claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 08/2006   »   Ausgabe bestellen

Buchtipp

Ulrich Bantle und Mathias Huber


Dickes Suse-Buch mit Schwächen

Mit "Suse Linux 10.x" legen Gabriele und Robert Schoblick bereits ihr viertes Buch zur Linux-Distribution mit dem grünen Chamäleon vor. Das mehr als 700 Seiten dicke Taschenbuch widmet sich zunächst der Installation. Die Autoren erklären einsteigertauglich Gerätenamen unter Linux und das Anlegen von Partitionen. Ausführlich bebilderte Anleitungen zum Einrichten von X-Server, Drucker und Internetzugang vervollständigen den ersten Buchteil, der den Leser zum einsatzbereiten Linux-System führt. Auf der beiligenden DVD findet er Suse Linux 10.0 in einer Testversion ohne Supportanspruch.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der praktischen Arbeit unter Linux: Eigene Kapitel widmen sich Anwendungen wie dem Grafikprogramm Gimp, Audioprogrammen und OpenOffice. Allerdings bewegen sich diese Abschnitte auf niedrigem Niveau -- wer beispielsweise eine wissenschaftliche Arbeit mit der freien Bürosoftware plant, sollte zu einem OpenOffice-Buch greifen.

Daneben vermitteln die Schoblicks Grundwissen: Sie führen den Leser durch die Linux-Verzeichnishierarchie und erklären den Unterschied zwischen virtuellen Konsolen und den virtuellen Arbeitsflächen grafischer Desktop-Umgebungen. Das Kapitel "Arbeiten auf der Shell" stellt die wichtigsten Kommandozeilenprogramme vor. Der Buchanhang bietet eine Befehlsreferenz, deren Einträge allerdings so knapp sind, dass sie zumindest für Anfänger nutzlos sind.

Die Verfasser bieten viel Information, setzen jedoch häufig die falschen Prioritäten: Sie schicken in den meisten Abschnitten zu viel theoretisches Grundwissen voraus, bevor sie den Leser mit den praktischen Hinweisen bedienen, die er als Einsteiger benötigt. Gegen Ende des Buchs erfahren Fortgeschrittene, wie sie einen Samba-Server betreiben -- praktisch für Heimanwender, die auch Windows-Rechner im Netzwerk haben. Den ebenfalls beschriebenen Apache-Webserver dürften sie aber kaum benötigen.

Zudem fällt unangenehm auf, dass die Autoren ihr Buch nur halbherzig aktualisiert haben: Beispielsweise behandeln sie ausführlich die Konfiguration analoger Modems für die serielle Schnittstelle -- für manche Leser sicher nützlich. Dass dafür aber der DSL-Anschluss mit dem verbreiteten Verfahren PPPoE (PPP over Ethernet) fehlt, ist unverzeihlich. Drucker hängen in diesem Werk noch bevorzugt an der Parallelschnittstelle, das Netzwerkkapitel beginnt mit BNC-T-Stücken -- kein gutes Zeugnis für ein Linux-Buch aus dem Jahr 2006.

Info

Suse Linux 10.x
Gabriele Schoblick, Robert Schoblick
BHV, 2006
3-8266-8169-X
19,95 Euro
http://www.bhv-buch.de


Linux-Schüler aufgemerkt!

"Linux lernen mit Ubuntu", der Titel des Buchs von Jörg Kreß und Julian Zeidler verspricht viel. Wer das Werk parallel zu Installation und Betrieb von Ubuntu liest, hält ein in vielen Zweifelsfällen hilfreiches Buch in der Hand. Für einen Abschluss im Fach Linux dürfte der Inhalt aber nicht ausreichen. Schon Erklärungen zu Dateisystem, Ordnerstruktur und Kommandozeile sind im Linux-Lehrbuch als "für Fortgeschrittene" gekennzeichnet. Vielleicht war das für den Titel aus der Reihe "O'Reilly Basics" passendere Wörtchen "Einstieg" schon auf zu vielen Buchdeckeln abgedruckt.

Dennoch: Fußangeln, wie sie die Partitionierung der Festplatte für den Parallelbetrieb von Windows und Linux darstellen, oder der Eingriff ins BIOS für das Booten von der beiliegenden Kombination aus Live-DVD und Installationsmedium umgeht der Leser ohne Stolpern. Und die ersten Schritte auf dem ungewohnten Linux-Parkett macht die adressierte Zielgruppe der Ein- und Umsteiger an der sicheren Hand der Autoren. Der Lernwillige erfährt Wissenswertes zu Gnome, Arbeitsflächen und Anwendungen. Selbst der Internetzugang per ISDN-Modem dürfte mit dieser Installationsanleitung klappen. Die Konfiguration des DSL-Zugangs überlassen die Autoren dagegen weitgehend Ubuntu -- die in der Regel funktionierende Hardware-Erkennung des Systems rechtfertigt dieses Vorgehen.

Zum Lernstoff des Linux-Schülers zählen auch Kapitel zu populären Anwendungen wie dem Browser Firefox, dem Büroprogramm OpenOffice und dem Grafikprogramm Gimp. Das hat wohl dazu verleitet, auf die Titelseite die Ankündigung "Alle OpenSource-Programme erklärt" zu schreiben. Gelänge dies dem Autorengespann auf 286 Seiten, hätte das Buch das Zeug zur Open-Source-Bibel.

Den galoppierenden IT-Zyklen ist geschuldet, dass auf der Heft-DVD nicht die versprochene "aktuelle Ubuntu-Version" liegt. Die Veröffentlichung von Ubuntu 6.06 (Dapper Drake) im Juni hat dem im Februar erschienen Büchlein mit Ubuntu 5.10 die erste Staubschicht aufgetragen. Die beschriebenen Strategien für die Partitionierung der Festplatte oder die Tipps zu Anwendungen -- wie etwa für das E-Mail-Programm Evolution -- leiden aber nicht darunter. Der Datenträger aber liefert nur nicht mehr den Mehrwert, sich Download und Brennen einer CD sparen zu können.

Info

Linux lernen mit Ubuntu
Jörg Kreß und Julian Zeidler
O'Reilly, 2006
3-89721-438-5
19,90 Euro
http://www.oreilly.de

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2021 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2008-11-05 17:01

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community]