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Erschienen in EasyLinux 07/2006   »   Ausgabe bestellen

Schnelle Aktionen ausführen

Wenn's eilt

Kristian Kißling


Dank Service-Menüs reduzieren Sie umständliche und häufig wiederkehrende Arbeitsschritte auf einen Mausklick. EasyLinux stellt die praktischen Helfer vor und erklärt, wie Sie selbst welche anlegen.

Es gibt nicht viele Menschen, die jeden Morgen ihr Fahrrad neu zusammenschrauben, bevor sie es benutzen. Linux-Anwender verhalten sich aber mitunter genau so -- sie erledigen wiederkehrende Aufgaben immer auf dieselbe umständliche Weise. Dabei gibt es unter Linux durchaus Wege, um solche Prozesse zu vereinfachen und Zeit zu sparen. Ein Weg führt über die so genannten Service-Menüs: Die erreichen Sie, indem Sie im Konqueror eine Datei auswählen und mit der rechten Maustaste das Kontextmenü aufrufen. Abhängig vom Typ der Datei eröffnet Ihnen der Eintrag Aktionen verschiedene Möglichkeiten, mit einer Datei umzugehen. Handelt es sich um ein Bild im PNG-Format, verwandeln Sie es zum Beispiel über den Eintrag Convert to (Konvertieren in) in das JPEG-Format oder machen es zum Hintergrundbild für Ihren Desktop, wofür Sie die Option Set as Background nutzen. Sie reduzieren so also mehrere Arbeitsschritte auf zwei Mausklicks. Abkürzungen wie diese gibt es zwar für zahlreiche Dateitypen, möglicherweise fehlt aber gerade die von Ihnen am dringendsten benötigte Aktion -- da müssen Sie wohl selbst ran.

Eigeninitiative

Ein recht einfaches Beispiel demonstriert, wie Sie eigene Service-Menüs basteln: Sie können das Beispiel natürlich auch auf andere Dateitypen und Anwendungen übertragen, wie zum Beispiel Bilder und Bildbetrachter. Stellen Sie sich vor, Sie haben nach der EasyLinux-Anleitung [1] den MPlayer inklusive sämtlicher Codecs installiert. Nun wollen Sie Ihre Videos mit einem Mausklick in das Kontextmenü abspielen (Abbildung 1). Dazu richten Sie das Service-Menü so ein, dass bei einem Rechtsklick auf einen Film im Kontextmenü der Eintrag Film abspielen erscheint, der automatisch den MPlayer aufruft.

Abb. 1: Dank Service-Menüs spielen Sie sämtliche Videoformate über einen Klick in das Kontextmenü ab. In diesem Fall brauchen Sie allerdings den MPlayer und sämtliche Codecs.

Zunächst zur Theorie: Service-Menüs sind nichts weiter als einfache Textdateien mit der Endung .desktop. Die Dateien legen Sie unter Suse Linux 9.3/ 10.0 im Verzeichnis ~/.kde/share/apps/konqueror/servicemenus ab, wollen Sie die Service-Menüs nur für sich selbst (lokal) nutzen. Andernfalls verschieben Sie die Dateien mit Root-Rechten in das Verzeichnis /opt/kde3/share/apps/konqueror/servicemenus: Sie gelten dann für alle Benutzer des Rechners (global). Anwender von Mandriva Linux 2006 finden das globale Verzeichnis unter /usr/share/apps/konqueror/servicemenus, Kubuntu-Nutzer finden es am selben Ort im Dateisystem. Die beiden Distributionen verfügen lediglich über ein globales Verzeichnis für Service-Menüs, ein lokales Verzeichnis legen Sie auf Wunsch unter ~/.kde/share/apps/konqueror/ an.

