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Erschienen in EasyLinux 07/2006   »   Ausgabe bestellen

iPods unter Linux mit Gtkpod verwalten

Alles im weißen Bereich

Martin Loschwitz


Bei MP3-Playern mit eigener Festplatte sind Apples iPods besonders populär. Mit etwas Überredungskunst arbeiten sie sogar mit Linux zusammen.

Der iPod hat sich von einem teuren Nischenprodukt zu Apples absolutem Verkaufsschlager gemausert. Er hat allerdings einen kleinen Nachteil: Während Windows- und Mac-OS-Benutzer ihn einfach an den Computer anschließen und iTunes [1] automatisch startet, gucken Linux-Anwender zunächst in die Röhre: Das Apple-Tool iTunes gibt es nicht für Linux.

Linux-Benutzer haben trotzdem eine Chance, Musik auf ihren iPod zu kopieren. Die Lösung heißt Gtkpod [2] -- und weil der Linux-Weg zwar nicht ganz so komfortabel wie iTunes ist, dafür aber Features bietet, die iTunes nicht kennt, lohnt es sich, einen Blick auf Gtkpod zu werfen!

Prinzipielles

Mit Gtkpod kopieren Sie bequem Musikstücke oder Videos auf den iPod zu laden oder löschen sie. Außerdem erstellen und verwalten Sie Playlists mit allen Features, die iTunes unterstützt. Dazu gehören das Bewerten von Liedern und das Erstellen intelligenter Playlists.


Intelligente Playlist: Anders als bei einer normalen Playlist gibt man bei einer "intelligenten" ein Suchkriterium ein, beispielsweise ein Wort, das im Titel vorkommen soll, oder eine Bewertung.

Im Hintergrund nutzt Gtkpod ganz einfache Bordmittel der Linux-Distributionen: Um auf den iPod zuzugreifen, behandelt das Tool ihn genauso wie Windows und Mac OS auch.

Bei allen drei Systemen ist der iPod zunächst ein externes Laufwerk, genau wie eine externe USB-Festplatte oder eine CF-Speicherkarte, die mit einem Cardreader ausgelesen wird. Ist der iPod angeschlossen, greift iTunes unter Windows und Mac OS auf das iPod-Dateisystem zu, wovon der Benutzer nichts merkt.

Bei Linux läuft das ähnlich: Hier hängt das System automatisch den iPod ein, der Benutzer sagt Gtkpod dann, wo im System der iPod zu finden ist. Gtkpod modifiziert die Dateien auf dem iPod danach wie auf jedem anderen USB-Massenspeicher auch. Windows kann das native Dateisystem von Mac OS, HFS+, nicht lesen. Einen fabrikneuen iPod muss deshalb umformatieren, um ihn an einem Windows-Rechner zu betreiben. Linux liest HFS+ und das Windows-Dateisystem FAT, darum erübrigt sich hier das Formatieren eines Original-iPods.

Voraussetzungen schaffen

Gtkpod gehört bei keiner der von EasyLinux unterstützten Distributionen zum Lieferumfang -- auf unserer Heft-CD finden Sie die benötigten Pakete. Installieren Sie diese, wie in der Anleitung zur Heft-CD beschrieben. Der Paketname ist bei allen vier Distributionen gtkpod.

Ist das Paket installiert, schließen Sie zunächst den iPod an Ihren Rechner an. Linux erkennt eine externe Festplatte und hängt sie in das Dateisystem ein. Suse- und Mandriva-Anwender finden den MP3-Player anschließend unter /media/Name_des_Laufwerks, Kubuntu-Freunde unter /mnt/Name_des_Laufwerks. Name_des_Laufwerks ist dabei der Name des iPod-Dateisystems; schauen Sie am besten in einem Datei-Manager-Fenster nach, welches neue Verzeichnis Linux nach dem Anschließen des iPods in /media oder /mnt erstellt.

