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Heike Jurzik
Linux-Systeme, die komplett von CD-ROM oder DVD laufen, gibt es mittlerweile für verschiedene Einsatzzwecke und Rechnerarchitekturen. Viele dieser Distributionen setzen auf den Vorreiter der Live-Systeme auf: Knoppix [1], benannt nach seinem Erfinder Klaus Knopper ("Knopper's Unix"), gibt es bereits seit 2002. Version 5.0.1 der auf Debian basierenden Distribution erblickte am 2. Juni die Welt und liegt dieser EasyLinux-Ausgabe als DVD bei.
Auf der CD-Variante befinden sich in komprimierter Form ca. 2 GByte Software; die DVD als "Maxi"-Edition kommt sogar mit insgesamt 9 GByte Software. Mit dabei sind Kernel 2.6.17, X.org 7.0, KDE 3.5.2, Gnome 2.14 und OpenOffice 2.02. Außerdem hat Knoppix natürlich Texteditoren, Multimedia-Programme inklusive MP3/Ogg- und Video-Player, Webbrowser, Mail- und Bildbearbeitungsprogramme im Gepäck. Eine vollständige Auflistung aller enthaltenen Pakete finden Sie unter [2].
Die Live-Distribution bringt eine automatische Hardwareerkennung mit und eignet sich ideal zum Ausprobieren von Linux -- ohne Risiko. Wer viel auf Reisen ist, nimmt seine Knoppix-DVD einfach mit; zusammen mit einem USB-Stick oder einer Diskette sind sogar die persönlichen Einstellungen und die eigenen Daten mit dabei. Knoppix eignet sich darüber hinaus ideal zur Datenrettung, wenn beispielsweise der Rechner einmal streikt -- auf der DVD befinden sich neben gängigen Diagnosetools auch Anwendungen zur Datensicherung.
Dieser Workshop zeigt, wie Sie Knoppix von der Heft-DVD booten, auf Festplattenpartitionen und USB-Geräte zugreifen und die eigenen Daten sowie die Konfiguration des Live-Systems sichern. Weiterhin erfahren Sie, wie Sie die Distribution mit dem Knoppix-Installer fest auf Ihrer Festplatte installieren und dann auch ohne die DVD nutzen können.
Damit Knoppix auf Ihrem PC flüssig läuft, brauchen Sie eine Intel-kompatible CPU (ab i486), mindestens 96 MByte RAM für die grafische Oberfläche (128 MByte, wenn Sie mit Office-Anwendungen arbeiten), ein bootfähiges DVD-Laufwerk und eine Standard-SVGA-kompatible Grafikkarte.
Legen Sie die Heft-DVD ein und starten Sie den Rechner neu. Nach kurzer Zeit sollte der Knoppix-Bootscreen erscheinen (Abbildung 1). Startet der Rechner nicht von DVD, überprüfen Sie die Einstellungen im BIOS (Basic Input Output System). Achten Sie dazu beim Hochfahren des Rechners auf entsprechende Meldungen, wie das BIOS zu erreichen ist, z. B. über [F1], [Entf] oder [F2]. Ändern Sie die Bootreihenfolge so, dass das DVD-Laufwerk als First Boot Device ausgewählt ist, speichern Sie die Änderungen und verlassen Sie das BIOS.
Drücken Sie [Eingabe] oder warten Sie 60 Sekunden, um Knoppix zu starten, und nach kurzer Zeit sehen Sie die grafische Oberfläche und können direkt loslegen. Optional geben Sie am Boot-Prompt spezielle Parameter an, die den Knoppix-Start beeinflussen. Mit diesen so genannten Cheatcodes
und vieles mehr. Drücken Sie [F2] bzw. [F3], um eine Hilfe zu diesen Cheatcodes einzublenden und den Timer für den automatischen Bootprozess zu stoppen; zurück zum Startbildschirm geht es mit [F1].
Eine vollständige Liste aller Cheatcodes finden Sie auf der Knoppix-DVD in der Datei knoppix-cheatcodes.txt im Verzeichnis KNOPPIX; die Tabelle Knoppix-Cheatcodes zeigt zudem eine Übersicht der praktischsten Starthelfer an.