Mit diesen Schritten legen Sie ein MPlayer-Service-Menü in das globale Verzeichnis für Service-Menüs:

  1. Drücken Sie [Alt-F2] und geben Sie kdesu kate ein, um einen Editor mit Root-Rechten aufzurufen. Bei der Passwortabfrage geben Sie entsprechend Ihr Root-Passwort ein.
  1. Öffnen Sie die Datei audiocd_play.desktop, um sie als Vorlage für das neue Service-Menü zu benutzen (Abbildung 2).
  1. Wichtig: Speichern Sie die Datei unter einem anderen Namen ab, der soll mplayer.desktop lauten -- andernfalls überschreiben Sie möglicherweise das bereits vorhandene Service-Menü!

Abb. 2: Die Vorlage dient als Service-Menü für das Abspielen von Audio-CDs. Sie ändern die Werte so, dass der MPlayer Ihre Filme per Mausklick abspielt.

In der geöffneten Vorlage sehen Sie nun eine Reihe kryptisch anmutender Befehle, unterteilt in die zwei Bereiche: [Desktop Entry] und [Desktop Action Play]. Der erste Eintrag im oberen Bereich lautet ServiceTypes: Dort legen Sie fest, welche Dateitypen das Service-Menü behandelt. Sie rufen das K-Menü auf, starten das Kontrollzentrum und wechseln dann zum Reiter KDE-Komponenten / Dateizuordnungen. So erhalten Sie einen Überblick der auf Ihrem Rechner bekannten Dateitypen. Klicken Sie auf den Eintrag video, um die Dateizuordnungen zu diesem Bereich anzuschauen. Dort stehen unter anderem Einträge für die Dateitypen avi und mpeg. Nun haben Sie zwei Möglichkeiten: Wollen Sie sämtliche Videoformate dem MPlayer zuordnen, tragen Sie neben ServiceTypes einfach video/* ein, achten Sie aber darauf, kein Leerzeichen zu benutzen. Alternativ listen Sie -- durch Kommata getrennt -- ausgewählte Videoformate auf, zum Beispiel video/avi,video/mpeg,video/x-msvideo. Nutzer von Mandriva Linux 2006 schauen im K-Menü unter System / Einstellungen / KDE / Komponenten / Dateizuordnungen nach den vorhandenen Dateitypen. Unter Kubuntu finden Sie die Dateizuordnungen nur, wenn Sie den Konqueror öffnen und den Menüpunkt Einstellungen / Konqueror einrichten auswählen.

Unter Actions steht Play, lassen Sie das so stehen, eine deutsche Übersetzung fügen Sie weiter unten ein. Wollen Sie aber Play durch ein anderes Wort ersetzen, fügen Sie den Begriff auch in [Desktop Action Play] und unter Name=Play ein. Die Variable X-KDE-Priority=TopLevel verrät, dass der Eintrag direkt im Kontextmenü erscheint und nicht im Unterverzeichnis Aktionen -- dadurch erreichen Sie ihn schneller. Im Abschnitt [Desktop Action Play] fügen Sie dann, falls noch nicht vorhanden, eine deutsche Übersetzung für das englische Play ein:

Name[de]=Film abspielen

Einige Service-Menüs gibt es nur in englischer Sprache: Hat niemand den Text auf Deutsch übersetzt, zeigt das Service-Menü standardmäßig den englischen Text an. Im nächsten Schritt erweitern Sie den Eintrag im Kontextmenü um ein Icon. KDE bringt von Haus aus bereits eine Reihe von Icons mit, die finden Sie zum Beispiel im Verzeichnis:

/opt/kde3/share/crystalsvg/32x32/mimetypes

Das bekannte Video-Icon heißt video.png, der Eintrag in die Datei lautet in diesem Fall: icon=video, die Dateiendung lassen Sie einfach weg. Natürlich können Sie auch eigene Icons basteln, die Sie dann im oben genannten Ordner ablegen. Dazu benötigen Sie Root-Rechte, die Grafik muss 32 x 32 Pixel groß sein und im PNG-Format vorliegen (Abbildung 3).

Abb. 3: Mit Gimp erstellen Sie auch eigene Icons für Ihr Service-Menü. Erzeugen Sie ein Bild in der Größe 32 x 32 Pixel und speichern Sie es dann im PNG-Format.

