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Marcel Hilzinger
Besitzen Sie zu Hause eine Videokamera oder einen Videorecorder, haben Sie vielleicht schon mit dem Gedanken gespielt, Ihre alten Cassetten auf DVDs zu überspielen. Für Windows gibt es dazu diverse Hard- und Software im unteren Preissegment, die verspricht diese Aufgabe über USB 2.0 oder sogar USB 1.0 zu lösen. Unter Linux gibt es kaum Geräte, die das Digitalisieren über die USB-Schnittstelle erlauben. Da die USB-Lösungen auch unter Windows oft nicht zuverlässig funktionieren, sollten Sie gleich ein paar Euro mehr investieren und zu einem Firewire-Gerät greifen: Die von EasyLinux getesteten funktionieren problemlos.
Die Firewire-Unterstützung aktueller Linux-Distributionen ist sehr gut. Besitzt Ihr PC bereits eine Firewire-Schnittstelle (von Sony auch I.Link genannt), funktioniert diese vermutlich problemlos mit Linux. Auch die meisten PCI-Karten und Cardbus-Geräte sollten mit Linux zusammenarbeiten. Eine neue PCI-Karte kostet rund 20 Euro, PCMCIA- und Cardbus-Geräte für Notebooks bekommen Sie ebenfalls ab 20 Euro. Die Redaktion benutzte für die Test eine PCI- und eine Cardbus-Karte von Hama mit je zwei Firewire-800-Anschlüssen und einem Firewire-400-Anschluss. Die PCI-Karte funktionierte mit den EasyLinux-Distributionen problemlos. Bei Suse Linux 9.3 und Mandriva Linux muss das Firewire-Gerät beim Booten bereits angeschlossen sein, damit Linux die externen Geräte erkennt. Die Cardbus-Karte funktionierte nur mit Suse Linux 10.0 und Ubuntu Linux mit Kernel 2.6.10. Details zu Firewire lesen Sie im Kasten Schnelles Firewire.
| Schnelles Firewire |
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Als USB 1.0 noch mit 1,5 MByte/s Daten übertrug, konnte man dank Firewire 400 bereits Übertragungsraten um 20 MByte/s erreichen. Vor allem Sony und Apple setzten diese Technologie bei etlichen Geräten ein. Von Firewire gibt es zwei unterschiedliche Varianten (Abbildung 1): Firewire 400 (ieee1394a) ist seit dem Jahr 2000 auf dem Markt. Das Protokoll überträgt Daten mit einer Geschwindigkeit von rund 20 MByte/s. Es existieren zwei Stecker: Der große, sechseckige versorgt externe Geräte auch mit Strom, der kleine viereckige mit einer Einbuchtung überträgt nur Daten. Man findet ihn oft bei Notebooks oder Videokameras. Auch die hier vorgestellten Digital-Analog-Konverter arbeiten mit Firewire 400. Der Nachfolger Firewire 800 (ieee1394b) bringt es sogar auf 50 MByte/s. Es gibt ihn seit dem Jahr 2002. Die Buchse gleicht dem kleinen Firewire-400-Stecker ist aber genau so groß wie ein normaler Firewire-400-Stecker. Die Firewire-Schnittstelle fristet allerdings ein vernachlässigtes Dasein, eventuell deshalb, weil Firewire 400 und 800 nicht kompatibel sind. Auch brachte USB 2.0 deutliche Verbesserungen und war zum ersten Mal schneller als Firewire. Viele Hardwarehersteller benutzen deshalb nur die USB-Schnittstelle für ihre Geräte. Mit der Spezifikation ieee1394b hat zwar Firewire einmal mehr die Spitze im Geschwindigkeitswettbewerb übernommen, mangels verfügbarer Hardware setzt sich das Protokoll aber nur langsam durch. Bald sollen allerdings erste Firewire-1200-Geräte auf den Markt kommen. Vielleicht ändert sich die Situation dann ja wieder. Abb. 1: Firewire 400, Firewire 400 mini und Firewire 800 (von links nach rechts). |
Von den drei Digital-Analog-Konvertern empfiehlt die Redaktion den ADVC-300 von Canopus. Das Gerät ist zwar mit Abstand das teuerste im Testfeld (siehe Tabelle Testgeräte), es lieferte aber als einziges eine tadellose Bildqualität.
Um eine Stunde Film aufzunehmen, benötigen Sie 12 GByte freien Plattenplatz. Ist das Material einmal auf der Festplatte, möchten Sie es vermutlich in das MPEG2-Format umwandeln, um eine DVD oder eine SVCD zu brennen. Dazu brauchen Sie je nach gewünschter Qualität bis zu 2,5 GByte zusätzlichen Speicher pro Stunde. Die Umwandlung vom Rohformat ins MPEG-Format ist zudem sehr rechenintensiv: An einem 60-minütigen MPEG-Film arbeitet ein 1,4 GHz schneller Prozessor vier bis fünf Stunden. Je nach Qualität des Ausgangsmaterials ist das Ergebnis nicht immer optimal. Der ganze Aufwand lohnt sich also nur, um eigene Filme vor dem Verfall zu retten. Bei Spielfilmen kaufen Sie besser eine Original-DVD.
