claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 07/2006   »   Ausgabe bestellen

Bildbetrachter im Vergleich

Schnelle Schau

Marcel Hilzinger


Die digitale Technik macht auch vor dem Fotoalbum nicht halt. Lesen Sie hier, mit welchen Programmen Sie Ihre Fotos auf dem Bildschirm betrachten.

Besitzen Sie eine digitale Kamera, kennen Sie das Problem bestimmt: Nach dem Urlaub warten Hunderte von Bildern darauf, sortiert und am PC betrachtet zu werden. Für diese Aufgabe benötigen Sie einen möglichst guten Bildbetrachter. Welches Programm diese Aufgabe am besten erfüllt hängt teilweise auch von Ihrer Linux-Installation ab, da einige hier vorgestellte Programme nicht für sämtliche Distributionen verfügbar sind.

Kuickshow

Kuickshow ist ein schneller Bildbetrachter, der seine Stärken dann ausspielt, wenn man nur schnell mal ein paar Bilder anschauen will. Das Programm gehört bei Mandriva Linux zur Standardinstallation. Unter Suse und Ubuntu Linux müssen Sie Kuickshow mit dem Paket-Manager nachinstallieren. Sie finden es bei Suse Linux im Paket kdegraphics3-imaging, und unter Ubuntu gibt es kuickshow im Universe-Repository. Zum Start des Bildbetrachters drücken Sie [Alt-F2] und geben den Befehl kuickshow ein.

Nach dem ersten Start sieht Kuickshow zunächst wie ein gewöhnlicher Datei-Manager aus und zeigt den Inhalt des Home-Verzeichnisses an (Abbildung 1). Befinden sich darin Bilder, zeigt das KDE-Programm sie verkleinert an (Thumbnails). Sobald Sie ein Bild anklicken, öffnet Kuickshow es in einem separaten Fenster. Hier zeigt das Programm über [BildAuf] und [BildAb] auch die übrigen Bilder im Verzeichnis an. Ein Klick mit der rechten Maustaste öffnet das Kontextmenü. Hier starten Sie die zentralen Funktionen von Kuickshow: Drehen, spiegeln, vergrößern und so weiter. Wie es sich für einen schnellen Bildbetrachter gehört, erreichen Sie diese Funktionen auch per Tastatur: Ein Druck auf [9] dreht zum Beispiel Bilder um 90 Grad, [O] zeigt das Bild in Originalgröße an, [M] in der größtmöglichen Darstellung. Die Helligkeit korrigieren Sie über [B] und [Umschalt-B], den Kontrast mit [C] und [Umschalt-C]. Über [+] und [-] vergrößern und verkleinern Sie die Ansicht. Möchten Sie die Bilder im Vollbildmodus betrachten, müssen Sie die entsprechende Option unter Einstellungen / Einstellen von Kuickshow / Allgemein aktivieren. Hier ändern Sie auch die Tastenkürzel für die meisten Funktionen.

JPEG-Bildern können Sie in Kuickshow auch einen Kommentar zuweisen. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf ein Bild und wählen Sie Eigenschaften aus dem Kontextmenü.Auf dem Reiter Meta-Info tragen Sie anschließend Ihren Kommentar ein. Über das Symbol links vom Schraubenschlüssel schalten Sie den Vorschaumodus ein. Einen separaten Menüpunkt oder Hotkey gibt es dafür nicht. Möchten Sie mit Kuickshow eine Diashow starten, wählen Sie Datei / Diashow starten oder drücken [F2]. Die Diashow startet Kuickshow bei Grundeinstellungen im Vollbildmodus. Zum Beenden wählen Sie [Esc].

Abb. 1: Als schneller Bildbetrachter konzentriert sich Kuickshow auf das Wesentliche.

Gwenview

Gwenview ist der neue Standard-Bildbetrachter von Suse Linux. Für Ubuntu finden Sie im Universe-Repository ein Paket; benutzen Sie unsere Kubuntu-CD, installieren Sie das Programm einfach über den Paket-Manager. Beachten Sie hier, dass Sie zusätzlich noch kipi-plugins installieren müssen, um den vollen Funktionsumfang der KDE-Bildbetrachter genießen zu können. Als Abhängigkeit von kipi-plugins installiert Ubuntu dann auch die für die Exif-Informationen zuständige Bibliothek libkexif1. Für Mandriva Linux finden Sie auf der Gwenview-Homepage [1] fertige Pakete.


Exif-Informationen: Einige Bildformate (zum Beispiel JPG und TIF) können neben dem eigentlichen Bild auch zusätzliche Informationen speichern, zum Beispiel, mit welcher Kamera das Bild erstellt und ob ein Blitz verwendet wurde.