Die Cheatcodes geben Sie hinter dem Doppelpunkt des Bootprompts ein. Dabei können Sie mehrere Parameter kombinieren, so startet zum Beispiel der Aufruf
boot: knoppix desktop=gnome dma lang=fr
die Live-DVD mit DMA-Beschleunigung in französischer Sprache; als grafische Arbeitsumgebung startet Knoppix statt KDE den Gnome-Desktop.
| Knoppix-Cheatcodes | |
| knoppix lang=bg|be|ch|cn|cs|cz|da|de|dk|es|fi|fr|ie|it|ja|nl|pl|ru|sk|tr|tw|uk|us | Schaltet die Sprache/das Tastatur-Layout um, z. B. knoppix lang=fr, um auf französische Sprache und Tastatur umzuschalten. |
| knoppix desktop=gnome|fluxbox|icewm|openbox|twm|wmaker|xfce|xfce4 | Startet eine andere grafische Oberfläche anstelle von KDE, z. B. ruft knoppix desktop=gnome die Gnome-Desktopumgebung auf den Plan. |
| knoppix screen=1280x1024 | Startet mit der angegeben Auflösung 1280x1024. |
| knoppix dma | Aktiviert die DMA-Beschleunigung ("Direct Memory Access") für das Knoppix-Startlaufwerk. |
| knoppix myconf=/dev/sda1|myconf=scan | Bootet mit eigener Konfiguration; die Festplattenpartition können Sie genau angeben oder durch myconf=scan automatisch suchen lassen. |
| knoppix floppyconfig | Liegen die persönlichen Einstellungen auf einer Diskette, geben Sie diesen Parameter beim Start an. |
| knoppix home=/dev/sda1/knoppix.img|home=scan | Bindet das eigene Homeverzeichnis beim Knoppix-Start ein; auch hier geben Sie entweder den genauen Aufenthalt des Images im Dateisystem an oder lassen Knoppix automatisch suchen. |
| knoppix mem=128M | Mit dieser Option geben Sie die genaue Größe des Arbeitsspeichers (hier 128 MByte) an, falls Knoppix diese nicht richtig erkennt. |
| knoppix noeject | Wirft die CD beim Herunterfahren nicht aus. |
| knoppix noprompt | Fordert nicht zum Entfernen der CD auf. |
| failsafe | Startet Knoppix ohne Hardwareerkennung. |
| knoppix splash | Statt Textmeldungen tanzt beim Hochfahren des Systems ein Pinguin über den Bildschirm. |
| knoppix toram | Bei ausreichend RAM ist es möglich, Knoppix komplett aus dem Hauptspeicher laufen zu lassen -- das sorgt für mehr Performance. |
| knoppix tohd=/dev/hda1 | Überträgt ein Abbild des Systems auf eine Festplattenpartition (hier /dev/hda1); ausreichend Festplattenplatz muss vorhanden sein. Seit einiger Zeit ist es sogar möglich, eine NTFS-Partition zum Speichern des Images auszuwählen. Nachdem das System gestartet ist, können Sie die DVD aus dem Laufwerk nehmen und dieses für andere Zwecke nutzen. |
| knoppix fromhd=/dev/hda1 | Nachdem das Knoppix-Abbild auf die Festplattenpartition übertragen wurde, reicht es beim nächsten Systemstart aus, es durch diesen Cheatcode zu laden; den Device-Namen passen Sie entsprechend an. |
| failsafe | Bootet Knoppix fast ohne Hardwareerkennung. |
| expert | Interaktive Systemkonfiguration für Experten |
Da Knoppix standardmäßig nur lesend auf die Festplattenpartitionen zugreift, ist es theoretisch möglich, zum Beenden einfach den Ausschaltknopf des Rechners zu benutzen (mehrere Sekunden gedrückt halten). Arbeiten Sie mit einem festen Homeverzeichnis oder speichern Sie Ihre Knoppix-Konfiguration regelmäßig (wie weiter unten im Artikel beschrieben), ist es sinnvoll, das System "sauber" herunterzufahren:


KDE steht für "K Desktop Environment" -- es ist eine von zwei großen Desktopumgebungen für Linux (Abbildung 2). Am unteren Bildschirmrand befindet sich die Kontrollleiste mit Knöpfen für das K-Menü, das Knoppix-Menü, die Fensterliste, und Schnellstartern für verschiedene Anwendungen sowie dem Umschalter für virtuelle Arbeitsflächen und dem Systemabschnitt (von links nach rechts).