Gtkpod kann sich nun bereits über die iPod-Bibliothek hermachen. Dazu gehen Sie wie folgt vors:

  1. Starten Sie Gtkpod über das K-Menü oder mit [Alt-F2] und Eingabe von gtkpod in das Schnellstartfenster.
  1. Rufen Sie den Menüpunkt Bearbeiten / Einstellungen auf. Es öffnet sich dann der Konfigurationsassistent.
  1. Stellen Sie sicher, dass im Feld neben iPod Mount-Point der Pfad zum Verzeichnis steht, in dem Ihr PC den iPod einhängt: Hier tragen Sie den Namen des Ordners ein, der erstellt wurde, als Sie den iPod angeschlossen haben.
  1. Klicken Sie auf Ok, um den Konfigurationsdialog zu schließen. Es folgt noch ein Klick auf Einlesen im Gtkpod-Hauptfenster.

Überblick behalten

Die Gtkpod-Oberfläche ist nicht kompliziert und gut überschaubar. Nach der Gtkpod-Initialisierung klicken Sie links doppelt auf iPod von (Name), um eine komplette Liste aller Lieder auf dem iPod zu sehen (Abbildung 1).

Abb. 1: Die Gtkpod-Oberfläche erlaubt schnellen Zugriff auf die Lieder auf dem iPod.

Im linken Rahmen des Fensters erscheinen zudem alle Playlists, die auf dem iPod gespeichert sind. Unter Local legen Sie bei Bedarf intern für Gtkpod eine neue Musikbibliothek an, die das Programm anschließend als Basis für die Synchronisation mit dem iPod verwendet. Podcasts leistet das Gleiche für die populären Amateurradiosendungen namens Podcast [3].


Podcast: Kunstwort, das aus Apples tragbarem MP3-Player iPod und dem englischen Verb to cast (senden) gebildet ist. Podcasts sind meist lange MP3-Dateien, die wie eine Radiosendung aufgebaut sind, also oft aus Musik und Moderation bestehen.

Wählen Sie links eine Playlist aus, sehen Sie im rechten, dreigeteilten Bereich des Gtkpod-Fensters alle Interpreten, von denen Lieder vorhanden sind, alle Albennamen und darunter alle Lieder des jeweiligen Albums. Über die verschiedenen Registerreiter können Sie jedoch auswählen, in welchem Teil des Fensters das Programm welche Informationen anzeigt. Wählen Sie links oben beispielsweise Genre und rechts Titel, zeigt das Programm Ihnen unten eine Liste aller vorhandenen Titel sortiert nach dem Genre an.

Unter der Dateileiste sehen Sie die Navigationsleiste von Gtkpod: Hier erreichen Sie die wichtigsten Funktionen schnell über Buttons mit intuitiven Bezeichnungen.

Lieder auf den iPod kopieren oder löschen

Jetzt geht's los: Gtkpod verwendet ein pfiffiges System zum Speichern von Daten auf dem iPod: Alle Veränderungen, die Sie im Programm vornehmen, werden nicht unmittelbar auf den iPod übertragen. Das Programm merkt sich stattdessen die notwendigen Befehle und führt sie erst aus, wenn Sie auf den Abgleichen-Button klicken.

So kopieren Sie ein neues Lied auf den iPod:

  1. Klicken Sie im Hauptfenster auf den Button Dateien. Möchten Sie statt einer einzelnen Datei gleich einen ganzen Ordner hochladen, hilft Verzeichnisse weiter.
  1. Wählen Sie eine Datei oder einen Ordner aus und beachten Sie, dass es sich entweder um MP3- oder um AAC-Dateien handeln muss: Andere Formate versteht der iPod nicht. Bei Videos sind die Formate MPEG4 und H.264 möglich.
  1. Klicken Sie auf Ok. Im Hauptfenster erscheinen dann links bei Local der Name des Lieds, sein Pfad im Dateisystem und seine Länge.
  1. In der Button-Leiste klicken Sie schließlich auf Abgleichen. Warten Sie, bis Gtkpod Ihnen mitteilt, dass die Synchronisierung des iPods geklappt hat.

