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Martin Loschwitz
Der iPod hat sich von einem teuren Nischenprodukt zu Apples absolutem Verkaufsschlager gemausert. Er hat allerdings einen kleinen Nachteil: Während Windows- und Mac-OS-Benutzer ihn einfach an den Computer anschließen und iTunes [1] automatisch startet, gucken Linux-Anwender zunächst in die Röhre: Das Apple-Tool iTunes gibt es nicht für Linux.
Linux-Benutzer haben trotzdem eine Chance, Musik auf ihren iPod zu kopieren. Die Lösung heißt Gtkpod [2] -- und weil der Linux-Weg zwar nicht ganz so komfortabel wie iTunes ist, dafür aber Features bietet, die iTunes nicht kennt, lohnt es sich, einen Blick auf Gtkpod zu werfen!
Mit Gtkpod kopieren Sie bequem Musikstücke oder Videos auf den iPod zu laden oder löschen sie. Außerdem erstellen und verwalten Sie Playlists mit allen Features, die iTunes unterstützt. Dazu gehören das Bewerten von Liedern und das Erstellen intelligenter Playlists.
Im Hintergrund nutzt Gtkpod ganz einfache Bordmittel der Linux-Distributionen: Um auf den iPod zuzugreifen, behandelt das Tool ihn genauso wie Windows und Mac OS auch.
Bei allen drei Systemen ist der iPod zunächst ein externes Laufwerk, genau wie eine externe USB-Festplatte oder eine CF-Speicherkarte, die mit einem Cardreader ausgelesen wird. Ist der iPod angeschlossen, greift iTunes unter Windows und Mac OS auf das iPod-Dateisystem zu, wovon der Benutzer nichts merkt.
Bei Linux läuft das ähnlich: Hier hängt das System automatisch den iPod ein, der Benutzer sagt Gtkpod dann, wo im System der iPod zu finden ist. Gtkpod modifiziert die Dateien auf dem iPod danach wie auf jedem anderen USB-Massenspeicher auch. Windows kann das native Dateisystem von Mac OS, HFS+, nicht lesen. Einen fabrikneuen iPod muss deshalb umformatieren, um ihn an einem Windows-Rechner zu betreiben. Linux liest HFS+ und das Windows-Dateisystem FAT, darum erübrigt sich hier das Formatieren eines Original-iPods.
Gtkpod gehört bei keiner der von EasyLinux unterstützten Distributionen zum Lieferumfang -- auf unserer Heft-CD finden Sie die benötigten Pakete. Installieren Sie diese, wie in der Anleitung zur Heft-CD beschrieben. Der Paketname ist bei allen vier Distributionen gtkpod.
Ist das Paket installiert, schließen Sie zunächst den iPod an Ihren Rechner an. Linux erkennt eine externe Festplatte und hängt sie in das Dateisystem ein. Suse- und Mandriva-Anwender finden den MP3-Player anschließend unter /media/Name_des_Laufwerks, Kubuntu-Freunde unter /mnt/Name_des_Laufwerks. Name_des_Laufwerks ist dabei der Name des iPod-Dateisystems; schauen Sie am besten in einem Datei-Manager-Fenster nach, welches neue Verzeichnis Linux nach dem Anschließen des iPods in /media oder /mnt erstellt.
Gtkpod kann sich nun bereits über die iPod-Bibliothek hermachen. Dazu gehen Sie wie folgt vors:
Die Gtkpod-Oberfläche ist nicht kompliziert und gut überschaubar. Nach der Gtkpod-Initialisierung klicken Sie links doppelt auf iPod von (Name), um eine komplette Liste aller Lieder auf dem iPod zu sehen (Abbildung 1).
Im linken Rahmen des Fensters erscheinen zudem alle Playlists, die auf dem iPod gespeichert sind. Unter Local legen Sie bei Bedarf intern für Gtkpod eine neue Musikbibliothek an, die das Programm anschließend als Basis für die Synchronisation mit dem iPod verwendet. Podcasts leistet das Gleiche für die populären Amateurradiosendungen namens Podcast [3].
Wählen Sie links eine Playlist aus, sehen Sie im rechten, dreigeteilten Bereich des Gtkpod-Fensters alle Interpreten, von denen Lieder vorhanden sind, alle Albennamen und darunter alle Lieder des jeweiligen Albums. Über die verschiedenen Registerreiter können Sie jedoch auswählen, in welchem Teil des Fensters das Programm welche Informationen anzeigt. Wählen Sie links oben beispielsweise Genre und rechts Titel, zeigt das Programm Ihnen unten eine Liste aller vorhandenen Titel sortiert nach dem Genre an.