Eine Besonderheit stellt das Knoppix-Menü dar, das sich hinter dem Button mit dem Pinguin versteckt: Hierüber haben Sie schnellen Zugriff auf viele Knoppix-spezifische Funktionen und richten bequem per Mausklick Hardware, Netzwerk und Serverdienste ein.
Zugriff auf die Festplatten (-partitionen), CD-/DVD- und Diskettenlaufwerke bietet der Desktophintergrund: Klicken Sie ein Symbol einmal mit der linken Maustaste an, um das Gerät lesend ins Dateisystem einzuhängen. Das Icon verändert sich -- dass die Partition "gemountet" ist, erkennen Sie am kleinen grünen Pfeil in der linken unteren Ecke. Gleichzeitig öffnet sich ein Fenster des Dateimanagers Konqueror mit dem Inhalt des Datenträgers. Stecken Sie ein neues USB-Gerät ein, öffnet sich ein Dialogfenster, das nachfragt, was mit dem Medium passieren soll (Abbildung 3).
Die zweite große Desktopumgebung an Bord heißt Gnome und ist lediglich auf der DVD-Variante der Distribution (also auch auf der EasyLinux-DVD) zu finden. Sie gelangen zu dieser grafischen Arbeitsumgebung, indem Sie als Cheatcode beim Booten
knoppix desktop=gnome
eingeben (Abbildung 4). Am oberen und unteren Bildschirmrand finden Sie jeweils eine Kontrollleiste, Panel genannt. Programme starten Sie aus dem Menü Anwendungen links oben heraus. Daneben bietet Orte schnellen Zugriff mit dem Dateimanager Nautilus auf Ihr Home-Verzeichnis (Persönlicher Ordner), lokale Datenträger und Laufwerke, die über das Netzwerk erreichbar sind.
Den Gnome-Desktop konfigurieren Sie über System / Einstellungen, und unter System / Systemverwaltung finden Sie Einstellungsmöglichkeiten für Benutzer und Gruppen, Datum und Uhrzeit, Drucker, das Netzwerk und vieles mehr. Auf dem oberen Panel befinden sich außerdem zwei Schnellstartknöpfe für den Webbrowser Epiphany und den Personal Information Manager Evolution. Ganz rechts sehen Sie die aktuelle Uhrzeit; ein Klick auf die Zeit öffnet einen Kalender.
Das untere Panel beherbergt ganz links einen Knopf, der Ihnen freie Sicht auf den Desktop verschafft. Daneben zeigt die Fensterleiste geöffnete und minimierte Anwendungen an, und ganz rechts sehen Sie den Umschalter für die virtuellen Arbeitsflächen.
Anders als bei KDE gibt es unter Gnome kein spezielles Knoppix-Menü, über das Sie die wichtigsten Einstellungen vornehmen könnten. Wählen Sie etwas aus dem System-Menü aus, um den Rechner einzurichten, fordert Gnome ein Root-Passwort an, das standardmäßig nicht gesetzt ist. Das holen Sie nach, indem Sie ein Terminalfenster öffnen und nacheinander die folgenden Kommandos eingeben:
knoppix@6[knoppix]$ sudo -s root@6[knoppix]# passwd Enter new UNIX password: Retype new UNIX password: passwd: Kennwort erfolgreich geändert
Springt unter Gnome der Screensaver an und fragt nach einem Kennwort für den Benutzer Knoppix, ist ebenfalls guter Rat teuer, denn auch für diesen Account ist standardmäßig kein Passwort gesetzt. Hier bleibt nur ein Ausflug auf die Konsole, z. B. mit [Strg-Alt-F2]. Am Prompt des Benutzers Root geben Sie
passwd knoppix
ein, setzen das Kennwort für den Benutzer knoppix, gehen mit [Strg-Alt-F5] zur grafischen Oberfläche zurück und entsperren dann den Bildschirm. Der Gnome-Desktop unter Knoppix ist nicht so einsteigerfreundlich wie die KDE-Variante -- zu vieles erfordert gute Linux-Kenntnisse. Im Folgenden geht der Artikel daher ausschließlich auf KDE und dortige Menüstrukturen ein.