Gtkpod unterstützt alle iPod-Generationen. Wenn Sie ein Gerät der vierten Generation in der "Foto"-Variante oder einen iPod der fünften Generation besitzen, können Sie mit Gtkpod und der oben beschriebenen Methode auch JPEG-Bilder auf den iPod kopieren.

Es ist auch möglich, Lieder, ganze Alben oder Fotos sowie Videos bei Bedarf zu entsorgen:

  1. Klicken Sie dazu links auf iPod von und dann auf den Interpreten oder das Album im rechten Teil des Fensters.
  1. Rufen Sie den Untermenüpunkt von Bearbeiten / Löschen auf, der zu Ihrem Löschwunsch passt.
  1. Wenn Sie sicher sind, dass Sie alle Schritte korrekt durchgeführt haben, klicken Sie auf Abgleichen.

Playlist-Verwaltung

Gtkpod bietet viele Möglichkeiten zur Playlist-Verwaltung. Bereits auf dem iPod vorhandene Playlists zeigt es links an; wenn Sie lieber eine neue Playlist erstellen möchten, ist das aber auch kein Problem.

  1. Klicken Sie auf Neue PL.
  1. Geben Sie den Namen der Wiedergabeliste ein. ("Neue Wiedergabeliste" ist der Standardwert.)
  1. Klicken Sie auf OK. Die Playlist erscheint links bei den übrigen Listen.
  1. Öffnen Sie die Ansicht aller Lieder auf dem iPod. Möchten Sie ein bestimmtes Lied in die neue Playlist aufnehmen, schieben Sie es einfach per Drag & Drop dorthin.
  1. Das Lied erscheint in der Wiedergabeliste. Wiederholen Sie den Schritt für alle weiteren Lieder, die in die Playlist wandern sollen.
  1. Klicken Sie schließlich auf Abgleichen, damit Gtkpod Ihre Liste in das Dateisystem des iPods kopiert.

Zurück auf Anfang

Möchten Sie mit Ihrem iPod ganz von vorne anfangen, hilft Gtkpod auch dabei: Es kann nicht nur Musikdatenbanken im Format des iPods anlegen, sondern auch die gesamte iPod-Verzeichnisstruktur neu erstellen (Abbildung 2).

Abb. 2: Tabula rasa macht diese Funktion in Gtkpod: Alle Ordner werden dabei auf dem iPod neu angelegt.
  1. Löschen Sie in einem Dateimanager-Fenster zunächst manuell alle Dateien und Ordner vom iPod.
  1. Klicken Sie in Gtkpod auf Datei / iPod-Verzeichnisstruktur erstellen.
  1. Bestätigen Sie die Sicherheitsabfrage des Programms mit Ok und warten Sie, bis das Programm die Aktion abschließt.
  1. Der MP3-Player ist nun bereit, mit neuen Liedern bespielt zu werden; dazu verwenden Sie die weiter oben beschriebene Prozedur.
iPod als mobile Festplatte

Mobile Festplatten sind zwar nicht mehr so teuer wie früher -- wer einen iPod hat, braucht trotzdem keine: Mit Linux lässt sich das kleine Gerät nämlich wunderbar als mobile Platte einsetzen. Dazu ist nichtmal Gtkpod notwendig. Die Distribution erledigt nämlich das Wichtigste: Sie hängt den iPod in das Dateisystem ein -- danach können Sie bereits auf das iPod-Dateisystem schreiben.

Öffnen Sie nach dem Anschließen des iPods das Verzeichnis, in das der iPod eingehängt ist. Legen Sie darin ein neues Verzeichnis an und wechseln Sie hinein. Hierhin kopieren Sie jetzt nach Belieben Dateien -- die iPod-Software wird sie nicht anrühren.

Achten Sie darauf, dass Sie immer ein eigenes Verzeichnis außerhalb der iPod-Dateistruktur für Fremddateien anlegen! Weil die iPod-Firmware häufig Probleme bereitet, wenn sie statt gewohnter Lieder Fremddateien vorfindet, ist es sinnvoll, sie von den "blinden Passagieren" gar nichts wissen zu lassen.