Die Datei mplayer.desktop enthält nun fast alle wesentlichen Informationen. Was fehlt, ist eine Anweisung, um auch den MPlayer selbst zu starten: Die liefert am Ende der Datei der Eintrag Exec=mplayer %f, wobei die Variable %f den Namen der Videodatei an MPlayer übergibt. Das war es schon. Sie speichern die Datei ab, klicken mit der rechten Maustaste auf ein Video und im Kontextmenü auf den Eintrag Film abspielen. Nun zeigt der MPlayer den ausgewählten Film an -- tut er es nicht, fehlen vermutlich die korrekten Codecs.


Codecs: Filme sind in unterschiedlichen digitalen Formaten kodiert. Ein Video-Player braucht jeweils unterschiedliche Codecs, um diese Formate zu decodieren. Quicktime, Xvid und Real-Video gehören zu den bekannteren Codecs.

Fundgrube Internet

Wollen Sie eigene Service-Menüs anlegen, betrachten Sie am besten die vorhandenen DESKTOP-Dateien und lassen Sie sich von ihrem Aufbau inspirieren. Haben Sie es mit Anwendungen zu tun, die gleich mehrere Dateien zugleich öffnen, ergänzen Sie die Exec-Anweisung um ein großes %F. Welche Variablen Sie in den Service-Menüs noch einsetzen können, zeigt Tabelle 1. Das %U steht laut Dokumentation für eine URL: In diesem speziellen Fall handelt es sich aber nicht um eine Internet-Adresse, sondern um einen Ort auf dem lokalen Rechner, den Sie über den Konqueror erreichen.

Tabelle 1
VariableFunktion
%fEinzelne Datei öffnen
%F Eine Liste von Dateien öffnen
%u Eine URL öffnen
%U Eine Liste von URLs öffnen
%d Ein Verzeichnis öffnen, das eine bestimmte einzelne Datei enthält
%D Eine Reihe von Verzeichnissen öffnen, die verschiedene Dateien enthalten
%n Einzelne Datei (ohne Pfadangabe)
%N Eine Liste von Dateien (ohne Pfadangabe)

Wie so oft unter Linux begnügen sich die Anwender nicht mit vorgefertigten Service-Menüs, sondern stellen auch eigene Lösungen ins Internet [2]. Neben dem hier beschriebenen MPlayer-Beispiel finden Sie fünf weitere Service-Menüs aus dem Internet auf der Heft-CD, die Sie nun kennen lernen. Die Menüs installieren Sie übrigens recht bequem über ein Skript, eine Anleitung gibt es auf der Heft-CD.

Sehr beliebt ist das Service-Menü Color Folder (Abbildung 4). Da der Konqueror alle Ordner blau anzeigt, ist es oft schwierig, wichtige Ordner von unwichtigen zu unterscheiden. Mit dem Service-Menü hebt man die wichtigen Ordner farblich hervor und bastelt sich so ein farbiges Leitsystem für die Dateien im Home-Verzeichnis. Sie klicken mit der rechten Maustaste auf einen Ordner, wählen Aktionen / Einfärben und suchen dann eine Farbe aus. Eventuell drücken Sie zusätzlich [F5], um die Dateiansicht zu aktualisieren. Wollen Sie einen Ordner wieder blau einfärben, wechseln Sie nicht zur Farbe blau, sondern wählen Farbe entfernen.

Abb. 4: Farbige Ordner: Unter Mac-Nutzern sind sie schon länger bekannt und beliebt, unter Linux-Anwendern gelten sie zur als beliebtestes Service-Menü.

Das Open as User-Menü (Als Benutzer öffnen) ist hilfreich, weil Sie unter Linux mitunter Programme wie den Konqueror mit Root-Rechten oder als anderer Nutzer ausführen. Sie geben dann nicht mehr in die Kommendozeile kdesu konqueror ein, sondern klicken mit der rechten Maustaste auf das gewünschte Programm und wählen Aktionen / Open as user. Anschließend geben Sie an, als welcher Benutzer Sie das Programm starten wollen, und nach Eingabe des Passworts läuft das Programm mit den Rechten eines anderen Nutzers.