Knoppix unterstützt die meisten Netzwerkkarten, so dass die Einrichtung ein Kinderspiel ist:


Wer den Knoppix-Rechner über WLAN, Modem, ISDN oder DSL mit dem Internet verbinden möchte, findet die nötigen Tools ebenfalls im Knoppix-Menü. Sämtliche Serverdienste, wie z. B. SSH oder Samba, werden nicht automatisch gestartet -- wer diese Services anbieten möchte, startet sie über das Knoppix-Menü / Server-Dienste.
Im K-Menü unter Internet finden Sie viele Programme zum Surfen, Chatten, Mailen und News lesen (Abbildung 5). Die meisten Anwendungen bieten gute Handbücher, so dass die Einrichtung und Benutzung kein Problem darstellen sollte.
Sämtliche persönlichen Daten landen unter Linux im so genannten Homeverzeichnis -- neben den eigenen Daten finden Sie im eigenen Zuhause private Konfigurationsdateien für die jeweiligen Programme. Wenn Sie Knoppix nicht nur zum Schnuppern, sondern öfter verwenden, ist es angenehm, die eigenen Daten immer dabei zu haben. Zu deren Sicherung eignet sich ein USB-Stick am besten. Es ist zwar auch möglich, die Daten auf Diskette abzulegen, dort ist allerdings nicht ganz so viel Platz. Als dritte Ablagemöglichkeit bietet sich ein Bereich auf der Festplatte an -- wenn Sie Konfiguration und Daten allerdings auch auf anderen Rechnern verwenden wollen, ist der USB-Stick die bessere Wahl.
So gehen Sie vor, um die eigenen Daten auf einem Memorystick zu speichern und beim nächsten Start wieder einzubinden:

Beim nächsten Rechnerstart tippen Sie am Bootprompt den Cheatcode:
boot: home=/dev/sda
Sie sehen die Meldung, dass ein permanentes Homeverzeichnis gefunden wurde. Beachten Sie, dass Sie mit einem permanenten Homeverzeichnis das System, wie im Abschnitt Knoppix richtig beenden beschrieben, jedesmal sauber herunterfahren, da ständig Lese- und Schreibzugriffe auf den USB-Stick stattfinden. So geben Sie Knoppix die Chance, vorher aufzuräumen und die Daten zu speichern.
Ähnlich einfach gestaltet sich die Speicherung der Knoppix-Systemdaten, d. h. der Änderungen, die Sie mit Hilfe der Werkzeuge im Knoppix-Menü vorgenommen haben. Auch hier empfiehlt sich ein Memorystick:
boot: knoppix myconfig=scan
Checking /media/sda for KNOPPIX configuration file... Found, now executing /media/sda/knoppix.sh Extracting config archive /media/sda/configs.tbz
Die Knoppix-DVD bringt einen eigenen Installer mit, mit dem Sie das System in wenigen Schritten auf der Festplatte installieren. Die folgenden Schritte beschreiben eine Installation auf einer bereits vorbereiteten, freien Partition. Hinweise zum Einbau einer zweiten Festplatte lesen Sie unter [3], und mehr zur Bedienung des Partitionierungstools QtParted, das auch Teil von Knoppix ist, erfahren Sie im Artikel [4].
knx2hd
Nachdem das Skript die Daten auf die Platte kopiert hat, können Sie eine Bootdiskette erstellen -- für den Fall, dass beim Einrichten des Bootloaders etwas schiefgeht. Anschließend starten Sie den Rechner neu. Nach kurzer Zeit sehen Sie den Loginmanager (Abbildung 6), und Sie können den bei der Installation angelegten Benutzeraccount jetzt anmelden -- viel Spaß mit Knoppix. (hge)
| Infos |
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[1] Knoppix-Homepage: http://www.knopper.de
[2] Vollständige Liste aller Knoppix-Pakete: ftp://ftp.uni-kl.de/pub/linux/knoppix/packages-dvd.txt [3] Eine zweite Festplatte einbauen: Elisabeth Bauer, "Platz da! Festplatte einbauen und partitionieren unter Linux", EasyLinux 12/2003, S. 30 ff., http://www.easylinux.de/2003/12/030-platteneinbau/ [4] Artikel zu QtParted: Max Werner, "Scheibenwelt -- Festplatten nachträglich an die eigenen Bedürfnisse anpassen", EasyLinux 06/2005, S. 46 ff., http://www.easylinux.de/2005/06/046-qtparted/ |
Auf der Heft-CD:
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Last modified: 2008-11-05 17:01
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