaltung muss her!

Das richtige Werkzeug heißt Digikam [1] und gehört zum KDE-Desktop. Es hilft Ihnen nicht nur dabei, die Fotosammlung zu verwalten, sondern wartet mit zusätzlichen Bildbearbeitungsfunktionen auf. So drehen Sie Aufnahmen in die richtige Position und entfernen im Handumdrehen rote Augen, die oft bei Blitzlichtaufnahmen auftreten.

Kamera einrichten

Sie starten das virtuelle Fotoalbum über ein mit [Alt-F2] geöffnetes Schnellstartfenster, in das Sie digikam eingeben. Beim ersten Start will das Programm wissen, in welchem Ordner es Ihre Bilder speichern soll. Übernehmen Sie entweder die Vorgabe oder tragen Sie einen anderen Pfad, etwa /home/benutzername/fotos ein. Sofern der gewünschte Ordner noch nicht existiert, legt Digikam ihn an.

Die Anwendung verwaltet Fotos in Alben, bei denen es sich um Verzeichnisse auf der Festplatte handelt. Legen Sie in Digikam ein Album Familienfotos an, speichert das Programm die Bilder im gleichnamigen Ordner unterhalb des Bilderverzeichnisses, in unserem Beispiel in /home/benutzername/fotos/Familienfotos.

Zunächst gilt es jedoch, Ihre Kamera in Digikam einzurichten: Den passenden Dialog finden Sie im Menü unter Kamera / Kamera hinzufügen (Abbildung 1). Wie Sie nun vorgehen, hängt davon ab, ob sich Ihre Kamera wie ein USB-Stick als Massenspeichergerät verhält oder ob Sie das Gerät mit Treibern aus dem gphoto2-Paket ansprechen. Der Digitalkameratest ab Seite 20 geht auf den Unterschied zwischen den beiden Kameratypen ein; Geräte, die sich wie ein USB-Stick als Festplatte am System anmelden, sehen Sie normalerweise im Konqueror, wenn Sie media:/ in die Adresszeile des Datei-Managers eingeben.

Abb. 1: In diesem Dialog machen Sie Digikam mit Ihrer Kamera bekannt.

Greifen Sie mit dem gphoto2-Paket auf Ihre Kamera zu, ist das Einrichten in Digikam denkbar einfach: Schließen Sie das Gerät an den Computer an und klicken Sie auf Automatische Erkennung. Digikam sollte Ihr Modell dann in die Kameraliste eintragen. Gelingt das nicht, bringt gphoto2 vermutlich keinen Treiber für Ihre Kamera mit. Manchmal gibt es dennoch einen Ausweg: Einige Geräte, z. B. viele Canon-Kameras, lassen sich sowohl in einem nativen als auch im PTP-Modus betreiben. Den Modus stellen Sie über das Kamera-Menü ein. Wählen Sie dort PTP und führen Sie die Digikam-Autoerkennung erneut durch. Jetzt sollte das Programm ein generisches PTP-Gerät erkennen und zur Liste hinzufügen.


PTP: Das Picture Transfer Protocol ist ein Standard für den Austausch von Bildern zwischen Kameras, Druckern und Computern. Das macht die Installation zusätzlicher Treiber auf PTP-fähigen Geräten überflüssig. Auch die Betriebssysteme Windows XP und Mac OS X beherrschen PTP von Haus aus.

Besitzen Sie eine Kamera, die sich als USB-Massenspeichergerät am Rechner anmeldet, richten Sie diese manuell ein: Klicken Sie dazu auf Hinzufügen und wählen Sie im folgenden Dialog USB Mass Storage aus der Liste Kameras (Abbildung 2). Geben Sie unter Kamera-Titel einen frei wählbaren Namen ein und tragen Sie unter Kamera Mountpfad das Verzeichnis ein, unter dem Linux Ihre Kamera ins Dateisystem einbindet [2]. Den Namen des Ordners erfahren Sie am einfachsten, indem Sie bei angeschlossener Kamera den Konqueror mit der Adresse media:/ öffnen und das Gerät anklicken. In der Adresszeile steht nun der Mountpoint, beispielsweise /mnt/usb. Sobald Sie den Pfad eingetragen haben und Ihre Wahl mit OK bestätigen, erscheint die Kamera in der Liste.

Abb. 2: Informationen zu Kameras, die sich als Festplatte am System anmelden, teilen Sie Digikam in diesem Dialog mit.

