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Erschienen in EasyLinux 07/2006   »   Ausgabe bestellen

Billiger surfen mit ISDN und Modem

Ausgetrickst


Surfen über ISDN- oder Modem-Verbindungen wird beim Überschreiten der Provider-Tarifgrenzen schnell zum teuren Vergnügen. Least-Cost-Router wie Bongosurfer wählen stets den günstigsten Anbieter.

Thomas Leichtenstern

Auch in Zeiten, in denen DSL dank der stetig sinkenden Preise unaufhaltsam auf dem Vormarsch ist, hat der Internet-Zugang via Modem oder ISDN für viele Anwender seine Daseinsberechtigung -- teils notgedrungen, da viele Bereiche Ostdeutschlands noch nicht breitbandfähig sind, teils aus Kostengründen, weil sich der schnelle Anschluss unter Umständen einfach nicht lohnt.

Zugangsanbieter, so genannte Internet Access Provider, gibt es zwischenzeitlich wie Sand am Meer. Viele davon bieten ihren Kunden scheinbar verlockend günstige Tarife, die jedoch oft mit Haken und Ösen besetzt sind. Zum einen ändern sich diese Tarife oft stündlich -- aus dem vermeintlich günstigen Angebot wird dann ein überteuertes Surf-Vergüngen --, zum anderen kompensieren viele Anbieter ihre günstigen Minutenpreise mit teuren Einwahlgrundgebühren.

In beiden Fällen helfen Least-Cost-Router [2], die Kosten zu senken, indem sie den zum Einwahlzeitpunkt günstigsten Provider auswählen. Ein Vertreter davon ist das Java-basierte Programm Bongosurfer [1], das sowohl Modem- als auch ISDN-Nutzer (optional mit Kanalbündelung) günstig ins Netz bringt. Zu diesem Zweck bezieht Bongosurfer bei der ersten Einwahl des Tages die derzeit günstigsten Tarife von der Web-Seite http://www.billiger-surfen.de.

Abb. 1: Bongosurfer zeigt die stets aktuelle Liste der derzeit günstigsten Anbieter.

Beim Erreichen von Tarifgrenzen warnt das Programm vor der Preiserhöhung und trennt selbständig die Verbindung. Eine automatische Anmeldung beim nächstgünstigen Anbieter bringt das Programm jedoch genauso wenig mit, wie es Dial on demand beherrscht.


Dial on demand: Übersetzt bedeutet das "Wählen auf Anforderung". Technisch ist es ein Wächter oder Daemon, der Verbindungsversuche, zum Beispiel durch das Aufrufen einer Web-Seite, erkennt und automatisch die Einwahl in das Internet veranlasst.

Installation

Für alle von EasyLinux unterstützen Distributionen steht auf der Heft-CD ein entsprechendes Paket für die Installation über die grafische Installationsroutine Ihrer Distribution bereit. Da Bongosurfer in Java programmiert wurde, benötigt es zum Betrieb das so genannte Java Runtime Environment. Dieses finden Sie zusammen mit einer detaillierten Installationsanleitung ebenfalls auf der CD. Mandriva-Anwender ändern darüber hinaus die Zugriffsberechtigungen des Programms bs. Die einzelnen Schritte erklärt die Anleitung.

Vor dem ersten Start gilt es, die Zugriffsberechtigungen für Anwender festzulegen, die das Einwahlprogramm benutzen dürfen. Öffnen Sie dazu im Schnellstartfenster ([Alt-F2]) mit der Eingabe von konsole ein Terminalfenster. Darin werden Sie mit dem Aufruf su gefolgt vom Root-Passwort zum Anwender mit administrativen Rechten -- Kubuntu-Anwender tippen an dieser Stelle sudo su gefolgt vom Benutzerpasswort. Starten Sie nun mit dem Aufruf bongosetup das Skript zum Anpassen der Rechte. Den einfachsten Weg, das Setzen des SUID-Bit auf das Programm pppd, erledigen Sie mit der Eingabe von 2. Beachten Sie, dass alle User, denen die Internet-Einwahl gestattet wird, der Gruppe dialout angehören müssen. In den meisten Fällen erledigt das die Distribution beim Anlegen eines neuen Users jedoch selbsttätig, der Aufruf cat /etc/group in der Konsole verschafft jedoch Gewissheit. Hier sollte der Username der berechtigten Personen wie folgt vermerkt sein: dialout:x:16:Ihr Benutzername.

Konfiguration und Bedienung

Sie starten Bongosurfer je nach Distribution entweder über den K-Menü-Eintrag Internet / Internet Verbindung / Bongosurfer oder über ein Terminalfenster mit dem Aufruf bongosurfer als normaler Benutzer. Der Hauptbestandteil des Fensters besteht aus der Anbieterliste, die Bongosurfer bei der ersten Anwahl aktualisiert. An erster Stelle der Liste steht der momentan günstigste Anbieter, abhängig von den Einstellungen darüber.