Gwenview startet im klassischen Dreifenstermodus. Links oben finden Sie den Datei-Browser. Sobald Sie ein Verzeichnis anklicken, zeigt das KDE-Programm rechts die darin vorhandenen Ordner und Bilder und links unten eine Vorschau des ersten Fotos an. Um ein Bild im Vollbildmodus zu betrachten, klicken Sie in der rechten Fensterhälfte doppelt auf das gewünschte Foto. Zum nächsten Bild springen Sie dann mit der Leertaste, zurück bringt Sie die Rücktaste. Stört Sie im Vollbildmodus die Navigationsleiste, lassen Sie diese mit der Eingabetaste verschwinden. Gwenview gehört nicht zu den schnellsten Bildbetrachtern, die Stärken des Programms liegen in den zahlreichen Zusatzfunktionen. Über die Eingabezeile links unten (Abbildung 2) fügen Sie dem markierten Bild einen Kommentar hinzu. Ist diese Zeile nicht sichtbar, wählen Sie Fenster / Dateiinformationen anzeigen. Den eingefügten Text speichert Gwenview mit dem Bild zusammen, er steht somit auch anderen Bildbetrachtern zur Verfügung.

Ordnen Sie Ihre Fotos in zahlreichen Unterverzeichnissen, hilft die Lesezeichenfunktion, bestimmte Bilder schnell wieder zu finden. Um das aktuelle Verzeichnis als Lesezeichen aufzunehmen, drücken Sie [Strg-B] oder wählen Lesezeichen / Lesezeichen hinzufügen. Das Menü Plugins bietet Zugriff auf die zahlreichen Bildbearbeitungsfunktionen der Kipi-Plug-Ins. Details dazu lesen Sie auch im Artikel "Fotolabor für Eilige" ab Seite 23.

Abb. 2: Gwenview bringt alles mit, was ein Bildbetrachter braucht. Nur die Fotos müssen Sie selber schießen.

Showimg

Auch Showimg gehört mit seinem Dreifenstermodus zu den klassischen Bildbetrachtern. Das KDE-Programm ist bei keiner EasyLinux-Distribution mit dabei. Wir stellen es aber trotzdem vor, da es als einziger Bildbetrachter auch Videos anzeigt. Das ist praktisch, wenn Sie mit Ihrer digitalen Kamera nicht nur Bilder schießen, sondern ab und zu auch kurze Filme aufnehmen. So müssen Sie beim Anschauen nicht immer zwischen Bildbetrachter und Media-Player wechseln. Als eingebetteten Player benutzt Showimg das KDE-Programm Kaffeine. Fertige Pakete zum Download für Suse und Mandriva Linux finden Sie auf der Homepage des Programms [2]. Ubuntu bringt im Universe-Repository Pakete mit.

Links oben sehen Sie die Ordnerliste, darunter den Inhalt des jeweiligen Ordners. In der rechten Fensterhälfte zeigt Showimg wahlweise eine Vorschau oder Informationen zum aktuellen Bild an. In den Vollbildmodus wechselt das KDE-Programm per Doppelklick oder mit [Strg-F], eine Diashow starten Sie über Ansicht / Diashow. Die Navigation im Vollbildmodus erfolgt wahlweise über [BildAuf] und [BildAb] oder mit der Leer- und Rücktaste.

Showimg überzeugt durch einfache Handhabung und nützliche Bearbeitungsfunktionen. So lässt sich zum Beispiel über den Menüpunkt Ansicht / Effekte ein beliebiger Effekt einstellen, der sich dann auf alle Bilder bezieht. Showimg speichert aber die Bilder nicht neu, sondern wendet nur den Effekt an. Das heißt, Sie können sich zum Beispiel Ihre Urlaubsfotos zur Abwechslung auch mal in Schwarz-weiß oder als Kohlezeichnung anschauen (Abbildung 3), ohne dass Sie dazu alle Bilder konvertieren müssten. Gefällt Ihnen ein Foto besonders gut, richten Sie dieses über Bild / Als Hintergrund einstellen für den Arbeitsplatz ein.

Bei der Suche nach ähnlichen Bildern hilft Ihnen der Menüpunkt Extras / Bilder suchen. Wählen Sie hier Schneller Vergleich, sucht Showimg Duplikate. Bei Toleranter Vergleich findet das Programm auch ähnliche Bilder.