Eher spaßorientiert kommt das Service-Menü View as ASCII daher, das auch den MPlayer voraussetzt. Es zeigt Ihnen Filme im ASCII-Modus, was bedeutet, dass die Bilder lediglich aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen bestehen. Der Effekt ist recht beeindruckend, Sie erkennen immer noch, was der MPlayer gerade zeigt (Abbildung 5). Aus dem Aktionen-Menü wählen Sie dazu Als ASCII anschauen.

Abb. 5: Filme im ASCII-Format schauen: Der Effekt ist eher ein Spaß, über ein Service-Menü nutzen Sie diese Möglichkeit des MPlayers.

Digital fotografiert mittlerweile fast Jeder, in vielen Fällen legt die Kamera die aufgenommenen Bilder im JPEG-Format auf dem Speicher-Chip ab. Ein Problem tritt dabei mitunter auf: Bei Aufnahmen im Querformat kriegen Betrachter vor dem Monitor steife Hälse, weil sie den Kopf in die Horizontale biegen. Praktische Abhilfe leistet das Service-Menü Rotate JPG. Es dreht Ihre Bilder im Konqueror in eine gesündere Position, allerdings gilt das nur für Bilder im JPEG-Format. Über das Menü Aktionen / Transform Image (Bild umwandeln) erreichen Sie vier Optionen: Sie drehen das Bild im oder gegen den Uhrzeigersinn oder kippen es vertikal bzw. horizontal. Mandriva-Anwender installieren vorher aber über RpmDrake das Paket jpeg-progs-6b nach.

Ebenfalls nachlegen müssen Sie, um das Service-Menü XMMS Add Directory zu nutzen, dass Verzeichnisse mit Musikdateien in Play-Listen verwandelt. Dafür installieren Sie zunächst den Audio-Player Xmms über Ihren Paket-Manager. Sie klicken dann mit der rechten Maustaste auf einen Musikordner und finden unter dem Eintrag Aktionen die beiden Optionen Play with XMMS (mit Xmms abspielen) und Enqueue in XMMS (an Xmms-Play-Liste schicken). Der erste Eintrag spielt die Musik sofort ab, über die zweite Option setzen Sie die Stücke auf die Play-Liste von Xmms. Der Vorteil: So ersparen Sie sich das Erstellen so genannter M3U-Dateien.


Play-Liste: Eine Warteliste für Musikstücke, die der Audio-Player als nächstes abspielen soll.
M3U: Eine M3U-Datei fasst Musikdateien in Form einer Liste zusammen. Da viele Audio-Player M3U-Listen verstehen, genügt ein Klick auf die Datei, um sämtliche Musikstücke in der Reihenfolge abzuspielen, wie sie die M3U-Datei festlegt.

Fazit

Auch ohne die Heft-CD liefern die Distributionen bereits eine Reihe nützlicher Service-Menüs mit: Sie verwandeln über einen Mausklick beliebige Bilder in Hintergrundbilder, verschlüsseln Dateien oder erzeugen CDs mit K3b. Ausgefallenere Service-Menüs finden Sie im Internet, müssen allerdings mitunter -- wie im Fall von Xmms -- zusätzliche Programme installieren, um die Menüs zu nutzen. Packen Sie häufig wiederkehrende Arbeitsschritte in Service-Menüs, spart das nicht nur Zeit, sondern Sie nutzen auch die Vorteile eines frei konfigurierbaren Betriebssystems wie Linux. (kki)

Infos
[1] MPlayer einrichten: Marcel Hilzinger, "Filmvergnügen. MPlayer spielt jeden Film ab.", EasyLinux 07/2005, S. 18f.
[2] Service-Menüs im Internet:http://www.kde-look.org/index.php?xsortmode=new&page=0

Auf der Heft-CD:


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