Erfüllt Ihr PC diese Anforderungen, können Sie sich an die Verkabelung machen. Besitzt Ihr Videorecorder nur einen Scart-Ausgang, benötigen Sie einen Scart-Composite-Adapter, den Sie in jedem TV-Fachgeschäft finden. Achten Sie darauf, den Output-Stecker oder einen Scart-Adapter mit einem Schalter für In- und Output (Abbildung 2) zu kaufen.
Optimalerweise verfügt der Adapter auch über einen S-Video-Stecker. Sind sämtliche Hardware-Komponenten vorhanden, nehmen Sie die Verkabelung vor:
Das Einlesen der digitalen Daten übernimmt unter Linux das Videoschnittprogramm Kino. Es gehört zum Standardumfang der EasyLinux-Distributionen. Kino benötigt allerdings für seine Arbeit auch die Mjpegtools, eine Sammlung von MPEG-Decodern. Diese müssen Sie unter Ubuntu und Suse Linux nachinstallieren: Für Suse Linux finden Sie entsprechende Pakete im Packman-Repository [1]. Sie müssen unbedingt diese Version verwenden, da der Originalversion von Suse zentrale Programme fehlen. Beim Starter Kit 10.0 befinden sich die Mjpegtools von Packman unter den Zusatzpaketen. Ubuntu-Benutzer installieren das Paket mjpegtools aus dem Multiverse-Repository nach.
Als letzte Vorarbeit sollten Sie noch den Bildschirmschoner ausschalten, da dieser je nach gewähltem Motiv den Prozessor stark belastet. Öffnen Sie dazu das KDE-Kontrollzentrum über [Alt-F2] und den Befehl kcontrol und entfernen Sie unter Erscheinungsbild / Bildschirmschoner die Checkbox vor Automatisch starten.
Starten Sie nun Kino über [Alt-F2] und den Befehl kdesu kino. Unter Ubuntu öffnen Sie dazu ein Terminal-Fenster, verschaffen sich mit dem Befehl sudo su Root-Rechte und geben dann den Befehl kino ein. Der Start als Root ist deshalb nötig, weil Sie in der Regel keinen direkten Zugriff auf die Firewire-Gerätedatei /dev/raw1394 besitzen. Hat alles geklappt, wechseln Sie in Kino rechts auf den Reiter Capture, starten auf dem VHS-Gerät die Wiedergabe und sehen nun das Bild des Videorecorders (Abbildung 4).
Abb. 4: Der Aufnahmedialog von Kino. Noch ist das Storyboard leer. |
Abb. 5: Hat Kino die Konverter-Box erkannt, kann die Aufnahme beginnen. |
Funktioniert dies nicht, wählen Sie Edit / Preferences und überprüfen, ob auf dem Reiter IEEE 1394 unter Device Ihre Konverter-Box aufgeführt ist (Abbildung 5). Achten Sie auch auf die Meldungen, die Kino in der Statuszeile am unteren Bildschirmrand anzeigt. Bei Problemen sind in der Regel die Firewire-Module nicht geladen. Öffnen Sie dann über [Alt-F2] und den Befehl kdesu konsole das KDE-Terminal und geben Sie anschließend folgende Befehle ein:
modprobe raw1394 modprobe video1394 modprobe sbp2
Auch hier müssen Sie unter Ubuntu zunächst ein Terminal öffnen und dann mit sudo su zum Systemadministrator wechseln.
Unter Edit / Preferences / Other tragen Sie ins Feld Default Project Directory das Verzeichnis ein, das am meisten freien Speicher aufweist. Sie verhindern damit, versehentlich mit einer Aufnahme die Festplatte zu füllen. Um die Qualität der Tonspur zu verbessern, ändern Sie auf dem Reiter Defaults die Audioeinstellung auf 44.1khz Stereo. An den restlichen Vorgaben müssen Sie nichts ändern.
In den Tests lief die Aufnahme mit sämtlichen Geräten problemlos. Kino stürzte kein einziges Mal ab und produzierte durchwegs gutes Material. Drei Negativpunkte fielen allerdings auf:
Sind Sie mit der Aufnahme fertig, können Sie die einzelnen Szenen noch schneiden oder mit Effekten versehen. Details dazu lesen Sie unter [2]. Um das Material unverändert ins MPEG-Format zu exportieren, klicken Sie rechts auf Export und wechseln auf den Reiter MPEG. Hier geben Sie zunächst unter File den Dateinamen ohne Endung aber mit vollem Pfad an, zum Beispiel /videos/film1. Dann wählen Sie als File-Format den gewünschten Eintrag. 8 -- DVD produziert die beste Qualität mit rund 2,5 GByte pro Stunde Film. 3 -- Generic MPEG2 reduziert die Dateigröße auf 1,5 GByte pro Stunde. Um die typischen Streifen auf TV-Aufnahmen zu entfernen, entscheiden Sie sich zudem noch für eine Deinterlace-Methode. In den Tests erreichten wir mit dem internen Deinterlacer gute Resultate. Ein Klick auf Export startet den Kodiervorgang -- Zeit, einen Kaffee zu trinken. (mhi)
| Infos |
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[1] Mjpegtools für Suse Linux: http://packman.links2linux.de/?action=154
[2] Kino-Workshop: Tim Schürman, "Editor's Cut -- Video-Bearbeitung mit Kino", EasyLinux 07/2004, S. 26. |
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Last modified: 2008-11-05 16:58
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