Der Viewer besitzt auch eine Funktion zum Umbenennen mehrerer Bilddateien (Extras / Stapelverarbeitung) und unter Bearbeiten / Bildinfo einen erweiterten Editor für Bildkommentare. Leider bietet Showimg keine Möglichkeit, nach diesen Kommentaren zu suchen oder Bilder danach zu gruppieren. Als einziger der getesteten Bildbetrachter erlaubt Showimg auch das direkte Einscannen von Bildern. Sie finden diese Funktion unter Extras / Bild einscannen.

Abb. 3: Showimg zeigt Bilder auf Wunsch automatisch mit einem bestimmten Effekt an. Das KDE-Programm spielt auch Videos ab.

F-Spot

F-Spot (Abbildung 4) ist eine Eigenentwicklung von Novell. Daher erstaunt es nicht, dass lediglich Suse Linux diesen Bildbetrachter mitbringt. Die Installation ist aber auch unter Ubuntu kein Problem, falls Sie das Repository Universe eingebunden haben. Bei Mandriva Linux ist das Einrichten von F-Spot nicht ganz trivial. Hier empfehlen wir, die Alternative Flphoto zu benutzen (siehe unten).

F-Spot arbeitet mit einer internen Datenbank, in der es Bilder entweder chronologisch oder nach Stichworten (Markierung genannt) sortiert. Die Markierungen Favorites, Hidden, People, Places, Events und Other bringt das Programm bereits mit. Möchten Sie eine Unterkategorie anlegen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine der grau eingefärbte Einträge und wählen Neue Kategorie anlegen. Möchten Sie die englischen Begriffe durch deutsche ersetzen, wählen Sie Markierung bearbeiten.

Um der Datenbank Bilder hinzuzufügen, wählen Sie Datei / Importieren und geben dann das gewünschte Verzeichnis an. Über die Checkbox Markierung hinzufügen wählen Sie die gewünschte Kategorie aus. Es lohnt sich, diese vor dem Import anzulegen. Die importierten Bilder bleiben im Original erhalten, F-Spot ändert lediglich die Anzeige.

Mit dem Schieberegler über der Vorschauansicht navigieren Sie auf der Zeitachse. Das Programm zeigt dann nur die zum jeweiligen Monat passenden Bilder an. Die Zeit ermittelt F-Spot aus den Exif-Informationen des Bildes. Ein Klick auf das Diashow-Symbol zeigt sämtliche Bilder ab dem ausgewählten im Vollbildmodus an. Mit Bild bearbeiten wechselt F-Spot den Ansichtsmodus: Das Programm zeigt dann nur ein Bild an, und Sie können dieses bearbeiten (Abbildung 5). Markieren Sie dazu einen Bereich oder das ganze Bild und wählen Sie eine der folgenden Funktionen aus:

F-Spot wendet die Änderungen nicht auf das Originalbild an, sondern erstellt eine Kopie. Möchten Sie wieder das Original sehen, wählen Sie links unter Version den Eintrag Original aus. Um die Modifikationen am Original anzuwenden, wählen Sie Datei / Export / Export to Original. Über das Export-Menü erstellen Sie auch mit wenigen Mausklicks eine Foto-CD (Export to CD).

Abb. 4: F-Spot sortiert Bilder chronologisch und nach Markierungen.

Abb. 5: F-Spot bringt nur wenige Bearbeitungsfunktionen mit. Diese funktionieren aber einfach und zuverlässig.

Flphoto

Flphoto ist ein kleiner Alleskönner, wenn es um die Verarbeitung von digitalen Bildern geht. Sie können damit Fotos von Ihrer Digitalkamera herunterladen und sie dann gleich zu Papier bringen. Dabei kann das Programm nicht nur einzelne Bilder drucken, sondern auch Serien oder mehrere Bilder auf einer Seite. Sie finden den Bildbetrachter bei Mandriva Linux auf der DVD. Suse Linux bringt das Programm nur auf der Kauf-DVD mit. Benutzen Sie unser Starter Kit, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Laden Sie sich von [3] die Pakete fltk und flphoto herunter und speichern Sie diese in Ihrem Home-Verzeichnis.
  1. Klicken Sie das Fltk-Paket in Konqueror an. Im neuen Dialog wählen Sie Paket mit YaST installieren.
  1. Geben Sie im nächsten Fenster das Root-Passwort ein und bestätigen Sie mit [Eingabe].

Hat YaST fltk installiert, wiederholen Sie Schritt 2 und 3 für das Paket flphoto.