Aktivieren Sie die Check-Box Surfzeit, berücksichtigt das Programm die Zeit in Minuten rechts daneben und ermittelt über Tarifgrenzen hinweg den günstigsten Provider.

Die Check-Box Einwahlgeb. aktiviert bzw. deaktiviert Anbieter mit Einwahlgebühren. Ein Klick auf das Feld 60/60 blendet Einträge ohne sekundengenaue Abrechnung aus. Die Kombination aus abgeschalteter Einwahlgebühr und sekundengenauer Abrechnung stellt die kostengünstigste Zugangsmöglichkeit zum kurzen Abholen von Mails dar. Nähere Informationen zum gewünschten Anbieter erhalten Sie mit einem Rechtsklick auf den entsprechenden Eintrag. Um Einträge aus der Liste zu entfernen, starten Sie über den Menüpunkt Optionen / Tarifauswahl den Tarif-Editor.

Ein Klick auf die Einträge der Spalte angezeigte Tarife markiert diese, über den Button >> verschieben Sie diese in die Spalte versteckte Tarife. Bongosurfer blendet diese zukünftig aus.

Vor der ersten Einwahl passen Sie Bongosurfer über das Fenster Einstellungen (Optionen / Einstellungen...) Ihren Bedürfnissen an. Unter dem Reiter Allgemein stellen Sie die Zugangsart (Modem/ISDN) ein, Verbindung enthält Optionen wie automatisches Trennen nach einer bestimmten Leerlaufzeit oder Verbindungsabbruch bei Tarifüberschreitung. Der Reiter Modem beinhaltet spezifische Einstellungen wie Ihr Modem anzusprechen ist. Üblicherweise müssen Sie diese nicht verändern. Da Bongosurfer nur so zuverlässig arbeitet, wie es die eingestellte Rechnerzeit zulässt, verfügt das Programm über Funktionen, die lokale Zeit mit einem externen Zeitgeber zu synchronisieren; diese erreichen Sie über den Reiter Zeitabgleich. Aktivieren Sie die Check-Box neben Systemzeit bei der Einwahl automatisch abgleichen, um die Funktion zu aktivieren.

Zur Einwahl in das Internet wählen Sie aus der Provider-Liste den gewünschten Anbieter und klicken dann auf den Button Verbinden. Da einige -- vor allem günstige -- Anbieter sehr niedrige Übertragungsraten anbieten, starten Sie zur Kontrolle das Fenster Traffic Monitor über den Menüpunkt Tools / Traffic. Es zeigt die Up- und Download-Geschwindigkeit in einem geteilten Balkendiagramm.

Abb. 2: Der Traffic-Monitor zeigt die Up- und Download-Geschwindigkeit grafisch an.

Zur Analyse der angefallenen Kosten öffnen Sie mit einem Klick auf den Button Kosten das gleichnamige Fenster. Dieses fasst die angefallenen Kosten nach Tag, Woche oder Monat zusammen und ermöglicht darüber hinaus die benutzerdefinierte Eingabe bestimmter Zeiträume. Möchten Sie zu einer festgelegten Zeit automatisch in das Internet einwählen, öffnen Sie über Tools / Timer das Timer-Fenster. Darin wählen Sie unter anderem den Anbieter und den Einwahlzeitpunkt. Eine Funktion zum zeitgesteuerten Trennen der Verbindung fehlt jedoch.

Fazit

Ähnlich wie viele Mobilfunkanbieter machen sich auch Internet Access Provider die Unkenntnis ihrer Kunden zunutze, um kräftig abzukassieren. Bei Tarifwechseln verteuert sich die Gebühr nicht selten um das Zehnfache oder mehr. Bongosurfer sorgt zuverlässig dafür, dass Sie nicht in solche Kostenfallen tappen. Bei der ersten Einwahl des Tages aktualisiert das Programm automatisch die Tarifliste, ein eingebauter Zeitabgleich synchronisiert die lokale Zeit mit der eines externen Time-Servers.

Abhängig von benutzerdefinierten Angaben wie der Online-Zeit ermittelt das Programm das jeweils günstigste Angebot. Bei Tarifwechseln informiert Bongosurfer den Anwender, und trennt anschließend die Verbindung. Zwar fehlen Funktionen wie Dial on demand und die automatische Wiedereinwahl über den nächstgünstigsten Provider, das trübt den positiven Gesamteindruck des Programms jedoch kaum. (tle)

Infos
[1] Bongosurfer: http://www.bongosoft.de
[2] Least-Cost-Router: http://de.wikipedia.org/wiki/Least_Cost_Router

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