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Erschienen in EasyLinux 07/2006   »   Ausgabe bestellen

Raw-Fotos mit Gimp bearbeiten

Rohe Fotos

Martin Loschwitz


Digitale Spiegelreflex-Kameras können häufig Raw-Fotos speichern -- was das heißt, bleibt den Benutzern aber oft verborgen. Wir erklären die Technik und zeigen, wie Sie Raw-Fotos mit Gimp bearbeiten.

Die ersten Vertreter der Digitalkameratechnik waren einfach Knipskisten, Spiegelreflex-Modelle gab es nur für Profifotografen und zu entsprechenden Preisen. Doch die Preise sinken. Spiegelreflex-Kameras stechen die kleinen Pocket-Modelle insbesondere damit aus, dass sie eine Wechselobjektfassung haben und qualitativ deutlich bessere Bilder schießen. Spätestens mit den EOS-350-Modellen von Canon sind sie überdies für Heimanwender erschwinglich geworden.

Wenn Sie schon eine solche Kamera besitzen, ist Ihnen eine der nützlichsten Funktionen des Geräts vielleicht noch gar nicht aufgefallen: die Möglichkeit, so genannte Raw-Fotos zu machen.

Der kleine Unterschied

Wenn Sie mit einer Pocket-Kamera oder mit einer digitalen Spiegelreflex im Standardmodus Bilder machen, öffnet sich beim Druck des Auslösers kurz das Objektiv, der dahinter befindliche Sensor nimmt das Bild auf und sendet die Daten an den Bildprozessor im Innern der Kamera. Dieser "entwickelt" das Foto: Er interpretiert die Sensordaten, führt den automatischen Weißabgleich und eine Farbkorrektur durch und komprimiert das Foto im JPEG-Format, bevor er es auf der Speicherkarte ablegt.

Leider holt die Software einer Kamera nicht immer das Optimale aus der Aufnahme heraus -- Über- oder Unterbelichtungen, Unschärfe und Farben, die offensichtlich verwaschen sind, sind die Folge.

Mit Bildbearbeitungsprogrammen kann man zwar anschließend meistens das Bild noch retten -- das Gelbe vom Ei kommt dabei allerdings nicht raus.

Raw statt JPEG

Das Prinzip, das bei Raw-Fotos zum Einsatz kommt, ist simpel: Genau wie im Standardmodus nimmt der Kamera-Sensor das Bild auf. Danach verändert die Kamera-Software die Bilddaten aber nicht mehr, sondern legt sie genau so, wie der Sensor sie geliefert hat, auf der Speicherkarte ab. Es findet keine Bearbeitung innerhalb der Kamera statt. Dieses Format heißt Raw-Format, weil es unbearbeitete (engl. "raw") Bilddaten speichert.

Die Bilder kopieren Sie später auf einen PC und bearbeiten sie mit entsprechenden Grafikprogrammen. Bei dieser Vorgehensweise ist der Computer für Farb- und Helligkeitskorrektur zuständig, nimmt der Kamera also einen Teil der Arbeit ab. Dafür ist er nicht nur wesentlich leistungsstärker als ein kleiner Kamera-Prozessor, sondern Tool wie Gimp und Adobe Photoshop sind auch viel mächtiger als die jeweilige Kamera-Firmware.

Gute Fotos werden so noch besser, und auch Bilder, die wegen der Umstände bei der Aufnahme (z. B. Unterbelichtung) weniger gelungen sind, lassen sich so meistens retten: Schließlich muss das Programm am PC nicht die falschen "Korrekturen" der Kamera-Firmware beseitigen...

Raw fotografieren

Wenn Sie eine digitale Spiegelreflex-Kamera besitzen, verrät ein Blick in das Handbuch, ob die Kamera RAW-Aufnahmen machen kann. Meistens muss die Option im Menü explizit aktiviert werden. Bei Canon-Kameras ist es nötig, die Kamera auf den "Manual"-Modus umzuschalten, damit die Option überhaupt im Menü erscheint.

Beachten Sie, dass Raw-Fotos wesentlich größer als normale Bilder sind, weil sie nicht ins JPEG-Format umgewandelt (also nicht komprimiert) werden. Deshalb ist es durchaus möglich, dass eine CF- oder SD-Karte für 50 Raw-Fotos zu klein ist, obwohl 250 "normale" Bilder locker darauf Platz haben. Hier hilft nur, entweder nur ausgewählte Aufnahmen im RAW-Format zu speichern oder die aktuelle Preislage zu nutzen und weitere Speicherkarten zu kaufen.

Raw-Fotos mit Gimp bearbeiten

Gimp kann prima mit Raw-Bildern umgehen, wenn Sie das passende Plug-in installieren. Es gibt allerdings derzeit kein Plug-in, das die Bilder direkt aus der Kamera ausliest. Daher benötigen Sie einen (USB-) Cardreader, in den Sie die Speicherkarte Ihrer Digitalkamera stecken und den Sie dann an den Computer anschließen.