Fotos übertragen

Um Bilder von der Kamera herunterzuladen, legen Sie zunächst ein Album an: Klicken Sie auf den obersten Eintrag in der linken Spalte, wählen Sie Neues Album und geben Sie ihm im folgenden Dialog einen Namen. Klicken Sie nun im Menü Kamera Ihr Modell an. Es erscheint dort unter dem Namen, den Sie im Kamera-Einrichtungsdialog eingegeben haben. Digikam stellt sofort eine Verbindung zum Gerät her und lädt die Vorschaubilder der Fotos herunter (Abbildung 3).

Abb. 3: In der Vorschauansicht entscheiden Sie, welche Bilder Digikam von der Kamera auf die Platte überträgt.

Möchten Sie alle Fotos auf die Festplatte kopieren, wählen Sie aus dem Drop-down-Menü Herunterladen den Eintrag Alle aus. Sind nur einige Bilder so gelungen, dass Sie diese behalten wollen, markieren Sie die gewünschten Aufnahmen mit gedrückt gehaltener Strg-Taste und entscheiden sich dann unter Auswahl dafür, nur die markierten Fotos zu übertragen. Danach fragt Digikam, in welchem Album Sie die Bilder speichern wollen und kopiert alle oder nur die ausgewählten Dateien auf die Festplatte.

Der richtige Dreh

Falls Ihre Kamera in den EXIF-Informationen hinterlegt, ob die Fotos horizontal oder vertikal aufgenommen wurden, fragt Digikam beim Import, ob es die vertikal aufgenommenen Bilder automatisch drehen soll. Bejahen Sie diese Frage, da Sie sich dadurch viel Handarbeit ersparen.


EXIF: Abkürzung für Exchangeable Image File Format. Im EXIF-Header von Bildern stehen zusätzliche Kamerainformationen, wie etwa Aufnahmedatum, -uhrzeit und Brennweite.

Wenn Ihre Kamera nicht so freundlich ist, diese Informationen in die EXIF-Header der Fotos einzutragen, ist trotzdem kein Griff zu einem Bildbearbeitungsprogramm nötig, um die auf der Seite liegenden Fotos zu drehen: Der in Digikam eingebaute Bildbetrachter verfügt über einfache Bearbeitungsfunktionen, mit denen Sie kleine Schönheitskorrekturen vornehmen. Um ein Bild dort zu öffnen, klicken Sie es einfach in der rechten Fensterhälfte an.

Standardmäßig skaliert Digikam das Bild auf Fenstergröße. Um es in Originalgröße zu sehen, klicken Sie auf das rechte der drei Lupensymbole in der Werkzeugleiste. Mit den Lupen-Icons daneben zoomen Sie in das Foto hinein oder hinaus. Über die Einträge unter Transformieren / Drehen bringen Sie Fotos in die richtige Position. Die Gradangaben im Untermenü bezeichnen alle Drehungen im Uhrzeigersinn -- je nachdem, auf welcher Seite das Bild liegt, ist hier 90 oder 270 die richtige Wahl. Mit einem Klick auf das Diskettensymbol speichern Sie die Änderung. Vergessen Sie das einmal, erinnert Sie Digikam daran, sobald Sie das Fenster schließen oder über den nach rechts zeigenden blauen Pfeil in der Werkzeugleiste zum nächsten Bild wechseln.

Rote Augen entfernen

Einer der ärgerlichsten Fehler beim Fotografieren mit Blitzlicht ist der Rote-Augen-Effekt. Da können die Kameras noch so ausgefeilte vordefinierte Blitzlichtmodi namens "Red Eye Reduction" bieten, es passiert doch immer wieder. Der Grund ist, dass die Netzhaut das Blitzlicht reflektiert. Da die Lichtquelle bei den meisten Kompaktkameras in der Nähe des Objektivs liegt, wird das zurückgeworfene Licht dort wieder aufgefangen. Diese Erklärung tröstet jedoch kaum rotäugig abgelichtete Freunde oder Tante Hilde, die auf Ihren Geburtstagsfotos mit dem weißen Haar und den roten Augen wie ein Albino aussieht.