Der Start des Programms geht am einfachsten über die Mini-Kommandozeile: Drücken Sie dazu [Alt-F2] und geben Sie dann den Befehl flphoto ein. Der Bildbetrachter startet zunächst mit einem leeren Album. Um dieses zu füllen, können Sie entweder Fotos von der Kamera laden, ein ganzes Verzeichnis oder einzelne Bilder hinzufügen. Wählen Sie dazu den Punkt Album / Hinzufügen aus. Bei Verzeichnissen fügt Flphoto jeweils nur die Bilder im aktuellen Verzeichnis dem Album hinzu, Bilder in Unterordnern hingegen nicht. Abbildung 6 zeigt die Anwendung mit einem aufgefüllten Album.

Wählen Sie den Menüpunkt Kamera aus, sollte Flphoto die Kamera automatisch erkennen und die Bilder anzeigen. Sie können dann über Übertragen ausgewählte oder alle Bilder in das unter Empfangsordner angegebene Verzeichnis kopieren und ein Album erstellen.

Damit Sie später wieder auf das Album zugreifen können, lohnt es sich dieses zu speichern. Wählen Sie dazu Album / Speichern aus und geben Sie der Sammlung einen Namen. Flphoto erweitert diesen automatisch um die Erweiterung .album.

Abb. 6: Das Hauptfenster von Flphoto zeigt unten Vorschaubilder an und in der Mitte die Hauptansicht.

Drucktalent

Eine der Stärken von Flphoto liegt in der Druckfunktion. Markieren Sie dazu mehrere Bilder mit gedrückter Steuerungstaste und wählen Sie dann Vorgewählte Bilder / Auswahl drucken. Möchten Sie ein ganzes Album ausdrucken, wählen Sie Album / Drucken aus dem Hauptmenü.

Im Druckdialog wählen Sie unter Drucker ihren Printer aus. Benutzen Sie das Programm zum ersten Mal, lohnt es sich, die Option Druck zum Einordnen anzuwählen (Abbildung 7). Mit dieser Option gibt Flphoto die Bilder nicht auf dem Drucker aus, sondern erstellt eine Postscript-Datei. Diese können Sie dann vor dem Druck nochmals anschauen, zum Beispiel im Konqueror.

Abb. 7: Der Druck-Dialog von Flphoto ermöglicht zahlreiche spezielle Funktionen.

Abb. 8: Optionen zum Kalenderdruck in Flphoto.

Unter Objekt(e) stellen Sie ein, ob Sie die markierten Bilder, nur ein Bild oder alle Bilder drucken möchten. Die wichtigsten Auswahloptionen finden Sie unter Format. Hier stellen Sie ein, wie viele Bilder Flphoto pro Seite drucken soll und in welchem Format. Ist das erste Symbol ausgewählt (Blatt mit vielen Vierecken), druckt das Programm einen Photoindex mit Kleinansichten der ausgewählten Bilder. Beim zweiten Punkt wird pro Bild eine ganze Seite gefüllt. Mit dem dritten und vierten Punkt lassen sich zwei oder vier Fotos pro Seite drucken. Praktisch ist dabei, dass Flphoto die Bilder automatisch dreht, um sie optimal anzuordnen.

Das drittletzte Symbol unter Format druckt Portrait- und Passfotos. Hinter dem vorletzten Symbol verbirgt sich eine Funktion, mit der Sie Kalender erstellen. Wählen Sie diese aus, wird der Reiter Kalendar aktiv (Abbildung 8).

Flphoto kann mehrere Arten von Kalendern drucken. Die verschiedenen Möglichkeiten finden Sie im Pull-down-Menü unter Art. Bei der Grundeinstellung Seite druckt Flphoto einen Monat und ein Bild pro Seite. Beim A4-Format werden damit Hochformat-Bilder ca. 12 x 9 cm groß, Bilder im Querformat füllen eine halbe A4-Seite. Für ganzseitigen Druck wählen Sie entweder die Funktion Gefaltet oder Verklemmt (die deutsche Übersetzung meint: geheftet). Dann müssen Sie nur noch das Jahr, den Anfangstag der Woche und den Monat einstellen, und schon können Sie über Drucken einen kompletten Kalender erstellen. Sie sollten aber in diesem Fall zunächst zwölf Bilder auswählen, sonst druckt Flphoto bei 100 Bildern bis zum Jahr 2017. (mhi)

Infos
[1] Gwenview: http://gwenview.sourceforge.net
[2] Showimg: http://www.jalix.org/projects/showimg/
[3] Flphoto für Suse: ftp://ftp.gwdg.de/pub/opensuse/distribution/SL-10.0-OSS/inst-source/suse/

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2012 Linux New Media AG | Last modified: 2008-11-05 16:58

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]