Unter der Dateileiste sehen Sie die Navigationsleiste von Gtkpod: Hier erreichen Sie die wichtigsten Funktionen schnell über Buttons mit intuitiven Bezeichnungen.
Jetzt geht's los: Gtkpod verwendet ein pfiffiges System zum Speichern von Daten auf dem iPod: Alle Veränderungen, die Sie im Programm vornehmen, werden nicht unmittelbar auf den iPod übertragen. Das Programm merkt sich stattdessen die notwendigen Befehle und führt sie erst aus, wenn Sie auf den Abgleichen-Button klicken.
So kopieren Sie ein neues Lied auf den iPod:
Gtkpod unterstützt alle iPod-Generationen. Wenn Sie ein Gerät der vierten Generation in der "Foto"-Variante oder einen iPod der fünften Generation besitzen, können Sie mit Gtkpod und der oben beschriebenen Methode auch JPEG-Bilder auf den iPod kopieren.
Es ist auch möglich, Lieder, ganze Alben oder Fotos sowie Videos bei Bedarf zu entsorgen:
Gtkpod bietet viele Möglichkeiten zur Playlist-Verwaltung. Bereits auf dem iPod vorhandene Playlists zeigt es links an; wenn Sie lieber eine neue Playlist erstellen möchten, ist das aber auch kein Problem.
Möchten Sie mit Ihrem iPod ganz von vorne anfangen, hilft Gtkpod auch dabei: Es kann nicht nur Musikdatenbanken im Format des iPods anlegen, sondern auch die gesamte iPod-Verzeichnisstruktur neu erstellen (Abbildung 2).
| iPod als mobile Festplatte |
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Mobile Festplatten sind zwar nicht mehr so teuer wie früher -- wer einen iPod hat, braucht trotzdem keine: Mit Linux lässt sich das kleine Gerät nämlich wunderbar als mobile Platte einsetzen. Dazu ist nichtmal Gtkpod notwendig. Die Distribution erledigt nämlich das Wichtigste: Sie hängt den iPod in das Dateisystem ein -- danach können Sie bereits auf das iPod-Dateisystem schreiben. Öffnen Sie nach dem Anschließen des iPods das Verzeichnis, in das der iPod eingehängt ist. Legen Sie darin ein neues Verzeichnis an und wechseln Sie hinein. Hierhin kopieren Sie jetzt nach Belieben Dateien -- die iPod-Software wird sie nicht anrühren. Achten Sie darauf, dass Sie immer ein eigenes Verzeichnis außerhalb der iPod-Dateistruktur für Fremddateien anlegen! Weil die iPod-Firmware häufig Probleme bereitet, wenn sie statt gewohnter Lieder Fremddateien vorfindet, ist es sinnvoll, sie von den "blinden Passagieren" gar nichts wissen zu lassen. Ist Ihr iPod mit dem FAT-Dateisystem von Windows formatiert, verwenden Sie Ihre Festplatte wahlweise mit Windows, Mac OS oder Linux. |
Wie sein großes Vorbild iTunes hat Gtkpod Funktionen, die über ein einfaches Synchronisations-Tool hinausgehen. So lässt sich das Programm z. B. als normaler Audio-Player missbrauchen -- einen Track in der Playlist spielen Sie so ab:
Beachten Sie, dass Gtkpod nur Musikdateien abspielt. Videos und Bilder zeigt das Programm nicht an.
Gtkpod kann aber noch mehr -- schließlich bieten die iPods mittlerweile auch kleine Programme für einen Kalender, Kontakte und Notizen. Wenn Sie Evolution oder die entsprechenden KDE-Tools für Ihre tägliche Arbeit verwenden, sind Sie fein raus: Sie haben dann die Möglichkeit, mit Gtkpod die Daten auf den iPod zu kopieren. So wird das Gerät in kurzer Zeit zum halben PDA (Abbildung 3).
So richten Sie den Datenabgleich ein:
Gtkpod beherrscht alles, was nötig ist, um den iPod zu "befüllen". Die Player-Funktion und die Verwaltung einer eigenen, lokalen Titeldatenbank sind allerdings nicht besonders komfortabel -- hier empfiehlt sich ein Blick auf andere Anwendungen wie Amarok [4], das ebenfalls mit dem iPod umgehen kann. (hge)
| Infos |
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[1] Apple iTunes: http://www.apple.com/de/itunes/overview/
[2] Gtkpod: http://www.gtkpod.org [3] Podcast-Artikel: Elisabeth Bauer, "Radio vom Küchentisch", EasyLinux 03/2006, S. 56 ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2006/03/056-podcasts/ -- auf der Jahres-CD [4] Amarok: http://amarok.kde.org/ |
Auf der Heft-CD:
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Last modified: 2008-11-05 16:58
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