Ist Ihr iPod mit dem FAT-Dateisystem von Windows formatiert, verwenden Sie Ihre Festplatte wahlweise mit Windows, Mac OS oder Linux.

Gtkpod ist ein Media-Player

Wie sein großes Vorbild iTunes hat Gtkpod Funktionen, die über ein einfaches Synchronisations-Tool hinausgehen. So lässt sich das Programm z. B. als normaler Audio-Player missbrauchen -- einen Track in der Playlist spielen Sie so ab:

  1. Wählen Sie ein Lied oder ein Album aus, das Sie abspielen möchten.
  1. Rufen Sie den passenden Menüpunkt unter Werkzeuge / Jetzt abspielen auf. Wenn Sie links eine Playlist ausgewählt haben, können Sie diese auch vollständig abspielen lassen.

Beachten Sie, dass Gtkpod nur Musikdateien abspielt. Videos und Bilder zeigt das Programm nicht an.

Kontakte, Adressen und Notizen

Gtkpod kann aber noch mehr -- schließlich bieten die iPods mittlerweile auch kleine Programme für einen Kalender, Kontakte und Notizen. Wenn Sie Evolution oder die entsprechenden KDE-Tools für Ihre tägliche Arbeit verwenden, sind Sie fein raus: Sie haben dann die Möglichkeit, mit Gtkpod die Daten auf den iPod zu kopieren. So wird das Gerät in kurzer Zeit zum halben PDA (Abbildung 3).

Abb. 3: Mit der Synchronisationsfunktion von Gtkpod wird der iPod in kürzester Zeit ein Multitalent mit Kalender und Kontakten.

So richten Sie den Datenabgleich ein:

  1. Starten Sie, wie am Anfang dieses Artikels beschrieben, den Assistenten zur Konfiguration von Gtkpod.
  1. Klicken Sie auf Werkzeuge. Unten sehen Sie nun Synchronisierung und darunter drei Eingabefelder. In diese Felder tragen Sie die Pfade zu Skript-Dateien ein, die mit Gtkpod ausgeliefert werden und die Synchronisation mit Evolution oder der KDE-PIM-Suite vornehmen.
  1. Klicken Sie neben Befehl zum Abgleich der Kontakte auf den Button Durchsuchen. Sie sehen im Auswahldialog viele Skripte, deren Namen mit "sync-" anfangen.
  1. Wählen Sie das richtige Skript für das Programm aus, das Sie als Kontaktverwalter verwenden. Wenn es KAddressbook ist, hilft sync-kaddressbook.sh weiter, bei Evolution ist es entsprechend sync-evolution.sh (Abbildung 4).

Abb. 4: Viele kleine Programme ermöglichen es Gtkpod, Kontakte und Termine mit einer Vielzahl von Programmen abzugleichen.
  1. Klicken Sie auf Ok und wiederholen Sie den Vorgang für Kalender und Notizen.
  1. Klicken Sie auf Anwenden und dann auf Ok, dann verschwindet der Gtkpod-Dialog.
  1. Über Werkzeuge / Kontake abgleichen testen Sie, ob die Abgleichfunktion richtig arbeitet. Hat alles geklappt, finden Sie anschließend auf Ihrem iPod Ihre Kontakte.

Fazit

Gtkpod beherrscht alles, was nötig ist, um den iPod zu "befüllen". Die Player-Funktion und die Verwaltung einer eigenen, lokalen Titeldatenbank sind allerdings nicht besonders komfortabel -- hier empfiehlt sich ein Blick auf andere Anwendungen wie Amarok [4], das ebenfalls mit dem iPod umgehen kann. (hge)

Infos
[1] Apple iTunes: http://www.apple.com/de/itunes/overview/
[2] Gtkpod: http://www.gtkpod.org
[3] Podcast-Artikel: Elisabeth Bauer, "Radio vom Küchentisch", EasyLinux 03/2006, S. 56 ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2006/03/056-podcasts/ -- auf der Jahres-CD
[4] Amarok: http://amarok.kde.org/

Auf der Heft-CD:


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