Um keinen Familienkrach zu riskieren und die Fotos trotzdem vorzeigen zu können, rücken Sie dem Problem mit technischen Mitteln zu Leibe. Digikam bietet einen speziellen Filter, der den Rote-Augen-Effekt stark abmildert und mit ein wenig Glück sogar ganz verschwinden lässt. Öffnen Sie dazu ein Foto im Betrachter und ziehen Sie mit gedrückt gehaltener linker Maustaste ein Markierungsrechteck um den Augapfel (Abbildung 4). Haben Sie einen zu großen Bereich ausgewählt, klicken Sie auf eine beliebige Stelle im Bild, um die Markierung aufzuheben -- je genauer Sie den betroffenen Bereich eingrenzen, desto besser wird das Ergebnis.

Abb. 4: Um rote Augen zu entfernen, markieren Sie den betroffenen Bereich und wenden danach den Filter aus dem "Korrigieren"-Menü an.

Wählen Sie danach Korrigieren / Rote Augen reduzieren. Digikam fragt, ob es nur einen leichten Filter (weich) oder einen aggressiven anwenden soll (Abbildung 5). Sofern Sie nur die Augen markiert haben, entscheiden Sie sich für die zweite Möglichkeit. Entfernt einmaliges Anwenden des Filters die roten Augen nur teilweise, rufen Sie die Funktion noch einmal oder auch mehrmals auf, bis Sie zufrieden sind.

Abb. 5: Digikam bietet für die Reduktion des Rote-Augen-Effekts einen schwachen und einen starken Filter an.

Kleine Korrekturen

Mit dem Korrekturfilter und der Option Bilder zu drehen, sind Digikams Fähigkeiten noch lange nicht erschöpft: Im Korrigieren-Menü gibt es zwei weitere Filter, mit denen Sie ein Bild weichzeichnen oder schärfen. Unter Korrigieren / Farben stellen Sie u. a. Farbsättigung, Helligkeit und Kontrast Ihrer Aufnahmen ein. Ein Klick auf eine der Optionen öffnet einen Dialog, in dem Sie die Werte über Schieberegler anpassen.

Abb. 6: Im Vorschaubereich sehen Sie, welche Auswirkungen es hat, wenn Sie die Helligkeit oder den Kontrast ändern.

Über Filter / Schwarz & Weiß verwandeln Sie Ihre Fotos in Schwarzweißaufnahmen. Im sich öffnenden Dialog wählen Sie hinter Typ den Farbmodus -- so überziehen Sie Bilder beispielsweise mit Schwarz-Weiß mit braunem Farbton mit einem bräunlichen Schimmer, der Ihren Fotos ein altes Aussehen verleiht (Abbildung 7).

Abb. 7: Der Filter "Schwarz & Weiß" lässt Ihre Bilder wie Fotos aus Omas Zeiten aussehen.

Weitere interessante Optionen finden Sie im Menü Extras / Batch-Verarbeitung im Digikam Hauptfenster: Mit ihnen bearbeiten Sie eine ganze Reihe von Bildern in einem Rutsch. So lassen sich die Fotos mit einem Rahmen versehen, oder Sie wenden einen der Filter im Menü Bildeffekte an. Diese verwandeln Ihre Aufnahmen beispielsweise in Kohlezeichnungen oder geben ihnen eine wellige Oberfläche. Digikam ruft dabei im Hintergrund das Programm convert aus dem ImageMagick-Paket [3] auf. Damit Sie dabei unter Suse Linux keine Fehlermeldung erhalten, müssen Sie zuvor ImageMagick mit YaST einspielen, da das Paket nicht Bestandteil einer Standardinstallation ist.

Um seine Fotos schnell zu drehen, rote Augen zu entfernen und einen Filter auf die Bilder anzuwenden, ist Digikam genau das richtige Werkzeug. Erreichen Sie mit den Fähigkeiten des Programms einmal nicht das gewünschte Ergebnis, bleibt immer noch die Bildbearbeitung Gimp, mit dem sogar Fotomontagen möglich sind. Der Artikel "Freier Blick" ab Seite 26 zeigt, wie Sie Fotos mit Gimp retuschieren. (amü)

Infos
[1] Digikam-Artikel: Andrea Müller, "Showtime", EasyLinux 06/2005, S. 30 ff.
[2] Artikel über das mounten von Dateisystemen: Hans-Georg Eßer und Heike Jurzik, "Bergsteiger", EasyLinux 06/2004, S. 80 ff., http://www.easylinux.de/2004/06/080-guru-mount/
[3] Artikel über Bildbearbeitung auf der Kommandozeile: Heike Jurzik, "Zauberhafte Bildbearbeitung", EasyLinux 06/2006, S. 89 f. -- auf der Jahres-CD

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