Damit Gimp Raw-Fotos lesen kann, benötigen Sie das Gimp-Plug-in "UFraw". Weil es kein Paket für Suse Linux 9.3 gibt, greifen Sie hier auf das "rawphoto"-Plug-in für Gimp zurück. Das benutzt intern das kleine Programm dcraw, das die Rohbilddaten einliest und in ein Format übersetzt, das Gimp versteht. Folglich installieren Suse-9.3-Anwender zwei Pakete.

Unter Suse Linux 9.3 installieren Sie von der Heft-CD die Pakete dcraw und rawphoto. Mandriva-2006-Anwender spielen UFraw-gimp ein, Suse-10.0-Benutzer installieren von der Heft-CD UFraw. Bei KUbuntu heißt das entsprechende Paket gimp-UFraw (ebenfalls auf der Heft-CD).

Bilder kopieren

Es empfiehlt sich, die Raw-Fotos von der Speicherkarte auf die Platte zu kopieren, bevor Sie diese mit Gimp bearbeiten. So haben Sie einerseits auf der Karte eine Sicherungskopie, falls mal etwas schief geht; andererseits dauert das Speichern der veränderten Bilder auf der Speicherkarte endlos lang, weil Speicherkarten nicht so schnell wie Festplatten sind.

Nach dem Anschließen des Cardreaders finden Sie die Dateien bei Suse und Mandriva Linux unter /mnt/(Name des Volumes) und bei Kubuntu unter /media/(Name des Volumes). "Name des Volumes" ersetzen Sie dabei jeweils durch den Namen des Dateisystems auf der Karte. Karten, die eine EOS-Digitalkamera formatiert hat, heißen immer EOS_DIGITAL. Um den Mount-Punkt zu finden, öffnen Sie am besten in einem Datei-Manager-Fenster das Verzeichnis /mnt oder /media und beobachten, wo nach dem Anschließen der Speicherkarte ein neuer Ordner erscheint.

Suchen Sie im neuen Verzeichnis und in allen Unterordnern Dateien, deren Endung .cr2 oder .CR2 ist. Kopieren Sie diese Dateien in einen neuen Ordner in Ihrem Home-Verzeichnis.

Raw-Fotos in Gimp öffnen

  1. Starten Sie Gimp über das K-Menü oder mit [Alt-F2] und Eingabe von gimp in den Schnellstartdialog.
  1. Öffnen Sie über Datei / Öffnen eine der Dateien mit .cr2-Endung.
  1. Es erscheint der "rawphoto"-Dialog. Das Plug-in ist nicht ins Deutsche übersetzt, was aber nicht weiter tragisch ist, weil zunächst nur wenige Elemente von Interesse sind (Abbildung 1).

Abb. 1: Mit Raw-Fotos haben Sie die Macht! Aus einer augenscheinlich missratenen Aufnahme wird in Windeseile ...
  1. Klicken Sie bei White Balance auf den Belichtungstyp, der den Umständen beim Fotografieren entspricht. Camera steht für die von der Kamera gelieferten Einstellungen, Direct Sunlight für Sonne, Cloudy für eine bewölkte Umgebung und Incandescent wie auch Fluorescent für Kunstlicht.
  1. Klicken Sie auf Corrections -- hier passen Sie Farbe und Helligkeit des Lichts an. Schieben Sie den Regler Exposure zunächst so weit nach rechts, bis das Bild eine vernünftige Helligkeit aufweist. Korrigieren Sie mit Saturation dann die Farbsättigung, bis die Objekte und Personen auf dem Bild natürlich aussehen.

Abb. 2: ... ein ansehnliches Foto, dem man die Panne beim Aufnehmen nicht mehr anmerkt.
  1. Klicken Sie auf Ok.

Gimp importiert das Bild und öffnet es wie gewohnt im Gimp-Fenster. Sollten ihnen die Farb- und Helligkeitswerte noch immer nicht gefallen, können Sie diese, wie im Gimp-Workshop [1] beschrieben, weiter verändern.

Speichern Sie das Bild schließlich im JPEG-Format. (hge)

Sonderweg Suse 9.3

Suse-9.3-Anwender gehen bis Schritt 3 genau so vor wie im Artikel beschrieben -- weil Suse Linux 9.3 allerdings recht alt ist, steht hier das UFraw-Plug-in nicht zur Verfügung. Deshalb greifen Sie an dieser Stelle auf dcraw und das Gimp-Plug-in rawphoto zurück.

Der Rawphoto-Dialog unterscheidet sich vom UFRaw-Dialog vor allem in der Menge der Features; unter anderem kennt er keine Vorschau. Hier ist also Tüfteln angesagt, bis Sie das ideale Resultat aus einem Bild herausgeholt haben.

Setzen Sie beim Importieren mit Rawphoto einen Haken vor die letzte Option unten und setzen Sie mit den Reglern darunter dann so lange verschiedene Werte, bis Sie die ideale Kombination gefunden haben.

Infos
[1] Gimp-Workshop, Martin Loschwitz: "Farbenspiele", EasyLinux 10/2004, S. 12 ff., http://www.easylinux.de/2004/10/012-gimp/
[2] UFRaw: Unidentified Flying Raw, http://ufraw.sourceforge.net/
[3] dcraw: http://www.cybercom.net/~dcoffin/dcraw/
[4] rawphoto: http://wolf.ifj.edu.pl/~jochym/soft.php

Auf der Heft-CD:


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